Spanien: Ein Volk leidet. Und wird langsam wütend.

2. Oktober 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Es ist wieder kühler geworden auf Mallorca – nach dem heißesten Sommer seit 30 Jahren. Die Insel erholt sich gerade von acht Millionen Urlaubern. Dennoch sind die Hotels noch gut gebucht, heißt es. Hinsichtlich der Urlauberzahlen 2012 sah es in diesem Jahr erfreulich aus. Aber es hilft nichts mehr. Ein Wirtschaftsweiser ruft „Alarmstufe Rot“ aus…

Neue Rekorde bei Temperatur und Touristenzahlen schlagen sich nicht mehr in der balearischen Wirtschaftszahlen nieder. Es wäre ein überkommenes Geschäftsmodell, auf den Tourismus zu setzen und kein Garant für mehr Wohlstand, meint Antoni Riera, Leiter des Wirtschaftsforschungszentrums CRE der Balearen-Universität. Ja, was dann? Kernforschung?

Mallorca hat nichts anderes als Tourismus und ist abhängig von ausländischen Geldströmen – und ist damit verletzlich wie die deutsche Exportindustrie. Im letzten Jahr wuchs die Wirtschaft der Baleareninsel noch um offizielle 0,3 Prozent. Im ersten Halbjahr sackte sie wieder um ein halbes Prozent abwärts, trotz aller Jubelrufe aus dem Ministerium für Glück und Wahrheit.

Glück hatte Mallorca, dass es in einigen anderen Urlaubsregionen unlängst Unruhen gegeben hat. Darauf bauen sollte die Insel nicht. Oder gerade deshalb. Mag sein, dass Mallorca im spanischen Verbund noch auf der Sonnenseite steht im Vergleich zum spanischen Festland, wo es nach stockfinsterer Nacht aussieht. Seit dem Platzen der Immobilienblase, angefacht mit zu billigem Geld der EZB und zugleich einer viel zu starken Währung für die Wirtschaft, greift auch hier die Armut für alle sichtbar immer weiter um sich, während die Preise steigen und steigen.

Dass die Zinsen jetzt noch niedriger stehen, haucht der alten Blase kein neues Leben ein. Um sich neu verschulden zu können, sind die Privatleute viel zu stark verschuldet, um überhaupt einen Kredit zu bekommen. Kontoüberziehungen schlagen inzwischen mit 29 Prozent Zinsen zu Buche. Kredite? Wie wäre es mit dem Zurückzahlen?

Während irgendwo immer wieder irgendwelche Erfolge der Sparpolitik der spanischen Regierung gefeiert werden, muss das den Spaniern wie blanker Zynismus vorkommen. Mit 25 Prozent Arbeitslosenquote geht Spanien auf Befehl der EU vor die Hunde. Das Konzept für die Sanierung heißt: Steuern rauf. Kaufkraft runter. Subventionen runter. Kollabiert die Wirtschaft, beginnt eine neue Runde der Diät. Und noch mal…

Ich würde das Land und die Insel nicht aufgeben, wenn der ESM auch für die konjunkturelle Entwicklung ähnlich wie die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau beginnt, Milliarden an Hilfen zu geben – natürlich gegen die eine oder andere politische Gegenleistung. Aber das dauert noch. In Krisen lassen sich viele Stellschrauben neu justieren. Es wird erwartet, dass Spanien an diesem Wochenende unter den „Rettungsschirm“ schlüpft. Allein die Zinslast frisst rund ein Drittel des Haushaltes auf. Ab 30 Prozent, so die Erfahrung, heißt es „Ende Gelände“. Doch die Nachschuldner stehen inzwischen schon bereit.

Im kommenden Jahr muss Spanien Anleihen in Höhe von 207,2 Milliarden Euro neu aufnehmen, um alte Anleihen abzulösen. Eigentlich braucht Spanien einen Schuldenschnitt – und zwar einen für Staat, Banken und Private – doch das Land sitzt so in der Patsche und muss sich von außen umbauen lassen.

