Softe Pleite? Harter Unsinn!

23. Mai 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Während die Energiedebatte sich mit Restrisiken und langen Halbwertzeiten beschäftigt, schlägt sich die EU derzeit mit Abschreibungen und kurzen Halbwertzeiten herum. Die Dauer bis zum Zerfall einer weiteren hanebüchenen „weichen Restrukturierung“ beträgt bestenfalls ein paar Tage.

Gleichzeitig scheinen in einigen Südländern nun die Bürger vollends am Ende des Geduldsfaden angelangt zu sein. Wenn es so weiter geht, braucht man zum Knipsen von Revolutionsbildern bald keine Mittelmeerquerung einzuplanen.

Eines vorweg. Eine Umschuldung Griechenlands und anderer europäischer Länder ist seit einigen Jahren in den Karten. Eine solche käme alles andere als überraschend, es gab genügend Vorlauf, um Vorkehrungen zu treffen. Dennoch dürfen wir gespannt sein, wer aus dem Gebüsch der bail-out Hoffnung hervorgekrochen kommt, wenn es soweit ist. Hauptsache gut versichert, hieß es früher so hübsch. Warten wir es ab.

Das kürzlich vorgeschlagene „Reprofiling“ der griechischen Staatsschulden soll sich am Beispiel Uruguay orientieren. Ein einigermaßen unpassendes Exempel, aber seisdrum. Es handelt sich lediglich um eines der beiden Standardwerkzeuge im Umschuldungsbaukasten. Dieser wird dann bemüht, wenn der Realität trotz einer offensichtlichen Zahlungsunfähigkeit und einem in der Bevölkerung durchaus verständlichen Zahlungsunwillen, nicht ins Auge gesehen werden soll. Der bunte Arbeitskreis Hilfslosigkeit, der seit Jahren nicht viel mehr erreicht hat, als Garantien für Land A durch Land B auszusprechen  und die Probleme zu verharmlosen, ist so langsam mit dem Latein am Ende. Dennoch scheut die Politik weiterhin einen Schuldenschnitt. Die Angst vor dem Kreditcoiffeur ist groß. So sehen Entscheider aus.

Dennoch, die Matte muss ab, daran führt kein Weg vorbei. Das angesprochene Reprofiling bestünde aus einer Verlängerung der Laufzeit der Papiere. Sollte es soweit kommen ist nicht mit einer Extension um nur fünf Jahre zu rechnen, selbst wenn diese Zahl kursiert. Der Aufschub gewinnt mit zunehmender Dauer an Wirkung, von daher ist auch eine Verlängerung auf 30 Jahre durchaus denkbar. Dieses Verfahren übrigens „freiwillige Laufzeitverlängerung ausgehend von Griechenland“ zu nennen ist entweder ein Anzeichen von Schwachsinn im Endstadium oder Ausdruck eines grandiosen Sinnes für Humor.

Neben der Verlängerung der Laufzeiten dürfte eine Reduktion der Zinszahlungen erfolgen, die Wirkung des Paketes würde dadurch deutlich erhöht. Der schöne Begriff „Wirkung“ bedeutet in diesem Zusammenhang das effektive Ausmaß der Schuldenreduktion und somit die Verluste der Investoren. Was würde es bringen, wenn Griechenland seine ausstehenden Schulden um 25% reduziert? Das wäre die Summe der allein in 2010 und 2011 aufgenommenen neuen Schulden. Um die Voraussetzungen zu schaffen, überhaupt wieder auf die Beine kommen zu können, dürften auch 50% nicht ausreichen. Es wäre wohl besser, den Schnitt so anzusetzen, dass man die Schuldenschere nicht in fünf Jahren wieder herausholen muss. Bei einem echten haircut von 75% spräche man schon eher von einer ernstzunehmenden Größenordnung. Angesichts der Scheu, sich ökonomischen Realitäten und den Ergebnissen eigener Fehler zu stellen, darf das Erreichen dieses Niveaus getrost angezweifelt werden. (—> Seite 2)

 

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14 Kommentare auf "Softe Pleite? Harter Unsinn!"

