Showdown um Griechenland (Update)

28. Juni 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Nun geht es Schlag auf Schlag… Griechenlands Pleite steht vor der Tür und damit das Ende der Konkursverschleppung durch die europäische Politik. Bis aber dorthin wird es nochmal spannend…

Ich glaube es ja erst, wenn die Griechen wieder mit Drachmen bezahlen. Bis dahin springt sicherlich noch das eine oder andere Kaninchen aus dem Hut. Derweil laufen die Telefondrähte heiß. Noch werden die Nothilfen nicht verlängert, die am 30.6. enden. Abwarten….

Griechenlands Regierungschef Tsipras wies darauf hin, dass ein Land nicht aus der Eurozone und aus dem Euro geworfen werden kann. Das wird lustig. Oder auch nicht.

Die EZB berät darüber, Hellas Banken den Stecker zu ziehen. Sie hat ihnen knapp 90 Milliarden Euro an Notkrediten gegeben. Wenn die EZB dieses Spiel beendet, kann sie diesen Betrag abschreiben. Das bedeutet zeitgleich auch den Bankrott der griechischen Banken, welche auch noch den Staat finanzieren, welcher vom Markt abgeschnitten ist. Dieser kann die Forderungen auch nicht bedienen. Eine Kettenreaktion….

Eben kam gerade … die EZB verlängert die Nothilfen. Oh Wunder! Sie gewährt weiter 90 Milliarden Euro. Aber keine Milliarde mehr. Bislang. Warten wir auf die nächste Deadline am Dienstag 23:59:59 Uhr. Oder aufs Referendum am 5. Juli. Aber über was wird entschieden? Über einen Plan, den es nicht gibt?

Gibt es wirklich keine Ansteckungsgefahren auf den Rest der Finanzwelt? Was ist eigentlich mit den Kreditausfallversicherungen? Das sind Papiere, mit denen man sich finanziell vor einer Pleite Griechenlands schützen kann. Derjenige, der diese Papiere hat, und es sollen nicht wenige sein, kann sich den Schaden durch eine Staatspleite bezahlen lassen. Aber wer hat dann zu zahlen, sollte es dazu kommen? Werden deshalb Banken in Schwierigkeiten kommen? Oder Hedgefonds über die Wupper gehen? Wird es deshalb zu Notverkäufen von anderen Papieren an den Märkten kommen und das zu viel tieferen Kursen mangels Nachfrage? Wir wissen es nicht…

(Kollege Rott teilte mir eben mit, dass nur diejenigen diese Ausfallversicherungen halten dürfen, die auch griechische Papiere halten…)

Wir wissen auch nicht, was die Börsen am Montag tun werden. Die Indikationen für den DAX liegen 400 etwa Punkte unter dem Stand vom Freitag, also bei 11.100 Punkten.

Das sieht nicht gut aus… Hier einige außerbörsliche Kurse von Lang & Schwarz (Quelle)

Aktien_Europa_-_2015-06-28_21.50.22

Werden auch wie damals, als die Schweizer Nationalbank die Bindung des Frankens an den Euro fallen ließ, einige Broker dichtmachen müssen? Oder werden die Broker überhaupt am Montag öffnen? Und wenn nicht, was ist mit dem Geld derer, die es dort liegen haben?

Ja, es gibt viele Spekulationen. Auch darüber, dass die Kanzlerin derzeit wenig guter Laune sein soll. Vielleicht sucht sie noch nach passenden Formulierungen, wenn sie erklären muss, dass ein Großteil der 84 Milliarden Euro weg sein dürfte – und warum die EZB neu kapitalisiert werden muss. Die Größe und Häufigkeit der Schlaglöcher hierzulande hat sich ja proportional zu den Forderungen gegenüber Griechenlands entwickelt.

Und was ist mit dem Euro? Der hat jetzt schon Schaden genommen.

Es wird jetzt auch über Kapitalverkehrskontrollen gesprochen. Vor wenigen Tagen wurden diese seitens der griechischen Politik kategorisch ausgeschlossen. Damals hieß es auch noch, und es war nicht als Scherz gemeint, die griechischen Banken wären grundsolide.

