SNAP – Es geht um die Wurst!

15. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

(von Bankhaus Rott) Eine Konstante der Außenpolitik der Vereinigten Staaten ist ein ausgeprägter Machthunger. Während man sich zur Not die Krisenherde in der Ferne selber schafft, brennt es mittlerweile auch daheim lichterloh. Mehr als 46 Millionen Menschen sorgen sich derzeit in den Staaten nicht um ihren politischen Einfluss sondern um die Grundversorgung mit Lebensmitteln…

Die vergangenen Jahre werden als Dekade der Nominalwertillusion in die Geschichtsbücher eingehen. Probleme werden nicht gelöst sondern verdrängt, Ankündigungen werden als Erfolge gefeiert und die Steigerung der Assetpreise ist zum Glaubenssatz der Globalsozialisten geworden. Der Beobachter kann angesichts der Hoffnungen der Nominalwertjünger auf reale Erfolge nur fassungslos den Kopf schütteln. Waren sich anfangs vielleicht noch alle einig, dass es sich eher um ein massenpsychologisches Großexperiment handelt, so scheinen derzeit bereits zahlreiche Vertreter der Sekte zum Opfer der eigenen Propaganda geworden zu sein.

Die Idee ist offenbar zu verführerisch und das Rezept von beeindruckender Einfachheit. Man nehme ein halbvolles Glas Milch und fülle es mit Leitungswasser auf. Dann muss man nur noch so lange auf das Glas starren, bis man tatsächlich glaubt, ein volles Glas Milch vor sich zu haben. Das ist Maggi fix für Kaufkraft. Sollte jemand auf den nicht ganz stimmigen Mineraliengehalt hinweisen, werft den Elenden auf den Scheiterhaufen für konterrevolutionäre Schwarzseher! Schöne neue Welt – „Der Aufschwung“ ist bald auch als App erhältlich!

Während sich die Meisterköche an ihrem Gericht laben, sind sich die Menschen des mageren Nährwertes dieser Zauberküche bewusst. Mehr als 14% der Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten sind mittlerweile auf Unterstützung aus dem Lebensmittelmarken-Programm SNAP angewiesen – Tendenz steigend. Die Entwicklung des Gesamtjahres 2011 (gemäß SNAP von Oktober 2010 bis Oktober 2011) ist von bedrückender Stetigkeit. In den letzten Monaten hat sich diese Entwicklung nicht geändert.

Der dauerhafte Berieselungscocktail aus Wachstumsjubel und Terrorpanik soll vermutlich von der realen Lage ablenken. Real ist dabei wörtlich zu nehmen, denn wenn man vom nominalen Zauber den Kaufkraftverlust der US-Währung abzieht, so entpuppt sich die Entwicklung der Einkommen der Bürger als Desaster. Der Einbruch der realen Haushaltseinkommen hat schon zu Beginn der Krise ein doppelt so großes Ausmaß erreicht wie in den vorangegangenen Wirtschaftseinbrüchen. Von der Erholung der paper economy bleiben vielen betroffenen Menschen lediglich Lebensmittelmarken.

Wer real immer weniger einnimmt, der bekommt dauerhaft ebenso reale Probleme. Die derzeit teils erstaunlich robusten Daten zum privaten Konsum verschleiern die wahre Breite des Abschwungs. Wenig wird darüber gesprochen, dass die gesamten realen Konsumausgaben der US-Bürger seit einigen Monaten sogar sämtliche Einnahmen ohne staatliche Transferleistungen übersteigen. Derzeit wird in den Staaten ein Prozent mehr aus, als man verdient. Die Verschiebung ist beeindruckend, zu Beginn der 80er Jahre lag der gesamte reale Konsum noch 15% unter allen realen Einkommen. Selbst in der Jubelstimmung zum Jahr 2000 lag der Wert mit rund 7% deutlich im positiven Bereich. Was, fragt man sich, kommt nach minus 1% und wie lange wird es gut gehen?

Im Kern bedeutet dies, dass die neuerlich aufgenommenen Schulden der privaten Haushalte per Saldo nicht mehr für eine Ausweitung des Konsums ausreichen, sondern lediglich den status quo aufrecht erhalten können. Das ist in etwa so, als wenn Sie jeden Monat ein paar Hundert Euro bei der Bank leihen, weil ihr Gehalt nicht mehr für den Alltag reicht. Eine derartige Phase des hypnotischen Geldausgebens hatte selbst der an Irrsinn nicht arme US-Konsum vorher nie erreicht.

Auch die Zeit, die seit dem letzten Hochpunkt der Realeinkommen vergangen ist, spielt eine Rolle. Sie zeigt die Stärke eines Abschwungs, respektive die Schwäche einer einsetzenden Erholung. Der Rottsche Stressindex für Realeinkommen wird durch die Multiplikation der Wochen seit dem letzten Hochpunkt mit dem prozentualen Abstand zum Allzeithoch ermittelt. In der aktuellen Krise zeigt der Stressindex keinerlei Anzeichen einer signifikanten Erholung.

Es ist schon ein toller Aufschwung, den man sich da herangezüchtet hat. Zusammengesetzt aus sinkenden Realeinkommen, schuldenfinanzierten Alltagsausgaben und der bizarren Selbstfinanzierung des Staates wankt das schaurige Bild eines ökonomischen Frankensteins durch die Weltwirtschaft. Es bewegt sich, aber lebt es auch wirklich?


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