Sofort aufhören!

11. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Ronald Gehrt) EZB-Milliarden kontra zerstörerische Erbsenzählerei, darum geht es in diesen Tagen. Mein Gott, ich bin so wütend! Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass das in den Medien so genüsslich breitgetretene, angebliche Ende der Welt gegen Ende dieses Jahres tatsächlich stattfindet…

…aber nicht durch Naturkatastrophen, sondern durch eine Eskalation menschlicher Dummheit ausgelöst wird. Dieser Irrsinn muss jetzt schnell enden!

An den Börsen ringen die ab Ende Februar kräftig verstärkten Milliarden der EZB, in beliebiger Verfügung europäischer Banken, gegen die langsam doch (endlich!) um sich greifende Erkenntnis, dass die Erbsenzähler in den Chefpositionen der EU dieses mit so viel Optimismus, Engagement (und Blauäugigkeit) begonnene Projekt durch ihre Engstirnigkeit, Profilierungssucht und durch den permanenten Seitenblick auf die meist unqualifizierte Meinung des Wahlvolks in Windeseile vernichten … und den Rest der Weltwirtschaft gleich mit in den Abgrund reißen.

Ich hatte schon im Frühjahr 2010, als der ganze Mist losging, gefordert: Entweder, ihr lasst die Griechen sofort aus der Zwangsjacke der EU heraus oder ihr zahlt gefälligst alle zusammen, was zu zahlen ist! So wäre es gegangen. Jetzt geht gar nichts mehr.

Noch am Donnerstagmittag verkündete EZB-Präsident Draghi, dass sich die griechischen Parteien auf die Annahme der Sparvorgaben der Troika aus EU, IWF und EZB geeinigt hätten. Keine 24 Stunden später verkündete der Chef der rechtsgerichteten LAOS-Partei in Griechenland, dass er dieses Sparpaket doch nicht mittragen werde. Und ich bin versucht auszurufen: Bravo! Denn irgendwo ist mal Schluss. Überlegen Sie doch mal: Davon abgesehen, dass die Griechen jetzt die schwärzeste Seite einer Solidargemeinschaft zu spüren bekommen, nämlich dass diese „Solidarität“ im Falle einer Krise zu einem Diktat in Bereichen ureigenster, nationaler Souveränität führt, zerstören diese Vorgaben jede Chance auf eine Stabilisierung der im freien Fall befindlichen griechischen Wirtschaft.

Wenngleich jetzt – wenn auch viel zu spät – immer mehr Stimmen zu hören sind, die fordern, dass die irrwitzigen, kontraproduktiven Sparvorgaben sofort von konkreten Maßnahmen zur Stimulierung des Wachstums der griechischen Wirtschaft abzulösen sind, so wird doch niemand ernsthaft reagieren. Denn das würde noch mehr Geld kosten (völlig logisch) und erst in mehreren Jahren Erfolge zeitigen, während man sich jetzt mit der lächerlichen, kurzfristigen Erfolgsperspektive eines reduzierten Haushaltsdefizits brüsten kann. Der kurzfristige Erfolg steht meilenweit über Gesundung eines EU-Mitgliedslandes.

Und wenn dieser eine Parteiführer nun hingeht und mitteilt, dass die Grenze überschritten ist … wenn die griechische Polizeigewerkschaft darauf hinweist, dass sie aufgrund des Handelns der Troika diese jederzeit verhaften könnte … dann ist das in meinen Augen nichts anderes als Notwehr. Es geht hier um die Freigabe eines zweiten Hilfspaketes von 130 Milliarden Euro. Und dies wird momentan verweigert, weil man sich bei einem Paket von 3,1 Milliarden Euro an Einsparungen im griechischen Haushalt bei einem Teilaspekt in der Größenordnung von ca. zehn Prozent nicht einigen konnte. Wegen 325 Millionen (also ein Witz), die bei den griechischen Rentnern gekürzt werden sollen, will man 130 Milliarden zurückbehalten? Offensichtlich sind hier einige nicht ganz dicht.