  1. Merkel in der Nachkauf-Falle…

    Kennen Sie die Nachkauf-Falle? Sie möchten sich Aktien kaufen, sagen wir 100 Stück für 50 Euro, dass wären 5000 Euro für Ihr Investment. Der Kurs entwickelt sich aber nicht so wie gewünscht und fällt. Sie entscheiden …

  2. Aussteiger sagt:

    „Im Falle eines Haircuts um 50% kann also ein Bestand von lediglich €5 Mrd. griechischer Staatsanleihen das EK um ein Viertel schrumpfen lassen. Der Hebel der Bank würde damit in einem Schritt um 30% zulegen. Damit würde es nicht für das Halten der anderen Assets ausreichen, so dass entweder Assets abgestoßen werden müssten…“

    Dieses Szenario könnte dann einen sog. deflationären Schock auslösen, oder? In diesem Fall würden alle Assets, auch EM kurzfristig extrem im Preis fallen. Cash wäre dann King.

    Was ich nicht verstehe: welche Auswirkung hätte dieser Schuldenschnitt oder Haircut auf die Währung, konkret auf das Bankguthaben eines Sparers? Es heist immer, dass Schulden spiegelbildlich die Vermögen abbilden. Bei einem griechischen Schuldenerlass sind doch erstmal nur die Halter griechischer Bonds betroffen, oder? Müsste dann die Strategie nicht sein, neben EM (sollte man sowieso haben) Rest im cash um im deflationären Schock einkaufen zu können?
    Viele Fragen, aber vielleicht hat jemand ne Antwort?

    • Marcus sagt:

      Die Frage mit dem „deflationären Schock“ stelle ich mir auch die ganze Zeit. Aber ich denke, dafür ist schon zuviel Information darüber bekannt und sicherlich rechnet die Mehrheit sowieso mit einem Haircut – früher oder später. Insgesamt sind die Summen im Falle Griechenland ja noch überschaubar, obwohl es natürlich die Premiere wäre und somit wie bei Lehmann einen Schock auslösen könnte, aber so einfach wiederholt sich die Geschicht nicht. Es wird was passieren, womit keiner rechnet, vielleicht „gar nichts“.

      • Johannes sagt:

        Salve Marcus,

        von einem deflationären Schock redet doch niemand mehr. Alle reden nur noch von Inflation und Hyperinflation. Deflation ist quasi schon gestorben, weil jedes Anzeichen in diese Richtung sofort mit neuem Geld „bekämpft“ wird.

        Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass ein GR- Haircut ähnliche, wenn nicht sogar schlimmere Auswirkungen als Lehmann zur Folge hätte.

        Ich könnte mir schon mal vorstellen, dass z.B. französische Banken, die ja die meisten GR- Anleihen halten sollen, an starkem Vertrauensschwund leiden könnten und somit wieder mal vom Interbankenmarkt ausgeschlossen werden könnten.

        Same procedure as every…. 🙂

        Was aber noch schwerer wiegen würde, wäre der Vertrauensverlust generell in Staatsanleihen. Ich möchte in einem solchen Fall nicht die Verantwortung in Spanien, Irland oder sonstigem PIIGS haben.

        Ein Massenausverkauf von Staatsanleihen wäre meiner Meinung nach die natürliche Folge.

  3. wolfswurt sagt:

    Der Überblick geht dann verloren, wenn der Mensch von seiner vorzüglichen geistigen Gesundheit überzeugt ist im Gegensatz zum Gesunden, den ständig Zweifel ob der Richtigkeit seiner Entscheidungen plagen.

    Meine Anlageentscheidungen treffe ich auf Grundlage der Gesundheit von Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft.

    Von den heutigen Entscheidungsträgern Handlungen auf der Basis gesunder Physis und Psyche zu erwarten, gleicht der Hoffnung von einer 12 jährigen und von BSE befallenen Kuh eine hohe Milchleistung zu erhalten.

  4. Johannes sagt:

    Dazu hat auch einer unserer obersten österreichischen Bänkster seine Meinung geäußert, insbesondere in Hinblick auf die unterschiedlichen Eigenkapitalanforderungen bei Kreditvergaben an Firmen und Euro- Länder.

    Zitat:

    „Ein Beispiel: Eine Firma, die ich seit 100 Jahren kenne, die noch nie einen Verlust gemacht hat und 50 Prozent Eigenkapital hat, möchte jetzt einen Kredit von mir haben. Dann brauche ich als Bank heute zehn Mal so viel Eigenkapital, wie wenn ich eine Anleihe an Griechenland vergebe, wo ich jetzt schon weiß, dass die wenn dann nur über die Steuerzahler zurückgezahlt werden kann“, so Treichl.“

    So wie ich das verstanden habe, prangert er nicht die zu niedrigen Eigenkapitalanforderungen für Staatsanleihen an, sondern die zu hohen für Firmenkredite.

