Sommerflaute

12. August 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Während der Norden unter schlechtem Wetter und der Rückkehr der Wölfe leidet, hat Frankfurt ganz andere Sorgen. Am Flughafen Frankfurt wird nach elf Jahren in der kommenden Woche das fünf Meter hohe Euro-Zeichen entfernt – aus Sicherheitsgründen. Ich wusste, die Götter sind zynisch…

Dem anderen Symbol vor der EZB, das nachts auch schon mal mit erloschenen Sternen aufwartete, droht dann 2014 das Aus. Es heißt, das Symbol muss überholt werden.  Ob es den Euro dann noch gibt? 1,23 – es gibt ihn noch, den Euro. Zumindest war das am Freitag noch so.

Unterdessen macht die Eurokratie Urlaub. EZB-Chef Mario Draghi hat ihr den Weg in den Urlaub verbal frei geschossen. Keine Gipfel, keine Nachtsitzungen, keine Pressekonferenzen der großen Würfe mit viel Geld in schwarze Löcher. Ich habe neulich mit dem Rad wieder eine Tour durch ein Schlagloch vor der Haustür gemacht. Herrlich!

Frankfurt ist richtig gemütlich in den Sommermonaten. Der DAX und vielmehr noch der Mietwucher steigen in freudiger Erwartung auf eine Geldschwemme biblischen Ausmaßes.

Nur ein paar Schönwetterbörsianer schlagen Schneisen durch die düster werdenden Unternehmensnachrichten. Erinnerungen an 2008 werden wach. Wer nimmt sie heute noch ernst? Sie sahen nichts, sie sehen nichts und sie werden auch aufziehende Gewitter nicht erkennen, außer der Blitz schlägt in ihren aus Worten gestrickten Rettungsschirm.

Es ist amüsant, ihnen zuzuhören, vor allem, wenn die Experten seit Jahren sagen, Aktien seien viel zu billig. Viele, so meine Vermutung, würden mit einem Grillhähnchen zum Tierarzt gehen und fragen, ob man da noch etwas machen könnte. Übrigens, sollten Sie Ihr Herz an den DAX verschenken wollen, bedenken Sie, Organspenden sind inzwischen auch in Verruf geraten.

©Frank Meyer, Kolumne für die Lübecker Nachrichten


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7 Kommentare auf "Sommerflaute"

  1. Avantgarde sagt:

    Schon komisch mit dieser „Geldschwemme“
    Ich bitte mal um Handzeichen wer nach den letzten Anleihekäufen der EZB mehr Geld als zuvor hatte.

    Bei mir kommt von der EZB seltsamer Weise irgendwie nie etwas an.
    Bin ich vielleicht bei der falschen Bank?

    Die unterbewerteten Grillhähchen werden doch gerade gut vermarktet.
    Wenn ich mich so in den Medeatheken umsehe dann fällt das Stichwort Infaltion überproportional häufig.
    Ach das wird schon mit dem Schönheitswettbewerb – etwas aufhübschen und die alten Gummiadler gehen kurz vor dem Verfallsdatum weg wie warme Semmeln.
    http://www.the-jokes.com/graficos-en/271.jpg
    🙂

  2. FDominicus sagt:

    „Bei mir kommt von der EZB seltsamer Weise irgendwie nie etwas an.
    Bin ich vielleicht bei der falschen Bank?“

    Die Frage ist schlicht und einfach falsch gestellt.
    Statt
    Bin ich vielleicht bei der falschen Bank müssen Sie schreiben
    Bin ich vielleicht eine Bank?

    Dann passt das Alles sehr genau.

    • Avantgarde sagt:

      „Die Frage ist schlicht und einfach falsch gestellt.
      Statt
      Bin ich vielleicht bei der falschen Bank müssen Sie schreiben
      Bin ich vielleicht eine Bank? “
      🙂

      Wenn ich etwas weniger Skrupel hätte wäre das doch auch ökonomischer Sicht sogar die Ideale Variante.

      Ich spekuliere mit fremdem Geld risikolos, lasse mich von der Allgemeinheit wenn es schief geht retten muß aber dennoch nicht auf meine Boni verzichten, die ich jährlich privatisieren könnte.