Und wenn ich mir überlege, dass man mit aller Gewalt verhindern will, dass Griechenland aus der Eurozone ausscheidet, weil man „Domino-Effekte“ befürchtet, haut es mich förmlich vom Hocker. Glaubt denn irgendjemand, dass das die Haushaltslage in Italien, Spanien oder Portugal noch mehr verschärfen könnte als es momentan der Fall ist? Dass irgendjemand bei einem Ausscheiden Griechenlands das „Vertrauen in die Eurozone“ verliert? Ist denn noch irgendjemand auf dieser weiten Welt, der nicht erst gestern vom Rübenlaster gefallen ist, tatsächlich imstande, angesichts dieser lächerlichen Aktivitäten der letzten zwei Jahre der EU zu vertrauen? Was tun diese Menschen da?

Das Treffen der Euro-Finanzminister am Donnerstagabend ging dadurch ohne Ergebnis zu Ende. Man verschiebt die Freigabe des nächsten Hilfspaketes erneut. Als ob es dazu eine Alternative gäbe! Wie kann man aber so verquer denken, dass man Forderungen stellt, die in der Relation zur Gesamtproblematik winzig sind, aber so viel Unheil in der griechischen Bevölkerung anrichten? Es gibt schon lange keinen sozialen Frieden mehr dort. Und die Menschen, die dort auf die Straße gehen, haben alles Recht auf ihrer Seite. Letzten Endes wurde die Misswirtschaft doch über Jahre von der EU selbst geduldet, indem sie beide Augen absichtlich zudrückte. Und jetzt sollen die einfachen Menschen dafür büßen, was die Politik in Griechenland und der Europäischen Union über Jahre verbockt hat?


Eine Arbeitslosenrate von fast 21 % im November in Griechenland, von fast 50 % bei den jugendlichen Arbeitnehmern zwischen 15 und 24, kleine Selbstständige und Rentner unter dem Existenzminimum, eine Flucht ausländischer Investoren aus Griechenland, eine Abwanderung des Kapitals der Reichen, einer rapide Schrumpfung der Wirtschaftsleistung, ja das haben diese Maßnahmen hinbekommen. Chapeau!

Und von wegen Domino-Effekt: Ein zweites Hilfspaket für Portugal scheint unausweichlich. Da die internationale Spekulation sich massiv auf dieses nächste Opfer einschießt, ohnehin. Italien und Spanien waren ebenfalls Kandidaten für die Intensivstation und wurden kurzfristig durch gezielte positive Propaganda und massive Anleihestützungen durch die Europäische Zentralbank vom Tropf genommen. Aber dennoch sind sie die nächsten, denn die strukturellen Probleme in diesen Ländern sind dieselben wie in Griechenland. Was also sollen diese albernen Maßnahmen? Was soll diese Erbsenzählerei? Geh doch endlich hin, gebt diesen Ländern ihrer Währungen zurück, nachdem ihnen das Überleben durch einen massiven Schuldenschnitt im Vorfeld ermöglicht wurde und hört auf, diesen Staaten durch kontraproduktive Sparmaßnahmen jede Chance auf eine Stabilisierung zu nehmen!

Aber da ist ja noch der Wille des Volkes. Gerade an diesem Freitag wurde das Ergebnis einer Umfrage des ZDF-Politbarometers veröffentlicht. Demnach zweifeln 66 % der Bundesbürger am Sparwillen der Griechen. Das muss man sich mal vorstellen! Wie würden Sie eigentlich reagieren, wenn man Ihnen ihre Pension oder Rente kürzt, wenn man Ihnen das Gehalt zusammenstreicht, wenn man die Mindestlöhne um 20 % kürzt, wenn man Sie als Staatsbediensteter nach Jahrzehnten der Arbeit entlässt, wenn man die Sozialausgaben und Infrastruktur-Investitionen gegen Null fährt und die Preise gleichzeitig steigen? Wie viel mehr sollen diese Menschen denn noch sparen?

Aber hier sitzt man auf einem hohen Ross, hier kann man aus der Gemütlichkeit eines beheizten Wohnzimmers heraus den Daumen über ein Land senken, das letzten Endes nur so vor sich hin gewurstelt hat, wie es das die Jahrzehnte zuvor auch getan hat. Das den Fehler gemacht hat, den Verlockungen der Eurozone zu erliegen. Doch wer hat denn dieses Land aus Großmannssucht, ebenso wie andere, eigentlich für dieses Projekt nicht geeignete Staaten, aufgenommen? Das waren wir, die Deutschen, wie Franzosen, die anderen Länder der „Euro-Kernzone“, die in meinen Augen, wie schon 2010 orakelt, am Ende kommen wird, weil sie kommen muss. Und jetzt kommen zwei von drei befragten Bundesbürgern daher und Zweifeln am Sparwillen der Griechen? Gut, wenn man die Frage wörtlich nimmt, würde ich das auch bejahen. Natürlich wollen sie nicht sparen, denn das beschneidet ihre eigene wirtschaftliche Situation massiv. Würden Sie das denn „wollen“?