Inzwischen aber treibt die Sparpolitik die Leute in die Verzweiflung und dank der etwas angenehmeren Temperaturen zu Hunderttausenden auf die Straße. Was haben sie zu verlieren außer ihre Sparketten? In den örtlichen Zeitungen war jetzt von nur 6.000 Demonstranten in Madrid die Rede. Die Zählweise erinnert stark an Statistikmethoden in der DDR. Viele Spanier haben es satt, ihren Ministerpräsident Rajoy mit Zigarre in seinem Mund zu sehen, aus dem es damals vor der Wahl allerhand Versprechenungen rieselte, die er inzwischen alle gebrochen hat oder brechen musste.

Hier auf Mallorca nennt man die Demonstranten ürbigens „Indignados“ (Die Empörten“), „Politisch Motivierte“ oder auf der Internetseite des Inselradios auch mal „Meute“. In Palma sollen es 400 Demonstranten gewesen Leute gewesen. Dazu singt Madonna im Livestream „La isla bonita“.


Wirtschaftlich gesehen, weht den Mallorcinern der kalte Wind der Depression schon seit 2008 immer stärker ins Gesicht. Die Sparprogramme der spanischen Regierung und Steuererhöhungen auf das Alltägliche erledigen jetzt den Rest. Dabei scheint es unerheblich, dass in diesem Jahr bislang 7,9 Millionen Urlauber die Insel besuchten. Sie lassen aber viel zu wenig Geld hier, auch wenn es 2012 nominal mehr sein wird. Woher soll das frische Geld auch kommen? Einen Airbus mit Mario Draghi an Bord, der frische Euroscheine abwirft, wurde auch noch nicht gesehen. Dabei wäre das doch so einfach. Leider ist der Normalspanier keine ins Schlingern geratene Bank mit Systemrelevanz. Wenn die spanische Regierung heute Geld ausgibt oder neue Schulden aufnimmt, dann fließen die Mittel in dunkle Kanäle, die landläufig als „Bankenrettung“ bezeichnet wird. Offiziell fehlen spanischen Banken 60 Milliarden Euro.

„Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann“, könnte Rajoy sagen, „sondern was Du für Deine Bank tun kannst!“ Das hätte aber noch mehr Leute auf die Straße gebracht und zu einem zusätzlichen Verlust an Gummigeschossen im Fundus der Polizei. Kann ja noch kommen…

Alleine im August wurden weit über zwei Milliarden Euro durch den Tourismus in die balearische Wirtschaft gespült, so viel wie in keiner anderen spanischen Region, berichtet das Statistikamt. Pro Kopf gab ein Tourist mit fast 1.000 Euro etwas mehr aus als im Jahr zuvor, teilte das spanische Industrie, Energie- und Tourismusministerium mit. Keine Ahnung, wie diese Zahlen zusammen gekommen sind. Vermutlich basieren sie auf steigenden Kosten für Autovermietung, Flüge und Treibstoffe. Die Jubelstimmung kommt zu früh.

Doch es gibt Auch Anlässe der Hoffnung: Investitionen in den Konsum. Hola! Der Media Markt eröffnet im November ein neues Geschäft in Palma mit 100 neuen Arbeitsplätzen. Dafür gab es 12.000 Bewerber. Wer dann das Geld in den Elektronik-Tempel schleppen wird? „Man nimmt mit, was man kriegen kann“, ein Satz, den auch Diebe kennen. Die soziale Lage auf der Insel verschlechtert sich von Quartal von Quartal proportional zur Kriminalstatistik.

Zum 1. September stieg der spanische Mehrwertsteuersatz von 18 auf 21 Prozent und der ermäßigte Steuersatz von acht auf zehn Prozent. Letzterer trifft vor allem den Tourismus. Man hätte ja davon ausgehen können, dass der August wegen der Vorzieheffekte bombastisch hätte ausfallen können, aber alle Theorie in der Wirtschaft blieb grau. Nix Vorzieheffekte. Die Kaufkraft ist offenbar am Ende.

