SNS Bank: Eigenkapitalgeber kassieren Prügel

5. Februar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Die Verstaatlichung der SNS Bank in den Niederlanden ist ein bemerkenswerter Schritt in die richtige Richtung. Im allgemeinen Gejammer geht leider unter, dass den Kapitalgebern lediglich das passiert ist, wofür zuvor höhere Renditen eingefordert und geboten wurden. Sie haften im Fall der Fälle. Oh ja…!

Über die ernsten wirtschaftlichen Problemen in den Niederlanden haben wir in einigen Artikeln berichtet, unter anderem im Dezember und im vergangenen Juni. An den in diesen Artikeln geschilderten Entwicklungen hat sich nichts zum Guten verändert. Wie in den Südländern hat sich die Situation auch in den so genannten Kernländern der Eurozone im vergangenen Jahr verschlechtert. An der strukturellen Krise ändern weder die religiös anmutende Jubelrhetorik der Brüsseler Beamten noch die Experimentierfreude der Zentralbank etwas.

Jetzt hat es mit der SNS Reaal in Europa mal wieder eine Bank erwischt. Das ist angesichts der absurd geringen Eigenkapitalausstattung nicht verwunderlich. Bemerkenswert ist jedoch das schnelle und (bisher) kompromisslose Handeln der niederländischen Regierung. Hohe Verluste im eigentlich recht kleinen Immobilienportfolio der Bank verursachten einen akuten Eigenkapitalmangel. Nach einer rasch gescheiterten Verhandlung mit dem Private Equity Haus CVC Partners griff der Staat ein.

Im Gegensatz zu den schwer erträglichen Wursteleien um die spanischen und italienischen Katastropheninstitute Bankia und Monte die Paschi waren die Maßnahmen der Niederländer geradezu herzerfrischend. Man „enteignete“ schlichtweg die Aktionäre und Nachranggläubiger. Das Wort Enteignung ist irreführend, gab es doch nicht mehr viel zu enteignen. Im Falle einer Abwicklung wäre das Eigenkapital und ein Teil des Fremdkapitals ebenfalls futsch gewesen.

Der geheuchelte Hinweis, eine Enteignung sei nicht „marktwirtschaftlich“ greift bei bisher allen kollabierten Banken ins Leere. Alle wären, neben zahlreichen anderen Instituten, bereits seit Jahren pleite und würden abgewickelt. Die Lösung der Niederländer ist somit um einiges marktnäher als so manche Kapitalspritze. Im Grunde wissen das auch diejenigen, die jetzt jammern. Aber wenn das Jammern wie im unseligen Falle der gescheiterten Hypo Real Estate noch ein paar Millionen einbringen kann, wollen wir die tränenreichen Klagerufe niemandem nachtragen.

Vorwerfen kann man dem Finanzministerium, nicht den letzten Schritt auch noch gegangen zu sein, und die vorrangigen Gläubiger (senior unsecured) einzubeziehen. Das Ausmaß des haircuts auf diese Anleihen wäre gering gewesen und hätte eine zusätzliche Kapitalspritze des Steuerzahlers überflüssig gemacht. Damit wäre die Bank im marktwirtschaftlichen Sinne und Einbeziehung der Eigenkapital- und Fremdkapitalgeber ordentlich abgewickelt worden, wie es sich gehört. Da dieser so genannte „bail in“ der vorrangigen Anleihen in der EU erst ab 2018 vorgesehen ist, war die Zeit wohl noch nicht reif.

Schon der Schnitt der Nachrangpapiere scheint interessanterweise viele Marktteilnehmer zu überfordern. Hier fehlt es offenbar an der nötigen Einsicht, dem Wissen oder beidem. Manchmal genügt es zum Geldverdienen jedoch nicht, mit der Breitling am Handgelenk die dicke Hose spazieren zu führen und bei Veranstaltungen ein weltgewandtes Gesicht in die Luft zu halten. Wie sagte es unlängst ein schlauer Kopf: Der Markt ist nicht dafür zuständig, eine bestimmte Rendite zu liefern, weil irgendjemand diese benötigt. Wunderbar! Eine Aussage mit mehr Tiefgang als viele auf den ersten Blick vermuten mögen.

Von einem nachhaltigen Lerneffekt, das zeigen die vergangenen Jahre, sollte ein vorsichtiger Mensch nicht ausgehen. Von anderen Effekten wird man in der kommenden Zeit aber wieder öfter sprechen. Ein wichtiges Thema, das sich nun im Markt ausbreitet, ist die Einsicht, dass es wieder deutlich unangenehmer werden wird, Eigenkapital zu beschaffen.

Die letzten beiden Jahre waren von Renditesucht und Sorglosigkeit geprägt. Beflügelt davon, dem Systemcrash von der Schippe gesprungen zu sein, griffen viele (nicht alle) Versicherungen, Banken und Pensionskassen auch zu den Nachranganleihen anderer Finanzinstitute. Diese Papiere liegen in der Kapitalstruktur zwischen Aktien und senior Anleihen und werden gemäß BASEL Richtlinien anhand bestimmten Kriterien zum Eigenkapital gezählt. Daraus ergibt sich ein Risikoaufschlag gegenüber vorrangigen Papieren. Der Nachteil dieser Papiere wurde den Anleihegläubigern nun vor Augen geführt, es ist das Risiko des Totalverlusts. Der folgende Chart zeigt den Verlauf einer SNS Bank Nachranganleihe.

Tja, da kann man schon mal einen Schluck vom ersten Kaffee verschütten. Zwar können die Nachranggläubiger versuchen, einen Restwert beim Finanzminister herauszuschlagen. Die Niederländer sagten jedoch, man sollte mit einem Restwert von null rechnen, was nach der wirtschaftlichen Betrachtung sinnvoll ist…(Seite 2)

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