Aber sie tun es, sie setzen es mit aller Gewalt durch … trotz der Gewalt auf den Straßen, trotz der Generalstreiks, trotz der Verelendung breiter Bevölkerungsschichten dort. Ich sage, dass das ein Fehler ist! Sofort aufhören mit diesem Wahnsinn, sonst werden diejenigen, die die Bevölkerung wirklich noch vertreten (aber vor allem die, die es nur vorgeben, die „falschen Propheten“), nicht nur in Griechenland, sondern auch in anderen Ländern Wege finden, dieses Treiben zu stoppen. Und das kann in niemandes Interesse sein!


Aber an der Börse, da ist’s lustig, an der Börse, da ist’s schön. Denn wenngleich es am Freitag zu relativ deutlichen Verkäufen kam, als klar wurde, dass die angebliche Einigung auf das Sparpaket wackelt, der Schuldenschnitt (natürlich) immer noch nicht über die Bühne ist und die Euro-Finanzminister sich selbst vertagten, so haben wir doch einen Kursniveau, das dieser Problematik in keiner Weise entspricht.

Ja, der Witz ist doch, dass es ausgerechnet in Europa, wo jetzt die Heide brennt, deutlich stärker bergauf ging als in den USA oder in Asien! Warum? Weil die europäische Zentralbank im Dezember eine halbe Billion Euro unter die Banken gestreut hat und dies bis Ende Februar noch einmal tun wird.

Und als man das Gerücht hörte, dass es sich bei dieser nächsten Taschengeld-Verteilung nicht um eine halbe Billion, sondern womöglich um das zwei- oder dreifache handeln könnte, gingen die Kurse durch die Decke. Weil die Medien vielleicht, im strikten Gehorsam, nicht thematisieren, wohin dieses zur freien Verfügung ausgegebene, billige Geld wandert. Aber jeder einigermaßen erfahrener Anleger sieht, dass es nicht nur in die Anleihemärkte, sondern auch in Aktien und Rohstoffe hineingeht.

Die Börsen klettern eine Leiter empor, die schon seit mindestens fünf Stufen keine Sprossen mehr hat. Die Schere zwischen der Realität der europäischen Wirtschaft einerseits und dem Bewertungsniveau der Aktienmärkte in Europa andererseits weitet sich so sehr, dass es am Ende mit einer Korrektur nicht mehr getan sein wird.

Ich weiß nicht, was der Auslöser sein wird, um die natürliche Schwerkraft wieder in Kraft zu setzen. Aber dass es so kommen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt unausweichlich. Ich habe in den vergangenen Marktkommentaren ja angeführt, dass diese Versorgung mit Gratisgeld die Börsen wirklich lange oben halten und noch höher treiben kann. Aber nur, wenn hinsichtlich der EU-Krise ein schöner Schein gewahrt werden kann. Und genau dieser scheint mir gerade in diesen Tagen von der EU  abzufallen wie Lack von einem rostigen Tanker. Und eines darf man nicht vergessen:

Wenn die Banken Teile dieses Geldes in die Börsen pumpen, während sie auf der anderen Seite die Ausleihungen untereinander immer noch nicht wieder auf das normale Niveau zurückführen und die Bedingungen für die Kreditvergabe verschärfen, dann tun sie es ja nur, weil sie die Risiken für überschaubar halten. Sollte sich das ändern – und ich habe den Eindruck, dass dieser Prozess langsam beginnt -, werden sie dieses Geld blitzschnell aus Aktien und Rohstoffen wieder abziehen. Und dann werden diejenigen, die hier bedingungslos auf Hausse gesetzt haben, ihr blaues Wunder erleben! Gute Nacht, Europa!

Mit den besten Grüßen
Ihr Ronald Gehrt
(www.system22.de)


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11 Kommentare auf "Sofort aufhören!"