14:45 Uhr: Ach nee, jetzt doch keine Kapitalverkehrskontrollen. Vielleicht in einer Stunde doch wieder…?

19:00 Uhr Sag ich doch… Montag bleiben Banken und Börse geschlossen. Kapitalverkehrskontrollen…

Nein, ich kann es mir nicht vorstellen, dass Griechenland pleite gehen darf. Aber zählen Sie nicht darauf. Zuviel hängt an diesem Thema: Milliardenschwere Abschreibungen, Vertrauensverlust, Imageschaden für die europäische Politik und letztendlich die „Gefahr“ dass auch andere Länder sich auf diese Art und Weise des Schuldenbergs entledigen könnten. Noch wird telefoniert, verhandelt und Sand gestreut.

Erstaunlich aber ist, dass die Griechen noch immer in langen Schlangen an den Geldautomaten stehen – und warum sie überhaupt noch etwas bei griechischen Banken liegen hatten. Vielleicht ist das ein Massenphänomen der Neuzeit – alles auf eine Karte zu setzen, nämlich der Politik zu vertrauen. In dieser Hinsicht sind wir in Europa schon längst zusammen gewachsen, auch wenn vieles nicht zusammen gehört.


Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , , ,

14 Kommentare auf "Showdown um Griechenland (Update)"

  1. normalo sagt:

    Spätestens nach dem Referendum wird es mit den Griechenlandhilfen weiter gehen. Tsipras wird verlieren und muss abtreten weil die Griechen sich weiter vom Euro alimentieren lassen wollen. Dann kommen wieder Samaras&Co und Deutschland wird bürgen. So wird es sein und nicht anderst.

  2. Helmut Ott sagt:

    … drohen, betteln, anbiedern. Mei unsere erbärmlichen Apparatschiks.
    Wie wäre es ausnahmsweise mit einem Referendum in der gesamten EU?
    Wenn schon nicht bei der Einführung des Euros „unterlassen“, dann vielleicht zur Abschaffung?

  3. Reiner sagt:

    Laut CDU-MdB stehen für Deutschland mindestens 80 Milliarden Euro im Feuer. Ich vermute, daß es auf Grund der Target2-Salden noch wesentlich mehr sein werden.

    Das ist auch für Deutschland ein riesiger Betrag, etwa ein Drittel des jährlichen Bundeshaushalts.

    Jeder konnte bisher schon wissen, daß der größte Teil dieses Geldes verbrannt und unwiederbringlich verloren ist. Bisher jedoch hat die Politik die Menschen an der Nase herumgeführt und so getan, als sei das Geld gut aufgehoben. Nun dürfte die Stunde der Wahrheit kommen. Ein wesentlicher Teil des Betrages, wenn nicht alles, wird abgeschrieben werden müssen.

    Ich hoffe, daß dann endlich auch in der Uninsfraktion die Schuldige benannt und vom Hof gejagt wird. Frau Merkel ist es gewesen, die immer wieder die Abgeordneten geradezu genötigt hat, den entsprechenden Vorlagen zuzustimmen. Oft hat sie ihnen noch nicht einmal die Zeit gegönnt, die Texte vor der Abstimmung gründlich zu lesen.

    Wenn die Abgeordneten noch vor ihre Wähler in den Wahlkreisen und auf den Parteitagen treten wollen, ohne ausgepfiffen zu werden, müssen sie eigentlich in wohlverstandenem Eigeninteresse am eigenen politischen Überleben alles daran setzen, die Schuld auf die Parteivorsitzende zu schieben, wo sie auch hingehört.

    Ich hoffe wirklich, daß jetzt die Merkeldämmerung anfängt. Das kann nur gut sein für Deutschland.

  4. waltomax sagt:

    Frau Merkel wird doch nicht die Stirn haben, uns bezüglich der verlorenen 80 000 000 000 Euronen eine Geschichte vom Pferd zu erzählen, um Kanzlerin zu bleiben! Sie wird doch hoffentlich nicht wieder die Raute vor dem Bäuchlein machen, sondern den verdienten Abgang, rasch und mit Anstand…

    Na, holen wir uns lieber schon mal einen Sattel zum Pferd. Einen ziemlich Großen, denn das Pferd wird wohl diesmal uns reiten.