    Ach ja, die Aussage von ihm, dass „Unsere Politiker zu blöd und zu feig sind“ hat er mittlerweile wieder abgeschwächt. 🙂

    Interessant fand ich auch folgende Aussagen von ihm:

    „Eine Deutsche Bank hat eine Bilanzsumme von 2.000 Milliarden und spekuliert mit 1.500.“ Na bumm

    und

    „Ich glaube, dass die nächste Krise nicht über die Immobilien, sondern über die Rohstoffe kommen wird“

    Bei Interesse der ganze Artikel:

    http://derstandard.at/1304551930329/Treichl-Unsere-Politiker-sind-zu-bloed-und-zu-feig

  5. vegaman sagt:

    Hallo,

    also zu aller erst einmal möchte ich betonen, dass ein solcher Artikel in einer solchen Zeit nicht hilfreich ist…

    Grüße

    Am Erkel ;-))

    Aber nun Spaß bei Seite. Beim Lesen des Artikels ist mit ebenfalls das Szenario eines deflationären Schocks durch den Kopf geschossen. Allerdings bin ich mir hier nicht so sicher, ob es wirklich klug ist, Cash im üblichen Sinne zu halten. In einem Deflationsszenario steht am Ende weiterhin der (Geld-)Systemerhalt, somit ist Geld vorhanden, um Waren günstig zu kaufen. In diesem Fall jedoch ist dies zumindest nicht sicher. Ich denke, wir stehen im Sinne der Chaostheorie an einem Punkt, bei dem jeder Wimpernschlag (im wörtlichen Sinne, z.B. bei einer EZB-Pressekonferenz!) zu einem völlig anderen Ergebnis führen kann, mithin wissen wir einfach nicht und können auch nicht wissen, was geschehen wird. Derzeit erscheint mir die beste Beschreibung: „Wir befinden uns in einem (extrem) dynamischen Gleichgewicht“. Die Dynamiken sind – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – Schuldenkrise USA, Euro-Krise, Immobilienblase China, Rohstoffhausse/blase, Liquiditätsschwemme, Demokratiebewegung im arabischen Raum, Lybienkrieg. Die möglichen (großen) Szenarien sind Hyperinflation, deflationärer Schock, Systemzusammenbruch in der westlichen Welt, Krieg (in Europa!) , sowie weiterhin mehrere schöne Sommer ohne Sorgen (ja! Bonus!! Party !!!!).
    Die Party haben wir ja derzeit. Der Scheideweg zwischen Hyperinflation und deflationärem Schock wird am Anfang der Schußabfahrt kommen. Aber ob es ein deflationärer Schock bleibt oder ein Systemzusammenbruch wird, das werden wir geneigte Partygänger zwischen Samstag morgen 08.00 und Sonntag 22.00 Uhr erfahren – nur das Wochenende steht noch nicht fest…und dann ist das schöne Geld, das man noch „trocken“ gehalten hat, um sich die Straßenzüge in der Nachbarschaft zu kaufen, leider weg – und man muss von vorne anfangen… es sein den man ist … …. Am Erkel!!

    Wie auch immer es kommen mag – man wird am Ende wahrscheinlich einfach nur glücklich sein, mit dem Leben davon gekommen zu sein (kein Krieg!) und einen Teil seines Vermögens gerettet zu haben, so dass man nicht vollständig bei Null anfangen muss…

    Nun mag der eine oder andere schon die rosa Pillen rausgenommen haben und meine Adresse suchen, auf dass es mir bald wieder besser gehe… aber wenn man es so angeht ist jeder bessere Ausgang ein Grund für Glücksgefühle… expectation management ats its best!

    Grüße

    vegaman

  6. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo zusammen,

    @Aussteiger

    Ja, die Bondholder wären die ersten Betroffenen. Bei den Einlagen greift die entsprechende Einlagensicherung, die, wenn sie staatlich organisiert ist, ebenfalls pleite wäre. Ob sich in der EU noch viele Freiwillige finden würden, die diese Einlagen dann auch noch garantieren? Sehr fraglich.

    Ob der Ausfall Griechenlands gleich einen deflationären Schock auslöst, schwer zu sagen. Es ist ohnehin nicht unser Ansatz, die Abläufe in Ereignisse zu trennen. Medial ist dies leider sehr oft der Fall. Lybien, Revolution hier, Revolution dar, Staatspleite hüben und drüben. Mit Bildern untermalt wirken all diese Dinge wie Ereignisse. Wir betrachten all dies aber als Prozess. Das Warten auf Ereignisse ist ein bisschen, als würde man auf das Überkochen des Milchtopfs warten, während um einen herum die Wohnung abbrennt.