Und in Madrid? Trotz aller Versprechungen stieg das spanische Defizit in den ersten acht Monaten um gigantische 23,8 Prozent auf 50,1 Milliarden Euro an – oder auf 4,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Vier Monate sind aber noch übrig. Dennoch kann die spanische Regierung ihr Defizitziel von 6,3 Prozent erreichen, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn, was natürlich unmöglich ist – oder nur durch Bilanzierungstricks erreichbar wäre. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Hilfen als ein „externes Defizit“ eingestuft und auf die normale Neuverschuldung nicht angerechnet würden. Willkommen in der Realitätsberechnung von Dingen, in denen Schulden umdeklariert werden, vielleicht sogar in Guthaben. Man kann heute nicht mehr sicher sein, aber staunen garantiert.

P.S. Meine Lieblings-Schlagzeile aus einer Mallorca-Zeitung ist übrigens: „Wer in Palma ins Kino geht, der spart“. Mallorciner würden entgegnen: Wer gar nicht ins Kino geht, der spart erst richtig.

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13 Kommentare auf "Spanien: Ein Volk leidet. Und wird langsam wütend."

  1. crunchy sagt:

    …Da blutet Einem, der mitfühlt, das Herz. Bis heute habe ich es abgelehnt die Wirtschaftswunder-Putzfraueninsel, eben wegen des damit vermittelten Prestiges, zu besuchen. Mit der Schönheit der Insel und der Gastfreundlichkeit der Bewohner hatte das rein gar nichts zu tun. Der zunehmende Wohlstand der Besucher, gespiegelt auch in Balenario 6, verleitete diese denn auch zur vor dem Fall kommenden Überheblichkeit: Die Löhne sind denen der Gäste davongelaufen. So weit, dass man nur noch Golf-Club-Touristen haben wollte. Nach dem Boom folgt der Doom.
    MeinerEiner hat´s mal andersrum gemacht: Deutschlands grösste Insel, leider am Montag, den 25.09.89, als in Leipzig, wie die VoPo glaubhaft berichtete, 60(!) Verirrte vor der Nikolaikirche irgendetwas von einem Aufruhr im Bienenkorb skandierten, immer noch mit dem antimperialistischen Schutzwall umgeben, in den vergangenen 10 Jahren regelmaessig im Herbst besucht.
    Immerwieder logierte ich in Sassnitz, um mir gerade dort die Entwicklung anzuschaun, vielleicht auch mal ´nen Euro zu wagen. Kurzum: Es lief, wie es laufen musste: Viel bewegt, optisch was erreicht. Viel Korruption. Viel Stolz auf das Erreichte. Prozesse, Pleiten und der Doom. Leute, bleibt wie Schustern, bei Eurem Leisten! Wenn Ihr dann mal was übrighabt:
    Machts wie die Schwäbische: Goldstückchen für Goldstückchen, nicht wie die Uckermärkische: Bond für Bond!

  2. FDominicus sagt:

    Ich sehe hier ein großes Problem. Nicht nur für die Spanier. Meines Erachtens ist dieses Problem, einem systematischen Problem geschuldet. Der beliebigen Erzeugbarkeit von „Geld“. Dennoch glaube ich nicht, daß es einen anderen Weg geben kann als die Kreditexpansion zu beenden. Entweder man aktzeptiert das oder man stellt sich dagegen und wird dann mit einer zerütteten Währung bestraft.

    Was den Spaniern jetzt passiert wird auch uns betreffen. Es spielt eben doch eine Rolle wieviel Schulden es gibt. Nehmen wir einfach mal an Spanien hätte statt 800 Mrd an Schulden 100 Mrd. Wäre das ein Problem? Ich denke wir würden uns dann über andere Länder unterhalten.

    Das 25% arbeitslos sind liegt sicher nicht an der „Faulheit“ sondern ehre an den gesetzlichen Rahmenbedingungen. Wenn halt der Staat immer mehr der Leistungen für sich in Anspruch nimmt, bleibt eben der Private auf der Strecke.

