Sich reicher fühlen und ärmer werden

22. Mai 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Märkte sehen wacklig aus. Die Wirtschaft auch. Zusammengehalten wird alles mit rosa Kleister und Farbe und frischem Geld. Statistiker wissen zu berichten, dass man langfristig mit Sachwerten besser fährt. So gesehen, wertet unser „Geld“ ihnen gegenüber beständig ab. Niemand merkt es…

…da die Zahl auf dem Konto nahezu gleich bleibt und ein 50-Euro-Schein von damals heute noch derselbe ist. Man bekommt nur weniger dafür.

In den letzten 50 Jahren stieg der DAX jährlich um 7,8 Prozent… (Quelle: Deutsches Aktieninstitut)

50 jahre dax

Gold steht dem in nichts nach…

gold-return

Die Preise für Kunst, Oldtimer, Grund und Boden zeigen ähnliche Entwicklungen. So werden Sachwerte beharrlich teurer während die Geldwerte verkommen.

Wer weiter herkömmlich spart, wird später bemerken, dass er auf Sand gebaut hat. Bei acht Prozent Preissteigerung verlieren die deutschen Sparguthaben in Höhe von zwei Billionen Euro jährlich die Kleinigkeit von 160 Milliarden Euro Kaufkraft. Fällt das nicht auf?

Offiziell sinken ja die Preise. Heimlich aber wertet das „Geld“ ab. Was nur soll man mit seinem Papiergeld unter der Matratze und dem Elektrogeld auf dem Konto anstellen? Es in etwas Besseres tauschen! Die Zentralbanken zwingen die Sparer ja förmlich dazu, stärker ins Risiko zu gehen und die großen Schwankungsbreiten auszuhalten.

Oder man gibt das Geld aus, wirft es aus dem Fenster, kauft Schnickschnack und lässt es sich noch mal gutgehen. Dann hat man am Ende noch weniger, als es ohnehin schon ist. Aber bis zu dieser Erkenntnis dauert es noch eine Zeit.

Für einen DAX, ein Haus oder eine Unze Gold müssen wir länger arbeiten, wobei die Löhne langsamer steigen als das Geld verfällt. Vielleicht werden wir in Zahlen reicher, in Wirklichkeit aber ärmer. Dieser Prozess vollzieht sich schon lange unsichtbar vor unseren Augen. Man muss diese nur zum Sehen benutzen.

Nullzinsen verleiten die Leute auch, mehr Kredite aufzunehmen. Nach letzten Berechnungen der EZB stieg die Kreditvergabe an die Privaten um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Viel Spaß mit dem Borgen aus der Zukunft. Was man heute vorfrisst, muss man später meist nachhungern.

Die Negativzinsen heizen die Kaufstimmung an, sagen Experten. Kann es sein, dass negative Zinsen aber als Krisenzeichen wahrgenommen werden? Normal ist das doch nicht, dass der Leitzins und damit der Preis für Geld ausgeschaltet bleibt und die EZB täglich für fast drei Milliarden Euro Anleihen aufkauft.

Doch was ist das? Nach vier Jahren Negativzinsen in Dänemark lässt sich feststellen, dass diese die Leute nicht aus ihrem Ersparten heraustreiben. Im Gegenteil: Die Sparquote steigt, die Investitionstätigkeit geht zurück und die Wirtschaftsprognose wurde gesenkt. Sollte es gar so sein, dass Negativ-Zinsen mehr schaden als helfen? Dann sollte man damit aufhören. Aber dann hört alles auf.

Vielleicht muss es erst aufhören, dass etwas Neues beginnen kann. Das ist wie in Beziehungen oder dem Arbeitsleben. Geht eine Tür zu, geht eine andere auf. Dazwischen gibt es ein paar Schmerzen. Ja, es würde Chaos geben, wenn die Schulden ausgebucht und nicht weiter umgebucht werden. Nicht nur Griechenland wäre pleite. Die Banken wären es auch. Mit den Schulden verschwinden die Guthaben. Dann geht es weiter – nur irgendwie anders, sagen Fachleute. Die Leute im Amt würden andere sein.

Das erklärt vielleicht auch, dass niemand von denen da oben ein Interesse hat, damit aufzuhören, vor allem nicht diejenigen, die am meisten davon haben und an den Schalthebeln eines kaputten Baggers sitzen. Was sollten sie denn mit ihrer ganzen freien Zeit dann anfangen?

Kommen wir zurück zu den rund acht Prozent Rendite auf Sachwerte. Andersherum bedeutet das, es gibt minus acht Prozent auf die Kaufkraft. Na herzlichen Glühstrumpf! Doch wer versteht das schon von denen, die auf die Sicherheit des Geldes, seine fälschungssicheren Merkmale und das Geschwätz von der Geldwertstabilität und Dauerhaftigkeit des Euro hereinfallen.

Dinge, die zudem gut sind, müssen nicht auch noch ständig beworben werden wie der Euro – und dessen Stahlkraft in die Herzen der Europäer und seine Macht des Friedens und des Wohlstandes. Scheitert der Euro scheitert Europa… und dergleichen.

Und das Gold? Vielleicht ist es zu weit vor gelaufen, vielleicht hängt es auch hinterher. Niemand weiß es. In zehn oder 20 Jahren wird die Kaufkraft des Geldes wohl weniger sein. Das ist erklärtes Ziel der Zentralbanken. Zeit, sich gegen diese Allmächtigen wenigstens finanziell zu wehren. 

Ach ja, ein Freund fragte mich, was ich davon halte: 300.000 Euro Kredit aufzunehmen um Gold zu kaufen. Das würde jeder für Schwachsinn halten. Aber bei einer Immobilie ist das ganz normal, fügt er an. Für einen Verbrauchsgegenstand, für den die Kosten immer stärker zu Buche schlagen und man erst ganz lange Zeit später der Eigentümer wird – wenn man es mit dem Zahlungsdienst auch so lange schafft.

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