Sind Computer die besseren Anlageberater?

1. Dezember 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

An Begriffe wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Big Data haben wir uns ja schon gewöhnt. Aber welche Bedeutung haben sie für die Anlagepolitik?

Dieser Frage versuchte bei einer Konferenz der Finanzanalysten-Vereinigung DVFA am vergangenen Montag ein Expertenteam aus Bankern und Unternehmensberatern nachzugehen. Die wohl wichtigste Erkenntnis daraus: Die Branche der Fondsmanager und Vermögensverwalter täte gut daran, die Digitalisierung in Anlageentscheidungen umzusetzen.

Im Einzelnen: Wer die Herausforderung durch riesige Datenmengen und ihre ihre Umsetzung nicht ernst nimmt, verliert im professionellen Anlagegeschäft den Anschluss und muss am Ende aufgeben. – Dank Smartphones sind Datennutzer in kürzester Zeit erreichbar. Sie verlangen dasselbe von den Anlageprofis. – Besonders die stark wachsende Zahl anspruchsvoller Anleger will nicht einfach nur einen Fonds verkauft bekommen, sondern strebt eine individuelle Problemlösung an. – Erst 15 Prozent der Deutschen besitzen Fonds. Da stimmt offenbar etwas nicht im Vertrieb, das heißt letzten Endes in der Beratung. – Fintechs versuchen, die Lücken zu nutzen, die ihnen die etablierten Banken und Sparkassen überlassen. Doch neun von zehn Fintechs werden den harten Wettbewerb nicht überstehen. – Mit ETFs ist den traditionellen gemanagten Fonds viel Konkurrenz erwachsen. Das liegt nicht zuletzt an der besseren Datennutzung.

So weit ein paar wichtige Eindrücke von der Konferenz. Bleiben wir noch beim letzten Punkt und damit bei einer entscheidenden Frage: Welche Daten sollen überhaupt genutzt werden? Mehrere Datenpakete bieten sich an: Kurse, Geschäftsberichte, Kennzahlen, Studien von Analysten, Daten aus der Geld- wie auch der Fiskalpolitik – und was sonst noch? Zu viel, um den Überblick bewahren zu können, dazu noch die Datenvernetzung. Wer Vermögen verwaltet, ist in Anbetracht dieser Art von Big Data schnell überfordert. Und es kommt noch schlimmer. Denn die Verfügbarkeit von Daten ist nicht automatisch gewährleistet, ihre Gewichtung unterscheidet sich je nach Anlageziel, und obendrein sind sie interdependent.

Dass Computer die besseren Schachspieler sind, daran haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Aber sind sie auch die besseren Anlageberater und Vermögensverwalter? Diese Frage stellt sich nicht zuletzt in Anbetracht des Siegeszugs der ETFs. Deren Erfolg ist im Wesentlichen auf die Kombination aus niedrigen Kosten und breiter Risikostreuung zurückzuführen – und auf den Irrglauben vieler, wahrscheinlich sogar der meisten Anleger, ETFs nähmen ihnen die Anlageentscheidung ab. Gerade das tun sie aber nicht, denn entschieden werden sollte sinnvollerweise aufgrund von finanziellen Zielen der Anleger statt nur nach niedrigen Kosten und gestreuten Risiken.

Wer legt die Ziele fest? Sinnvollerweise die Anleger. Und wer soll sie in zielgerechte Anlagen umsetzen? Geht man davon aus, dass die meisten Anleger damit überfordert sind, lautet die spontane Antwort vermutlich: Anlageberater. Das erfordert allerdings, dass sie von ihren Kunden allerlei persönliche Daten abfragen, was in der Regel nicht automatisch funktioniert. Und es kostet Geld, das die Kunden allerdings nur ungern zahlen, weil sie fälschlicherweise davon ausgehen, dass Bankdienstleistungen umsonst zu haben sind. Die meisten Banken und Sparkassen haben sich deshalb für ein Geschäftsmodell entschieden, in dem Anlageberater zu Verkäufern mutiert sind, die ihren Instituten helfen, Ausgabeaufschläge und allerlei Gebühren zu kassieren.