    Ich persönlich finde Herr Meyer trifft es mit
    „Seit dem Platzen der Immobilienblase, angefacht mit zu billigem Geld der EZB und zugleich einer viel zu starken Währung für die Wirtschaft, greift auch hier die Armut für alle sichtbar immer weiter um sich, während die Preise steigen und steigen.“

    ziemlich genau. Nur mit der „viel“ zu starken Währung gehe ich nicht konform. Denn es würde ja meinen mit eine schwachen Währung gäbe es dieses Problem nicht (oder nicht in dieser Form). Nun dann gäbe es aber etwas anderes. Weitaus stärkere Inflation und Defizite mit der Druckerpresse decken. Also auch nicht etwas wirklich anderes.

    Die Währung Euro ist nicht zu stark sondern die Anforderungen des Staates und auch dessen Bewohner zu hoch. Das viele Geld was aus den Strukturfonds ebenfalls noch nach Spanien floß, hat den Boom ja noch „befeuert“. Nur kann es nicht überraschend sein, daß diese „Schein“boom ein Ende findet.

  3. Futur sagt:

    Das Hauptproblem in den Südländern ist die horrend hohe Arbeitslosenquote. In Spanien z.B. sind 25 Prozent, unter den Jugendlichen über 50 Prozent, arbeitslos. Hier helfen die bekannten Werkzeuge sowohl der Politik als auch der Ökonomie nicht weiter. Denn sowohl eine Beschäftigung im öffentlichen Sektor als auch ein groß angelegtes Konjunkturprogramm kosten Steuergelder.

    Die zentrale Frage ist also, wie möglichst kostenneutral Arbeitsplätze entstehen können. An dieser Stelle würde die Forderung einer Umverteilung tatsächlich nur kurzfristig helfen. Denn die Arbeitslosen alleine sind nicht in der Lage, Produkte herzustellen, die in einem Weltmarkt konkurrenzfähig wären.
    Kein noch so gutes Gesetz, keine ökonomische Theorie vermag in einer solchen Situation, Millionen von dringend benötigten Arbeitsplätzen zu schaffen.

    Die Lösungen können nur innovativen, durchaus unkonventionellen Ansätzen liegen. Es muss ein Umdenken stattfinden, hin zu einer möglichen schrittweisen Verbesserung der Ausgangslage, bekannt auch als „Stückwerk-Technologie“ von Karl Popper.

    Viele Grüße
    Futur

    • FDominicus sagt:

      „Die zentrale Frage ist also, wie möglichst kostenneutral Arbeitsplätze entstehen können.“

      Ich denke das ist unmöglich. Jeder Arbeitsplatz kostet beim Schaffen erst mal. Was helfen sollte, wäre so viele wie mögliche Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Speziell auch für Investoren. (Egal woher Sie denn nun kommen). Es gehört dazu aber auch eine gewisse Risikobereitschaft. Hier befürchte ich, hat das Vergrößern des Staatsapparates viel Schaden angerichtet.

      Auf der anderen Seite kann ich nicht verstehen, warum es z.B. für gefragte Berufe und Branchen problematisch sein könnte einen Arbeitplatz zu finden. Wenn es doch gut ausgebildete Informatiker, Ingenieur geben sollte, sollte es für die doch möglich sein Arbeit zu finden oder selber Arbeitplätze zu schaffen.

      Mir fehlt irgendwie das Verständnis, wieso speziell die Jugendarbeitslosigkeit so hoch sein kann. Kann da irgend jemand etwas zu schreiben?

      • Avantgarde sagt:

        „Mir fehlt irgendwie das Verständnis, wieso speziell die Jugendarbeitslosigkeit so hoch sein kann. Kann da irgend jemand etwas zu schreiben?“

        Ein spezieller Faktor in Spanien ist, daß mit dem Bauboom nach der Euro-Einführung auf dem Bau eben viele Jobs entstanden, die nun weggefallen sind.

        Ausserdem war das Berufsbild vieler junger Menschen eben auch Bau-bezogen.
        Vom Dachdecker, Mauer bis zum Ingenieuer.

