Klartext: Situation in der Ukraine bereitet zunehmend Sorgen

17. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Folker Hellmeyer

Es wird deutlich, dass die aktuelle „Regierung“ der Ukraine nicht nur kein verfassungskonformes Mandat hat, sondern definitiv nicht die Unterstützung weiter Teile der Bevölkerung genießt…

Die Tatsache, dass das Militär nicht zuverlässig an der Seite der neuen „Regierung“ steht, drückt dieses Manko nachhaltig aus.

Selbst der CIA (Besuch von CIA-Chef Brennan unter falschem Namen), der nach uns vorliegenden jedoch aus Bremen heraus nicht verifizierbaren Angaben mit einer ganzen Mannschaft in Kiew vor Ort ist, scheint bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht in der Lage zu sein, das Blatt zu Gunsten der qualitativ fragwürdigen Putschregierung mit stark antirussischem Akzent zu wenden.

Wir haben zuvor bereits auf Parallelen der CIA-Arbeit beim Sturz der demokratisch gewählten Regierung unter Mossadeq im Iran 1953 verwiesen. Dazu ein Beitrag der ARD Tagesschau vom 21.08.2013

CIA bekennt sich zum Umsturz 1953 im Iran

Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington

Ein Putsch für die Ölindustrie

Jahrzehntelang hat die CIA geleugnet, 1953 den iranischen Ministerpräsidenten Mossadeq gestürzt zu haben. Nun wurden Dokumente veröffentlicht die beweisen: Die CIA war damals die treibende Kraft. Beim Putsch ging es vor allem um die Ölquellen Irans.

Es war nicht wirklich lange ein Geheimnis, wer hinter dem Putsch im Iran steckte. Doch erst 2009 hatte mit Präsident Barack Obama der erste US-Regierungschef öffentlich angedeutet, was geschehen war – und das nicht zufällig in seiner Kairo-Rede: „Mitten im Kalten Krieg spielten die Vereinigten Staaten eine Rolle beim Sturz einer demokratisch gewählten iranischen Regierung.“

Damals hatte Obama noch auf Namen und Adresse verzichtet, doch nun räumte auch der US-Auslandsgeheimdienst CIA seine treibende Rolle formal ein. Denn sie begann 2011, erste streng geheime Dokumente von „streng geheim“ herabzustufen. Nun stellte das unabhängige Archiv für Nationale Sicherheit an der George Washington University diese Dokumente erstmals für die breite Öffentlichkeit im Internet zur Verfügung.

Müssen wir jetzt auch wieder 60 Jahre warten, bis ein Eingeständnis (ohne Konsequenzen für Täter) dieser Taten (Bruch des Völkerrechts?) in der Ukraine, die den Tatbestand von Staatsterrorismus diskussionswürdig machen, erfolgt.

Sind die „Smoking Guns“ der verdeckten Finanzierung einer Opposition mit 5 Mrd. USD im Zeitverlauf der letzten 20 Jahre (zum Vergleich, wie viel Einnahmen hatte die CDU oder SPD in den letzten 20 Jahren!) und schlussendlich der Finanzierung einer Putschregierung inklusive des sich anschließenden Besuchs des CIA-Chefs unter falschem Namen nicht genügend implizite Belege?

Um was geht es wohl jetzt bei der Ukraine? Um Freiheit und Demokratie der Ukrainer oder um indirekte Destabilisierung Russlands mit dem Ziel, den zukünftigen Zugriff auf die Rohstoffreserven dort, nachdem dieser Zugriff nach der Ära Jelzin (westliche Finanzmittel für Aufbau von Oligarchen, System Saudi Arabien/ Südamerika) durch Putin verhindert wurde, zu gewährleisten?

Sind wir uns in Kontinentaleuropa bewusst, welche Politik wir hier unterstützen? Gerade der Umgang der USA mit den Rohstoffreserven des Irak sollte Mahnung sein. Wem steht der Nutzen dieser Rohstoffe zu? Was kommt bei dem irakischen Bürger an?

Wir wünschen den Menschen der Ukraine von Herzen Selbstbestimmungsrecht, auch in der Ostukraine. Wir sind darüber hinaus der Meinung, dass nicht der „Westen“ (hier EU) den Schaden der oligarchischen Misswirtschaft bezahlen sollte. Dafür gibt es kein Mandat!

Ob für die Ukraine mit dem CIA und der aktuellen westlichen Intervention Demokratie und Freiheit gelingen kann und wird, ist bezüglich der Länder, in die der „Westen“ in den letzten 15 Jahren Demokratie und Freiheit exportiert hat (siehe auch Iran 1953 …), mehr als fragwürdig. Das angerichtete Chaos ist erheblich und hat eben nichts mit den Werten der Freiheit und Demokratie zu tun. Andererseits lässt sich feststellen, dass die „Demokratie- und Freiheitsopfer“ Libyen oder Syrien enge Kontakte zu Russland unterhielten …“Food for thought!“

Vor diesem Hintergrund gibt es keinen Raum, sich in der kontinentaleuropäischen Außenpolitik auf Naivität und guten Glauben zu verlassen. Das sollte unserer Regierung auch nach der NSA-Affäre vollständig und umfassend bewusst sein. Unser Grundgesetz hat dazu eindeutige Passagen! Genf bietet heute Möglichkeiten! – Das passt doch zum Osterfest und christlicher Ethik!

