So funktioniert die Geldpumpe wirklich

26. Juli 2010 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Es ist doch immer wieder interessant mit Bankern zu reden, die Klartext reden, vor allem, wenn sie an der Quelle sitzen. Wenn man sich dann die Liquiditätsversorgung der Banken erklären lässt, kippt man vor Staunen gerne mal öfters vom Stuhl. Das gehört aber vielleicht zum Berufsrisiko.

Der Banker eines ganz großen Hauses berichtet, dass der Pfandbriefmarkt noch immer tot ist. Die Umsätze aber zeigen das Gegenteil. Ein anderer Banker eines großen Instituts vermutet, dass ein Großteil der Umsätze im Anleihemarkt von den Notenbanken selbst erzeugt werden. „Die werfen sich die Stücke einfach gegenseitig zu“. Damit würden sie ein Funktionieren des Marktes vortäuschen. „Wenn sie nicht am Markt wären, was sie seit Jahren sind, dann stünde dieser wo ganz anders“ fügte er hinzu und gibt zu bedenken, dass die Nachfrage vom „real money“ stark abgenommen hat. Die Unsicherheiten sind weiterhin da.

Banken emittieren beispielsweise Pfandbriefe. Das sind Anleihen, besichert mit Immobilien oder mit dem Zahlungsversprechen des Staates. Spanien läßt vor allem hier grüßen. Schließlich hat sich der spanische Pfandbriefmarkt rasant wie nirgendwo in Europa entwickelt. Da aber Pfandbriefe seit Wochen praktisch unhandelbar sind, kauft die Bank diese selbst wieder auf und bietet sie der EZB als Sicherheit an. Diese gibt den Banken dafür Geld. Sie soll dabei etwas mehr zahlen, als den marktüblichen Preis, so der Banker dieses großen Hauses. Wenn beispielsweise ein spanischer Pfandbrief bei 90% notieren würde (den Preis kann man ja nur ahnen) würde die EZB mehr zahlen. Wo liegt das Risiko für den Emittenten, wenn der Hauspreis fällt? Sehen Sie? Die EZB zahlt an die Bank Cash, dieser bessert die Bilanz auf. Und die EZB hat auch noch ein Wertpapier. Somit kommt neues Geld ins System. Die Bank trägt zwar weiterhin das Risiko, aber nicht wirklich, denn die EZB hält diese über Wasser. Ist das nicht clever?

Hat man irgendwelchen Mist in der Bilanz, ab damit an die Notenbank. Über die Schrottmengen kann man nur spekulieren. Wie kommen aber Banken an das Notenbankgeld der FED oder der EZB heran, die von diesem Handel bislang ausgeschlossen sind? Klar, sie verkaufen ihren Mist an eine andere Bank, die sie dann der Notenbank anbieten kann. Notenbanken ersetzen den Markt.

In der EZB zeichnet sich seit Anfang Juni eine Diskussion über die Akzeptanz von diesen Wertpapieren ab. EZB-Direktoriumsmitglied José Manuel González-Páramo hat eingeräumt, dass die Notenbank über Änderungen ihrer Refinanzierungsregeln nachdenkt. Dabei geht es darum, welche Wertpapiere die Banken zu welchen Konditionen bei der EZB als Sicherheit für Kredite von der Zentralbank hinterlegen können. Vor allem das Rating ist in den letzten Monaten ins Gerede gekommen.

Doch bislang können die Banken den Notenbanken ihren ganzen Schrott anbieten, und erhalten dafür Liquidität. Dieses Geschäft scheint risikolos. Aus dem Cash heraus kann die Bank Kredite vergeben, und auch größere Risiken eingehen. Und sollte ein Schuldner wegbrechen oder ein Geschäft schieflaufen, ruft man die Notenbanker an. Dem System des risikolosen Gewinnoptimierung wohnt natürlich der Keim des Ausnutzens inne. Nicht nur dass das so ist, es wird jetzt schon gnadenlos ausgenutzt, so dass es nur eine einzige Sorge gibt: Inwieweit spielen die Notenbanken in Zukunft mit? Die Bank of England meinte neulich, dass sie das geöffnete Tor wieder schließt, wenn man es ausnutzt. Das ist eher unglaubwürdig, denn ein paar Wochen später würden die Banken wieder ins Trudeln geraten. Und genau das will man ja verhindern. Werden sie das Tor wirklich schließen, obwohl sie vielleicht wissen, dass „die Jungs“ das ausnutzen? Das ist genau die Frage!

Am bemerkenswertesten ist aber, dass die Notenbanken sich nun offiziell dem Kampf gegen die Inflation verschrieben haben und über steigende Leitzinsen sprechen. Im Keller laufen aber Transaktionen, die genau das Gegenteil bewirken, nämlich das Freikaufen von Schlendrianen und das schnelles Ausweiten der Geldmengen und damit einhergehend ein weiteres Anfeuern der Inflation bzw. Teuerung. Zwischen Sein und Schein liegen eben doch Welten.

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