SLM-Poker in heißer Schlussrunde?

23. Oktober 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Bislang sah es ja so aus, als würde SLM Solutions nach nur zwei Jahren von der Börse wieder Abschied nehmen – mit einem Kursplus von 211 Prozent seit dem Börsengang im Mai 2014.

Schließlich gibt es einen Heiratsantrag des US-Mischkonzern General Electric für die Lübecker Firma über 38 Euro pro SLM-Papier. Das sind insgesamt 672 Millionen Euro. Für ein Unternehmen mit geschätzten 88 Millionen Euro Umsatz in diesem Jahr ist das ziemlich viel. GE bezahlt das aber locker aus der Portokasse. Offenbar haben SLM Solutions etwas, was die US-Amerikaner auch gerne wollen: Ihre 3D-Druck-Technologie für den Flugzeugbau.

Wie sollte es anders sein, schon kam Paul E.Singer mit seinem Geier-Elliott-Hedgefonds um die Ecke und spekulierte auf einen noch höheren Preis. General Electric blieb bislang jedenfalls aber hart. Damit scheint es derzeit unwahrscheinlich, dass man den US-Amerikanern bis zum Montag 24 Uhr 75 Prozent der Aktien andienen wird. Denn allein Singer besitzt schon mehr als 20 Prozent des Unternehmens und will nicht verkaufen – schon gar nicht für 38 Euro, ließ er mitteilen. Damit könnte der Deal scheitern und er sich verzockt haben.

Schließlich hat er die Papiere zu höheren Preisen an der Börse aufgesammelt. SLM Solutions stiegen bis auf 44,30 Euro, stürzten am Freitag unter den Angebotspreis von 38 Euro. Entweder, der Deal scheitert, oder General Electric legt doch nach. Können und wollen sie sich das leisten? Auch GE hat genügend Geld, wir reden hier von Milliarden, im Ausland, die, wenn sie zurück in die USA fließen, mit Steuer belastet werden.

Die Chefs von SLM Solutions haben den Aktionären empfohlen, dem Angebot zuzustimmen, was kaum verwundert. Denn allein die 4,3 Millionen Papiere des Gründers Hans-Joachim Ihde wären für 164 Millionen Euro über den Tisch gegangen. Wer kann und sollte da „Nein“ sagen?

Muss man sich um SLM Sorgen machen? Nein. Schließlich haben sie etwas, was auch andere wollen könnten. Vielleicht geht der Poker nach dem Poker in die nächste Runde und Herr Singer bekommt seine Papiere ohne Verlust wieder los – wann auch immer.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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