Silber und Gold im schwarzen Loch

26. Juli 2010 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Wie wir neulich alle gelernt haben, könnte beim Zusammentreffen von Teilchen mit sehr hoher Geschwindigkeit ein schwarzes Loch entstehen. Ich habe zwar recht wenig Ahnung von Physik, doch ich vermute, dass der Reaktor in Cern schon vor ein paar Tagen mal für ein paar Probeläufe angeworfen wurde. Überall blicken mich schwarze Löcher an. In einem sitzen die Lehman Brothers, im anderen schlummern Fannie Mae und Freddie Mac und die freien US-Märkte. Die nächsten schwarzen Gebilde entdeckt man in Europas Wirtschaft, in Asien, an den Börsen, und auch der Euro sieht etwas angeschwärzt aus. Optimismus ist Mangelware, viele sehen einfach schwarz.

Inmitten eines anderen schwarzen Lochs sitzen die Edelmetalle fest. Silber steckt mitten im Crash, Gold geht es nicht viel anders. Von Zwangsverkäufen der Hedgefonds ist die Rede, von Shortangriffen am Terminmarkt, von ausverkauften Metallhändlern liest man und von wochenlangen Wartezeiten auf Münzen. Irgendwie passt gar nichts mehr zusammen, und das nicht nur im Bereich der edlen Metalle. Stöbert man durch die Internetforen, ist die Eiszeit ausgebrochen. Die Träume von einem schnellen Goldpreis von 1500 USD binnen weniger Wochen 30 USD bei Silber sind das, was sie waren: Träume. Doch auch der Wecker blieb bislang stumm.

In den letzten Jahren wurden Gelder geschickt in edle Papierprodukte umgeleitet.
Von diesen Papieren gibt es inzwischen hundert mal mehr als Metall auf der Welt. Gibt man dann dem sogenannten Underlying einen kräftigen Tritt, vorzugsweise gegen 14 Uhr oder 17 Uhr oder auch wahlweise mitten in der Nacht oder zu einem Moment des Beliebens, verflüchtigen sich die angelegten Summen in ein großes Nichts. Silberanalyst Ted Butler hat gewarnt: Gold und Silber – ja – aber in der richtigen Form – nämlich physisch – so sein Credo. Wer das beherzigte, für den ist eine Unze auch heute noch eine Unze, auch wenn der Preis gefallen ist. Punkt.

Die Charttechniker malen heute wieder irgendwelche Linien und sagen Silber einen Stand von bald 9,75 USD/Oz oder 8,45 USD voraus, dem Gold irgendwo eine Zahl zwischen 500 und 750. Wissen sie es deshalb? Ich frage mich aber unterdessen, welcher Minenchef so dumm ist, zum heutigen Preis seine Ware auf den Markt zu schicken und stelle mir die Angebotssituation in den kommenden Monaten vor. Bei gegenwärtig 740 USD/Oz bei Gold und 10.68 USD/Oz bei Silber müssten sich doch die Verluste für viele Unternehmen mit jeder verkauften Unze erhöhen. Da Silber auch als Beiprodukt bei der Förderung von unedlen Metallen anfällt, wird wohl der Zustrom in den Markt anhalten, doch wenn aber in Zeiten der Rezession weniger Metalle gebraucht und gefördert werden, wird aus dem Strom bald ein Rinnsal?

In Dollar gerechnet, ist Silber um 50% gefallen, ein Rutsch, den es noch nie in der Geschichte gab. In Euro ging es 35 % runter. Die Münzpreise sind weit weniger gefallen, von 15 EUR auf 11,50 EUR. Der Markt spaltet sich. Münzhändler wie proaurum verkaufen heute gar keine Silbermünzen mehr. Vielleicht rechnet es sich nicht. Wen würde es wundern? Vielleicht bekommen sie auch keine Ware? Und warum verkauft niemand? Wie wird sich die Industrie gerade positionieren, die auf Silber angewiesen ist? Wird sie jetzt anfangen zu horten? Fragen über Fragen, viele Spekulationen und das Stochern im schwarzen Loch. Irgendwie passen die ganzen Teile dieses Puzzles nicht mehr zusammen. Vielleicht ist alles ein Fake und ein Bewusster dazu. Oder es ist eine Mischung aus Not der einen, die liquidieren müssen und dem Wille der anderen, diese dazu zu zwingen? Wer kann das schon unterscheiden.

Doch wie alles im Leben hat auch diese Geschichte mehr oder weniger Sinn. Der eine sieht Kaufgelegenheiten, der andere hat eine Lektion fürs Leben bekommen. Wer Edelmetalle nicht auf Kredit gekauft hat, sondern als Sicherheit für den „Fall der Fälle“ gespart hat, der dürfte sogar heute amüsiert in die Herbstsonne blinzeln. Der von vielen angekündigte „Tag der Abrechnung“ ist bislang ausgeblieben. Doch wer weiß, ob der nicht noch kommt?

Bill Bonner schreibt, dass die Dinge im Leben mit einer Täuschung beginnen, die sich über eine Farce zum Desaster entwickeln. Für die einen begann die Täuschung vor ein paar Monaten und enden gerade im Desaster. Für andere ist das, was gerade passiert eine Farce. Für den Fall des dann kommenden Desasters aber kann das eine oder andere Ünzchen ganz nützlich sein – doch immer in der richtigen Form.

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