  5. Martin Majewski sagt:

    Ja in der Tat, welcher Grieche hat jetzt noch mehr als 500€ auf dem Konto. Für den Kollaps kann der gemeine Grieche sicher nix, aber den Irren ihr Geld zu leihen ist doch grob Fahrlässig.
    Ich pack derzeit mal mein Care Paket für Hellas.

  6. waltomax sagt:

    „Gibt es wirklich keine Ansteckungsgefahren auf den Rest der Finanzwelt? Was ist eigentlich mit den Kreditausfallversicherungen? Das sind Papiere, mit denen man sich finanziell vor einer Pleite Griechenlands schützen kann. Derjenige, der diese Papiere hat, und es sollen nicht wenige sein, kann sich den Schaden durch eine Staatspleite bezahlen lassen. Aber wer hat dann zu zahlen, sollte es dazu kommen? Werden deshalb Banken in Schwierigkeiten kommen? Oder Hedgefonds über die Wupper gehen? Wird es deshalb zu Notverkäufen von anderen Papieren an den Märkten kommen und das zu viel tieferen Kursen mangels Nachfrage? Wir wissen es nicht…“

    Und die DEUTSCHE BANK dürfte in nicht unerheblichem Maße CDS ausgereicht haben…
    Lehmann II ? Nur diesmal ohne Netz? Richtig, „keiner weiß es.“ Will man es eigentlich so genau wissen?

    • Ralf sagt:

      Wenn die EZB will, geht niemand pleite. Die EZB kauft alle Schuldscheine der Pleite-Staaten und -Banken auf. Das machen sie einfach. Sie halten sich nicht an ihre selbst gemachten Gesetze. Das gleiche gilt auch für den ESM. Die Mitglieder im Bundestag werden jeder Vorlage zustimmen, weil sie ihre persönlichen Interessen vertreten und nichts anderes und das machen sie, indem sie blind ihren Leithammeln folgen. Wer im Parlament eine eigene Meinung vertritt, wird bei der nächsten Legislaturperiode übergangen. So ist das in der Demokratie. Wenn unsere Oberherrschaften keinen Crash wollen, wird es keinen Crash geben, sondern Inflation. Und wenn sie wollen, können sie den Crash jederzeit, auch schon am Montag herbeiführen. Aber warum sollten sie? Das wichtigste Ziel der „EU“ ist die Vernichtung der Völker durch Völkervermischung für die Noachidisierung der Menschheit. Aber wie viele Ausländer werden noch kommen, wenn die Regale in den Supermärkten leer sind? Sicherlich weniger Ausländer – also kein Crash.

  7. FDominicus sagt:

    Tatsache ist: Ein Möglichkeit zum Rauswerfen ist im Gesetz nicht vorgesehen. Es gibt wohl einen Möglichkeit für ein einzelnes Land sich zu verabschieden. Grundsätzlich hat aber die EU keine Handhabe die Griechen aus der EU oder dem EUR zu werfen.

    Und als Grieche wäre ich ganz klar dafür den Euro zu behalten, statt auf eine neue Drachme zu hoffen. Wer wirklich glaubt diese neue Drachme wird ein Geld, wird wohl die Realität der Politiker falsch einschätzen.

  8. JayJay sagt:

    Athen wird nicht fallen gelassen, die bekommen alles was sie wollen. Brüssel, Berlin, Paris haben schon Order bekommen aus Washington das Athen zu retten ist, da Alternativlos und eine Sache von Krieg und Frieden. 😉

    Gold & Silber Ahoi 🙂

  9. Argonautiker sagt:

    Natürlich will man, daß Griechenland im Euro bleibt, weil man sonst die EU nicht irgendwann als ganzes einstreichen kann. Würde Griechenland austreten, dann müßte es, wie auch Island es gemacht hat, eigenständig aus der Misere rauskommen. Bleibt es drin, dann belastet es die gesamte EU.