©Folker Hellmeyer – Bremer Landesbank

 

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6 Kommentare auf "Klartext: Situation in der Ukraine bereitet zunehmend Sorgen"

  1. Avantgarde sagt:

    Vielen Dank!

    Einer der wenigen Aufrechten die sich so etwas auch im Rampenlicht trauen zu sagen.

    Aber seien Sie vorsichtig falls sie demnächst eine Einladung von Markus Lanz erhalten.
    🙂

  2. bluestar sagt:

    Vielen Dank auch von mir !

    Mut zur Wahrheit ist heutzutage leider nicht selbstverständlich.

    VG

  3. Argonautiker sagt:

    Schließe mich an, schöner Artikel Herr Hellmeyer,

    und im weiteren Sinne, halte ich es für durchaus möglich, daß die „Ukraine Inszenierung“ durch die Finanzherren der USA, nichts anderes ist, als die so genannte Unterbreitung eines „Angebotes, welches man nicht ablehnen kann“.

    Wem es nicht aufgefallen ist, die Folge aus dieser Inszenierung ist, daß unsere Führung den TTIP dadurch quasi als unabdingbar ansehen, und ihn so schnell und leise wie möglich durchwinken wollen. Angeblich um vom russischen Gas unabhängig zu werden, wobei es unmöglich wäre kurzfristig auf US Gas umzustellen, weil wir gar nicht die Logistik hätten, um von der Pipeline auf andere Transportwege auszuweichen. Und mal ganz davon abgesehen, das die USA trotz Fracking, gar kein Gas übrig haben, um es im großen Stil an Europa abzutreten.

    Aber man benutzt dieses Argument um zu begründen, daß der TTIP wichtig ist. Das was mittlerweile an Inhalten vom TTIP durchgesickert ist, ist, daß dieser Vertrag den US Konzernen zusichert in Europa, auch gegen Nationalinteressen der einzelnen europäischen Staaten, ihre Richtlinien durchsetzen zu können. In einer Welt in der die Wirtschaft die oberste, man möchte fast sagen „Gottheit“ darstellt, würde das die EU in die Nähe bringen, zu einem Bundesstaat der USA zu werden.

    Im Klartext, würde ich das, was in der Ukraine gerade passiert, so deuten, daß es einen eindeutigen Hinweis an die Regenten Europas ist, der heimlichen Übernahme durch die USA via TTIP zuzustimmen-, weil die USA sonst nämlich in jedem anderen europäischen Lande genau die gleiche Inszenierung installieren könnte, wie sie es in der Ukraine getan hat. Denn große Teile der Bevölkerung sind unruhig genug, um sich genau so leicht manipulieren zu lassen wie dort.

    Das ist ein recht übliches Vorgehen der amerikanischen Finanzherren. Sie machen ein Angebot was man nicht ausschlagen kann. Aber schlägt man es doch aus, ihre Regeln, des „american way of life“, anzunehmen, führen sie diejenigen auf die ein oder andere Weise in einen Krieg.

    Ist es nun schlau seitens Europa sich „freiwillig“ auf dieses Angebot seitens der USA einzulassen, oder ist es dumm? Oder sollte man in diesem Falle gar nicht die Frage nach schlau und dumm stellen, sondern wo bleibt die Wahrheit, die dem Menschen ein freies Dasein sichert?

    Welche Alternative gäbe es? Könnte man sich mit Russland zusammenschließen? Russland hat auch seine Oligarchen, und auch wenn sie derzeit selbst unter Druck stehen, würden sie nicht wahrscheinlich irgendwann ähnlich agieren wie die Finanzherren der USA, weil sich eben die Finanzwelt als solches, vom Diener zu Herrn gemogelt haben? Gäbe es eventuell noch eine andere Möglichkeit? Wäre Europa in der Lage alleine zu stehen? Also weder mit Russland noch mit der USA? Ohne Abstriche sicherlich nicht. Würden die Menschen Europas Abstriche hinnehmen um wirklich eigenständig zu werden? Es ist also unverkennbar wohin die Reise geht. Europa wird der Gang durch Golgatha wohl nicht erspart bleiben.

