Selig sind die politisch Korrekten

13. Januar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Im folgenden Jahr könnte es zu zahlreichen Veränderungen bei Ortsnamen kommen. Um kein falsches Signal zu senden, kann eine Entfernung des Ortsnamensteiles „Sankt“ nicht mehr ausgeschlossen werden. Betroffen sind auch etwaige die Absicht verschleiernde Abkürzungen wie „St.“.

Beachten Sie daher bei Buchungen des nächsten Skiurlaubs nicht mehr unter „S“ wie Sankt Moritz zu suchen sondern nur noch unter Moritz. Gleiches gilt für die Freunde der Küstengewässer. Abzugewöhnen hat sich der deutsche Urlauber beispielsweise umgehend den Namen Sankt Peter Ording. Zu finden ist der Urlaubsort demnächst unter „P“ wie Peter. Moritz und Peter, das klingt doch gleich viel familiärer. Eine langfristige Option ist die gänzliche Abschaffung von Namen und die alleinige Nutzung der Postleitzahl. Fünf ist Trümpf. Das erspart auch leidige Diskussionen im Urlaub im Falle von Buchstabendrehern für die Einwohner von Städten wie etwa „Hilter“ (49176).

Während man in Europa vielerorts auf einen gesellschaftlichen schwarzen Schwan zusteuert, dürfte sich die Ignoranz und naive Hoffnung mancher Staatsbeamter in tiefe Sorgenfalten gewandelt haben. Vielleicht. Nach den Ereignissen zur Jahreswende greifen derzeit sogar manche Mainstream-Gazetten die Stimmung in Teilen des Landes auf. Ob dies aus einem Gewinn an Erkenntnis oder aus Not geschieht ist nicht überliefert. Die Hoffnung auf einen langristigen Gewinn, der lang und breit auf einer abstrakten Ebene breitgetreten wird, kommt offenbar nicht umsonst daher. Es dürfte zunehmend schwerer fallen dem Volk die anfallenden sozialen und finanziellen Kosten schmackhaft zu machen ohne auch nur den Ansatz einer Strategie zu haben. Es ist die Umittelbarkeit des Verlustes an Freiheit, Sicherheit und auch Geld, die gepaart mit dem aus gutem Grund nicht vorhandenen Vertrauen in die Fähigkeit der politischen Kaste, die „Zukunft zu gestalten“, für Instabilät sorgen wird. Wie so oft ist es eher die Gegenwart, die die zukünftige politische Kaste gestaltet.

Vor allem die Dynamik der Veränderungen ist bemerkenswert und betrüblich. Allein die Einschränkung der persönlichen Freiheiten durch zunehmende Ängste ist nicht wegzudiskutieren. Ein System in dem aus welchen Gründen auch immer eine rechtliche Willkür des noch Machbaren Einzug hält, ist instabil. Wer in solchen Zeiten die Schreibweisen von Namen im Gendermainstreaming-Rausch für eines der wichtigsten sozialen Themen hält, dem ist kaum zu helfen. Zu einem großen Teil haben sich die Hohepriester der political correctness, die bei vielen Medien ins Groteske abgeglitten ist, für den Löwenanteil des aufgestauten Drucks zu verantworten.

Wie die Betonung der Wunder der Verschiedenheit bei gleichzeitig staatlich verordneter Gleichmacherei wirkt auch der Fokus auf marginalste Interessen gesellschaftlicher Kleinstgruppen albern. Sie erinnert an den Teenager-Diskussionskreis (im Westen) über die Wunder des Sozialismus und Karl Marx an und für sich. Solange das Jugendzimmer gut geheizt ist, die Baskenmütze sitzt, Mutti das Essen (ohne Zwiebeln) macht und das Taschengeld fürs Dosenbier reicht lässt es sich prima daherschwafeln. Inkonsistenzen haben die politischen Redezirkel seit jeher nicht gestört. Während man also einerseits betont, wie gleich alle sind, wird andererseits die farbenfrohe Unterschiedlichkeit der Kulturen derart euphorisch gefeiert, als hätte jemand nach zehn Jahren in der Kellerwohnung gerade das erste Mal ein paar Tage im sonnigen Ausland verlebt. Immerhin erinnert diese Melange an den wundervollen Cartoon einer Massenveranstaltung. Der eine ruft der Masse zu: „Wir sind alle Individuen, wir sind alle verschieden“. Einer antwortet aus der Menge: „Ich nicht!“

