Sich glücklich shoppen. Doch wovon?

22. Juli 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) An der Konsumfront wird der Aufschwung so vehement verteidigt, dass dem Konsumenten die Puste schon wieder ausgeht. 12.000 Schlecker-Frauen bekommen jetzt Beistand von 2.000 Karstadtianern und fast so vielen Necker-Männern. Und das inmitten eines Konsumrauschs. Der DAX steigt. Alles bestens…

Schlecker fährt gegen die Wand und Metro spart wo es geht. Puma brechen die Umsätze weg und Praktiker kämpft ums Überleben. Kleinere Pleiten stehen nicht in den Schlagzeilen. Oh Einzelhandel! Nur die Umschulungen zu Hartz-IV-Empfängern boomen. Ach, wie interessant! Die Hälfte der neuen Stellen der letzten Jahre waren nur befristet. Das kesselt nicht gerade in der Kasse und hebt keine Shoppinglaune.

Erstaunlich, wenn Experten aus der Knallfrosch-Ökonomie immer die wachsende Zuversicht der Konsumenten betonen, obwohl diese beim jetzt drohenden Abschwung ganz elegant aus ihrem Hamsterrad geschleudert werden. Schuld sind immer das Wetter oder auch Managementfehler. Moderne Wirtschaftstheorie ist viel Voodoo-Quatsch und eine Mixtur aus Knalltüten, Knallkörpern und Knallerbsen mit langer Zündschnur. Keiner der Knall-Experten kommt auf die Idee, dass den Leuten das Geld für Plunder fehlt. Sie haben einfach nicht genug in der Tasche.

Wo soll es herkommen? Aus der Presse. Entweder aus der Druckpresse oder den öffentlichen medialen Bekanntmachungen. In TV-Aufschwüngen inmitten von Knallbonbons und Knallchargen knallt es wie zu Silvester und jeder knallt durch bis es knallt. Spätestens nach den nächsten Einzelhandelsumsätzen gibt es wieder Knallfrosch-Alarm und viele Tonnen von Zuversicht. GfK liefert ermutigende Zahlen. Steigende Reallöhne gibt es dabei nur theoretisch. Aber das geht in der ganzen Knallerei unter.


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