    Gruß aus Bremen

  4. bluestar sagt:

    @Argonautiker
    Interessante Fragen, die Sie in Bezug auf Alternativen aufwerfen.
    Egal wie man es nimmt, die schlechteste aller Alternativen ist wohl sich mit jenem zu verbünden,
    der moralisch verfault, faktisch insolvent und wirtschaftlich marode ist, die ganze Welt ausspioniert sowie bedroht und die Werte Marktwirtschaft, Demokratie und Freiheit verraten hat. Antiamerikanisch sind die Herrschenden in den USA selbst.
    Wertet sie los, oder ihr werdet mit ihnen gemeinsam untergehen – gilt für die USA und natürlich die Eurokraten.
    Mittlerweile erwachen ja auch Vertreter der deutschen Wirtschaft und werfen der EU in Sachen Russland totales Versagen vor.
    Das Schweizer Modell hätte Zukunft in Europa. Unabhängige, blockfreie Staaten mit Demokratie, mündigen Bürgern und nationaler sowie europäischer Identität. Geschäfte zum gegenseitigen Vorteil mit all jenen machen, die die Rechnungen bezahlen können und nicht mit Steuergeldern alimentiert werden müssen.
    So wie es jetzt mit EU, Euro, US-Duckmäuserei, TTIP, NATO, Ukraine usw. läuft, geht die Sache mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für uns Deutsche total in die Hose.
    Die alte politische Weisheit – „Der Feind steht im eigenen Land“ muss mit „und in Übersee“
    ergänzt werden.

    VG an die Weser

  5. Argonautiker sagt:

    @ Bluestar 18. April 2014 um 13:33

    Selbstverständlich gäbe es Möglichkeiten um den Gordischen Knoten zu lösen. Allerdings müsste man es auch tun. Aber wie es sie, und einige Andere, zu erkennen meinen, sind wir leider Meilenweit davon entfernt, es in Angriff zu nehmen. Im Gegenteil, die Verantwortlichen verbünden, oder unterwerfen sich, und überantworten damit ihre Anvertrauten denjenigen, die uns immer mehr in die Lüge verknoten.

    Nein, man kann wirklich nicht behaupten daß die, die unseren Garten gestalten sollten, ihre Sache gut machen. Wenn sie es wenigstens einsehen würden, daß sie nicht dazu in der Lage sind, dann könnte sich ja wenigstens aus dem Untergrund etwas entwickeln, aber sie scheinen fest davon überzeugt zu sein, daß es alternativloth ist, was sie tun.

    Aber wer nur Fortschritt als Möglichkeit kennt, wird eben im Falle eines Irrtums, diesen auch bis zum Ende gehen, anstatt innezuhalten und zu überlegen, ab wann man wahrscheinlich die falsche Abzweigung gewählt hat, um dorthin zurückzukehren und den richtigen Weg einzuschlagen. Es ist eben mal wieder so, daß man zum totalen Krieg aufruft. Alternativloth.

    Und ich habe den Eindruck, man ist so beharrlich den Weg des Irrtums weitergegangen, daß eine Bereinigung höchst unwahrscheinlich ist. Vollkommen ausgeschlossen ist es nicht, aber nahezu. Denn zu viel ist falsch, und vor allen Dingen, man macht kein Anstalten es zu ändern, man will das Falsche weiter tun, und es für wahr erklären.

    Karfreitag ist der Tag, an dem Jesus am Kreuz gestorben ist. Geschichte wiederholt sich so sagt man. Ich denke, wir sind in der Zeit, in der wir bald nachempfinden werden, wie es ist, schuldlos gekreuzigt zu werden, während man Räuber und Mörder begnadigt. Die Weichen dafür sind gestellt, daß wir nun auch die „Sünden“ Anderer übernehmen werden. So oder so.

    Was zuversichtlich an Ostern stimmt. Es gab eine Auferstehung. Es besteht also Hoffnung,…, NACH Golgatha.

    Einen Ostergruß an die Oberweser

  6. samy sagt:

    Wie sagt Hellmayer immer? Genau: „Food for thoughts“.

    In diesem Sinne stelle ich einmal den Link ein.

    „http://www.darmstaedter-signal.de/meinungen/juergen-rose-zur-ukraine-mourir-pour-kiev/“

    Der Autor Jürgen Rose war Oberstleutnant in der Bundeswehr und ist heute Mitglied des „Darmstädter Signals“. Offenbar ein Zusammenschluss kritischer ehemaliger Bundeswehrangehöriger, der mir bis heute unbekannt war.

    Der Artikel gefällt mir, weil er noch einmal versucht ein „Big Picture“ zu zeichnen. Ob der Autor nun in wie weit Recht hat oder nicht, dass sei einmal dahin gestellt. Sollte er aber 100% Recht haben, so gibt es allerhand Anlass zu glauben, dass der Ukrainekonflikt noch an Fahrt gewinnt. Und hat er zumindest nur teilweise Recht, so wird der Konflikt sehr langsam abkühlen, bis die Kriegstreiber -so müsste man diese dann nennen- von dem Plan ablassen, weil Chancen und Risiken ungünstig jetzt erscheinen.

    Bliebe noch die optimistische Möglichkeit, dass der Autor total im Unrecht ist. Es gibt dann keinen Masterplan (Big Chessboard) oder gerne auch Miniplan, der abgespult wird. Die streitenden Parteien sind also mehr oder weniger auf Grundlage von Fehleinschätzungen und falsch verstandenen Signalen in die Situation gestolpert.

    Nur daran mag ich nicht mehr glauben. Man hat die ukr. Opposition sicherlich nicht aus Jux mit 5 Mrd. Dollar vollgepumpt. Der Return of Investment, der war mit Sicherheit eingeplant.

    Business ist schließlich Business.

    VG

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