Sie hassen Gold und lieben Aktien

17. August 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Claus Vogt

Im März 2000 erreichte der DAX ein Hoch von 8.136 Punkten. Jetzt, mehr als 13 Jahre später, notiert der Lieblingsindex der Deutschen bei 8.360 Punkten. Außer Spesen nichts gewesen, könnte man hier sagen, und enttäuschte Anleger vermuten – zumal der DAX ein Performance-Index ist, bei dessen Berechnung die Reinvestition der Dividenden unterstellt wird…

„Zurück auf Start“ führt zu euphorischen Reaktionen

Erstaunlicherweise ist das Stimmungsbild an der Börse aber ein ganz anderes: Die Sentimentindikatoren zeigen ein Höchstmaß an Euphorie. Die Freude der Anleger über die eigentlich sehr bescheidene Wahrheit, dass sie wenigstens im DAX wieder dort angekommen sind, wo die Reise im März 2000 begann, scheint grenzenlos zu sein. Und von den traurigen Erfahrungen, die sie mit dem Neuen Markt gesammelt haben, ist längst keine Rede mehr.

So funktioniert sie wohl, die menschliche Psyche: Schöne Zeiten bleiben in lebhafter Erinnerung. Und sie erscheinen umso schöner, je länger sie zurückliegen. Die weniger schönen Erlebnisse hingegen werden verdrängt. Oder sie erfahren im Nachhinein eine versöhnliche Schönfärberei.

Schönfärberei als Überlebensstrategie

Erinnern Sie sich an die Darstellung der Kriegserlebnisse Ihres Vaters oder Großvaters? Ja, das war natürlich eine schlimme Zeit, hieß es da gewöhnlich. Dann aber folgte die Erzählung einer irgendwie doch fröhlichen und lustigen Episode, die es natürlich auch in diesen wilden Zeiten gab.

So funktioniert der Mensch, und das ist gut. Andernfalls würde das Leben vieler vermutlich sehr schnell unerträglich. Freuen wir uns also mit den Börsianern darüber, dass sie nach nur 13 Jahren schon zurück auf Start gelandet sind.

Und um diese Freude nicht zu trüben, schweige ich davon, dass die Risiken an den Finanzmärkten heute größer sind als an den Tops der Jahre 2000 und 2007. Positiv formuliert schließe ich daraus, dass Anleger hier und heute nicht zum letzen Mal die Gelegenheit haben werden, sich über das Erreichen der Startposition zu freuen.

DAX Monatschart, 2000 bis 2013

cv-16-08-1

Auf die Achterbahnfahrt der vergangenen 13 Jahre reagieren die Anleger mit Euphorie. Quelle: www. decisionpoint.com

Machen steigende Goldpreise depressiv?

Schauen wir uns jetzt im Vergleich zum DAX die Entwicklung des Goldpreises seit dem Jahr 2000 an. Wie Sie sehen, begann er die Reise der vergangenen 13 Jahre bei Kursen von knapp 300 $. Aktuell notiert er mit 1.365 $ also erheblich höher. Sollte das nicht Grund zur Freude sein – auch wenn der Preis zwischendurch noch etwas höher war? (Seite 2)

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