Mit Schirm, Charme und Refinanzierungsproblemen

27. Januar 2011 | Kategorie: Aufgelesen

Smart Investor: Früher war wirklich alles besser. Wer erinnert sich nicht gerne an Schirm, Charme und Melone und die unvergleichliche Emma Peel? Wer ist schon Lena Odenthal dagegen? Zugegebenermaßen sind heute allerdings viele Dinge größer. Schirme zum Beispiel, und ganz besonders Rettungsschirme.

Politische Täuschungsmanöver…

Für viele können Rettungsschirme gar nicht groß genug sein. Fast könnte man den Eindruck haben, mit genügend großen Rettungsschirmen und ganz viel Charme ließen sich Refinanzierungsprobleme für immer und ewig ganz einfach lösen. Derzeit sieht es im medialen Spiegel so aus, als gebe es einen großen Streit zwischen den europäischen Politikern: Juncker gegen Merkel, Barroso gegen Westerwelle und alle gegen Schäuble. Doch das ist ein vordergründiger Eindruck. In der Logik der Bankenstützer, Rettungsschirmaufspanner und Märkteberuhiger gibt es keinen Dissens in der Frage des Markteingriffs durch staatliche Bürgschaftsstellungen.

Es gibt keine durchgreifende Änderung des Denkens, wenn sich deutsche Politiker gegen gemeinsame Eurobonds aussprechen, die im Grunde ja auch nichts anderes sind als um die Ecke organisierte Bürgschaften. Es ist ja in der Tat nicht so schwer zu vermitteln, dass sich die deutsche Exportwirtschaft schwer tun wird, ihre Waren und Dienstleistungen in Länder abzusetzen, deren Bewohner oder Institutionen sich das schlicht nicht leisten können. Doch halt: Genau genommen können sie es sich schon jetzt nicht leisten – aber mit einem genügend großen Rettungsschirm dann irgendwie doch. Das zeigt die ganze Absurdität des Vorgangs.

…und wahltaktische Überlegungen

Vom streng zynischen Standpunkt aus betrachtet muss man sagen: Bloß keine Angst. Wenn Merkel und Co. aktuell den Bremser geben, dann ist das nicht der Erkenntnis geschuldet, mit einem „weiter so!“ nur die Unausweichlichkeit des Crack up-Booms (CuB) zu befeuern – sondern wahltaktischen Überlegungen. Denn dem geneigten Wähler, durch die tiefschürfende Information der Zeitung mit den vier großen Buchstaben umfassend ins Thema eingearbeitet, ist nicht zu vermitteln, dass seine Steuergelder zur Rettung griechischer Pensionen oder irländischer Banken, die so gut wie keine Steuern zahlen, fließen.

Vor 7 Landtagswahlen sind Eurobonds und ein noch größerer Rettungsschirm igitt, nach 7 Landtagswahlen wird beides „alternativlos“ sein. Alles in allem entwickelt sich das CuB-Szenario also mit eher steigender als nachlassender Intensität, da nicht abzusehen ist, wie Griechenland und andere ihre Schuldenspirale nachhaltig durchbrechen können. An der Markteinschätzung des Smartinvestor ändert sich also nichts.

weiter im Smart Investor Smart Investor Weekly.

—–> Kongress unabhängiger Medien am 2.April 2011 in Hannover <—–

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