Sommer-Spezial: Investieren in Silber Teil 2

1. August 2009 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Mit der um sich greifenden Finanz – und Wirtschaftskrise (Welche Krise…???) sind Edelmetalle näher in den Fokus von Investoren geraten. Im Zeitalter des Papiergeldes, hat die Mehrheit der Sparer Gold und Silber vergessen. Früher galten Edelmetalle als Versicherung gegen politische und wirtschaftliche Unbilden. Heute bestehen Finanzanlagen größtenteils aus Papierversprechen, am besten „klug“ diversifiziert in verschiedenen Papieranlageklassen. Im Herbst 2008 holten etliche Leute ihr Geld von der Bank und steckten es in den Safe oder unteres Kopfkissen…

Jede Anlage birgt die Gefahr, von Verkäufern über den Tisch gezogen zu werden, wenn man die Dinge nicht versteht oder sich einfach auf andere verlässt. Berater sind heute meist Verkäufer. Eine ganze Industrie lebt davon, wenn auch früher etwas besser als heute. Sie verkaufen Sparern Produkte, von denen er oft wenig hat. Angstjäger haben inzwischen auch den Bereich der Edelmetalle befallen. Wenn Gerissenheit und Dummheit zusammentreffen, ergibt sich daraus oft ein Spektakel, dass dann oft als Tragödie endet. Mit etwas Eigenverantwortung und Wissen kann man großen Enttäuschungen etwas vorbauen.

„Im Einkauf liegt der Gewinn…“

…sagen Händler, was nichts anderes bedeutet, dass man für soviel wie möglich Material so wenig wie nötig Geld ausgibt, für den Fall der Fälle, wenn ein schwarzer Schwan um die Ecke geflogen kommt, den rechnergestützte Analysen nicht haben vorhersagen können. Die meisten Investoren kaufen dann, wenn Preise steigen, sagen Edelmetallhändler. Über dieses Phänomen menschlicher Psychologie gibt es ganze Bücher, deshalb übergeht der Autor dieser Zeilen hier dieses Thema. In den letzten Wochen berichten Edelmetallhändler, dass Leute inzwischen lieber anonym, statt im Internetshops kaufen, wo man sich ja registrieren muss. Wer weiß schon, was mit Daten alles passieren kann. Beim Umsatz handelt es sich jetzt auch um größer werdenden Beträge von größeren Investoren, berichten verschiedene Händler. Es scheint, als wird das Metall gerade „verteilt“, wandert von schwächeren in stärkere Hände, als Versicherung und Wertspeicher.

Experten und Bauernfänger

Auch im Edelmetallbereich tummeln sich „Experten“, die selten einer ersten Prüfung standhalten. Was krawattierte Anzugträger doch so alles ungestraft erzählen dürfen… Das Witzige und Dumme zugleich sind Aussagen, dass Gold keine Zinsen abwirft, während man mit anderen Anlagen „Renditen erwirtschaften“ kann. Sehr witzig! Termingelder, Sparbücher Sparkonten werfen gerade nichts mehr ab. Darum geht es bei Edelmetallen nicht, sondern um den Erhalt der Kaufkraft bzw. den Schutz des meist ehrlich erarbeiteten Geldes vor dem schleichenden Fraß der Inflation in einer Zeit, in der das Papiergeld schon sehr alt und gebrechlich geworden ist. Die vorhandene Geldmenge wird nach und nach mit noch mehr neuem „Geld“ verdünnt. Regierungen übernehmen die natürliche Nachfrage des Marktes nach Kredit, Notenbanken bieten fast kostenloses Geld an, lassen Druckmaschinen schneller rotieren und kaufen Schulden auf, um Zinsen zu künstlich niedrig zu halten. Den Rest wird eines Tages der Zins und Zinseszins erledigen. Amen.

