Sicherheit auf Merkelanisch

19. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Ach, wie beruhigend ist es doch, dass die Sparguthaben sicher sind. Das sagte unsere Kanzlerin. Vielleicht sind die Guthaben ja so sicher wie die Rente? Oder wie Atomkraftwerke? Wer weiß? Man hört ja viel…

Aus purer Freude habe ich gleich etwas auf der Bank eingezahlt. Es waren nur zehn Euro. Dennoch plagen mich schon wieder Zweifel. Sie kennen das vielleicht, wenn die Wirkung einer halben Flasche Bier nachlässt oder die Tragweite eines halbstündigen Interviews. Ich liebe lange Interviews. Oder doch nicht? Meist sitze ich dabei auf dem Balkon, schaue Amseln beim Streiten und der Nachbarin beim Rasen mähen zu. Im Hintergrund brabbelt der Fernseher. Man könnte ja etwas verpassen. Einen Kometen, den Wetterbericht, Experten oder eines der vielen Sommerinterviews, unter denen man schon leidet, bevor es richtig Sommer geworden ist.

Beim Interview mit der Kanzlerin habe ich mich mehr für ihre Jacke interessiert. Sie war rot wie der DAX und wie früher die Genossen der SPD. Freundlicherweise durfte ein Bürger der Kanzlerin eine spontan abgesprochene Frage stellen. In der DDR war es ähnlich.

Verwirrung

Plötzlich drangen Geräusche aus dem Wohnzimmer. „Der Euro ist nicht in einer Krise“, hörte ich. Nicht? Ich stürzte über diesen blöden Kugelkaktus, verhedderte mich im Rankengeflecht für inzwischen verwelkte Wicken, stolperte über einen Notizblock und stauchte mir den Arm. „Der Euro ist nicht in einer Krise“? Warum redet man dann immer von einer „Eurorettung“? Was sagt sie morgen? Das hängt ganz von der Lage ab und vielleicht auch von der Farbe ihrer Jacke. Und jetzt frage ich mich, ob ich meine eingezahlten zehn Euro wieder von der Bank abholen und unter der Matratze verstecken sollte, so wie es konservative Menschen nun mal tun.

Doch wohin geht der Euro? Für eine Währung in Schwierigkeiten hält er sich recht wacker – zumindest gegenüber dem US-Dollar. Seltsam. Vielleicht ist die US-Währung gar kein guter Referenzpunkt. Zwei Fußkranke in einer Armee humpelnder Geldscheine. Schauen Sie auf den Goldpreis! Nein, tun Sie das besser nicht! Aus dem Fernseher meldet sich Professor Hickel im Morgenmagazin der ARD. Er sagte, Gold zu kaufen wäre ökonomischer Unsinn. Man wird garantiert damit verlieren. Na gut. Das mit dem „garantiert“ kenne ich. Im Laden habe ich wenigstens zwei Jahre Garantie auf elektronische Geräte. Die Garantien für Experten laufen manchmal schon nach wenigen Stunden aus. Zumindest bin ich beschwingt in den Morgen gekommen, mit etwas Schwindel zwischen den Hirnlappen. Das lag am vielen Kopfschütteln. Und was mache ich mit dem Geld?

Flashback

Ausgeben? Was bekommt man für zehn Euro? Was ist, wenn unsere Kanzlerin mit ihrer Geldtheorie falsch liegen sollte? Ich setze mich auch nicht gerne in Autos mit öligen Bremsen und einem betrunkenen Fahrer. Der Euro erinnert mich daran. Also doch abholen? Das mit der Sicherheit der Guthaben klingt zu schön, um wahr zu sein. Mich erinnert das Ganze an die alte DDR: Keine Arbeitslosen, gesellschaftliche Zufriedenheit, Plan-Übererfüllung. Es wächst zusammen, was zusammen gehört. Vorwärts immer…

Welch ein Wandel innerhalb innerhalb von 20 Jahren! Man fühlt sich wie frisch geboren. Heute heißt Arbeitslosigkeit Fachkräftemangel, Sommer ist Klimaerwärmung, der Abriss von früher ist der Rückbau von heute und Schlechtes wird doppelplusgut. Und wenn die Wirtschaft mal nicht will, beschließt man ein Wirtschaftsbeschleunigungsgesetz. Wahrscheinlich wird man demnächst heraus finden, dass die Mehrheit der Leute öligen Bremsen vertraut und die Zustimmungsquote für die Politik 100 Prozent übersteigt… (Seite 2)

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