      Und falls ich das Ding wiederholt und für die Öffentlichkeit nicht mehr tragbar wieder an die Wand fahre öffnet sich der Millionen-Abfindungsfallschirm Plus lebenslanger Rentenzahlung versteht sich.
      Alles nach geltendem Recht und Gesetz freilich.

      Und dennoch würde ich bei so manchem Mitbürger eher als schlauer Fuchs als die Niete im Nadelstreifen angesehen.

      • pat sagt:

        „Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Was ist die Ermordung eines Mannes gegen die Anstellung eines Mannes?“ – Die Dreigroschenoper von Berthold Brecht

  3. MARKT sagt:

    „Bin ich vielleicht eine Bank?“

    Dazu kann ich nur Antworten: schön wär es.

    Es ist inzwischen schon erheiternd:

    Da halten sich Leute mit einem Vermögen ab oder über 250.000,-€ für reich.
    Das dürfte sicher stimmen. Man müsste nur noch definieren wie weit man über 250.000,- sein sollte. Meine bescheidene Meinung, ein vielfaches (und 100-fach ist zu wenig)

    Sie rufen den Klassenkampf aus, obwohl dieser näher an seinem Ende als an seinem Beginn sein dürfte ( Ja, das Thema dürfte weitestgehend durch sein). Da viele nicht unter mangeldndem Selbstbewußtsein leiden stellen Sie auch prompt eine E-KLasse/5-BMW/Audi A6 als „Beweis vor die Tür. Ganz besonders lustig, Sie können sich selbst nicht einmal der „richtigen Seite“ zuordnen. Aber Sie sind beleidigt wenn man Sie aufschreckt. Darum war/ist das mit dem Klassenkampf so einfach.

    Na ja, man kann dass Selbstbewußtsein nennen. Einfache Gemüter wie ich würden aber einen anderen Ausdruck favorisieren.

    • Avantgarde sagt:

      Der Trick ist doch den Leuten am besten mit noch kleineren Summen zu erzählen sie seinen reich und müssten sich nun Sorgen um ihr Geld machen weil es da diese pösen Umverteiler gibt.

      Oder anders herum: mit immer noch weniger Steuern würde es allen besser gehen.
      Das glauben die Amis nun schon seit über 2 Dekaden – das Problem ist nur, daß es dadurch lediglich einer verschwindenden Minderheit besser geht.
      Dem überwiegenden Teil geht es schlechter und schlechter.

      Und solange das so ist wird sich die Lage auch nicht ändern.

  4. MARKT sagt:

    ich finde es ja schon faszinierend, dass es hier in Deutschland funktioniert, dass jeder nur den Fokus auf sich und sein „Vermögen“ lenkt.

    Weshalb funktioniert es aber bei unseren „amerikanischen Freunden“ immer noch?
    http://www.querschuesse.de/us-arbeitsmarktbericht-juli-2012-anhaltend-orwellsche-statistik/
    http://www.querschuesse.de/usa-kraftiger-anstieg-bei-den-food-stamps/

    So stark kann doch ein Bildungsnotstand gar nicht sein, oder doch?
    Hier handelt es sich bei den Betroffenen doch nicht um eine kleine relative Minderheit.

    Leute wacht doch auf und glaubt nicht an die böse Umverteilungstheorie und Sprüche wie Leistung muss sich lohnen.

    Weshalb wird dann Kapital nur mit knapp der Hälfte besteuert im Vergleich zu Leistung aus Arbeit?

    WEshalb bezahlen wir über Umwege unsere eigenen Exporte (ELA´s, Target 2)?

    Weshalb lassen wir uns sowohl in Deutschland als auch in Europa so gegeneinander ausspielen?

    Sind wir intellektuell nicht in der Lage diese Misstände zu erkennen, oder vor Egoismus und Neid zu verblendet diese zu erkennen?

    Schon bei der Diskussion um Lösungen aus der Misere ist aber erkennbar, dass nahezu jeder, die wohl für sich „Beste“ Lösung präferiert. Und gib es im bestehenden System Dinge, von denen „man“ profitieren kann, soll dies doch bitte erhalten bleiben.
    Dieser anerzogene Neid, die Missgunst und die vernichtende Selbstüberschätzung verhindern jegliche Lösungen im Sinne der betroffenen Mehrheit.

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