Sind die Lichter angezündelt…

25. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

Glosse von Frank Meyer

Ein Freund und bekannter Schreibspecht der Lübecker Nachrichten hatte ein Bild von einem Riesenrad auf Facebook gestellt. Nicht besonders, bunt, glitzernd, blinkend – wie einst die Sterne von Europa, von denen einige verdächtig flackern wie meine alte Weihnachtsbaumbeleuchtung. Das Bild mit dem Riesenrad passt ganz gut in unsere Tage. Erst übernimmt man sich, dann übergibt man sich…

Wir sitzen in dieser Gondel und die ersten Technokraten drücken Knöpfe und bedienen die Hebel. Inzwischen ist mir etwas flau in der Magengegend, was sicherlich nicht am Glühwein liegt. Ich hasse Glühwein, wegen des dazu gekauften Katers am nächsten Tag – alles für 3 Euro oder 6 Mark.

Man sich mit Europa offenbar zuviel zugetraut. Irgendwelche Kreaturen haben uns ohne zu fragen in diese Gondel geschupst, ohne dass man lange überlegen konnte. Und nun kreist man irgendwo zwischen Himmel und dem Boden der Realität. 60 Meter hoch ist so ein Rondell der Lust und des mauen Bauchgefühls. Und jetzt dreht sich das ziemlich schnell. Drehen muss es sich, denn Stillstand bedeutet Rückschritt. Irgendwo her kenne ich diesen Spruch, wahrscheinlich aus dem Zentralkomitee, das damals in Ost-Berlin tagte und jetzt im schönen Brüssel.

Gibts was Neues aus der EZB? Sie hat nun für fast 200 Milliarden Euro Staatsanleihen aufgekaut. Aus dem Haus der Zentralbank quillt unaufhörlich weißer Rauch. Nein, es ist nur umweltverträglicher Wasserdampf. Noch.


Doch seien wir mal ehrlich: Das Thema mit der Schuldenkrise, die als Eurokrise getarnt daher kommt, nervt die meisten im vermeintlichen Kaufrausch mitten im Weihnachtsstress, der neuen Frisur von Mister Copy-Paste oder die Suche nach einem neuen Wetten dass-Moderator. Macht doch was ihr wollt, wird sich der eine oder andere denken. Vielleicht steckt ja etwas ganz anderes dahinter? Mal sehen… (Seite 2)


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5 Kommentare auf "Sind die Lichter angezündelt…"

  1. JayJay sagt:

    Ich sage nur, Schöner Beitrag und lesenswert.
    Gold & Silber Ahoi

  2. rolandus sagt:

    Hervorragend in einer Zeit die wahrlich im Nebel (der Floskeln und Platitüden) versinkt.

    Schön Gruß ins Ried /Köln
    rolandus

  3. FDominicus sagt:

    Wahrheit bös verpackt….

  4. gilga sagt:

    Und ich frag mich (mal wieder) immer, wie das Verhältnis von Frank und seiner Nachbarin (und umgekehrt) aussieht…

    Hat jemand schon seinen Weihnachtswunschzettel abgeschickt? Bei mir stand ein Urlaubstag für Günther Jauch drauf. Stattdessen muss zur gleichen Sendezeit der Frank zur Moderation ran (sorry). Die geladenen Gäste?

    Max Otte
    Marc Faber
    Kyle Bass
    (und vlt. Dirk Müller)
    +jemand aus (oder auch ehemals aus) der EZB wäre auch nicht übel.

    Da ist dann jeder (relevante) Kontinent und viele Sichtweisen vertreten.

    Und auf der „anderen Seite“? Na mal sehen wer von unseren (Regierungs-)Politikern da gerade nach dem Blick auf die Gästeliste noch Zeit hat… Schäuble, Rösler und Konsorten?!

    Und dann bitte nicht nur rumgeeier durch mehr schlecht als recht geführte Diskussion (daher der Frank). Sondern Fakten (mit Grafiken wo sinnvoll unterfüttert; hier könnte man sich den Steffen von Querschüsse als Off-Gast mit dazuholen) und dazugehörige Fragen. Klare Ansagen wohin es in den nächsten Monaten in der Politik geht/gehen müsste (beide Seiten!) und Bewertung durch die einzelnen Gäste.

    Das wird/wäre ein (Schlacht)Fest! Ich bin sicher, da steigt dann auch Rauch auf. Sowohl im Studio als auch über den Köpfen der Zuschauer.

    Man soll ja noch träumen dürfen…

  5. saxo sagt:

    “We can only achieve a political union if we have a crisis,”(N.Y.Times)
    Das scheint mir wohl der Kernsatz dieses Artikels zu sein und bei Lichte betrachtet arbeitet „man“ sehr zielstrebig daraufhin. Im Augenblick ist „man“ wohl noch bei der Installation dieser politischen Krise… Aber diese Installation ist schon relativ weit fortgeschritten. Wenn selbst Nigel Farrage schon von einem „durch Deutschland“ dominierten Europa spricht, wird es wohl für „die Deutschen“ bald Zeit in sich zu gehen und demütig ein „Versailles 3.0“ regelrecht zu verlangen.

    Gruß aus Sachsen

    saxo(nian)

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