    Nach dem alten Muster erwarten wir einen weiteren Versuch, die Folgen zu kaschieren und die Löcher zu verdecken. Dieser Weg bedeutet eine weitere Grund legende Destabilisierung des Finanzgefüges. Dies resultiert in weiterer aktiv betriebener Senkung der Kaufkraft der eigenen Währung. Wohlstand lässt sich nicht mit Schulden oder gedrucktem Geld schaffen.

    @Johannes

    “Ein Beispiel: Eine Firma, die ich seit 100 Jahren kenne, die noch nie einen Verlust gemacht hat und 50 Prozent Eigenkapital hat, möchte jetzt einen Kredit von mir haben. Dann brauche ich als Bank heute zehn Mal so viel Eigenkapital, wie wenn ich eine Anleihe an Griechenland vergebe, wo ich jetzt schon weiß, dass die wenn dann nur über die Steuerzahler zurückgezahlt werden kann”, so Treichl.”

    Im Prinzip eine treffende Kritik, allerdings denken wir in der Tat, der Hebel muss insgesamt herunter. Mit einer Senkung der Eigenkapitalbelastung in einem Segment werden keine Probleme gelöst. Schon seltsam, wie sehr man sich an den massiven, dauerhaft nicht tragbaren Hebel von Finanzinstituten in der Branche schon gewöhnt hat.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

    • Johannes sagt:

      Salve Bankhaus,

      volle Zustimmung meinerseits, was dem Blogwart jetzt wahrscheinlich überraschen wird. *fg*

      Komischerweise ist kein Politiker in seiner Empörung auch nur ansatzweise auf die Hebelproblematik eingegangen.

      Ob dies an der von dem Bankster angesprochenen Blödheit der Politiker gelegen ist, oder einfach an der Tatsache liegt, dass Politiker sich ihre Geldbeschaffung nicht unnötig erschweren wollen, sei mal dahingestellt. 😉

      Gruss und Dank für die immer interessanten Beiträge

      Johannes

    • Aussteiger sagt:

      @Bankhaus Rott:

      „Nach dem alten Muster erwarten wir einen weiteren Versuch, die Folgen zu kaschieren und die Löcher zu verdecken.“

      Einverstanden! Ein Ausfall der griechischen Bonds kann vielleicht getragen werden. Das bedeutet fresh money und damit weiter Kaufkraftverlust. Erstmal schlecht fürs eigene cash. Aber wie gehts nach Griechenland weiter? Weitere mögliche Ausfälle anderer Staaten müssen irgendwann bei den Banken, Versicherungen etc. abgeschrieben werden. Dann sollte Druck auf die Aktienmärkte kommen, weil Banken ihr EK aufstocken wollen. Oder jemand kauft den Bondschrott auf. However, wie lange kann unser Geldsystem mit seiner exponentiell wachsenden Geldmenge bestehen? Nicht ewig, aber ein Gläubigerverzicht führt wiederum zur Senkung der vorhandenen Geldmenge, bedeutet Vermögensverlust für Sparer in LVn oder Anleihenhalter. So kann es weitergehen, kontrollierter Schuldenabbau. Nicht zu vergessen die vielen schwarzen Schwäne, die heute noch keiner auf der Agenda hat. Ich war immer ein Gegner von der unendlichen Diversifizierungstheorie im Anlagemanagement, bin eher der Meinung, sich auf wenige Anlageklassen zu konzentrieren. Ich bin einfach gestrickt und halte neben Grund und Boden nur EM und cash in verschiedenen Währungen. der Rest ist mir zu kompliziert. Kracht die Währung, rettet mich hoffentlich das EM, wissen tue ich das natürlich nicht.
      Bleibt abschließend nur das Gefühl, in Zeiten massiver Veränderungen zu leben. Ob die alle gut sind, werden wir sehen.

  7. Bankhaus Rott sagt:

    @vegaman

    Ohhjeh – Das stimmt! Zum Glück war der Artikel alternativlos 😉
    Mit dem Pamphlet ist es schon schlimm, aber wie wäre es nur gewesen, wenn wir nicht zu diesem letzten aller Mittel gegriffen hätten!

    🙂

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

  8. Softe Pleite? Harter Unsinn! sagt:

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