Sind Sie noch Sparer?

8. Juni 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Unsere Kinder werden uns später fragen, was war eigentlich der Zins? Wir werden lange nachdenken  und ihnen dann erklären, dass das eine verrückte Zeit war, als es noch Zinsen gab…

Erst wurde der Zins auf die rote Liste der bedrohten Finanzarten gesetzt. In etwa Mitte 2014 galt er als ausgerottet. Nur unter dem Mikroskop war er noch sichtbar, war also zu vernachlässigen. Aus den Leit-Zinsen wurden Leid-Zinsen. Er hatte nichts mehr zu leiten, sondern brachte Sparer zum Leiden. Manche von ihnen gingen davon aus, auskömmliche Zinsen auf Guthaben gehörten zur Charta der Menschenrechte. Sie sollten sich täuschen.

Aber Sparen ist ja doof wie der Zins selbst. Experten bemühten sich zu betonen, dass hohe Zinsen den DAX am Steigen hinderten, Mietpreise am Boden hielten und das Alltägliche nicht so schnell teurer gemacht haben. Pfui Teufel! Weg damit! Und so geschah es dann auch. Das Sparbuch wurde zum Parkbuch. Und Parken kostete wie auch sonst Gebühren.

Viele begannen, ihr Geld in Krimskrams und Schnickschnack zu tauschen. Das waren lustige Zeiten! Zur gleichen Zeit starben auch die Guthaben-Zinsen. Ein paar Jahre später geriet der Zins in Vergessenheit, auch wenn es 2010/11/12/13/14/15/16… hieß, diese Null-Zinsen gäbe es nur für eine Übergangzeit, die dann völlig überraschend sehr lang dauerte.

Irgendwann, wir wissen es nicht genau, geriet der Zins in Vergessenheit. Der Kapitalismus besiegte sich selbst und der Zinssozialismus führte uns direkt zurück in die DDR – nur diesmal globaler und ohne Mauern. Wenn das der Honecker erlebt hätte!

Wir werden den Kindern später dann berichten…

„Es war einmal ein „Super-Mario“, der versuchte, Europa zu retten. Mario war wirklich super und wurde später heiliggesprochen. Und in der Tat! Nachdem die Politik den Euro erfand und installierte, zankte sie sich durch die Jahre und der arme Mario musste (sollte?) die Eurozone zusammenhalten. Es war göttlich, wie er den Zins ermordete, nur etwas später als seine Kollegen in Übersee. Niemand soll es schlechter gehen, dafür vielen besser. So ein Kohl!

Erst wurde es anders, dann verrückter und zum Schluss tanzten die Pleitegeier auf Droge. Dabei warnte Draghi vor der nächsten Finanzblase, kippte Benzin aus und die Börse fing Feuer. Und alle riefen Halleluja!

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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