Sicherheitsstrategie kontra Schuldenkarawane

22. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek

Da Sie an dieser Stelle wahrscheinlich ein Fazit zur sog. Griechenland- und Euro-“Rettung“ erwarten, hier ist es kurz und bündig: Die Würfel für die Euroland-Transferunion sind gefallen; sie laufen auf eine Art von Europäischem Währungsfonds hinaus, wie er schon vor einem Jahr diskutiert wurde. Alle am Krisengipfel vom vergangenen Donnerstag Beteiligten dürfen sich mal mehr, mal weniger als Sieger brüsten…

Da Steuerzahler nicht beteiligt waren, werden sie die Verlierer sein. Und die Gewinner? In erster Linie die Halter von Edelmetallen, später – nach erheblichen Turbulenzen an den Finanzmärkten und heftigen Rückschlägen der Aktienkurse – auch Anleger, die bis dahin mit ihrem Tagesgeldkonto auf günstige Einstiegschancen bei Aktien spekulieren.

Bezeichnenderweise feierten die Aktionäre nach dem Krisengipfel dessen Ergebnis in Form eines von niemandem mehr durchschaubaren Hin- und Her-Geschiebe von schließlich 109 Milliarden Euro erst einmal mit Kursgewinnen, bis ihnen die unerwartet schwachen ifo-Konjunkturdaten die Party vermasselten.

Mit den Edelmetallpreisen verhielt es sich umgekehrt: Erst leicht abwärts, weil einige Angsthasen in der vermeintlichen Griechenland-“Rettung“ bereits das Ende des Goldes in seiner Funktion als sicherer Hafen wähnten, doch danach wieder aufwärts. Wahrscheinlich sah da bereits ein Teil der Anleger im fortwährenden Streik der griechischen Taxifahrer und im viel gravierenden, immer noch nicht gelösten Schuldenproblem der USA neues Ungemach auf die Finanzmärkte zukommen und damit eine Rückkehr in den sicheren goldenen Hafen.

Die ganze Sache ist für Anleger viel zu ernst, als dass ich es bei dem kurzen Fazit vom Beginn meines heutigen Beitrags bewenden lassen könnte. Denn auf einmal tritt nach den Turbulenzen vor fast drei Jahren der Aspekt der Sicherheit wieder derart in den Vordergrund, dass es opportun erscheint, ihn zu konkretisieren. Da ist zunächst das bekannte Postulat der Streuung: einerseits in Anlagen (Liquidität auf dem Tagesgeldkonto, Währungen, Wertpapiere, Edelmetalle, Immobilien und Sonstiges), andererseits durch das Verteilen der Anlagen (Ausnahme: Immobilien) auf verschiedene Institute oder Schließfächer im In- und Ausland.

Auch ohne dass ich hier auf Steuern, auf Kredite oder auf die unterschiedlichen Gegebenheiten beim Privat- und Betriebsvermögen eingehe, haben wir es schon mit einem komplexen System von Entscheidungen zu tun: Aufnahme des Ist-Zustands, Definition des Anlageziels und Abschätzen der Zeit bis zu seinem Erreichen, Sammeln von Informationen zu den genannten Anlagen, Festlegung von deren Struktur, ständiges Beobachten der Märkte und schließlich Timing – das alles unter Abwägung von Chancen und Risiken. Was den letzten Punkt betrifft, geht es nicht um mathematische Formeln, die mit pseudowissenschaftlichem Ansatz gern von Analysten und Bankern benutzt werden, sondern um Daumenregeln aufgrund bisheriger Erfahrungen.

Nun zu einigen Tipps aus der Praxis. Nicht auf Banker hören, weil deren Empfehlungen in der Regel provisionsgesteuert sind. Welcher Abgrund der Kundenverachtung sich diesbezüglich auftut, hat zuletzt die renommierte Focus-Redakteurin Alexandra Kusitzky in der Ausgabe vom 18. Juli beschrieben. So viele Kurse bzw. Preise im Internet verfolgen, wie die eigene Zeit hergibt. Besonders interessant sind Charts, also Kursgrafiken, wie sie etwa auf goldseiten.de, comdirect.de oder onvista.de zu finden sind… (Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Sicherheitsstrategie kontra Schuldenkarawane"

  1. crunchy sagt:

    Nun, zum Thema Charts habe ich die ultmative, weil nicht(bzw. kaum) manipulierbare Site zur Weltkonjunktur.
    Kaum manipulierbar, heisst, es wurden im Frühjahr Mindestfrachrtaten abgesprochen, um allseitigen Ruin zu verhindern.
    http://investmenttools.com/futures/bdi_baltic_dry_index.htm Sehen Sie selbst!

    Meine Silberprognose, die ich auch mal als „Räntär“ postete, gilt auch vor diesem Hintergrund weiterhin.
    Ergo: Gold bleib ich hold! Silber bleibt, trotz Knappheit, Kleingeld!

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