Sind Sie bereit für einen Crack-up-Boom?

17. Februar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Janet Yellen machte am vergangenen Mittwoch beruhigende Bemerkungen über eine „schrittweise“ Rückkehr zu angeblich normalen Zinssätzen. Zunächst stieg der Dow Jones. Dann müssen die Investoren wohl erkannt haben, dass eine Rückkehr zur Nomalität nicht auf der Agenda der Fed ist. Der Dow beendete den Handelstag schließlich mit einem satten Minus von 99 Zählern.

Wir haben keine normale Notenbankpolitik seit den Nixon-Jahren mehr gesehen. Normal ist ein Währung durch Gold gedeckt, nicht durch PhD-Ökonomen. Nur kurz und immer nur episodisch hat die Welt im Laufe der letzten 2000 Jahre mit reinem Papier oder „Fiat“-Geld geflirtet. Jedes Mal dauerte die Affäre nicht lang … und man bedauerte es danach für eine lange Zeit.

Crack Up!

Unter dem Regime des Goldstandards stammt Kredit von echten Ersparnissen. Diese sind in der Regel nur limitiert vorhanden, so dass die Zinssätze normalerweise irgendwo in der Bandbreite zwischen 3% bis 6% liegen.

Realer Kredit kommt von Geld, das gespart wird … der Verbraucherwirtschaft entzogen wird, so dass es für Notfälle und Investitionen verwendet werden kann.

Wenn der Kredit dann zurückgezahlt wird – in der Regel aus erhöhter Leistung – ist die Welt dann tatsächlich reicher geworden. Aber versuchen Sie, die Wirtschaft mit Scheinkrediten zu überlisten – Geld, das nie verdient wurde und auch nie gespart – dann handeln sie sich nur Ärger ein:

Jörg Guido Hülsmann vom Mises Institute bringt es auf den Punkt:

„In keiner Periode der menschlichen Geschichte ist Papiergeld spontan auf dem freien Markt entstanden. In allen bekannten historischen Fällen, ist Papiergeld entstanden durch staatlich geförderten Vertragsbruch und andere Verletzungen von Eigentumsrechten.“

Geben Sie mehr Geld aus, gibt es der Wirtschaft immer einen temporären Schub. Die Leute denken, sie seien reicher. Sie geben mehr aus; sie wollen mehr und mehr. Aber was passiert dann?

Ludwig von Mises, der bekannte Ökonom der Österreichischen Schule kennt die Antwort:

„Der Boom kann nicht unbegrenzt fortgesetzt werden. Es gibt zwei Alternativen.

Entweder fahren die Banken weiterhin mit der Ausweitung der Kreditvergabe ohne Einschränkung fort, welche zu ständig steigenden Preiserhöhungen und einer ständig wachsenden Orgie der Spekulation führt – die, wie in allen anderen Fällen der unbegrenzten Inflation in einem „Crack-up-Boom“ und in einem Zusammenbruch des Geld- und Kreditsystems endet.

Oder die Banken stoppen, bevor dieser Punkt erreicht ist, freiwillig jegliche weitere Kreditexpansion und lösen damit die Krise aus.

Die Depression folgt in beiden Fällen.“ Sind Sie dafür bereit, liebe Leser?

Negativer Vermögenseffekt im Fokus

Seit Beginn des Jahres fiel der Dow um etwa 7%. Aber bestimmte Börsensegmente sind viel stärker gefallen. Zuerst Energiewerte … dann Technologiewerte und dann auch noch die Banken. Die Aktie der „too-big-to-fail-Bank“ Citigroup ist um fast 28% in diesem Jahr gefallen. Und die Aktie von Europas größter Bank, der Deutsche Bank, ist um mehr als 36% eingebrochen.

Wie immer, wir wissen nicht, wohin das führt. Aber wir haben zu Beginn des Jahres ja oft davor gewarnt, dass es der Beginn einer schweren Baisse sein könnte. Und sogar noch mehr!

Der Nobelpreisträger und Ökonom Paul Samuelson sagte ja, dass der Aktienmarkt bekanntlich neun der letzten fünf Rezessionen vorhersagte.

Eine weitere Studie zeigt auf, dass ein Rückgang der Aktienmärkte von 10% zu einer Wahrscheinlichkeit von 50% der Vorbote einer Rezession ist. Das sollte hoffentlich klar sein.

Ein Kurssturz am Aktienmarkt prognostiziert nicht nur Schwierigkeiten in der Wirtschaft; er löst diese auch aus.

Der von der Fed hoch geschätzte „Vermögenseffekt“ funktioniert in beide Richtungen. Wenn die Aktienkurse fallen, halten sich die Anleger mit ihren Ausgaben zurück, und die Wirtschaft leidet darunter.Je weiter die Aktien fallen … desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaft den Aktien nach unten folgt.

Dies besorgt die Zentralplaner.

An einem Strang ziehen

Der Chefkommentator der Financial Times, Martin Wolf, meldet sich zu Wort:

„Was könnten die Zentralbanken tun, wenn die nächste Rezession kommen sollte und die Zinsen jetzt schon niedriger sind als sie es 2008 waren? Einer Studie der in London ansässigen Resolution Foundation zufolge sei dies sehr wahrscheinlich. Die Zentralbanken müssen für diesen Fall vorbereitet sein.“

Wie?

„Der wichtigste Teil dieser Vorbereitung ist es, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass sie wissen, was zu tun ist.“

Viel Glück damit!

Die eine klare Lehre aus den letzten acht Jahren ist, dass die Zentralbanken entweder nicht wissen, was sie tun … oder sie wissen es und tun es absichtlich nicht.

Zum Wohle des heutigen Tagebuchs schenken wir ihnen den Vorteil des Zweifels. Wir gehen davon aus, dass sie eher unfähig als böse sind.

Es ist keine Schande, unfähig zu sein, vor allem wenn es darum geht, die Weltwirtschaft zu verwalten. Wir glauben nicht, dass das jemals ein Mensch tun könnte.

Also, Frau Yellen und alle anderen können weiter erhobenen Hauptes durch die Welt gehen. Sie haben zwar versagt, aber ihre Mühen sind ohnehin vergeblich…

Quelle: Kapitalschutz Akte
Sind Sie bereit für einen Crack-up-Boom? (von Bill Bonner)
Negativer Vermögenseffekt im Fokus (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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