So ein Glück! Es ist erst 1997.

12. Mai 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Während man sich angesichts der politischen Situation eher im Jahre 1984 wähnt erklären uns Bloomberg und das Wall Street Journal, dass wir uns im Jahr 1997 befinden. Und Sorgen machen müsse sich niemand, denn dieses Mal sei es sowieso anders. Es hat lange gedauert, aber schlussendlich sind wir dann doch wieder bei diesem letzten aller Argumente angekommen.

Im Laufe der Jahre denkt man immer mal wieder, so einen Blödsinn kann nicht wirklich jemand erneut verzapfen. Immer wieder wird man überrascht. In den zwanziger Jahren war es das „permanente hohe Plateau“, dass Aktien erreicht hatten (woraufhin sie um gut 90% fielen. Später waren es die Konglomerate, die „Mehrwerte schafften“ (und teils ebenfalls um 90% fielen. Dann gab es viele andere Krisen von denen in der Vergangenheit den meisten noch die Techblase zur Jahrtausendwende und die Finanzkrise im Nachgang zahlreicher Immobilienblasen, unter anderem in den USA, Spanien und Irland, in Erinnerung geblieben sein dürften.

Was auch immer „this time is different“ genau heißen soll. Ein neuer Rekordstand ist ja an sich noch nichts Schlimmes. Bemerkenswert ist jedoch, dass es sich auch dieses Mal wieder um abstruse Bewertungen dreht und die Ausreden die gleichen sind, die man auch 1999 zu hören bekam. Das Unternehmen verdient zwar nicht viel und auch das nur durch offensives Berichtswesen und die ausführliche Nutzung „adjustierter“ Kennzahlen, aber in die Bewertung „wachse man schon hinein“ Vergessen Sie es. Natürlich gibt es Firmen die nie billig waren, wenn man unter billig ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8 versteht. Es ist allerdings etwas anderes, wenn das Shiller KGV des Gesamtmarktes auf dem Niveau des schwarzen Dienstags von 1929 liegt, gleichzeitig der S&P 500 insgesamt mit dem doppelten seines Umsatzes bezahlt wird und viele andere Kennzahlen des breiten Marktes die höchste oder eine der höchsten Bewertungen aller Zeiten aufweisen.

Aber Debatten helfen in solchen Fällen nicht weiter. Wie der oben stehende Ausschnitt dokumentiert, werden auch gerne nette Rechenspiele herangezogen. Man solle keine Angst vor der zu hohen Bewertung haben, die sei erst auf dem (schon hohen) Niveau von 1997. Prima, ein geradezu famoser Ansatz. Wer wird denn gleich den Krieg verloren geben, es ist doch erst Januar 1945! Da geht noch was…

Wenn der normale Anleger vom vermeintlichen fundamental ausgerichteten Anleger zum Trendfolger mutiert ist, dann riecht das absehbare Ende der Geschichte schon jetzt nach Schwefel. Gegen beide Anlageausrichtungen gibt es nichts einzuwenden, allerdings sollte man diese ebenso wie ein Paar Skier nicht mittendrin einfach wechseln, damit man eine Ausrede hat, warum man sich nicht an seine Regeln hält. Wenn die Panik vor negativen Zinsen von 0,4% auf dem Konto schon dazu ausreicht um Menschen in die nicht immer passenden Risiken zu treiben, dann darf man wohl von eher emotionalen als rationalen Entscheidungen sprechen. „Ich will nicht 0,4% Negativzinsen (pro Jahr) einzahlen, da kauf ich lieber schnell noch VW-Aktien.“ Bizarr, aber gerade solche Aussagen machen das ganze Spektakel doch immer wieder unterhaltsam.

Ähnliches gilt auch für die abstruse Bewertung von Tesla, einem Unternehmen, dass bekanntlich nicht nur vom Verkauf von Ideen sondern vom Verkauf von herzustellenden Fahrzeugen leben möchte. Die eine oder andere Investitionen gäbe es da schon noch zu finanzieren, wenn man von den vielen versprochenen Fahrzeugen mehr als nur die bisher sichtbare handvoll ausliefern möchte. Aber vielleicht ist es dieses Mal ja anders…

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2 Kommentare auf "So ein Glück! Es ist erst 1997."

  1. markus45 sagt:

    Das mag alles schon stimmen. Allerdings waren bisher die Krisen auch weniger „gleichgeschaltet“ als in der jetzigen Krise. Wenn alle Notenbanken Geld in die Wirtschaft pumpen, dann kann der Preisanstieg der Aktien zum Großteil durch die größere Geldmenge verursacht sein. Das erste verlorene Jahrzehnt in Japan war vielleicht nur möglich, weil andere Währungsräume andere Rahmenbedingungen hatten als Japan. Mittlerweile nähern sich aber alle (von der Größe her relevanten) Volkswirtschaften an (Ungleichheit: Überschuldung bzw. „Übervermögung“). Selbst Deutschland zieht (Immobilienboom) nun nach.

  2. Aristide sagt:

    Es ist erst 1997? Na da bin ich ja beruhigt. Was war doch gleich 1997… ach ja, Asienkrise. Bevor dann 1998 LTCM und Russlandkrise kamen. Kein Grund zur Sorge. 😉

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