In freier Anlehnung an Stalin der gesagt haben soll „ein Toter ist eine Tragödie, eine Million Toter ist eine Statistik“ nimmt der politisch korrekte Weltenretter alle Kollateralschäden in Kauf. Ein harter Vergleich? Ach, kommen Sie. Wer ständig alles mit Nazis und jeden mit Hitler vergleicht, der wird doch eine kleine Stalin-Anekdote vertragen können! Gibt es eigentlich schon Klagen gegen die dauernde Hitler-Verharmlosung? Aber in einem Land, in dem es weite Teile der Medien für nicht so schlimm halten, wenn eine tumbe Masse „Steine gegen Gewalt“ wirft, darf man nicht so zimperlich sein.

Wer arbeitet eigentlich noch bei welchen Medien? Mag es früher das Ziel eines Journalisten gewesen sein, bei der roten Wartezimmerauslage in Hamburg zu arbeiten, so dürfte sich das mittlerweile verändert haben. Wer arbeitet noch freiwillig beim ZDF und warum? Eine Frage, die sich schwer beantworten lässt. Man darf jedoch davon ausgehen, dass abseits des Gehaltes die meisten Gazetten und Sender in Deutschland wohl kaum mehr zu den Traumzielen echter Journalisten zählen. Das erkennt man schon an der an finstere Lohnschreiberzeiten erinnernde Artikel zum US-Wahlkampf. Man schaue sich nur im Vergleich die Berichterstattung zu Barrack Obama oder Hillary Clinton im Vergleich zu Donald Trump an. Wenn Schreiber, von denen nicht wenige vermutlich bereits mit dem Bau eines Eigenheimes organisatorisch überfordert wären, Trump als Clown bezeichnen, lässt das tief blicken. Man kann Trump mögen oder nicht, ihm zustimmen oder nicht, ein Clown ist er mit Sicherheit nicht.

Einer der Gründe warum Donald Trump derzeit abseits der Presse sehr gut ankommt, ist die klare Ansprache ohne verschwurbelte political correctness. Unabhängig davon, wen man aus dem traurigen Feld seiner Konkurrenten anschaut, haben Sie nicht auch das Gefühl, dass die alle immer so sprechen, als hätten Sie die Angst im Nacken, etwas politsch nicht korrektes zu sagen? Eine Angst konkret zu werden, die sich offenbar daraus nährt, dass man keinerlei Überzeugungen hat, die man verteidigen kann? Muss Hillary Clinton nach jeder Rede in einen kleinen abgedunkelten Raum und kriegt für jede politische Unkorrektheit eins auf den nackten Hintern? Man will es lieber nicht wissen. Angesichts der weichgeklopften Rhetorik und nicht vorhandenen Haltung des übrigen Bewerberfeldes ist, dürfte Trump keine schlechten Chancen haben, ins Weiße Haus einzuziehen. Wenn ein Berufsschreiber hierzulande meint, er sein ein Clown, dann darf man das wohl unter Neid oder Unwissenheit verbuchen. Bürokraten lieben eben Bürokraten und die Presse hängt nicht weniger am Establishment wie das Establishment an der Presse. Das ist hierzulande genauso wie in den Staaten.

Jetzt aber Schluss mit dem Gejammer! Morgen ist heute schon gestern. Es wird Zeit, sich schon jetzt über die perspektivisch eingedämmten Probleme des demografischen Wandels zu freuen. Gegen die paar Schwierigkeiten auf dem Weg dahin wird sicherlich bald in Bund, Land und Kommunen ein ganzes Bündel an Maßnahmen zu einem Paket geschnürt. In ein paar Monaten kommt dann schon der Osterhase und nicht viel später wünschen wir uns schon wieder fröhliche X-Mas Holidays. Auch in Peter Ording und Moritz. Bis dahin ist auch Zeit genug, sich vom Laternenfest zu erholen.

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