Soll und Haben

31. Juli 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Da sagen doch manche Banken über sich, sie wären sicher. Sicher ist nur, dass sie Geld bekommen, wenn sie welches benötigen – wessen auch immer…

Machen wir uns nichts vor: Viele Banken sind krank und verdienen kaum noch Geld. Nicht umsonst notiert der europäische Bankenindex inzwischen tiefer als im Jahr 1987. Schuld daran sei der niedrige Zins, klagen sie. Wer ist dafür verantwortlich? Nicht die Zentralbanken, sagen die Zentralbanken. Man müsste lachen, wenn es nicht so ernst wäre.

Übrigens notieren Bankenwitze derzeit weit höher als die Bankaktien selbst. Kennen Sie den? Woran erkennt man den Optimismus eines Bankers? Wenn er am Sonntag noch fünf Hemden für die kommende Woche bügelt.

Doch was wollen wir eigentlich? Die Börse ist doch wieder mal gestiegen! Die US-Börsen notieren auf Allzeithoch. Das ging jedoch unter in den vielen anderen roten Schlagzeilen.

Experten behaupten ja weiterhin beharrlich, man müsse Aktien als Sachwerte kaufen. Das mag sein. Doch sei hier die Frage gestattet, ob Aktien an sich auch wirklich Sachwerte sind…

Zieht man aber die Schulden der Unternehmen von deren Börsenwert ab, bleibt oft nicht viel mehr übrig als ein Amen. Und eine Bank ist nun wirklich kein Sachwert, höchstens gefährlich oder ein Ärgernis.

Der jüngste Bankenstresstest hatte mal wieder wenig mit Stress zu tun, stand dessen Ergebnis im Vorfeld fest: Macht euch keine Sorgen! So ein Stresstest kann nur eine Diagnose liefern, so der Bankenverband. Therapie und Heilungsprozess müssen andere übernehmen. Noch Fragen? Besser nicht!

Ach, es gab ja auch noch Quartalszahlen von Commerzbank und Deutscher Bank. Jämmerlich! Zumindest residieren beide bei diesen inzwischen winzigen Aktienpreisen in den höchsten Türmen Frankfurts. Diese haben sie früher schon verkauft und wohnen dort jetzt zur Miete. Das Geld wurde für Boni, Abfindungen und Rechtsstreitigkeiten verbraten. Aber man sieht sich auf einem guten Weg, vielleicht sogar auf dem in die Hölle.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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6 Kommentare auf "Soll und Haben"

  1. Frank Frei sagt:

    Geld (=Banken) kann kein Geld verdienen. Kann nicht arbeiten. „Oder haben sie schon mal einen 10 Euro Schein mit ’ner Schippe in der Hand gesehen?“ *Volker Pispers
    Wenn jemand (mehr) Geld aus Geld macht, dann hat er damit einen Anspruch auf reale Werte (Kaufkraft). Diese realen Werte müssen aber von jemandem real erarbeitet werden.
    Der, der nicht arbeitet (Zinsen, Spekulationen) nimmt also Güter von dem der sie erarbeitet. Der Arbeiter bekommt aber nicht das „Geld“ für seine Produkte oder Dienstleistungen, die es eigentlich „Wert“ ist (Preis). Warum kassiert das Kapital „Geld“ fürs Nichtstun, während der Arbeitet dafür arbeiten muss? Warum ist das so? Warum akzeptieren wir gesamtgesellschaftlich dieses Betrugssystem?

    • Argonautiker sagt:

      „Warum akzeptieren wir gesamtgesellschaftlich dieses Betrugssystem?“

      Weil es Menschen jenes Typs gibt, wie die, die zum Beispiel Amerika eroberten, und den Einheimischen Glasperlen im Tausch gegen das Beste was sie hatten anboten. Ihr Gold und ihr Land. Und akzeptierten sie diesen Tauschhandel nicht als einen gerechten, dann schlachteten sie die Bevölkerung mittels ihrer überlegenen Waffentechnologie und Dominanz einfach ab. Daran hat sich bis heute nichts geändert, nur daß sich die Glasperlen zu Währungen gewandelt haben, und die Waffen noch etwas ausgefeilter wurden.

      Als wir noch Papst waren, sagte Benedikt bei seiner Rede im Bundestag:

      „Von dieser meiner internationalen Verantwortung her möchte ich Ihnen einige Gedanken über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaats vorlegen.

      In einem Großteil der rechtlich zu regelnden Materien, kann die Mehrheit ein genügendes Kriterium sein. Aber daß in den Grundfragen des Rechts, in denen es um die Würde des Menschen und der Menschheit geht, das Mehrheitsprinzip nicht ausreicht, ist offenkundig.