  1. EuroTanic sagt:

    „Offensichtlich sind hier einige nicht ganz dicht.“ Genau das trifft es auf den Kopf. Diese Politiker sind „unnormal“. Ein normaler Mensch kann sich nicht vorstellen, dass unsere gewälten Politiker gerne mit dem Leben ihrer Bürger spielen, wie eine Katze mit einer gefangenen Maus. Ich würde sogar noch weiter gehen. Überall redet man von „Fehlern“, oder „Fehltritten“. Das sind in meinen Augen keine Fehler. Ich behaupte, dass unsere Politiker Menschen ohne Mitgefühl und Reue sind. Parteien fördern diese „Negativauslese“. Nicht die Besten der Besten kommen an die Spitze von Politik und Wirtschaft, sondern die korruptesten und skupellosesten Elemente. Dagegen ist der „normale“ Mensch machtlos. Es passt nicht in sein Weltbild. Er kann sich nicht vorstellen, dass ein „Mensch“ sich an dem Leid und dem Tod anderer Menschen „ergötzen“ kann. Ich rate jedem dazu die Ausführungen zur „politischen Ponerologie un Psychopathie“ zu lesen. Es gibt das Böse unter uns, und wir müssen es als solches erkennen und uns mit allen Mitteln dagegen wehren.

  2. Roland sagt:

    Ich wohne selber in Griechenland. Genau so ist es. Grossartiger Artikel, Kompliment!

  3. wanderer sagt:

    Der Zweck heiligt doch bekanntlich die Mittel. Aus meiner Sicht ist alles sehr logisch. Spaltung, Verwirrung, Destabilisierung, Zusammenbruch, Chaos und dann…? Darauf sollte das Augenmerk gerichtet werden!

    Ich meine, wir kennen doch alle Antworten. Es gibt eine Menge sehr kompetente Menschen, die Lösungswege für die vielen Probleme aufgezeigt haben. Warum werden diese nicht angenommen? Wohl aus gutem Grund.

    Statt sich über kleine Details zu ereifern sollte das Augenmerk auf das Umfeld gerichtet werden. Was passiert da gerade und zu welchem Zweck? Es werden im geheimen Gesetze verabschiedet, Verträge gemacht, hinter verschlossenen Türen verhandelt – natürlich alles ohne Zustimmung der Bevölkerung. Ja, unser Haus brennt, es brennt so lichterloh, dass nur noch ein kontrolliertes Abfackeln möglich ist! Es ist so gewollt und es wurde so hingenommen.

    Es brennt jedoch nicht nur unser Haus und wenn die Weltbevölkerung nicht schleunigst die Augen öffnet und hinschaut, wer sich da im Hintergrund freudig die Hände reibt, wird das Erwachen nach dem Chaos sehr, sehr gruselig sein.

    Die NWO wird kommen! Was wir derzeit erleben ist die Vorbereitung zur Installation eines neuen Systems. DAS IST die praktische Umsetzung! Es geschieht vor unseren Augen und die Mehrheit getraut sich nicht, dies einzugestehen oder schlimmer noch, belächelt dies als „Verschwörungstheorie“. Nein, nein und nochmals nein, hier ist etwas oberfaul!

    Wer immernoch glaubt er habe seine Schäflein im Trockenen und nach dem Chrash kann man dann so richtig Absahnen, irrt gewaltig. Der Euro war von Anfang an eine Totgeburt, ebenso wie die Eurozone.

  4. Chris sagt:

    Sehr geehrter Herr Ronald Gehrt

    Vieles, was Sie geschrieben haben ist richtig.

    Aber über Ihre Aussagen zur Lage der Deutschen und Deutschlands werde ich richtig böse, insbesondere über den vierten Absatz Seite zwei.

    Erstens, die Deutschen wollten in der Mehrheit den Euro nicht, wie konnten sie dann andere Völker in den gemeinsamen Euro zwingen?

