Sind Crashpropheten Spinner?

20. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Crashs wohnte immer schon etwas Magisches inne. Es gibt’s sowohl Crashs aus heiterem Himmel, aber auch Zusammenbrüche, die es nicht eilig haben und in Zeitlupe ablaufen. Davon nimmt kaum jemand Kenntnis, außer natürlich den Crash-Propheten…

Die Spezies für schlechte Börsenlaune haben vermutlich keinen heiteren Beruf. Man nimmt an, sie leben tief unter der Erde. Dort beobachten sie, umgeben von Dauerkonserven, Goldtalern und schlechter Laune bei Kerzenlicht die Märkte und bangen um die Reste ihrer verbliebenen Put-Positionen. Ab und zu tauchen sie im Fernsehen auf, dem zoologischen Garten für Börseninteressierte und stoßen dort ihre Warnungen aus. Wenn es schief geht, nennen sie einen Zeitrahmen. Meist aber sind sie zu früh dran. Ganz so einfach ist es aber nicht.

Das Gegenteil von Crash-Propheten sind die Boom-Propheten. Diese Spezies ist da schon anerkannter als die Schwarzmaler, auch wenn sie wie ihr Gegenpart zeitlich auch immer zu früh oder zu spät sind – eine Heilsarmee für geschundene Börsenseelen oder für Hilflose mit einer Art Anlagenotstand bzw. mit Hausverbot im Spielcasino.

Ich kenne ja einige Crash-Propheten, die ich besser als kritische Beobachter oder als Warner bezeichnen würde. Sie sehen etwas, was die Masse (noch) nicht sieht. Sie zeichnen sich meist durch gute Kenntnisse in Sachen Geschichte aus und deren Vorliebe für das Reimen. Wobei… einige der Warner sind äußerst geschäftstüchtig, besonders mit extremen Prognosen. Die Leute und besonders die Medien stehen auf Extremes, da oft selbst extrem…

Derzeit macht man sich über Crashpropheten gerne lustig. Besonders wenn Kurse stark gestiegen, Röcke kürzer, Lippenstift röter, das Benehmen schlechter geworden ist und Hochhäuser am höchsten geplant werden. Das scheint derzeit der Fall zu sein.

Crashpropheten sind vermutlich die Geschwister von Verschwörungstheoretikern. Ihnen rennt der Ruf als solches dank eines diffamierenden Stempels auf der Stirn weit schneller voraus als die Realität ihnen hinterher. Einige der besagten Spezies schafften es sogar zu Berühmtheit, vor allem, wenn sie einmal richtig gelegen haben wie beim Lotto. Davon zehren manche das ganze Leben. Dabei sind das Zusammentreffen von Crashs und die Vorhersage von diesen statistischen Zufällen….

Sicherlich ist eine gewisse mediale Aufmerksamkeit hilfreich für ein Geschäftsmodell, welches einträglicher ist als darauf zu setzen, dass sich Börsen irgendwann zusammenfalten. Glauben Sie im Ernst, jemand erhält heute mit einer sachlichen bzw. nüchternen Analyse mediale Aufmerksamkeit? Nicht doch! Börsen faltet es erst dann zusammen, wenn heutige Dauer-Intervention und künstlicher Verzerrung ausbleiben. Danach sieht es nicht aus. Von daher: Keine Sorge! Der nächste Crash kommt bestimmt, hat aber Zeit und keine Uhr.

Schnelle und langsame Crashs

Wer an dieses böse Wort denkt, der meint meist einen Crash nach unten und dicke rote Schlagzeilen. Allerdings gibt es auch Crashs nach oben. Diese sind besonders hinterhältig. Man sieht sie nicht, selbst wenn sie neben einem auf dem Sitz Platz genommen haben. Manchmal schlagen sie schneller zu, manchmal langsamer. In Zeiten des Positivismus sind die „Nach-oben-Crashs“ wesentlich beliebter als die nach unten. Sie fühlen sich einfach besser an.

Das Dumme an schnellen Crashs ist, dass sie sich nicht ankündigen und große Schäden anrichten. Langsame Crashs bleiben unbemerkt wie der Kaufkraftverlust des Geldes oder das wachsende Misstrauen gegenüber Politik und Eliten. Die Kirche kennt sich mit langsamen Crashs aus. Jedoch empfiehlt es sich, dort weniger Rat in dieser Sache zu holen, wenn dann schon direkt und von ganz oben… (Seite 2)



 

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3 Kommentare auf "Sind Crashpropheten Spinner?"

