Sieben Prozent auf alles

4. April 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Wenige Bezeichnungen sind wohl so deplatziert wie die der „Mittelstandsanleihe“. Das entsprechende Segment um den BondM-Index sorgt bisher weniger für Erträge als für Schlagzeilen. Der echte Mittelständler dürfte sich angesichts der Kapriolen in diesem Bereich verwundert die Augen reiben…

Sieben Prozent auf alles, so hätte ein Werbespruch des „neuen Anleihemarktes“ lauten können. Leider sind es in einigen Fällen sogar weniger als minus 90%, die den Anleihekäufern nach einiger Zeit bleiben. Ebenso schmerzhaft wie unterhaltsam ist der Fall Steilmann. Die Firma die erst vor einigen Monaten einen Börsengang lancierte ist nun insolvent.

Die Kurse der Aktie und der Anleihen zeigen das, was viele Anleger von anderen Papieren dieser Bauart schon kennen. Der Chart verläuft von links oben nach rechts unten. Leiden mit Leidenschaft wäre ein passender Spruch dazu, wenn man aus diesem Verlauf ein Logo mit Werbebotschaft entwickeln müsste.

Die Aktie erreicht die Nähe des bei der Insolvenz logischen Kurszieles von Null.

AktieSteil
Auch der Bond sieht nicht gesund aus, die Hoffnung auf den Restwert stirbt zuletzt, wenn auch bei einigen „Mittelstandsanleihen“ sehr rasch.

BondSteil

Die Papiere des Modeunternehmens sind beispielhaft für viele Fälle, die einen ähnlichen Kursverlauf in Form einer Skischanze aufweisen. 

Das Spektakel zahlreicher Anleihen kommt wenig überraschend (siehe bei der Mittelstands-Titanic) oder Nachdem man sich ein paar Jahre zuvor noch über die beispielhaften neuen Weg der Finanzierung gefreut hat, regt man sich nun lieber über die schlimmen Dinge auf, die da passieren.

Erneut erschallen Rufe nach mehr Regulierung und die Fordernden vergessen dabei, dass in den meisten Dingen ein Bleistift und ein Stück Papier ausgereicht hätten, um zu erkennen, wie riskant manche Papiere sind. Das bedeutet nicht, dass man vorher wissen konnte, wer wann pleite geht. Aber um von einem attraktiven Chance-Risiko-Profil sprechen zu können, musste man schon beide Augen zu machen. So ist das, wenn man nur auf die ausgewiesene Rendite schaut ohne sich der Risiken bewusst zu sein.

Man kann für die Anleger nur hoffen, dass das Lehrgeld nicht zu hoch war und sie die entsprechenden Lehren für die Zukunft ziehen. Auch 0% kann in manchen Zeiten ein gutes Geschäft sein. Man muss nicht immer kaufen und man muss nicht alles kaufen. Den Finanzmarkt interessiert es nicht, wer wieviel Rendite benötigt. Darum muss man sich schon selber kümmern.

 

Schlagworte: , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.