„Silberne Kugel“ oder Silberstreif?

30. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart InvestorWie sollen sich Silberinvestoren nach dem Blutbad verhalten?! In der letzten Ausgabe hatten wir uns ausführlich mit dem Pfingstmassaker bei den Edelmetallen beschäftigt. Diese offenbar nicht völlig natürliche „Marktbewegung“ wurde von der Hong Kong Mercantile Exchange (HKMEx) noch am Pfingstmontag – also genau zu den Bewegungstiefs – genutzt, um die Regeln zu ändern…

Der Handel in Gold- und Silberkontrakten wird eingestellt. Die offenen Positionen werden zwangsweise geschlossen und in bar(!) abgegolten. Wer also glaubte, sich über einen Terminkontrakt die künftige Lieferung physischer Ware zu einem fest vereinbarten Preis sichern zu können, sieht sich geprellt. Statt Gold und Silber gibt es Papier – gezwungenermaßen und pikanterweise unmittelbar nach einem Preissturz.

Damit reiht sich die relativ kleine HKMEx jedoch nur in die immer länger werdende Reihe jener Institutionen ein, die laufende Verträge mit der hochverehrten Kundschaft im eigenen Sinne umdeutet bzw. abändert. Dies tat auch eine niederländische Großbank, die vor knapp zwei Monaten kurzerhand die physische Lieferung bei ihren Edelmetallprodukten ausschloss und nun ausschließlich den Barausgleich anbietet – also wiederum nur Papier.

Selbst aus der Schweiz mehren sich die Hinweise, dass Kunden Schwierigkeiten hätten, an ihr dort verwahrtes Gold wieder heranzukommen. Einige Banken kontingentierten demnach die Herausgabe von Gold an die Kunden – wohlgemerkt von Gold, das den Kunden gehört.

Derartige Entwicklungen mahnen zur Vorsicht. Wem kann man eigentlich bei der Edelmetallanlage überhaupt noch trauen? Zudem wollen solche Maßnahmen nicht recht zu den Preisbewegungen passen, die die Anleger in den letzten Wochen in Atem hielten. Entweder etwas ist so im Übermaß vorhanden, dass die Preise ins Bodenlose stürzen, oder aber es ist so knapp, dass man es zugeteilt bekommt. Im Zweifel immer für das Reale. Ein Thema übrigens, mit dem wir uns auch im neuen Smart Investor Ausgabe 6/2013 befassen, der am Samstag erscheint.

2013-05-29_Silber

„Silberne Kugel“?

In diesem Zusammenhang wollen wir den Silberpreis etwas genauer unter die Lupe nehmen: Hinter uns liegen dramatische Wochen. Ordnet man das Geschehen aber in den längerfristigen Zusammenhang ein, dann fällt die gigantische „Flaggenformation“ auf, die sich seit 2011 herausgebildet hat (blaue Linien). Diese „Flagge“ sieht im Moment noch unvollendet aus.

Die Standarderwartung wäre hier, dass die untere Begrenzung noch einmal getestet wird, so dass auch diese Linie mindestens zwei Auflagepunkte erhält. Gerade vor dem Hintergrund der Abwärtsdynamik der letzten Wochen, die sich nach dem Bruch der Unterstützung im Bereich 26 USD entwickelte und in der Folge auch nur eine schwache Gegenreaktion hervorrief, erscheint dieses Szenario nicht unwahrscheinlich.

Bedeutsam sind in diesem Zusammenhang auch die Tops aus den Jahren 2008 und 2009/2010 im Bereich um 20 USD (rote Linien). Diese fungieren nun als massive Unterstützungen und könnten als Marken für einen letzten Ausschüttler in der laufenden Korrektur angepeilt werden (intraday kamen wir diesen Niveaus in Asien schon sehr nahe). Die Korrektur hätte dann in logarithmischer Betrachtung rund 50% des Anstiegs seit 2008 korrigiert. Danach erwarten wir jedoch eine rasche Wiederaufnahme des Aufwärtstrends, in dessen Verlauf neue Hochs erreicht werden sollten… (Seite 2)

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Ein Kommentar auf "„Silberne Kugel“ oder Silberstreif?"

  1. mfabian sagt:

    Wem kann man eigentlich bei der Edelmetallanlage überhaupt noch trauen?

    Dem tiefen Loch im eigenen Garten. 3. Kirschbaum von links, Nordost-Ecke 😉

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