Sind Sie ein Zombie?

21. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

„Es war unglaublich“, so ein Kollege, der sich mit der Komplexität des Lebens beschäftigte. „Mein Sohn wurde verhaftet, weil er eine Marijuana-Zigarette dabei hatte. Ich musste mit ihm zum Gericht. Zuerst schien die Richterin zu wissen, dass das eine Farce ist…

Sie sah meinen Sohn und die anderen Kinder an, die bei derselben Party waren, und die mit ihm verhaftet worden waren.

Sie sagte: Sie müssen realisieren, dass Marijuana im Bundesstaat Maryland gegen das Gesetz verstößt. Das ist auch eine Tür für weitere, ernsthaftere Probleme. Jeder Drogenabhängige, den ich bei mir im Gerichtssaal hatte, begann mit Haschisch.

Laut meinem Kollegen erhielt dann jeder eine Strafe von 50 Dollar, zusätzlich zu den Gerichtskosten von 57 Dollar pro Person. Aber jeder musste auch ungefähr 1.500 Dollar für seinen Anwalt zahlen, der mit im Gerichtssaal war, aber nicht wirklich etwas zu sagen hatte. „Und das war das Ergebnis einer Razzia eines Studentenwohnheims auf dem Campus. Die Polizei trat die Tür ein und verhaftete fast jeden. Und was fanden sie?

Ein paar Marihuana Zigaretten. Alleine die Kosten für all dasdie Polizeidie Rechtsanwältedas Gerichtdie Eltern. Und für was?

Das Problem mit Komplexität

Joseph Tainter (der Autor von „The Collapse of Complex Societies“) glaubt, dass der Rückgang von Zivilisationen auf das Problemlösen zurückgeführt werden kann. Er sagt, dass jedes Problem zu einer Lösung führt, welche größere Komplexität beinhaltet. Bürokratien, Hierarchien, Regeln und Regulierungen werden auferlegt. Diese Dinge kosten Zeit, Energie und Ressourcen. Letztlich werden die Kosten zu groß. Komplexität erhöht die Kosten, ohne den Output zu erhöhen. Letztlich erzielt die Zivilisation einen Netto-Verlust, Netto-Renditen Nicht jeder verliert.

Es gibt einen großen Transfer von Reichtum: Von produktiven Bürgern hin zu Lobbyisten, Anwälten, Bürokraten, Polizisten, Richtern, Beratern und Psychologen, Sozialarbeitern und Tausenden anderen.

Es gibt verschiedene Formen von Komplexität. Die erste Form der Komplexität hilft, die Kosten zu reduzieren. Die zweite erhöht sie. Die erste macht das System robuster – wie ein Netz kleiner Straßen in einer großen Stadt. Die zweite macht das System verwundbarer – wie eine einzige große Autobahn. Das erste erlaubt Experimente, Innovation und Korrekturen. Das zweite schneidet Innovationen ab und unterbindet Korrekturen. In der natürlichen Komplexität einer dynamischen Wirtschaft gedeihen Unternehmer. Aber Planer bevorzugen Komplexität in ihrer gelenkten Form. Warum? Das ist einfach zu verstehen und noch einfacher zu manipulieren.

Sicher, man könnte das Steuersystem durch eine einfachere Variante ersetzen – aber dann wäre das zu Lasten von Tausenden von Insidern. Da geht es besser zu Lasten von Millionen von Outsidern – diejenigen, welche nicht von dieser Komplexität profitieren.

Eine Lektion aus dem Alten Rom

Künstliche, auferlegte Komplexität forciert die Verteilung von Macht, Status und Reichtum anhand vorgeschriebener Linien. Eine dynamische Wirtschaft hingegen bietet keine Rezepte für Erfolg und nur ein paar einfache Regeln: Man soll nicht stehlen, zum Beispiel. Bei vorgeschriebener Komplexität hingegen hat man zahllose neue Regeln, welche einen dazu zwingen, gute Rechtsanwälte zu beschäftigen und Buchhalter. Künstliche Komplexität erhält man in einem System ohne funktionierenden Markt, denn da gibt es keine Möglichkeit zu wissen, was die Dinge wert sind oder was oder wer wertvoll ist und was oder wer nicht.

Im römischen Reich sank der landwirtschaftliche Output pro Person, während die Bevölkerung stieg. Das Problem wurde durch eine Politik der Eroberungen angegangen. Die Römer nahmen Ressourcen – Korn, Sklaven, Gold – von ihren Nachbarn. Aber dafür war eine große Armee notwendig, welche ein teures, Energie kostendes Unternehmen war. Und die freien Bauern konnten nicht mit gestohlenen Importen und den großen mit Sklaven betriebenen Gütern konkurrieren.

Die Renditen gingen zurück und wurden letztlich negativ. Das Imperium kollabierte.

Das war nicht notwendigerweise negativ. Wenn die Renditen negativ sind, ist man besser dran, das Programm zu stoppen. Und die archäologischen Erkenntnisse sagen, dass viele Menschen nach dem Kollaps des Imperiums sogar besser ernährt waren.

Der Aufstieg der Zombies

Die römische Politik der Eroberungen war so erfolgreich, weil sie es schafften, die eroberten Menschen zu Unterstützern des Regimes zu machen, da ein Großteil der Armee aus nicht-römischen Soldaten bestand. Auch das britische Imperium war darin gut. Es begann mit der Unterwerfung der Schotten, welche das Rückgrat der britischen Armee wurden. Auch die heutige US-Armee hängt stark von Soldaten aus den südlichen Bundesstaaten ab, welche von Abraham Lincolns Armeen im Bürgerkrieg in den 1860ern erobert wurden. Zuerst tendiert eine Gesellschaft dazu, robust und effizient zu sein – oder „simpel“, wie es Tainter sagt. Später senkt die zusätzliche Komplexität die Renditen. Diese Komplexität kann als eine Form des Problemlösens beschrieben werden – noch besser versteht man sie als Versuch der Eliten, an ihrem Reichtum und ihrer Macht festzuhalten. Das wird geschaffen durch Menschen, welche Wege finden, mit dem System zu spielen.

Sie verdienen Geld ohne nützlichen Output zu liefern (obwohl sie vielleicht hart arbeiten). Die Wachstumsraten verlangsamen sich, weil ein großer Teil der Energie der Gesellschaft in unproduktive Bereiche geht.

Kurz gesagt: Immer mehr Geld geht zu Zombies.

Was sind „Zombies“? Weder tot noch lebend, aus wirtschaftlicher Perspektive, sind das Menschen, die auf Kosten anderer leben.

Sind Sie ein Zombie? So stellen Sie es fest: Ohne Staat – würden die Menschen Sie freiwillig dafür bezahlen, was Sie tun? Wenn nicht, sind Sie wahrscheinlich ein Zombie. (Seite 2)



 

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