Geldmarktfonds: Sichere Buchten voller Gestank

10. Mai 2009 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Es dauerte etwas lange, aber langsam spricht es sich nun herum, dass man nicht nur im Hafen der Ehe Schiffbruch erleiden kann, sondern auch in den „vermeintlich“ sicheren Häfen der Anleihen und sogar im Hafen der Geldmarktfonds. Viele Anleger leiten dorthin eine kleine oder größere Summe in der Hoffnung, dass es da sicher ist. Doch selbst hier muss man heute schon Glück haben, dass man später zumindest den eingezahlten Teil wiederbekommt. Dicke Verluste sind dort nicht unbedingt eine Ausnahme…

Bankkunden, die beim Anlageberater sitzen, verlangen oft etwas ganz Sicheres. Bloß kein Risiko eingehen! Und so bekommt der Kunde etwas verpasst, mit dem er ruhig schlafen kann, solange er jedenfalls nicht im Internet nach den Kursen stöbert. Andere Leute parken dort Geld, um es später wieder woanders anzulegen. Bei Geldmarktfonds gibt es ja keine Risiken, erzählen die Berater gerne. Ich bitte Sie! Woher sollen sie davon auch etwas gehört haben…?

Viele von diesen Vehikeln sind mit Sternen oder Buchstaben ausgezeichnet, die irgendetwas zwischen toll, supertoll und supersupertoll bedeuten. Das funktioniert in etwa so, als ob man die Windschutzscheibe verklebt, in den Rückspiegel schaut und dann auf das Gaspedal drückt. In der Vergangenheit liegt die Zukunft. Bei anderen Fonds ist das nicht anders. Es gibt Rentenfonds, die zwar so heißen, aber für die Rente eher tauglich sind wie eine kaputte Waschmaschine zum Bügeln. Etliche von Rentenfonds haben richtig Geld an die Wand gefahren.

Dafür bezahlen Anleger einen Ausgabenaufschlag von bis zu fünf Prozent. Wer monatlich 100 Euro spart, legt nur 95 Euro an. Der Rest landet woanders. Sie wissen schon wo… Im Laufe von Jahren kommt da richtig was zusammen. Und wenn man sich manche Charts anschaut, sei die Frage erlaubt, was man denn mit dem Anlegergeld so alles angestellt hat…

Die ganz „sicheren“ Geldmarktfonds müssten eigentlich folgenden Chart ausweisen…

Das wäre normal, wenn der Fondsmanager einfach bloß seinen Job macht. Es sagt zwar nichts über die Kaufkraft seines angelegten Geldes aus, doch das ist ein anderes Thema. Doch es geht auch anders. In der Entwicklung auffällig ist der SEB MoneyMarket Fonds, der auf verschiedenen Internetseiten mit folgendem Anlageziel vorgestellt wird:

Anlageziel des Fonds ist es, dem Anleger eine geldmarktnahe Verzinsung der kurzfristlichen Liquidität bei täglicher Verfügbarkeit zu ermöglichen. (Quelle)

„Geldmarktnah“ kann ja wirklich alles bedeuten, so wie das Wort „kundennah“ – also nahe am Kunden. Mich erinnert das an die Fliegerei, wenn mir dann „kundennah“ ein Gummibrötchen aus dem Brotkorb zugeworfen wird, was mindestens 17 Stunden im Magen verweilt. ABS, MBS, CDS und diese anderen lustigen Papiere mit diesen Buchstaben standen (oder stehen?) auch dem Geldmarkt recht nahe. Beim SEB MoneyMarket Fonds war das der Fall. Mit Geldmarkt ist eigentlich etwas anderes gemeint, auch wenn der Fonds das im Namen trägt.

Mit dem SEB MoneyMarket setzen Sie auf gute Erträge bei täglicher Verfügbarkeit. Der Fonds ist für die kurzfristige Anlage höherer Beträge (ab EUR 20.000) konzipiert. Ziel unseres Fondsmanagements ist die Erwirtschaftung einer optimalen Verzinsung für Ihre kurzfristige Liquidität unter dem Fokus einer hohen Wertstabilität. Hierfür werden die Anlagegelder in Vermögenswerte investiert, die auf Euro, aber auch auf fremde Währungen lauten können. Der SEB MoneyMarket überzeugt seit Jahren durch eine ausgezeichnete Performance. Er eignet sich als flexible, sichere und rentable Geldanlage und stellt einen wichtigen Bestandteil beim Vermögensaufbau dar.(Quelle)

Fondsmanager Marco Dunkeloh hat offenbar richtig werthaltigen Müll gekauft. Am 3.8.2007 sagte er in der Zeitung „Die Welt“…

„Solche turbulenten und chaotischen Zeiten am Kreditmarkt habe ich noch nicht erlebt. Es herrscht die blanke Angst. Alles, was nicht bombensicher sei, werde momentan mit einem Abschlag gehandelt. „Auch mein Fonds atmet mit dem Markt“ (Quelle: Die Welt)

Seitdem hat der Fonds weitere 50% ausgeatmet. Es hatte damals rund ein Viertel in sogenannten ABS-Produkten anlegelt. Doch es gibt noch andere Rohrkrepierer. Die Entwicklung von Geldmarktfonds und ihrer Geschwister findet man HIER bei Fondsweb

Ein Blick in den Rückspiegel mit der verklebter Windschutzscheibe verrät, dass es bislang gut gelaufen ist. Wozu sich also Gedanken machen. Und dann stellt man fest, dass in den sicheren Hafen viele Abwässer geflossen sind. Und nach einer langen Zeit begann die ganze Bucht nach Fäkalien zu riechen. Jetzt sprechen die Charts Bände. Sie geben Auskunft über die Ergebnisse der Jagd nach einer Überrendite. Bei den Versicherungen kann man es nicht sehen. Doch ich vermute, dass es hier auch riecht. Wieso sollten Altersvorsorgeprodukte frei wären von diesem Müll sein?

Auch bei Geldmarktfonds muss man inzwischen Glück haben, zumindest aber ein paar Hausaufgaben machen. Einige von diesen Fonds, in die Anleger viel Geld eingezahlt haben, werden wohl in Zukunft schließen. Die meisten werden es gar nicht bemerken und andere so tun, als wäre nichts gewesen.

Jedesmal, wenn ich die Worte Geldmarkt, sicherer Hafen und Geld parken höre, denke ich an eine Bucht an der Küste von Absurdistan, gleich um die Ecke von Wahnwitzhausen.

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