Sieben Tipps gegen Finanzielle Repression

7. Juni 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Wahrscheinlich haben Sie schon alles Wesentliche über die EZB-Entscheidung vom Donnerstag und ihre möglichen Folgen gelesen… 

Dass der Leitzins nur noch 0,15 statt 0,25 Prozent beträgt und Sparer dadurch mehr als ohnehin schon enteignet werden, dass Banken einen Strafzins von 0,1 Prozent zahlen müssen, falls sie Geld bei der EZB anlegen, statt es den Unternehmen zur Verfügung zu stellen, dass der Euro nach der Rede von EZB-Chef Mario Draghi gefallen ist, der Dax endlich wenigstens für ganz kurze Zeit die Marke von 10.000 Punkten übersprungen hat und so weiter.

Aber sind Sie aus all dem und aus den anschließenden Kommentaren der Volkswirte, Anlagestrategen, Verbandsfürsten und Politiker wirklich schlau geworden? Wohl eher nicht, denn selten zuvor ist die Reaktion auf eine Entscheidung des EZB-Rats so interessengebunden und damit nichtssagend ausgefallen.

Da lobe ich mir eher die Kernaussage von Draghi: „Der EZB-Rat ist einhellig in seinem Bekenntnis, im Rahmen seines Mandats unkonventionelle Instrumente zu nutzen und, falls es nötig werden sollte, Risiken einer längeren Phase niedriger Zinsen weiter anzugehen.“

Darin sind zwei Begriffe enthalten, die Bände sprechen: „Einhellig“ bedeutet, dass gemäß Draghis Interpretation auch EZB-Ratsmitglied und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann nicht nur die Entscheidung vom Donnerstag mitgetragen hat, sondern dass er darüber hinaus gewillt ist, sich der „unkonventionellen“ Fraktion im EZB-Rat anzuschließen. Und mit dem „Mandat“ ist es so eine Sache: Was dazu gehört und was nicht, wird sich erst später zeigen. Weidmann hat diesbezüglich schon in einem Interview der Süddeutschen Zeitung vom 22. Mai den Nagel auf den Kopf getroffen: „Mit allen jetzt diskutierten Maßnahmen begeben wir uns auf unbekanntes Terrain.“ Das ist es, was hinter den „unkonventionellen Instrumenten“ steckt.


Die von Draghi genannten „Risiken einer längeren Phase niedriger Zinsen“ sprechen ebenfalls Bände. Betrachten wir das Ganze doch einmal aus der Perspektive der Anleger bzw. Sparer:

Wer zum Beispiel eine Kapitallebensversicherung oder Riester-Rente abgeschlossen hat, ist durch die niedrigen Zinsen gekniffen, weil sie sich nachhaltig negativ auf das Anlageergebnis auswirken. Wer Geld auf einem Spar- oder Tagesgeldkonto besitzt, ist da besser dran, denn er/sie kann damit jederzeit alles Mögliche anstellen: Es dort lassen, wahlweise unter die Matratze stecken, in höher rentierende Anlagen mit entsprechenden Risiken umschichten oder einfach verjubeln.

Nehmen wir an, die Wahl fällt auf höher rentierende Anlagen. Ein(e) traditionell zinsgläubige(r) Deutsche(r) würde dann wahrscheinlich zu Unternehmensanleihen greifen, ungeachtet der vielen Anlagepleiten, die es hier in letzter Zeit gab. Aktien kämen aktuell, nachdem der Dax die 10.000er Hürde genommen hat, wahrscheinlich nur für Anleger in Betracht, die mit hohen Schwankungsrisiken umzugehen verstehen. Das Geld verjubeln, das ist – zumindest unter konservativen Anlegern – nicht die feine deutsche Art. Also wird es weiter auf dem Konto gebunkert, dort zur Kompensation der niedrigen Zinsen gegebenenfalls sogar aufgestockt.

Zieht man nämlich die Inflationsrate von den Minizinsen ab, kommen unter dem Strich negative Realzinsen heraus. Dafür hat sich bereits vor längerer Zeit ein hässlicher Begriff durchgesetzt: kalte Enteignung. Ich habe ihr unter dem Oberbegriff „finanzielle Repression“ in meinem elektronischen Buch „Ach du liebes Geld“ https://www.epubli.de/shop/buch/35351 ein ganzes Kapitel gewidmet, das so endet:

„Erst wenn die Geldillusion aus den Köpfen der Anleger verschwindet, die Kurse der Staats- und sonstigen Anleihen zum Sturzflug ansetzen, die finanzielle Repression verpufft und die Verbraucherpreise wegen der abhanden gekommenen Geldillusion kräftig zu steigen beginnen, wird es peng machen. Leider lässt sich der Zeitpunkt nicht vorhersagen. Darauf vorbereitet sein sollten Sie allerdings schon jetzt.“

Wie?

1. Richten Sie Ihr waches Auge weiter auf die Märkte, vor allem auf Aktien, Anleihen, Devisen und Gold.

2. Verjubeln Sie Ihr Geld nicht nutzlos für Konsumausgaben, die Sie unter anderen Umständen kaum tätigen würden, sondern stocken Sie lieber Ihr Tagesgeldkonto auf, um den durch negative Realzinsen ausgelösten Enteignungseffekt zu kompensieren.

3. Meiden Sie mittel- bis langfristige Geldanlagen, wie Stufenzinsangebote, Kapitallebensversicherungen oder Riester-Renten.

4. Stecken Sie Ihr Geld zu einem kleinen Teil unter die Matratze, um Zeiten zu überbrücken, in denen die Geldautomaten nichts mehr ausspucken.

5. Investieren Sie einen größeren Teil Ihres Geldes in physisches Gold (Anlagemünzen und Barren), das man in diesem Fall ja als veredeltes Matratzengeld mit Aussicht auf nominale Wertsteigerung bezeichnen könnte.

6. Warten Sie den nächsten größeren Sturzflug der Kurse ab, bevor Sie sich in den vielfach überbewerteten, jetzt fast nur noch von der Geldschwemme profitierenden Aktien engagieren, auch wenn die Warterei an Ihren Nerven zehren sollte.

7. Beschränken Sie sich bei Immobilien weiterhin auf Ihr selbst genutztes Haus oder Ihre selbst genutzte Eigentumswohnung in guter bis bester Lage – für den Fall des Falles mit Aussicht auf relativ schnellen Verkauf.

© Manfred Gburek – Homepage


 

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Ein Kommentar auf "Sieben Tipps gegen Finanzielle Repression"

  1. Gabelzinken sagt:

    Eine klare Aussage. Das „Wie?“ aber in die Köpfe der meisten Leute hinein zu bekommen wird ein schwieriges Unterfangen.

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