Silber: Crash nach oben?

8. März 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Kurssprünge von einem US-Dollar am Tag und ebensolche Rücksetzer sind beim Silber fast schon normal. Die Zeiten des „billigen“ Silbers sind vorbei. Ein American Eagle kostet erstmals mehr als 30 Euro. Den Kilobarren gibt es nicht mehr unter 1.000 Euro zu kaufen – dem Gegenwert einer Unze Gold.

Gewinne an der Börse werden meist mit dem Hintern gemacht. Jeder, der um den modernen Handelsschnickschnack mit diesen Turbo-Hebel-Dingens einen Bogen gemacht hat und stattdessen diese schweren, stummen und kühlen Silbertaler kaufte, hat alles richtig gemacht. Sie verursachten weniger Stress, als die ständige Beobachtung der Preise und das Nachziehen von Stop-Loss-Marken, um letztlich dann doch wieder die Position zu verlieren. Man konnte sich um die wichtigen Dinge im Leben kümmern, statt um die schnöden Unzenpreise.

So langsam aber wird die Sache mit dem Silber unheimlich. Oder nicht? Seit Januar wurde es 16 Prozent teurer, binnen eines Jahres um 110 Prozent. Die Urgesteine der „Silberbugs“ haben einen glatten „Vervierfacher“, wohl wissend, dass es Unsinn ist, echtes Silber zu handeln. Und so sitzen sie mit dem Hintern auf dem „Zeug“ und haben ihren „Schatz“ nicht so schnell verloren wie die Papierspieler mit WKN A0B471 bis GSB815. Die Experten schlummern auch noch.

Wer echtes Metall gekauft hat, tat das aus gutem Grund, aus Furcht vor Papiergeldfäule und Versicherungsbetrug- weniger aus Gründen der Spekulation. Moment…! Gerade die fundamentalen Daten waren doch eine Spekulation wert, „einfaches Geld“ mit einem Metall, das so unbeliebt war wie Fußpilz. Hätte man es aus aus dem Fenster geworfen, die Stadtreinigung hätte es einem die Treppe wieder hoch getragen. Sondermüll nehmen wir nicht…

Doch nun sind andere Zeiten angebrochen. Die Fahnenstange im Chart erinnert an 2006 und 2008, als es ähnliche Bewegungen gab…

Im April 2006 stieg Silber binnen weniger Tage bis auf 15 USD/oz. Dieser sonnige Frühlingstag endete binnen weniger Minuten in einem blutigen Gemetzel. Der Silbermarkt erlebte einen der brutalsten Abstürze – jedenfalls für alle, die mit Zertifikaten, Optionsscheinen und Knock-Out-Papieren unterwegs gewesen sind. Obwohl sie richtig lagen, erlebten sie nach der COMEX-Eröffnung ein Armageddon. Am jenem Donnerstag fielen die Kurse innerhalb von wenigen Minuten um bis zu 14 Prozent. Aus Gewinnen wurden Verluste. Der Handel mit den modernen Hebelinstrumenten wurde kurzerhand „aus technischen Problemen“ ausgesetzt. Alle Knock-Out-Schwellen bis hinunter auf 12 US-Dollar wurden weggefegt, und damit auch der Einsatz der Leute.

Ja, es ist schlimm, an der Börse schief zu liegen. Schlimmer ist es, richtig gelegen zu haben aber nicht mehr aus der Position heraus gekommen zu sein.

Die ARD berichtete damals:

Was am 20. April 2006 an den Rohstoffmärkten passierte, hatte die Zutaten eines kleinen Krimis aus der guten, alten Zeit des Neuen Marktes. Die Spotpreise von Silber und Gold zeigten leichte Auflösungserscheinungen, und innerhalb von Minuten folgte ein regelrechter Kollaps der Kurse. Die Auslöser dieses kleinen Crashs waren offensichtlich Finanzinvestoren, die spekulative Beteiligungen aufgelöst hatten und damit eine Verkaufswelle verursachten. Um 14 Prozent auf 12,45 Dollar pro Unze fiel der Silberpreis. Die Börsen, an denen Rohstoffe oder deren Derivate, Futures und Zertifikate gehandelt werden, zogen die Notbremse und setzten den Handel aus. „Dies ist ein ganz normaler Vorgang“, erklärt Önder Çiftçi, Verantwortlicher für Derivatehandel bei ABN Amro. „Wenn die Kurse plötzlich so stark schwanken, gibt es keine Berechnungsgrundlage mehr für einen gültigen Refernzkurs. Den braucht man aber, um Produkte zu kaufen oder zu verkaufen. Der Börse bleibt dann nicht weiteres übrig, als den Handel zu stoppen.“

Wer waren diese Finanzinvestoren? Wölfe. Silberanalyst Ted Butler nennt sie so und kommentiert den Crash auf Goldseiten.de wie folgt:

Mein Gefühl ist, dass die Händler/Manipulatoren an der COEMX alle Stopps gezogen haben, um zu versuchen die Positionen in diesen Spreads zu liquidieren. Ihre Absicht ist es natürlich so viele Silberlongpositionen wie möglich aus dem Markt zu werfen, was den Händler wiederum ermöglichen würde ihre Shortpositionen zu reduzieren. Zum Unglück der Halter solcher Spreads scheinen die Händler damit Erfolg zu haben, was wahrscheinlich die finale Bereinigung der Silberlongpositionen in jeder Form ist.

2008 war es ähnlich, nur doppelt so heftig. Zu Ostern hatte der Silberpreis die 20 USD-Marke übersprungen, um dann binnen weniger Tage zu kollabieren. Die KO-Scheine taten das auch. „Das schöne Geld“ hätte Oma gesagt. Nach einer Erholung über den Sommer hinweg, wurde das weiße Metall dann unter zehn Dollar gedrückt. 2008 gab es Verluste von bis zu 60 Prozent. Doch schaut man sich den Chart noch einmal an, ist es aber nur eine Delle gewesen. —>

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2 3 4

Schlagworte: , , , ,

Schreibe einen Kommentar