Doch dabei wird es wohl nicht mehr lange bleiben. Denn so, wie die Digitalisierung dem Verkauf von ETFs einen großen Schub gegeben hat, so wird sie auch gemanagten Fonds zugute kommen. Dann wird sich die Tätigkeit von Anlageberatern immer mehr auf echte Dienstleistungen rund ums Geld statt, wie bisher, auf den Fondsverkauf konzentrieren. Dabei werden riesige Datenmengen anfallen, die dank exponentiell steigender Verarbeitungsgeschwindigkeit eher den Kunden als deren Banken oder Sparkassen zugute kommen dürften.

Pessimisten wittern trotzdem schon Kollateralschäden, die sich daraus ergeben könnten, dass Menschen durch Maschinen ersetzt werden. Das ist sicher denkbar. Doch worin besteht die Alternative? Im Weiter so wie bisher bestimmt nicht. Für die Pessimisten hält Hans-Christian Boos, Chef der Softwarefirma Arago, diesen Trost bereit: Über kurz oder lang würden zwar 80 Prozent der Tätigkeit von Menschen durch Computer ersetzt; aber wie die vergangenen Jahrhunderte bewiesen hätten, seien nach jeder industriellen Revolution mehr Arbeitsplätze entstanden als vernichtet worden.
© Manfred Gburek – Homepage

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Ein Kommentar auf "Sind Computer die besseren Anlageberater?"

  1. Argonautiker sagt:

    „aber wie die vergangenen Jahrhunderte bewiesen hätten, seien nach jeder industriellen Revolution mehr Arbeitsplätze entstanden als vernichtet worden.“

    Das mag durchaus so sein. Die Frage ist, ob sich die Lebensqualität durch die Industrialisierung und Schaffung von Arbeitsplätzen, für die Meisten gebessert hat. Und mit Lebensqualität ist nicht die Konsumqualität gemeint, sondern eben wirklich die Lebensqualität. Also das aus sich, in sich Wohlfühlen.

    Das Leben steht seit der Industrialisierung eben wesentlich weniger im Mittelpunkt. Der Mensch soll sich anhand seiner Funktion innerhalb des Industrieellen Automatismus orientieren, und nicht mehr anhand seines inneren emotionalen Wohlbefindens. Ein Grund warum Burnout, Depression, und Konsorten, eine Wachstumsrate haben, von dem Börsenkurse oder Wirtschaftswachstum nur träumen können. Die Seele macht nicht mehr mit, weil ihr das nicht mehr entspricht.

    Man kann das nur immer wieder, wiederholen. Unsere Bewußtheit ist definitiv nicht der Herr in unserem Dasein. Wenn wir es nicht hin bekommen, wieder unser Sein, und nicht unsere Funktion in den Mittelpunkt zu stellen, wird vom Unbewußten eine Korrektur eingeleitet werden, die auch nicht davor zurückschreckt uns in die vorelektrifizierte Zeit zurück zu befördern.

    Es ist absoluter Irrweg, wenn Menschen in eine Funktionalität gepresst werden, die nicht ihrem inhaltlichen Dasein entspricht. Auch dann nicht, wenn ihnen Neuzeitlich, dieses in eine falsche Form gepresst sein, dadurch erleichtert, indem man ihnen Maschinen in die Hand gibt, die ihnen das Tun abnehmen, weil ihnen das eben nur das in die falsche Lebensform gezwängt sein erleichtert.

    Der Mensch wird wieder dahin geführt werden, wo er das tun kann, was ihm entspricht, und dann braucht er auch keine Maschinen, die die Aufgaben für ihn erledigen, weil er dann wieder Lust hat das zu tun, was er da tut, weil es ihm entspricht.

    Mit einem Herrschaftssystem ist das natürlich niemals erreichbar, es sei denn, der Herrscher würde für den Einzelnen das befehlen, was dem Einzelnen entspricht, anstatt ihn nach seiner Vorstellung funktional so einzusetzen, wie es zu seiner Ideologie, mit ihm als Oberhaupt, am Besten passt. (Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry). Selbstorganisation mittels Nächstenliebe wäre das Zaubermittel.

