S&P 495 im Fokus…

22. Juni 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Liebe Leser, wie Sie ja wissen, stellen wir oft, ja eigentlich immer nur Fragen. Und wir wundern uns auch. Ja, wir leben in einem Zeitalter von Wundern. Und das Ganze ist so paradox, ja auch betrügerisch, dass es jegliches normale Maß weit überschreitet. Heute werfen wir hier im Tagebuch einen Blick auf den Aktienmarkt, ehe wir uns der derzeit extrem beliebten Thematik „Bitcoin“ widmen….

Nur fünf Gewinneraktien

In den letzten vier Jahren kamen fast alle Börsengewinne in den USA von nur fünf großen Technologieaktien – Facebook, Apple, Microsoft, Amazon und Google (jetzt Alphabet). Ja, liebe Leser, sie lesen richtig. Es waren nur eine Handvoll Aktien.

Und diese fünf haben sich seit 2012 verdreifacht. Allein in diesem Jahr sind sie im Durchschnitt um weitere 25% gestiegen. Wie hat sich der Rest des Marktes entwickelt?

Owen Williams, inspiriert vom Herausgeber des Gloom, Boom & Doom Reports, Marc Faber, hat nun folgendes gemacht. Er hat diese Top-5-Aktien aus dem S&P 500 einfach herausgenommen. Und er hat ermittelt, wie sich der S&P 495 in dieser Zeit ohne diese fünf Technologie-Schwergewichte entwickelt hat?

Also, wie sieht nun die Entwicklung des S&P 495 seit 2012 konkret aus? Nun, seit 2012 stieg der Index ohne die „Big 5“ um „magere“ 25 Prozent … oder ca. 5% pro Jahr. Die Big Five legten um 226% zu. Das ist in etwa das Neunfache dessen.

Der Kurs dieser fünf großen Unternehmen legte aber nicht deswegen so stark zu, weil sie in der Zeit ihre Gewinne so extrem steigern konnten. Der Großteil des Zuwachses der Marktkapitalisierung rührt vom „Phänomen“ der Expansion der Bewertungsmuliple her. Kurz und einfach erklärt läuft es darauf hinaus, dass die Anleger bereit sind bzw. waren, mehr für jeden erwirtschafteten Dollar Gewinn pro Aktie zu zahlen.

Herr Williams ging noch einen Schritt weiter. Er legte die fünf Einzwerte zusammen und ermittelte das KGV dieser Gruppe. Da Ergebnis ist mehr als bemerkenswert. Investoren sind bereit, für die „Big Five“ ein unglaublich hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 59,4 zu bezahlen. Das ist mehr als doppelt so hoch wie beim S&P 495.

Welt der Wunder

Extrem bemerkenswert ist auch, dass die Investoren bereit sind, für das „Privileg“ zu bezahlen, in japanische oder Schweizer Staatsanleihen investieren zu dürfen. Und sie bezahlen auch fast $ 3.000 eine Einheit Bitcoin – eine Krypto „Währung“, die sie weder sehen noch in ihren Händen halten können, um damit Lebensmittel zu kaufen. Also warum sollten sie nicht bereit sein, 60 Jahre zu warten, bis die Big Five Unternehmen genug verdient haben, damit die ursprüngliche Investitionssumme wieder verdient ist?

Und was ist das? Ein weiteres Wunder!

Jetzt gibt es anscheinend die ersten Probleme bei den Kursen der Big Five. Der Apple-Kurs gab jüngst sechs Prozent vom letzten Hoch ab. Sicherlich gibt es einen weiteren Schuh, der in den Tech-Sektor fallen wird. Wir würden uns nicht wundern, wenn der Schuh aus Stahl wäre und den Sektor wieder auf den harten Boden der Tatsachen nach unten ziehen würde.

Wir kehren an der Stelle zu einem der Wunder unserer Zeit zurück. Nämlich zur Entwicklung der sog. Kryptowährungen. Ihr Redakteur ist auf dem Feld ja nicht wirklich nicht in aller Tiefe infomiert. Dennoch ist er insofern von Enthusiasten umgeben. Jedenfalls wurde uns zugetragen, dass einer unserer ehemaligen Analysten momentan wohl das große Los gezogen hat. Ein anderer junger Analyst erzählte uns nämlich folgendes:

„Oh, Mann … er hat irre viel Geld mit Bitcoins verdient. Jetzt befindet er sich auf einem ausgedehnten Urlaub auf den Fidschi-Inseln.“

Ist Bitcoin in einer Blase?
von Bill Bonner

Unser junger Analytiker in Buenos Aires erzählte uns dazu folgendes: „Dieser Kerl stellte eine Reihe von Computern in unserem Büro in Buenos Aires auf; zu der Zeit, als die Regierung den Preis der Elektrizität niedrig hielt. Und er hat sie gebraucht. Seine Computer lösten die komplexen mathematischen Puzzles, die erforderlich waren, um Bitcoin-Transaktionen zu verifizieren … und er wurde in neuen Bitcoins im Gegenzug dafür vergütet.“
Unser Analyst erzählte weiter.

„Und das war zur der Zeit, als der Preis für den Bitcoin im Pfennigbereich war. Jetzt sehen wir, wie der Preis um mehr als 100 Dollar an einem Tag steigt. Ich meine, es ist unglaublich. Wussten Sie, dass aus 1.000 in Bitcoin investierten Dollars in den letzten sieben Jahren 90 Millionen Dollar geworden sind?

