Soziale Unruhen, die Folgen – und das Finanztest-Glücksspiel (von Manfred Gburek)

2. Januar 2010 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Nachdem der Goldpreis erwartungsgemäß wieder über 900 Dollar je Unze gestiegen ist, wende ich mich heute ausnahmsweise dem aktuellen Thema Nummer eins der Deutschen zu: soziale Unruhen. Denn es hängt indirekt mit dem Thema Inflation zusammen und dieses wiederum mit dem Thema Gold. Dem Edelmetall werde ich heute zum Schluss noch einige Worte widmen, und zwar aus einem weiteren aktuellen Anlass: Die Zeitschrift Finanztest hat dazu gleich mehrere Böcke geschossen…

Wie ernst soll man die Warnungen vor sozialen Unruhen nehmen? Sehr ernst, auf jeden Fall viel ernster, als nach den jüngsten Äußerungen von Präsidentschaftsbewerberin Schwan und DGB-Chef Sommer (incl. den daraufhin lawinenartigen, extrem gereizten Reaktionen zahlreicher Politiker) zu befürchten wäre. Denn die Konflikte sind schon längst ein internationales Phänomen (was unter anderem die Mittelmeer-Anrainer unter den EU-Ländern und die Kanaren von Seiten der afrikanischen Bootsflüchtlinge deutlich zu spüren bekommen). Sie werden in Deutschland von Politikern durch die Neiddiskussion geschürt („zu hohe“ Managergehälter, „böse“ Steuerhinterzieher, bald womöglich auch „unsoziale“ Vermieter), die wirkliche Zahl der Arbeitslosen (nicht nur die laut Statistik) wird noch vor der Bundestagswahl dramatisch steigen, und später droht die Inflation.

Macht der Mob erst einmal die Straßen unsicher, werden Politiker zu den – bisher nur scheinbar bewährten – üblichen Mitteln und Methoden greifen: mehr soziale Leistungen (möglichst finanziert durch die „Reichen“), Steuererhöhungen, zusätzliche Staatsschulden sowie weitere Konjunkturprogramme, dann anstelle der problematischen Abwrackprämie solche von der Sorte „Infrastruktur“ und „Klimaschutz“ (am besten beide kombiniert), das Ganze begleitet von ständigen Aufrufen zur Solidarität. Was am Ende dabei herauskommt, steht in den Sternen. Als sicher kann auf jeden Fall gelten, dass weder Politiker noch Zentralbanker noch internationale Institutionen (IWF, Weltbank, BIZ u.a.) wirklich wissen, was von wem in welcher Reihenfolge jetzt zu tun sei, nur um die größten Probleme zu bewältigen. Und was den Mob betrifft: In Großbritannien ist er längst auf Banker losgegangen, hat ihre Autos und Villen beschädigt; in Frankreich sind wilde Streiks und Geiselnahmen en vogue. Deutschland kann wahrlich keine Insel der Seligen bleiben.

Dass in Anbetracht solcher Zustände Sicherheit groß geschrieben wird, kann da nicht verwundern. Nur sollten Sie gerade jetzt aufpassen, dass Sie als Anleger nicht auf die eine oder andere Schein-Sicherheit hereinfallen. Dazu braucht man nicht unbedingt zum x-ten Mal die isländische Kaupthing Bank mit ihren gelackmeierten deutschen Kunden zu erwähnen, Schein-Sicherheit gibt es z.B. auch bei Anleihen, Lebensversicherungen, Fonds, Zertifikaten und Immobilien.

Warum wohl rentieren Anleihen von Konzernen wie Daimler oder Metro zu mehr als 6%, dem Doppelten der um 3% pendelnden Umsatzrendite von Bundesanleihen? Weil Anleger mit ihnen ein größeres Risiko eingehen. Da Kapitallebensversicherungen zum größten Teil in Anleihen investiert sind, werden ihre Kunden in späteren Jahren ein blaues Wunder nach dem anderen erleben. Denn die Kombination von aktuell niedrigen Zinsen und potenziell fallenden Anleihenkursen wird die Ablaufleistungen zwangsläufig sinken lassen. Fonds, ursprünglich zur Risikostreuung gedacht, sind zum größten Teil längst so spezialisiert, dass die sich bestenfalls zur Spekulation eignen. Wie Zertifikate funktionieren, wissen nur noch wenige Spezialisten. Und Immobilien bergen nicht allein die üblichen Standort- und Vermietungs-, sondern auch erhebliche Liquiditätsrisiken, die sogar bis zu den eigentlich zur Risikostreuung gedachten, zwischenzeitlich zum Teil eingefrorenen und damit illiquiden offenen Immobilienfonds reichen.