        Ansonsten freilich das übliche Neo-Liberale Programm: Wir sparen uns in die Krise….

        Während man in D Kurzarbeitergeld gezahlt hat und Abwrackprämien ins Volk gestreut hat nötigt man die Nachbarn wie Spanien, GR.. beim Staat, den Unternehmen und im Privaten gleichzeitig zu sparen.
        Welch ein Wahnsinn 🙁

        • crunchy sagt:

          Ich ?denke? mal, es liegt am spanischen Wesen. Spanien hatte es bisher nie für nötig befunden, sich breit aufzustellen. Im Mittelalter hat man halt Gold und Silber geklaut. Später feudale Monokulturen betrieben (Bananen auf trocknen Inseln!). Als Reisen billiger wurde, ermöglichte der Tourismus das schnelle Geld. Dass hier schon weit vor der Einführung des € weit über Bedarf gebaut und Natur ruiniert wurde, störte Niemanden. Die Fehler aus den Achtzigern wurden dann, als man was Neues brauchte und wegen billiger Kredite bekam, wiederholt: Für´s schnelle Geld muss man nicht forschen, auch nicht studieren. Nun platzt halt das Bläschen mal wieder. Aber, alles nicht so schlimm: Die Deutschen zahlen per „Versailles ohne Krieg“ die Rechnung. Zumindest die derer, die mit dem Bläschen ihr Geld gemacht haben. Die Normalos werden einfach verheizt.

  4. jodler sagt:

    Ich bin 2007 mit dem Auto die ganze Küste von Malaga, bis Gibraltar gefahren. Ab Mabella, war ein Baukran am anderen. Da sah man schon, dass es nicht gut gehen kann. zur Korruption, die ja den Griechen immer vorgehalten wird. Ich habe 6 Monate in Spanien gearbeitet und in der Zeit wurde die Bürgermeisterin von Marbella mit der Sekretärin zusammen verhaftet, wegen Korruption, also überall gleich. Ich habe noch nie so viele Bauvorhaben gesehen, klar das die Blase platzt.

  5. samy sagt:

    In den letzten Tagen liest man öfter, dass die Preise in Griechenland für überlebenswichtige Güter steigen. Das stimmt nachdenklich, weil es insbesondere bei Lebensmitteln geschieht. Wo ist hier die Deflation, also Preissenkung auf diesen Teilmärkten?Wo ist der „War for Liquidity“ für Milch und Honig? Wo die sinkenden Preise, weil die Hersteller um die letzten Kunden buhlen.

    Warum steigen die Preise bei überlebenswichtigen Gütern sogar?

    1. Weil die Banken Kredite nicht mehr vergeben, die Unternehmer bereits entspart haben, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich nun vom Verbraucher die Finanzierung von Schulden über höhere Preise zu organisieren. Die Kreditvergabe kommt zum erliegen? Die Preise steigen. Depression führt zu Preissteigerungen auf den überlebenswichtigen Teilmärkten. Oder?
    2. Die Preissteigerung bei unverzichtbaren Gütern wird dazu führen, dass die Verbraucher an anderer Stelle sparen müssen oder Ersparnisse einsetzen, wollen sie den Lebensstandard halten. Das eine ist Gift für die Hersteller von relativ verzichtbaren Konsumgütern und deren Händlern wie etwa Waschmaschinen oder Autos und das andere ist Gift für die Banken, schmelzen doch die Kundeneinlagen dahin oder gehen „Waschmaschinenhändler“ bankrott. Beides wirkt verstärkend auf Punkt 1.
    3. Wie man bei Querschüsse die letzten Tage lesen kann, sinkt die Zahl der Autoverkäufe derzeit rapide, und zwar auf breiter Front. Meiner Meinung nach ein Hinweis darauf, dass sich die Präferenzen der Verbraucher ändern, es sei denn die Preise für Treibstoff und Nahrung sinken ebenfalls. Hat hier einer Zahlen darüber, wie es bei den Preisen für überlebenswichtige Güter in Südeuropa aussieht? Wette,die steigen.
    4. Der Staat muß die Steuern immer schneller erhöhen, will er die Schulden senken. Schließlich sinken die Steuereinnahmen in einer Depression, er hat keine andere Wahl, außer den Bankrott. Mehrwertsteuererhöhungen, Steuern auf Energieträger, Stellenabbau im öffentlichen Dienst usw. Das hat Einfluss auf alle drei oben genannte Punkte.