Fachleute glänzen gerne mit ihrer Erkenntnis, dass Edelmetalle so gefährlich sind, weil ihr Preis ständig schwankt. Aktienpreise tun das selbstverständlich nicht. Ganz wichtige Leute auch aus dem Bereich der Anlegerschützer sagen, man könne Gold und Silber nicht essen. Ob Papiergeld, Kleingeld oder der letzte Kontoauszug sättigen, muss noch überprüft werden. Vielleicht empfiehlt es sich wirklich nicht, Silbermünzen zu essen und sich in Notzeiten dafür lieber einen Zentner Kartoffeln zu kaufen, wenn diese der Bauern lieber gegen Silber als gegen ein Bündel Papiergeld herausrückt.

Natürlich ist es Blödsinn, mit einem Barren und einer Feile bewaffnet eine Bäckerei zu stürmen und dort durch das Abhobeln von Spänen, Brötchen käuflich zu erwerben. Mit einer Münze hat man vielleicht die größeren Chancen, dennoch erscheint es klüger, in Krisenzeiten auch auf eigene Reserven zurückgreifen zu können, und auch auf ein persönliches Umfeld, statt den Bäcker und die dort Wartenden wissen zu lassen, dass man goldene oder silberne Münzen besitzt. Die wenigsten werden solche Dinge für Krisenzeiten zurückgelegt haben, sich dann aber vielleicht auf die Suche nach den Besitzern machen. Der normale Menschenverstand scheint zu behaupten, dass es besser wäre, etwas Hartgeld zu besitzen, als Wartender in einer Schlage zu sein, oder Bittsteller beim Bauern.

Die Wenigsten wissen, dass es auf dieser flach gewalzten, globalisierten Welt mehr Gold als Silber gibt. Die schauen komisch? Damit sind Sie in guter Gesellschaft. Niemand hat die Unzen zählen können, doch von vielen Seiten wird immer wieder geschätzt, dass es ca. 160.000 Tonnen oberirdisches Gold gibt – für jeden Erdenbürger umgerechnet eine knappe Unze (31,1 Gramm) im Gegenwert von ca. 700 Dollar. Silber ist noch seltener, da die Hälfte der geförderten Menge als Rohstoff industriell verbraucht wird, ohne dass sich sich die Wiedergewinnung im großen Stil lohnen würde. Zudem haben niedrige Preise verhindert, nach neuen Vorkommen zu suchen, um diese profitabel auszubeuten, außer man hat große Lagerstätten mit hohen Erzkonzentrationen gefunden. Deshalb gibt es weltweit nur 12 reinrassige Silberproduzenten. Etliche Unternehmen bemühen sich darum, es dauert aber auch oft zehn Jahre vom Entdecken bis zum Beginn der Produktion.

Das heute auf den Markt strömende Silber ist größtenteils Beiprodukt bei der Förderung von anderen Metallen. Die Versorgungslücke auf dem Markt wurde in den letzten Jahrzehnten durch den Verkauf aus Regierungsbeständen gestopft. Aber es sieht danach aus, als ob diese Lager von einst mehreren Milliarden Unzen jetzt zur Neige gingen.

Steigende Preise – Zeit der Scharlatane

Heute präsentieren Fernsehsender ganze Abende lang recht seltene, dafür aber recht teure Münzen mit hohem „Wertsteigerungspotential“ Gewinnen wird hierbei bestimmt nicht der Zuschauer und schon gar nicht ein Käufer. Wer wenig Ahnung hat, kauft schon mal ein solches Stück für schlappe 200 Euro/oz. Für einen Investor ist bei solchen Angeboten meist nichts dabei. Auf dem Trödelmarkt erfährt er dann später den wahren Wert und erlebt einen Hauch der Ent-täuschung. Doch es gibt auch Münzen, die im Laufe der Zeit teurer werden. Das ist aber ein Thema für einen weiteren Beitrag in wenigen Tagen.