Schön wär’s, wenn Sie sich auf die Sicherheit nur bei Ihren Geldanlagen konzentrieren müssten. Doch leider bringt die Krise auch eine ganze Reihe weiterer Risiken mit sich. Vom Mob war schon die Rede. Greifen wir die Arbeitslosigkeit als einen seiner Auslöser heraus. Hier gibt es jenseits aller Statistiken, so schrecklich sie sein mögen, ein viel gravierenderes Problem: In Deutschland dominieren unter den Arbeitnehmern die Angestellten und Arbeiter, nicht die Selbständigen. Das ist im Prinzip jahrzehntelang gut gegangen. Die Selbständigen haben sich größtenteils von allein daran gewöhnt, mit dem Auf und Ab von Konjunktur und Krise fertig zu werden. Die Arbeitnehmer hatten das in geringerem Maß nötig, konnten sie sich doch weitgehend auf das soziale Netz verlassen.

Dieses Netz wurde allerdings immer weitmaschiger – man denke nur an Hartz IV – und droht nun sogar zu zerreißen, weil die Weltwirtschaftskrise so gewaltig daherkommt. Aus Arbeitnehmern Selbständige zu machen, erfordert einen Bewusstseinswandel auf der ganzen Linie. Das ist leider illusorisch, denn ein solcher Wandel benötigt erfahrungsgemäß viele Jahre und ist allein schon wegen der wenigen im Bundestag vertretenen wirklichen Selbständigen bzw. Unternehmer nicht vollziehbar. Die Folge: Aus Arbeitnehmern werden Bezieher staatlicher Transfers, dazu wird das soziale Netz umfangreich geflickt. Das erfordert so viel Geld, dass neben zusätzlicher Staatsverschuldung auch Steuererhöhungen fällig werden – schon in der nächsten Legislaturperiode, unabhängig davon, wer dann regiert.

Vollziehen wenigstens Sie einen Bewusstseinswandel so schnell wie möglich. Das heißt, unter anderem den Gürtel enger schnallen, in jeder Hinsicht eine defensive Strategie verfolgen, für sich und die Familie vorsorgen, Nachbarschaftshilfe organisieren und der später drohenden Inflation vorbeugen, in erster Linie mit Anlagegoldmünzen und -barren. Was die Inflation betrifft, werden seit einiger Zeit von interessierter Seite zunehmend auch Immobilien propagiert – ein schwieriges Kapitel für sich, auf das ich an dieser Stelle noch häufiger zurückkommen werde. Ansonsten weise ich Sie in eigener Sache gern darauf hin, dass ich in Zukunft intensiver auch für die im Haufe Verlag erscheinende renommierte Monatszeitschrift Immobilienwirtschaft schreiben und Interviews führen werde und dass darüber hinaus an jedem Donnerstag – mit Beginn schon am 23. April – bei www.wiwo.de in der linken Spalte, außerdem auch zu finden in der Rubrik Schlagworte der Woche/Geldanlage (linke Spalte ganz unten) mit der Stichzeile Gbureks Geld-Geklimper meine Beiträge zu brisanten Anlagethemen erscheinen werden. Natürlich bleibe ich den Goldseiten mit den hier abgehandelten spezifischen Beiträgen treu. Die Vielzahl und Vielfalt der Themen, denen ich mich zusammen mit meinem Informantennetzwerk widme, gibt das allemal her.

Jetzt noch kurz zu den Böcken der Zeitschrift Finanztest, die wegen ihrer Abstammung von der hochoffiziellen Stiftung Warentest ja so etwas wie einen staatlichen Bonus genießt. Ihre aktuelle Titelgeschichte dreht sich um das Thema Gold. Deren Inhalt zeugt davon, dass die Autoren sich offenbar selbst nicht klar waren, worüber sie schrieben. Da steht z.B.: „Käme es zu einer schlimmen Krise, wäre es auch schwierig, Gold gegen andere Waren einzutauschen. Schon eine Goldmünze hat einen zu hohen Wert, um sinnvoll damit einkaufen gehen zu können.“ Und vier Seiten weiter: „Solche Anlagemünzen sind im Unterschied zu Sammlermünzen auch in Krisenzeiten gut handelbar.“ Zwischendurch fällt den Autoren eine veritable Schweinerei ein, die wohl nur sie selbst originell finden: „Gold ist ein reines Spekulationsobjekt, nicht anders als Schweinehälften. Da geht es zu wie beim Glücksspiel.“ Dann hat das Glücksschwein ausgedient, und das erste Kapitel endet mit blankem Unsinn: „Wer sich dauerhafte Erträge aus dem Goldgeschäft sichern und gegen Inflation schützen will, für den kommen Goldminenaktienfonds infrage.“ Nicht etwa den Beweis, sondern den Gegenbeweis liefert Finanztest mit einer Tabelle vier Seiten danach, wo solche Fonds wegkommen wie gerupfte Hühner. Schließlich gereicht es Zertifikaten zu unverhofften Ehren: „Sie sind oft günstiger als Fonds.“

Schwamm drüber, freuen Sie sich, dass die Leser eines Massenblatts derart verunsichert werden, auch wenn sie einem leid tun können. Denn aus ihren Reihen wird ein Großteil der Käufer stammen, wenn der Goldpreis in die Höhe schießt und Sie Ihre Gewinne mitnehmen.

Manfred Gburek, 24. April 2009 weiter zu seiner Homepage HIER

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