  1. cubus53 sagt:

    Crashpropheten stellen sich mir wie folgt dar. Sie werden nicht müde, einen Crash anzukündigen, für das Frühjahr, dann eben für den Sommer, den Herbst und letztendlich für den kommenden Winter. Irgendwann wird es natürlich einen Crash geben – warum auch immer. Dann werden sie sich als Gurus feiern lassen, indem sie behaupten, sie hätten kurz vorher den Crash vorhergesagt.
    Was nutzt mir das als Kleinanleger ? Nix !

    • FDominicus sagt:

      Auch als Kleinanleger sollten Sie nicht glauben es ginge nur nach oben und Sie können auf eines wetten, irgendwann kommt nach dem Boom immer der Bust. Es wird immer von den Experten so getan als sei die Richtung doch ganz klar. Genau das ist schlicht und einfach so nicht wahr. Die „Experten“-meinungen gehen so. Der Kurs steigt heute, also auch morgen. Und das funktioniert öfter als es schief geht. Es gibt selten Tage wo die Kurse Jo-jo spielen. Heute rauf, morgen runter, übermorgen rauf.

      Womit die angeblichen Experten punkten ist, wenn Sie ein paar mal die Tage erwischen an denen Sie von dem oben genannten Schema abweichen und es anders kommt. Diese Leute werden dann Experten…, bis sie dann im nirgendwo verschwinden. So ergeht es aber nicht nur den Gesundbetern sondern eben auch den Propheten. Mir fällt da gerade speziell Frau Barzelli (oder so ähnlich ein)

      Sie können sich auch selber ein paar Fragen stellen. Wurde in den vergangenen Jahren wirklich überall so bombig verdient? Damit würden Sie schon tiefer graben als 90 % aller Experten. Dazu kommt noch ein unerschütterliches Vertrauen bei den Börsenteilnehmern, schlauer zu sein als der Rest der Welt. Immer ein Garant dafür böse auf die Nase zu fallen…

  2. Michael sagt:

    Ja. Aber die Propheten sind unterhaltsam. Der gewählte Betrachtungswinkel ist durchaus interessant.

    Wir haben einen Tunnel auf der Umfahren bei dem wird der Verkehr in stadteinwärts fahrend getrennt von jenen die die Stadt umfahren. Jetzt fährt man aus der Stadt herausfahrend auf einer Spur die durch Sperrlinie getrennt ist auf die Umfahrung. Sie wissen wenn sie die Autos anschauen dass irgendjemand die Sperrlinie ohne Blinken überfährt, aber nicht welches Auto und zu welchem Zeitpunkt. Ob dann ein Umfall passiert, es crashed, oder allein Hektik entsteht weiß keiner.

    Viel klarer ist es bei Korrekturen. Das ist das Kind auf der Schaukel, das immer höher schaukelt. Die Frage die in dem Fall bleibt springt das Kind oder fliegt es ungewollt.

    Es ist nicht die Umkehrung der Argumente für den Preisanstieg das Argument für den Ab- respektive Ausstieg. Allein da sich jemand ob der Eleganz der mitgelieferten Maus sich für einen Laptop entscheidet heißt noch lange nicht, dass er den verkauft zum günstigeren Preis, da die Maus kaputtgeht. Einen Crash löst die Meinung der wenigen aus die zu dem Zeitpunkt noch bereit sind zu kaufen. Die Frage ist eher wieviele schließen sich der Meinung an.

    Selbst wenn man die Crashmuster reinschaut, da ist oft eher ein uneinheitliche Meinung die sich schnell ändert der Treiber, wenn die Hoffnung zu oft stirbt in zu kurzer Zeit. Das ist der Nährboden für die Enttäuschung in der Breite. Dann werden die Börsen depressiv.

    Ich kann mich trotzdem im Moment im DAX ganz erwärmen für ein Rückkehrszenario. Es kann sich durchaus ein nettes kleines Muster rausbilden das man vor dem Runterrasslen findet. Im Sentiment kann ich keine besonders negative Stimmung orten, dort wo kein Stimmung kann sie auch nicht negativ sein.

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