Wie bei Aktien, wetten viele auf den Preis von Silber wetten. Schnell rein, schnell raus, den schnellen Euro mitgenommen, ist das ein interessantes Gebiet für Trader. Mit Optionsscheinen, Zertifikaten oder Futures finden Profis im Silbermarkt ein nettes Betätigungsfeld – und blaue Flecken inklusive. Wie man das anstellt, soll hier keine Rolle spielen. Wichtig wäre anzumerken, dass es sich bei Zertifikaten nicht um echtes Silber handelt, sondern nur um Papierwetten. Auch hinter sogenannten Anlagezertifikaten mit und ohne Hebeln steckt nichts anderes als ein Spiel mit den Preisen. Im Ernstfall einer wirklichen Finanzkrise schaut der Anleger in die Röhre. Im Kleingedruckten steht etwas von einer Inhaberschuldverschreibung und einem Barausgleich. Geht die Bank pleite, ist das Zertifikat futsch. Sich eine Unze Silber ausliefern lassen, ist unmöglich.

Schweres Metall

Für Anleger/Sparer/Investoren/Angsthasen in echtes Metall stellt sich die Frage, ob man selbst Zugriff auf Münzen und Barren haben möchte, oder die Lagerung anderen gegen ein Entgelt überlässt. Für 100.000 Euro bekommt man heute ca. 250 Kilogramm Silber. Wer eine Million Euro investieren will, sollte sicherstellen können, dass dem Mieter unter sich nicht die Decke auf den Kopf fällt, wenn die Diele nachgibt oder die Zwischenböden im Schrank. Es dort zu lagern, empfiehlt sich wirklich nicht. Ob man Edelmetall in einem Schließfach bei der Bank einlagern sollte? Was passiert, wenn die Bank an einem Wochenende natürlich ganz überraschend schließen sollte? In ein normales Schließfach passen vielleicht 20 oder 30 Kilogramm im Gegenwert von ca. 8.000 oder 12.000 Euro. Volumen-mäßig ist man dann mit Gold da besser aufgehoben. Ob es bei einer Bank sein muss, ist eine Frage, die sich jeder selbst beantworten muss. Zyniker meinen, man lässt die Leberwurst ja auch nicht von einem Hund bewachen.

Silber-ETF`s

…sind eine andere platzsparende Alternative. Ob sich hinter jedem Anteilsschein auch die volle Menge an echtem Silber befindet, lässt sich vielleicht nur im Notfall beurteilen. Ein Silber-ETF erlaubt auch großen Investoren wie Pensionsfonds eine solche Anlage. So startete vor wenigen Jahren der erste Silber-ETF (US-Kürzel: SLV) mit einer Menge von 130 Millionen Unzen, zufälligerweise der Menge, die Warren Buffett damals gekauft hatte, sie aber jetzt nicht mehr besitzt. Warum, darüber gibt es mehr Spekulationen als Fakten. Zufällig dabei sind die Zahl der Unzen im ETF und der Zeitpunkt seines Verkaufs. Heute ist der SLV auf eine Menge von 250 Millionen Unzen angeschwollen. Ob aber jeder Anteilsschein wirklich eine Unze entspricht? Man sollte es hoffen. Aufgrund etlicher Berichte vom anerkannten Silberexperten Ted Butler hat Barclays damals die Barrennummern veröffentlicht. Barclays hat den ETF inzwischen an Blackrock verkauft. In der Zwischenzeit sind auch andere Silber-ETF`s am Markt aufgetaucht.

Lagerverwaltung

Eine weitere Möglichkeit der Anlage besteht in der Lagerverwaltung. Man gibt einem Anbieter den Auftrag, für eine bestimmte Summe Silber zu kaufen und es in einem gesicherten Lager zu verwahren. Mit der Barrennummer erhält man den Nachweis für das Vorhandensein seiner Investition. Das kostet jährlich eine kleine Gebühr. Wenn man möchte, kann man sich den oder die Barren auch nach Hause liefern lassen.