    Kennen Sie wirklich die Lage der Deutschen und hier lebenden Ausländer?
    Wissen Sie seit wie vielen Jahren wir Tafeln betreiben, damit zur Zeit noch fast ausschließlich kinderreiche ausländische Familien und alte Menschen nicht hungern?
    Wissen Sie, daß in den reichen Vordertaunus-Städten Eschborn, Kronberg, Oberursel, Königstein, usw. 14 jährige deutsche Kinder in Notunterkünften leben müssen, da die Mieten hier zu hoch sind, obwohl ihr Vater ein hoch qualifizierter Facharbeiter Überstunden während seiner Schichtarbeit leistet?
    Daß Brot wieder selbst gebacken wird, damit die Kinder nicht hungern?
    Das Jugendliche, die zum ersten Mal in ihrem Leben in einem Freizeitpark waren, wir hatten sie eingeladen, es sich nicht vorstellen können, sich einen solchen Ausflug noch einmal in Ihrem Leben leisten zu können?
    Daß diese Kinder, obwohl sie in Mathematik und Naturwissenschaften sehr gut sind, nichts aus Ihrem Leben machen werden, weil die Armut hier in Deutschland sie daran hindert über ihre Schranken hinauszusehen?
    Daß viele Deutsche sich beklagen nach Sozialabgaben und Steuern weniger zu verdienen, als die zahlreichen Schwarzarbeiter(innen) aus Osteuropa, die hier in den reichen Haushalten arbeiten?

    Nein, den Deutschen geht es nicht gut und einen Großteil, der hier lebenden Ausländer auch nicht. Wir Deutsche können diese Lasten nicht tragen. Machen Sie nicht die vielen armen Deutschen verantwortlich für die Lebensumstände der Griechen.

    Gehen Sie mit offenen Augen durch unsere Straßen und Sie werden all diese Dinge sehen.

    Grüße

    Chris

  5. Reiner Vogels sagt:

    Ronald Gehrt hat recht, Chris aber auch. Es gibt auch in Deutschland echte Armut. Die Schere zwischen den Wohlhabenden und den Armen ist in den letzten Jahren immer weiter aufgegangen. Die Verhältnisse in Deutschland sind aber ein anderes Thema. Hier Abhilfe zu schaffen, wäre eine ungeheure Kraftanstrengung. Und über die richtigen Rezepte lässt sich trefflich streiten. Ich tendiere dazu, nichts von mehr Staat zu erwarten, wie es die 6 Linksparteien, die im Bundestag vertreten sind, tun, sondern dazu, staatliche Fesselungen zurückzufahren. Aber, wie gesagt, das ist ein anderes Thema.

    Was Griechenland betrifft, hat Roland Gehrt m.E. in jeder Hinsicht recht. Die gegenwärtige „Rettungspolitik“ verschärft das Elend der Menschen und verdammt sie zu jahrzehntelanger Schuldknechtschaft. Wenn ich Grieche wäre, würde ich mich den Demonstrationen und Streiks vorbehaltlos anschließen. Der Wahnsinn muss gestoppt werden. Sofort! Ohne einen Austritt aus dem Euro und ohne einen wirklichen Schuldenschnitt, den natürlich die Gläubiger bezahlen müssen, die leichtfertig anderer Leute Geld in griechische Staatsanleihen gesteckt haben, gibt es keine Besserungsperspektive. Auch dieser Weg wird hart und entbehrungsreich sein, aber er kann die Wende zum Positiven bringen. Was die europäischen Staatschefs dagegen zur Zeit veranstalten, ist der helle Wahnsinn. Es wird die Krise nur immer weiter verschärfen, bis sie in eine offene Katastrophe mündet.

  6. timesystem sagt:

    Hallo Herr Gehrt,

    auch wenn ich – in der Vergangenheit – mit Ihren Prognosen nicht immer
    übereinstimmte…
    ist dieser Artikel – mit Abstand das Beste – was ich in der letzten Zeit gelesen habe.
    Hoffentlich haben Sie nicht recht…aber ich befürchte doch…denn DIE wissen nicht was Sie tun…

