Sich wandelnde Landschaften: Ungezogene Wähler brüskieren ihre Erziehungsberechtigten

17. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Landtagswahlen haben für die Republik insgesamt meist nur eine untergeordnete Bedeutung. Aber sie sagen zwischen den Bundestagswahlen doch etwas über die Stimmung im Lande aus. Entgegen den stets wiederholten Beteuerungen von der beliebtesten „Mutti“ aller Zeiten und dem zufriedensten Volk seit Erfindung der Demokratie brodelt es – ein wenig…

Bereits nach der Sachsen-Wahl war es höchst wahrscheinlich, dass die Alternative für Deutschland (AfD) ein eindrucksvolles Ergebnis einfahren werde. Natürlich schnappt man jetzt in manchen Redaktionsstuben nach Luft, denn das massive Aufkommen einer „Protestpartei“ erscheint bei so viel gemessener und verbreiteter Zustimmung zur aktuellen Politik doch einigermaßen erklärungsbedürftig.

Dass es die Etablierten gegenüber den Polit-Frischlingen an der ansonsten angemahnten „Willkommenskultur“ vermissen lassen, erscheint nicht ganz zeitgemäß. Nur weil es an den reichlich mit „Staatsknete“ – also mit Steuerzahlergeld – gefüllten Futtertrögen nun ein wenig enger wird, darf schließlich nicht übersehen werden, welch enorme Bereicherung von den Neuen ausgeht: Von einem echten Ideenstreit können Demokratie und Wähler schließlich nur profitieren, zumal die Regierung, wie uns versichert wird, ohnehin die besseren Argumente für sich hat. Nur die wenigen Vielen, die alten Denkmustern verhaftet sind, greifen heute noch auf das Standardrepertoire der Wählerbeschimpfung zurück: Man, so wird der Öffentlichkeit – und vor allem sich selbst – versichert, habe sich erstens nichts vorzuwerfen und sei auf irgendeine verschrobene Art auch ein Wahlgewinner. Deshalb: Weiter so!

Weiter so?

Dieses „Weiter so!“ scheint der Lindner-FDP nun aber endgültig zum Verhängnis zu werden. Profillosigkeit mit feschem Vorturner ist nicht gerade das, was die Wähler derzeit goutieren. Die Partei hat schlicht ihre historische Chance verpasst, sich als Kraft des politischen Liberalismus zu etablieren und sich beispielsweise nicht in den Euro-Rettungssozialismus einbinden zu lassen.

Der streitbare frühere FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler, mit dem wir in Smart Investor 10/2014 ein ausführliches Interview führen, wurde beim Versuch einen „Liberalen Aufbruch“ zu etablieren auf wenig liberale Weise von seinen eigenen Parteigranden ausmanövriert. Genscher & Co. zielten seinerzeit zwar auf Schäffler, versenkten aber gleich die ganze FDP – zumindest als jene streng liberale und marktwirtschaftliche Alternative, die die AfD auch nicht sein mag. Die letzte Chance der FDP dürfte – fernab von Regierung und immer mehr Parlamenten – in einer programmatischen Runderneuerung liegen. Das bloße Etikett „liberal“ genügt auf Dauer jedenfalls nicht.

Objektiv und unparteilich?

Da hat es Claus Kleber vom ZDF heute-journal deutlich besser. Er – Nomen ist Omen – klebt seit 2003 in „seinem“ von den Bürgern zwangsfinanzierten Nachrichtenstudio und liefert, was von ihm erwartet wird. AfD-Parteibücher scheinen in den Leitungsgremien des Staatsfunks jedenfalls eher nicht vertreten zu sein, weshalb es auch bei der „peinlichen Befragung“ von AfD-Chef, Prof. Bernd Lucke, nicht ganz so objektiv und unparteilich zuging, wie es zumindest der offiziellen Aufgabenstellung entspräche.

Allein, Kleber war Lucke, der sich rhetorisch ziemlich gemausert hat, nicht ganz gewachsen und die Sache geriet zum Rohrkrepierer, über den sich „das Netz“ anschließend ausführlich mokierte. Solche Episoden sind symptomatisch für die Erfolgswurzeln der AfD: Eine wachsende Zahl von Bürgern hat es nicht nur satt, von den Etablierten und deren Medien bevormundet zu werden und die Welt in deren Sinn erklärt zu bekommen, sie will auch die von den Mächtigen postulierten Alternativlosigkeiten nebst anhängender Denk- und Diskursverbote nicht länger hinnehmen. Zumindest das ist eine gute Nachricht, denn Demokratie braucht wache Bürger… (Seite 2)



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