    Doch selbst wenn es durch das zerstören der Wirtschaft Griechenlands noch nicht klappen würde, und die EU nur wanken würde, dann würde sich die Hochfinanz halt den nächst schwächeren Teil vornehmen, um es zu Fall zu bringen, um dann günstig einkaufen zu gehen, denn die Zeit arbeitet für sie.

    Das Loslösen des Geldes vom Gegenwert hat es möglich gemacht. Theoretisch können sie mittels dem Gewähren von Krediten für Andere, sich selbst immer weiter Geld erzeugen, mit dem sie Druck ausüben können, sodaß die Realwirtschaft, dem Erzeugen von imaginärem Geld gegenüber steht, mit dem Umstand, das man dem imaginären Geld einen realen Status verliehen hat.

    Das ist nun nach über 40 Jahren überzogenem Kreditwesen auch nicht mehr rettbar, denn wer wollte nun unterscheiden, was echtes, also gedecktes Geld ist, und was Ungedecktes? Das muß jetzt den Bach runter gehen, bis zum bitteren Ende. Bleibt man den Grundprinzipien des derzeitigen Finanzhandels treu, gibt es nur zwei Lösungsmöglichkeiten. Krieg, oder es zu akzeptieren, daß die Welt durch höchst aggressive Betrüger manipuliert wird, und nur noch das getan werden kann, was von dort diktiert wird.

    Selbst wenn Griechenland austreten würde, wäre das keine Rettung, denn das was da vor sich geht, ist eben keine reine Funktion, der man den Stecker ziehen könnte, sondern dahinter steht ein Wille daß dies so passiert. Denn wenn man die Wirklichkeit so Betrügen kann, daß Staaten zugrunde gehen, dann könnte man die Misere durch Schuldenerlasse eben auch wieder schön rechnen, daß dies eben nicht passiert. Aber es scheint einen Willen zu geben, das genau dies doch passiert. Da gibt es gemachte Gesetze, die sagen, Schulden müssen beglichen werden, selbst wenn dadurch ganze Gesellschaften mit allen sich darin befindlichen Wesen ruiniert werden.

    Solange dieser Wille nicht gebrochen oder ihm Einhalt geboten wird, werden die zerstörerischen Angriffe weiter gehen. Solange die Menschen nicht wieder von ihren gemachten Gesetzen ablassen, und zu den ursprünglichen, aus sich selbst existierenden Gesetzen des Handels zurückkehren, die durch das Prinzip der Osmose ihre Wirkung entfalten, wird sich das nicht ändern. Und das dies falsch läuft, liegt sicherlich nicht NUR an der Hochfinanz, sondern an Allen, die Hochfinanz kann das Falsche lediglich am Besten.

    Der Inhalt des wahrhaftigen Handels, der eigentlich ein Austausch der Güter zum gegenseitigen Nutzen ist, muß neu geboren werden. Handel ist zu einem gegenseitigen übers Ohr hauen geworden. Wenn man immer nur so tut, als wolle man retten, aber weiter die Schiene des Egos fährt, wird man auch immer nur die Wahl zwischen Unterwerfung oder Krieg haben, und damit eine ebensolche, durch diese Prinzipien gesteuerte Welt erzeugen.

    Retten erfolgt von seinem Wesen her eigentlich IMMER ohne Gegenleistung.

    Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern, ist durchaus lebbar.

    Schönen Gruß aus dem teilweise stromausgefallenen Bremen

  10. bluestar sagt:

    Ich habe es gestern tatsächlich in masochistischer Manier getan.
    Wieder einmal deutsches Propagandafernsehen konsumiert. Drogen wären fürs Hirn sicherlich besser gewesen.
    Nachrichten, Expertenmeinungen, Talkshows zum Thema Nummer 1.
    Tenor: Natürlich hat nur die Linksregierung der Griechen ( seit paar Monaten im Amt) Schuld am ganzen Chaos der letzten Jahre. Und dann noch ein Referendum des Volkes – Gipfel der Unverschämtheit.
    Bestimmt kam der Tipp von Putin…

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.