  7. Stuelpner sagt:

    Prima Artikel.
    Ja die Beschreibung/Einschätzung der Deutschen ist sehr verallgemeinert, sicher gibt es diese Art, aber es werden immer weniger und den Großteil haben sie noch nie gestellt.
    Was mich vielmehr stört ist diese Lüge: „…wenn der Euro fällt, fällt EU…“ erstens kann man es sich nur wünschen das Nichtgewähltes von selbst zerfällt, andererseits, wenn die EU so gut und schön ist, wieso werden die Völker in EU schon wieder gegeneinander aufgehetzt??? Die Griechen sind faul, die Deutschen alles Nazis, als nächtes kommen die Portugiesen, weiß nicht was dort schlimm ist, vielleicht wohnen sie zu nahe am Meer, dann die „Spagettis“ und die „Stiermörder“ dann haben wir ja bald wieder einen neuen Auslöser für den Aufschwung bei den Banken und der Rüstungsindustrie.
    „Die faulen Griechen“ so ein Quatsch, wenn alle unter ihr Existensminimum getrieben werden die faul sind, sollten wir im eigen Land anfangen. Was ist wenn diese Faulen auch noch unfähig, korrupt und volksfeindlich sind und sämtliche Entscheidungen gegen das Wohl des deutschen Volkes gehen… ja dann bekommen sie die Hoheit über die Höhe ihrer monatlichen Steuergelddiebstähle.
    Aber noch können wir auf die Ossis, die Hartzer, die Griechen usw. schimpfen also ist alles bestens.

    • Avantgarde sagt:

      So sind die Menschen.

      Am besten fühlt man sich mit einem klar auszumachenden Sündenbock.

      Und seien die Thesen von „faulen Griechen“ auch noch so falsch.
      In der FTD gab es mal einen Faktencheck zu Merkels Griechen-Bashing – ist jetzt aber leider kostenpflichtig.
      Aber um es kurz zu machen: All ihre Vorwürfe waren sachlich falsch – macht aber nix hat den Leuten trotzdem gefallen.
      Und so hält sich eben der Mythos.

      Ronald Gehr hat den Nagel mal wieder auf den Kopf getroffen – Chapeau!

  8. FDominicus sagt:

    Ich stimme nicht mit Ihnen überein. Es gabe und gibt eine Alternative. Nicht bezahlen und das wäre Recht. Und die Griechen von allem „frei“ zu sprechen ist ebenfalls nicht korrekt. Es wurde mit Begeisterung von der EU genommen. Es wurden Infrastrukturmaßnamhen durchgeführt, die man bei ehrlicher Betrachtung nie hätte machen dürfen. Nein die Griechen haben auch Schuld. Am Meisten die Politiker aber genommen wurde offensichlich von allen. Und dann gilt immer noch Heinleins http://fdominicus.blogspot.com/2009/04/i-guess-i-found-my-motto-of-life.html

    Es wurde gesoffen und gekifft und nun kommt der große Katzenjammer. Tut mir leid, seit mehr als 4 Jahren schreibe ich gegen den Rettungswahn an. Es geht nicht. Man kann nicht auf Dauer über Seien Verhältnisse leben. Griechenland ist nur einer der Ersten der es merkt. Was nicht heißt, uns erwischt es nicht auch früher oder später. Mit jedem neuen Hilfpaket mit jedem neuen Gesetzbruch wird es nur „schneller“ passieren. Schadenfreude? Wie soll man sich über etwas freuen können, was einen selber betreffen wird. Nein, ich bin mehr als besorgt und gleichzeitig stinksauer, von so blöden Delebets „regiert“ zu werden. Das System ist ein Betrugsystem und der größte Betrug ist das Scheingeldsystem. Alles andere ist ein folge wie auch von Mises schon feststellte:
    „Es gibt keine Möglichkeit, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu verhindern, der durch Kreditexpansion erzeugt wurde. Die einzige Alternative lautet: Entweder die Krise entsteht früher durch die freiwillige Beendigung einer Kreditexpansion – oder sie entsteht später als finale und totale Katastrophe für das betreffende Währungssystem. “

    In allen entwickelten Ländern machen die Zentralbanken und „Vertreter“ des Volkes genau das am totalen Zusammenbruch arbeiten. Griechenland gibt den Weg vor und Sie sind daran nicht unschuldig.

    Seit der ganze Mist anfing habe ich auch geschrieben. Lasst entweder Griechenland in Ruhe (und damit vielleicht auch gehen) oder wir lassen es und steigen aus. Warum soll das keine Alternative sein?

    Warum war es überhaupt nicht einmal angedacht dem §125 von Lissabon zu folgen? Nein hier sind Betrüger am Werk, die Ihr Betrugswerk vertuschen wollen. Und offenbar sassen/sitzen die größten Betrüger derzeit im griechischen Parlament.

  9. EZB-Präsident sieht Stabilisierung der Eurozone sagt:

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