Aktien

Natürlich gibt es noch die Möglichkeit, sich über Aktien an Unternehmen zu beteiligen. Dabei kann zwischen bereits produzierenden Unternehmen, hoffentlich bald produzierenden Firmen und vielleicht auch nie produzierenden kleinen Betrugsbuden wählen. Mark Twain sagte, dass eine Goldmine ein Loch in der Erde ist, auf dem oben ein Lügner sitzt. Oft nicht anders verhält es sich bei vielen aus dem Nichts auftauchenden neuen Silberunternehmungen mit großen Zielen. Oft hat es sich in den letzten Jahren kleine Unternehmen mit netten Internetseiten, Hochglanzprospekten und prominenten Verkäufern gegeben, die dem Anleger Aktien verkauften, aber nie auch vorhatten, eine einzige Unze Metall aus dem Boden zu holen. Gute von schlechten Unternehmen zu unterscheiden, ist dabei nicht die einfachste Herausforderung. Vielleicht sollte man sich die Firma vor Ort anschauen, das Management kennen lernen und selbst dann noch die Vorsicht als Mutter der Porzellankiste walten lassen. Gier frisst schnell und oft Hirn, soweit überhaupt vorhanden, wenn Prozente locken…

Bei schon produzierenden Unternehmen ist das Investieren etwas einfacher. Und dann gibt es noch Papiere, mit denen man gleichzeitig auf mehrere Unternehme setzen kann. Doch meist handelt es sich dann wieder um Zertifikate, die im Ernstfall nicht das Papier wert, auf dem sie nicht mal gedruckt wurden.

Die Dinge einfach halten

Muss man heute wirklich Edelmetalle haben? Meine Großmutter hat im Kühlschrank lieber ein Stückchen Butter als nur das Versprechen einer Verkäuferin des Supermarktes, ein Stück Butter in der Not auch liefern zu wollen. Oma kauft auch nicht n u r Butter, schon aus gesundheitlichen Gründen. Doch ein Stück Butter auf dem Tisch ist besser, als kein Stück Butter im Haushalt. Man braucht auch noch Brot und etwas darauf. Nur Butter zu haben, scheint etwas einfach zu sein…

Spekulation/Investition mit Silber hat mehrere Fassetten

Erstens: Silber ist ein seltenes Metall, dass im Gegensatz zu Gold im modernen Leben unverzichtbar ist. Silber ist Rohstoff und Edelmetall zugleich. Es besitzt die monetäre Eigenschaft eines Edelmetalls und ist damit ein universeller Wertspeicher schon seit Jahrtausenden, eine Eigenschaft, die man dem heutigen Papiergeld nicht nachsagen kann, von früheren verstorbenen Währungen ganz abgesehen.

Zweitens: Die Vorkommen sind wie bei Gold begrenzt. Beides kann nicht wie Papiergeld beliebig gedruckt werden. Monetär gesehen, sind Edelmetalle eine Ware, und kein Versprechen. Die Leistung ist mit dem Fördern des Metalls bereits erbracht. Unser heutiges Geld ist Kredit, eine Schuld sozusagen. Diese Leistung plus Zinsen muss erst noch erbracht werden.

Drittens: Der Silbermarkt ist ein sehr kleiner Markt. Parallel dazu existiert ein Papiersilbermarkt, meist ungeregelt mit einem wahnsinnig großen Hebel der Spekulation. Nach Berechnung von Silberexperten ist dieser mindestens einhundert mal so groß wie der echte Silbermarkt – und er dominiert diesen. An der Terminbörse COMEX haben wenige große Banken den Silbermarkt mit ihren Terminkontrakten im Griff und zocken dabei mit Mengen, die es nirgends auf der Welt gibt.

Der nächste Teil des Sommer-Spezials dreht sich in Kürze um das Thema der Barren und ihrer unterschiedlichen Form. Barren sind hübsch, auch wenn die Mehrwertsteuer von derzeit 19 Prozent abschreckt. Doch Barren haben auch Vorteile.. doch dazu mehr später…

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