Goldgräberstimmung

„Und Bitcoin ist nicht das einzige Krypto-Spiel da draußen. Es gibt beinahe täglich neue Emissionen von Alternativwährungen (ICOs). Grundsätzlich verkaufen Krypto-Startups sog. „Krypto-Token“. Sie sammeln damit Geld ein, um ihren Geschäftsbetrieb zu finanzieren; ähnlich wie Unternehmen neue Aktien ausgeben, um ihre Geschäfte durch IPOs oder Privatplatzierungen zu finanzieren. Und nicht alle von ihnen geben Geld oder eine Alternativwährung aus.

Kreative Startups

„Zum Beispiel gab es vor kurzem ein ICO für ein Unternehmen, das es möglich macht, Ersatz-Speicher auf Ihrem Computer zu mieten. Das ist für Menschen gedacht, die zusätzlichen Speicherplatz benötigen. Ein anderes Startup versucht, grundlegende finanzielle Dienstleistungen für die 2,5 Milliarden Menschen auf der Welt, die keinen Zugang zu einem Bankkonto haben, zu erbringen.“

„Und eine andere Emission hat dazu beigetragen, ein Unternehmen zu finanzieren, das Online-Anzeigen künftig obsolet machen will; stattdessen sollen die Webseiten direkt für den gewünschten Inhalt bezahlt werden. Dieses Startup hat in nur 30 Sekunden 36 Millionen Dollar eingesammelt.“

„Es gibt derzeit über 800 Kryptowährungen. Die Kryptowährung, die ich am liebsten mag, ist aktuell an der zweiten Position; es handelt sich um Ether. Das Ganze hat nichts mit einer Währung zu tun. Grundsätzlich haben die Entwickler mit Ether den ersten dezentralisierten „Weltcomputer“ geschaffen.“

Betrüger werden angelockt

„Natürlich gibt es in dem Umfeld auch viele grobe Betrügereien,“ fuhr unser junger Analytiker fort.

„In jeden Sektor, der heiß ist und hohe Gewinne verspricht, kommen irgendwann die Gauner. Das sind nämlich genau die Jungs, die Bergbau-Unternehmen in einem Gold-Boom verkaufen … Tech-Unternehmen in einem Tech-Boom … und Kryptowährungen in einem Krypto-Boom.“

Bitcoin-Blase?

Dennoch stellt sich nach der unglaublichen Entwicklung folgende entscheidende Frage: „ist jetzt Bitcoin in einer Blase?“ Unser Analyst meinte, dass das durchaus der Fall sein könnte. Er fuhr wie folgt fort:

„Ich wäre sicher nicht überrascht, wenn die Preise wieder abstürzen. Aber ich gebe an der Stelle auch folgendes zu bedenken. Die Leute sagten, es sei eine Blase, als Bitcoin bei einem Dollar stand. Sie sagten, dass es eine Blase sei, als der Preis die 100 Dollar Marke erreichte. Und dann sagten sie das Gleiche wieder bei 1.000 Dollar.“

„Langfristig wird Bitcoin – oder irgendeine Version davon – sich in welcher Form auch immer etablieren. Und es wäre nicht überraschend, wenn der Preis von Bitcoin langfristig betrachtet in Richtung $ 5.000 … oder $ 10.000 steigen würde.“

Virtuelles Gold

Natürlich stellt sich auch die Frage, warum Bitcoin langfristig selbst nach dem atemberaubenden Anstieg durchaus noch Steigerungschancen aufweist. Unser Analyst brachte es auf den Punkt:
„Es ist eine bessere Form des Geldes.

Denken Sie daran, der Schöpfer von Bitcoin war ein großer Fan des Goldstandards. Virtuelles Gold – das wollte der Schöpfer ja damit ursprünglich schaffen. Deshalb ist das Gesamtangebot an Bitcoins auf 21 Millionen begrenzt. Es muss endlich, limitiert wie Gold sein, um Wert zu haben.“
Quelle: Kapitalschutz-Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

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3 Kommentare auf "S&P 495 im Fokus…"

  1. Avantgarde sagt:

    Eure Journalistenkollegen auf finanzmarktwelt.de haben es mit dem Begriff – FANTASIA – sehr schön auf den Punkt gebracht.

    Facebook
    Amazon
    Netflix
    Tesla
    Alphabet
    SalesForce
    Intel
    Apple

    🙂

    Und noch ein nettes Detail zu all den neuen Wunderwährungen der Kryptowelt.
    Die High-End Graphikkarten sind wohl knapp ist bei Heise zu lesen – es wird geschürft was das Zeugs hält.
    Blase – Neeee. Die wollen nur spielen 🙂
    Wenn das mal gut geht….

  2. FDominicus sagt:

    Soll jeder Bitcoin halten wie er will, ich bleibe bei physischem Gold – fertig.

  3. Argonautiker sagt:

    Neben dem wirtschaftlichen Aspekt, daß nur noch Facebook, Apple, Microsoft, Amazon und Google Gewinner an den Aktienmärkten waren, und auf Kryptowährungen ein run stattfindet, zeigt mir dies, daß man sich scheinbar von der wirklichen Welt abkehrt, und auf die virtuelle Welt setzt.

    Allerdings,- kann man es vor allen Dingen den Menschen verdenken, die ihr „Bergfest“ noch nicht gefeiert haben, wenn sie sich in eine Parallelwelt flüchten? Welche Zukunft gibt es denn in absehbarer Zeit?

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