SoFi verkorkst: Waren es die Griechen?

22. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Beeinflusst eine Sonnenfinsternis die Börse? Quatsch! Das alles war auch nix, denn es wurde ja nicht mal richtig dunkel, meckern Börsen-Astrologen. Oder mussten man da auch sparen?

1929 gab es wenigstens noch einen richtigen Börsen-Crash. Aber heute? Als sich die Sonne zur Sichel verformte, blieb der DAX standhaft über 12.000 Punkten, im Gegensatz zu meiner Nachbarschaft. Dort brach leichte Panik aus – und ich in Gelächter.

Der eine sah wegen der Sichel untrügliche Zeichen für eine Islamisierung des Abendlandes oder die Rückkehr der Sowjetunion. Andere Nachbarn hielten sich mangels Schutzbrillen zwei Bagel vor die Augen und schauten durch die Löcher zum Himmel. Ob auch die Tiere sterben und Vögel vom Himmel fallen werden, fragte ihr Nachwuchs. Ja, wenigstens ist unsere Bildungsindustrie ein voller Erfolg. Damit das so bleibt, wurden vielen Kindern Schulhofverbot erteilt oder in dunkle Räume gesperrt, wegen der Gefahr für die Augen und möglichen Schadensersatzforderungen trotteliger Eltern. Aber alles ging ja gut. Sogar das Stromnetz kollabierte nicht, was man ja vorher gesagt hatte. Die Energiewende in ihrem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf, vor allem, wenn diese dafür verantwortlich zeichnen.

Ich weiß gar nicht, was die Leute am Freitag hatten. Bei mir schiebt sich jeden Morgen der Kirchturm vor die Sonne. Ich habe jeden Morgen so etwas wie eine Sonnenfinsternis. Und in der Nacht steht oftmals der Kirchturm vor dem Mond. Dann habe ich eine Mondfinsternis, manchmal sogar täglich. Seltsam.

Wer am Freitag die Sonne wegen einer Wolken – oder Nebelfinsternis nicht sehen konnte, wurde wenigstens vom DAX geblendet. An der Börse scheint immer die Sonne, und wenn nicht, strahlen Zentralbanker, Politiker und Experten über die Bildschirme, womit man Solarautos antreiben könnte. Janet Yellen war diesmal besonders hell. Die angekündigte Zinswende, die eher kosmetischer Natur sein wird, findet nun später statt, oder eben gar nicht. Den Edelmetallen hauchte das neues Leben ein, vor allem dem Silber, da es ein paar mehr Inflationserwartungen gibt. Das Metall des Mondes wurde in diesem Jahr in Euro 20 Prozent teurer. Das der Sonne „nur“ 12 Prozent, dieser Mist…

Erstaunlich war ja auch, dass der Mond pünktlich vor der Sonne auftauchte, obwohl er sich auf einer Bahn bewegt. Verschwörungstheoretiker behaupten auch, es war gar nicht der Mond, der die Sonne verdunkelte, sondern der Sigmar Gabriel oder ein besagter Finger eines Herrn Varoufakis aus Griechenland.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


 

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3 Kommentare auf "SoFi verkorkst: Waren es die Griechen?"

  1. stonefights sagt:

    Partielle Dunkelfeld-Therapie nennen das die Herren vom Goldman Dax.
    Hierbei wird vital der Blutkreislauf solange stimuliert, bis die Plättchen wie Sicheln aus dem Körper schießen. Die Schweinerei danach hat keiner kommen sehen…
    LG, stonefights

  2. bluestar sagt:

    Sehr schöne Kolumne. Schade, dass nur die Lübecker Nachrichten diese drucken.
    Mein Vorschlag: Eine Sammlung aller Kolumnen der letzten 2-3 Jahre als Buch herausgeben.
    Wäre auch ein geistreiches Geschenk zur Unterhaltung und Anregung zum Nachdenken.
    Ich hätte dann gern ein paar handsignierte Ausgaben vom Meister.

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