    So, nun ist das ganze für viele hier furchtbar trivial.

    Aber die Auswirkungen sind bedrohlich. Die Preise für überlebenswichtige Güter steigen anscheinend in einer Depression.

    VG

  6. Hagen aus Dresden sagt:

    zu diesem Thema wären 2 Filme aus dem ARTE Themenabend zu empfehlen: zum Einen „der große Reibach“ und zum Anderen „der Tanz der Geier“ … beide Filme sind in der ARTE Mediathek einsehbar… und sie erklären in einer ungewönlichen Schärfe, was hier in den letzten Jahren gelaufen ist und noch läuft, das es keinen ruhig bleiben lässt!

  7. samy sagt:

    Und hier noch einer aus der Rubrik, was ist wenn ein ein Goldkomet die Erde trifft?:

    http://www.finews.ch/news/finanzplatz/9650-super-bakterie-soll-gold-produzieren

    Wir denken uns unseren Teil und lassen uns den Schlaf nicht verderben.

    VG

  8. gerd sagt:

    Das ganze Szenario erinnert leider an Griechenland.
    Mit einem Satz: Das Land wird kaputtgespart ohne Rücksicht auf Verluste,mit Ausnahme der Rücksicht auf die Banken.
    Es gab bereits viele Berichte über tägliche Haus- und Wohnungsenteignungen, Besetzung leerstehender Wohnungen durch mittellose Bürger, die sich anders nicht zu helfen wussten. Vor einigen Wochen gab es Demonstrationen in Barcelona mit dem Aufruf, Katalonien solle sich von Spanien loslösen. In etwa jeder 4.te junge Spanier soll arbeitslos sein.
    Es gibt bereits ganze Familien in denen sämtliche arbeitsfähigen Mitglieder ohne Arbeit sind.
    Spanien sitzt bereits auf einem Pulverfass und wenn es so weitergeht kann man sich ausmalen, dass dieses vermutlich auch explodieren wird.

  9. spanien sagt:

    Es wäre ein überkommenes Geschäftsmodell, auf den Tourismus zu setzen und kein Garant für mehr Wohlstand, meint Antoni Riera, Leiter des Wirtschaftsforschungszentrums CRE der Balearen-Universität. Ja, was dann? Kernforschung?
    ———————————————————————–
    Die sollten sich mal ein Beispiel an den Kanaren nehmen, da klappt´s doch mit dem Nachbarn und dem Tourismus.

    Am Beispiel Kanaren sehen wir das die (zumindest die Bürgermeister) vorausschauend sind und die spanische Regierung genehmigt Ölbohrungen vor Lanzarote, trotz der vielen Proteste der Einwohner der Kanaren. Aber das macht ja nichts, schließlich werden dabei alle reich, hoffen sie!
    Eine Reiseagentur zu diesem Thema meinte:
    Ein einziger Fehler auf einer Bohrinsel könnte für viele Jahre den kompletten Zusammenbruch der Hotelbetriebe bzw. der ganzen Tourismusbranche auf beiden Inseln darstellen. Ferner könnte eine negative Reaktion der Touristen – von denen die Familien von Lanzarote und Fuerteventura auf direkte oder indirekte Weise abhängen – sogar eintreten, nachdem ein eventuelles Problem bereits gelöst wurde. Und das würde die Kanarischen Inseln als Reiseziel insgesamt beeinträchtigen, wie es bereits in Florida passierte, als 75 % der Reisen storniert wurden, bevor das Öl die dortigen Küsten erreichte.

    Youtube:Protest gegen Ölsuche vor Teneriffa

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