    Und auch das kann man nicht oft genug wiederholen. Darwin hat mit seiner Theorie lediglich eine Seite der Entwicklung beschrieben, indem er das sich Durchsetzen gegen Andere beschrieb. Und zwar hat er die Seite der Bewußtheit beschrieben. Inwendig, also so wie sich die einzelnen Zellen in einem Wesen zueinander verhalten, herrscht selbstorganisierende Nächstenliebe. Und es war schon richtig, als mal jemand vor 2000 Jahren sagte, man müsse das Innere auch nach Außen kehren.

    Die Schöpfung erweist in uns zu jeder Zeit, daß die Nächstenliebe funktioniert, und zwar wesentlich besser, als jegliches Herrschaftssystem dazu in der Lage wäre. Es gibt kein politisches Hirn, welches sich bei der Koordination des Wesens nach Mehrheiten orientiert, sondern es orientiert sich objektiv durch Nervensignale und Hormonelle Botenstoffe nach Bedürftigkeit.

    Beziehungsweise ist der Teil des Hirns, welches sich um die innere Wesenserhaltung kümmert, also das was im so genannten Unbewußten passiert, nicht so geartet. Lediglich die Bewußtheit, ein ganz junges Teil des Hirns, welches das Ich in dieser Welt repräsentiert, hat die wirklichen Zusammenhänge und das Wunder des Lebens welches da an ihm vollzogen wurde, noch nicht ganz begriffen.

    Und das dieses Wunder eben dadurch zustande kommt, indem die Schöpfung eben nicht der darwinistischen Illusion verfällt, daß nur das Stärker überlebt. Wir leben zwar auf der Erde, und das ist nicht das Paradies, also müssen wir uns Durchsetzen, aber unsere Schöpfung fand, und findet nicht auf der Erde, sondern im Paradies statt, sodaß es im Leben unter anderem darum geht, sich zwar ausreichend genug, aber so wenig wie möglich gegen die Anderen durchzusetzen und ein maximales auf Nächstenliebe basierendes Miteinander einzugehen.

    Und genau dieses bewußte Ich muß es wie ein Kind lernen, daß die darwinistische Welt lediglich die noch nicht durch die Schöpfung vollkommen geläuterte ist. Diese Ich, das alte Ego, wird nicht umhin kommen, lernen zu müssen, sein Ich in den Dienst des Gesamten einzufügen, weil, wenn es das nicht tut, dieses Ich die Welt, und damit auch sich, in die gleiche Zerstörung führt, wie es dem alten Ego Luzifer passiert ist, als er partout meinte, daß er als Teil, größer und wichtiger als das Ganze sei.

    Man muß jedoch auch von der Idee weg, daß Luzifer grundsätzlich böse ist. Ist er nicht. Er ist der Wille, die Energie, die alles antreibt und wird erst dann Böse, wenn er sich selbst mehr als auch der Welt dient. Leider treibt Luzifer in vielen Menschen gerade wieder viel zu viele böse Blüten.

    Ich mag diesem Artikel also so gar nicht zustimmen. Diese Technik, also auch die Finanztechnik, dient derzeit vornehmlich einigen Egos, um es ihnen besser zu ermöglichen, andere in ein ideologisches System zu unterjochen, anstatt ein Miteinander mit ihnen einzugehen. Ein Wesen, welches sich innwendig so verhalten würde, wie es Politik und Finanzwesen gerade zum Rest der Bevölkerung tut, wäre nicht mehr lange lebensfähig.

    Unsere Führer sind derzeit leider zum großen Teil Opfer des größten aller Verführer, dem alten Ego geworden. Und zwar vollkommen egal welcher Religion sie angehören, oder was für ein politisches oder wirtschaftliches System sie benutzen. Weltweit herrscht bei den Herrschern das Zwang ausüben, und ein miteinander Leben und Leben lassen ist ihnen ferner denn je.

    Final sehe ich die Welt vor dem Ergebnis dessen, was Generationen von Herrscherkulturen den Menschen angetan haben. Man wähnt sich vor dem Endsieg, weil es nur noch die Entscheidung zwischen freiwilliger totaler Versklavung, oder Krieg gibt, und man beide Positionen bestens besetzt hat. Und es würde auch gelingen, wäre da nicht das Unbewußte, von dessen Größe und Möglichkeiten die Bewußtheit des Ichs nicht den Hauch einer Ahnung hat.

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