      Wir Deutsche wissen es aus eigener Erfahrung. Wir haben erlebt, daß Macht von Recht getrennt wurde, daß Macht sogar gegen Recht stand, das Recht zertreten hat und daß der Staat zum Instrument der Rechtszerstörung wurde – zu einer sehr gut organisierten Räuberbande, die die ganze Welt bedrohen und an den Rand des Abgrunds treiben konnte.“

      Zitat Ende.
      Besser kann man es doch nicht beschreiben was da gerade wieder einmal läuft.

      Es dauerte nicht lange und er ist freiwillig abgetreten. Man wird ihm wohl nach Aussprechen dieser Wahrheit ein Angebot gemacht haben, daß er nicht ablehen konnte.

      Das von Benedikt im ungenügenden Mehrheitsprinzip Angsprochene, ist etwas äußerst wichtiges, denn dieses Prinzip ist nichts anderes als die Verlängerung das Prinzip des Stärkeren. Und weil niemand zu den Schwachen zählen will, die man einfach übergeht, oder gar meint abmurksen zu dürfen, wählen die Meisten, die Mehrheiten, anstatt für ihr eigenes menschliches Dasein einzutreten.

      Sollte es einmal dazu kommen, daß sich die Wirklichkeit wieder gegen die falschen Regelungen durchsetzt, und Menschenrecht vor Mehrheitrecht stünde, wie vom Papst in dieser Rede aufgerufen, dann wäre der Grundstein zu der Welt gelegt, die Sie vermissen. Das Paradoxe dabei ist, daß sie dies eben nicht mit Gewalt durchsetzen können, sondern es durch Einsicht im Einzelnen erwachsen muß, denn versuchten sie das mit Gewalt gegen die derzeitigen Gewaltigen durchzusetzen, und schafften dies, würden sie dabei selbst zu einem Gewaltigen werden.

      Ich denke das darin unschwer das urchristliche Prinzip zu erkennen ist.

      Das unsere angebliche Christlich Demokratisch geführte Regierung, (CDU), uns nun nicht mehr gegen Feinde schützen will, beziehungsweise eine Arbeitverweigerung im Sinn der Scheidung von Freund und Feind an unseren Grenzen vollzieht, ist eine Katastrophe.

      Als Christ sollten sie zwar nicht von sich aus mit Gewalt gegen Gewalt angehen, weil sie sonst eben als Gewaltiger enden. Sich Verteidigen und Abgrenzen dürfen sie natürlich schon, denn dies entspricht exakt dem Prinzip der Schöpfung aller lebenden Geschöpfe. Innwendig erhalten sie ihr Dasein durch auf Nächstenliebe basierender Aufgabenteilung, und grenzen sich äußerlich durch eine Haut und einer gesunden Abwehr an sämtlichen Eingängen ab, welche ganz klar zwischen Freund und Feind scheidet.

      Eine Politik, die ihre Verteidigung nicht an ihren Grenzen, sondern in der Ferne sucht, dabei aber gleichzeitig die Sicherung an den Grenzen zum Inneren unterläßt, ist dem Wahnsinn anheim gefallen.

      Schöne Grüße

    • bluestar sagt:

      Ach ja, dieser „Stresstest“ war echt stressig.
      Allerdings nicht für die maroden Banken sondern für verblödungsresistente Hirne, welche die mediale Huldigung dieser Farce ertragen müssten.
      Motto: Alles ist gut, macht euch keine Sorgen, wir haben alles im Griff, es geht aufwärts, alles wird gut, schlaft bitteschön weiter ihr verblödeten Menschen und wählt wieder brav die alten Eliten. Natürlich sind wir auch um eure Sicherheit besorgt, deshalb lassen wir weiter alle Grenzen offen und bemühen uns um Therapien für atomarisierte, psychisch labile Willkommene und Hiergebliebene.
      Was, ihr habt trotzdem Angst, fühlt euch unsicher und alleingelassen ? Kein Problem: Lasst euch einfach mehr überwachen, wenn sich jemand um euch kümmert fühlt ihr euch besser.
      Und dann haben wir ja noch unsere Bundeswehr, welche euch in Zukunft vor Ort auch noch betreuen darf, falls es mal zum Ausnahmezustand-wie im benachbarten Frankreich-kommt.
      Hat aber alles nichts mit euren sehr guten Wahlentscheidung zu tun, lieber sogenannter Souverän. Und mit unserem stabilen Geldsystem natürlich auch nicht, wobei wir wieder beim grandios bestandenen Stresstest sind.

  2. Lickneeson sagt:

    Stellen wir uns mal 80 Millionen Deutsche vor, die jeden Morgen mit einer Schippe nach Arbeit rufen….lieber nicht.Soviele Autobahnen brauchen wir auch nicht mehr. Der ehrliche Arbeiter ist genauso falsch wie der „dreckige Banker“. Schöne alte Sozenmärchenwelt a la Brecht. Es wäre schon ausreichend, wenn man 8 Stunden Arbeit so bezahlt, das man davon leben kann.

    Ich habe noch nie für eine Bank gearbeitet, kann mir über deren Arbeitsleistung kaum ein sauberes Urteil erlauben, aber ich glaube zu wissen, das bei der Coba und der DB sowohl Unfähigkeit, Arroganz und schlicht illegales Handeln (Libor etc.) die Hauptursachen für die katastrophalen Bilanzen sind. Der Zins (was war das noch gleich?) ist es sicher nicht. Hier stimmen seit längerer Zeit weder das Personal noch das Geschäftsmodell.

    Auch dieses Mal werden wir wieder zur Kasse „gebeten“, um einen Systemschock im europäischen Bankensektor zu verhindern, der Millionen Arbeitsplätze kosten würde…bla…blub…blabla. Egal, es gibt nix mehr zu retten. System Error, der letzte macht das Licht aus.

    @Argonautiker

    Aber hier ausgerechnet die Kirche, und dann noch den Erzkonservativen Lehrmeister Benedictus zu zitieren halte ich für absolut fehl am Platz. Schauen SIe sich mal das Vermögen der Kirche und ihre Verstrickungen an. Stand da nicht was in den „Panama Papers“? Ein Grossteil des kirchlichen Grundbesitzes stammt übrigens aus Enteignungen von Hexen und Ketzern. Ups!

    „Wir Deutsche wissen es aus eigener Erfahrung. Wir haben erlebt, daß Macht von Recht getrennt wurde, daß Macht sogar gegen Recht stand, das Recht zertreten hat und daß der Staat zum Instrument der Rechtszerstörung wurde – zu einer sehr gut organisierten Räuberbande, die die ganze Welt bedrohen und an den Rand des Abgrunds treiben konnte.“

    Stimmt, und wer hat zugeschaut und mit den Braunhemden kooperiert? Jo – die Kirche. Bitte nicht den Bock zum Gärtner machen.

    MfG

    • Argonautiker sagt:

      @Lickneeson

      Verstehe was Sie meinen, und stimme dem auch zu. Ich mag die Kirche auch nicht besonders, allerdings ändert das nichts daran, das es stimmt was der Benedikt da gesagt hat, und bei all den Lügen und rumgeeiere, fand ich das schon mutig von Ihm, das so in der Höhle der Räuber auszusprechen. eben weil er in der Position war in der er war.

      Wenn Sie oder ich, hier eine Wahrheit kund tun, dann ist daß eine Sache, weil kaum jemand etwas darum gibt, Wenn Sie oder ich jedoch in einer entscheidenden Position wären und dann das Gleiche sagen würden, dann wäre das ungleich gefährlicher für uns. Deswegen Hut ab, denn einer unserer Politiker könnte ja z.B. auch mal in Washington sagen, Leute, also das mit eurer Kriegstreiberrei,…, das fände ich auch mutig, und vergleichbar.

      Der Letzte Politiker der das mal gemacht hat, das war der Fischer, den mag ich auch nicht, weil er auch viel Mist mit seiner Ökodiktatur gebaut hat, und der eigentlich mal guten alternativen Bewegung den Wind aus den Segeln genommen hatte, mutig war es aber doch, daß er dort sagte, Leute daß mit den Irak, da machen wir nicht mit, und es hat uns dann den Irakkrieg erspart, den Merkel ja so gerne mitgeführt hätte, die Gute.

      Also das Generalisieren halte ich auch für keine Lösung, denn wenn einer was gut gemacht hat, hat er das gut gemacht, auch wenn er sonst ein Scheißkerl war/ist.

      Andererseits ist es natürlich möglich, daß er das nur gesagt hat, um von eigenen Schandtaten abzulenken. Das gegenseitige Beschuldigen um sich selbst rein zu waschen gehört ja leider zum Handwerkszeug dieses Metiers.

      Sie haben wahrscheinlich Recht, es war kein gelungenes Beispiel.

      Beste Grüße

  3. Avantgarde sagt:

    Die Deuba und Coba waren die beiden schlechtesten Institute in D; und in Europa unter den letzten 10 von den geprüften 51 europäischen Banken im Streicheltest.

    Der Aktienkurs ist dann auch wenig überraschend bzw. möglicherweise sogar noch zu hoch.
    Denn eine Aufstockung der Kernkapitalquote wäre eigentlich überfällig. Und ich sehe nur eine einzige Möglichkeit:
    Die Ausgabe neuer Aktien.

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