Selbstbestimmt statt fremdgesteuert

24. Juli 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

(von Frank Meyer) Unter „Burn Out“ bezeichnet Wikipedia eine chronische Erschöpfung, das gezielte Duchdrehenlassen der Reifen eines Fahrzeugs oder den Brennschluss einer Raketenstufe. Man sollte hinzufügen, dass Burn Out ein Spiegelbild einer verrückt gewordenen Arbeitswelt geworden ist – die Folge einer menschenfeindlichen Zombieökonomie, aus der man schlecht aussteigen kann…

Ich schreibe diesen Artikel für Andreas, einen Freund, der in einem festen Angestelltenverhältnis seine Brötchen verdient. Als Führungskraft geht es Andreas gut. Am Ende des Monats bleibt etwas übrig, während das private Zeitkonto längst schon im Minus steht. 70 Stunden Wochenarbeit, E-Mails am Feierabend, Reports in der Nacht, ewig klingelnde Telefone, 80.000 Kilometer jährlich auf der Autobahn und Übernachtungen in oft herunter gekommenen Hotels mit verdreckten Betten, da die Übernachtungskosten gedeckelt wurden. Seinem Chef würden Psychologen Sicherheitsverwahrung empfehlen.

„Ich erwarte Lösungslaune“, einer der Lieblingssätze seines Vorgesetzten. „Raus aus der Komfortzone – rein in die Handlungsebene!“ ist seine Tageslosung, die sich wie eine springende Schallplatte durch den Telefonhörer presst. Damit meint er wie viele in seiner Position effektiveres und längeres Arbeiten bei geringsten Kosten und privaten Entbehrungen seiner Mitarbeiter. Hätte er eine Peitsche, er würde sie wohl benutzen.

Nun, was soll man tun als abhängiger Beschäftigter? Sich verweigern? Vielleicht etwas im Kollegenkreis lästern. Mehr nicht. Andreas würde gerne etwas anderes machen. Ihm fehlen eine Idee und wohl auch der Mut zum Aussteigen oder Umsteigen. Er rätselt oft, wie er dieser Tretmühle entfliehen kann, dem verrückt gewordenen Chef und auch den vielen Gollums, seinen ihm untergejubelten Mitarbeitern. Keine Chance?

Der Druck auf dem Arbeitsmarkt treibt giftige Blüten. Burn Out ist nicht nur Modewort sondern längst Realität als Folge eines bedingungslosen Ausbrennens im Alltag. Und immer schön freundlich sein. Nicht dass man will, man muss. Statistisch gesehen trifft Burn Out oder die rapide steigenden psychischen Erkrankungen diejenigen, die gewissenhaft arbeiten und vor allem Leute in Führungspositionen. Schnell mal ausgetauscht, denn für die mittleren Etagen gibt es kostengünstigen Ersatz auf dem Arbeitsmarkt. Jüngere Leute kosten oft nur die Hälfte. Das sind oft diejenigen, die in den Werbeanzeigen der Unternehmen weit motivierter wirken als Andreas noch zeigen kann. Zwei Motivierte, zum Brennen bereite junge Leute ersetzen einen alten Hasen. Mangels Erfahrung gehen sie recht unbedarft an die Sache, bis es auch sie erwischt und sie wiederum, ausgebrannt, durch andere Brennwillige ersetzt werden.

Burn Out und die anderen psychischen Erkrankungen sind Spiegelbilder moderner Sklaverei mit unbezahlten Überstunden, Überlastung, schlechter Bezahlung und Tritten aus der Chefetage – aber auch hochbezahlter Dummheit von unten – als Folge des Scheiterns eines modernen Bildungssystems. (Quelle der Graphik: Statista)

Einfach gehen? Tschüss? Die vermeintliche Sicherheit wäre dahin und auch die monatlichen Beträge auf dem Konto blieben aus. Wovon dann seine Kosten bestreiten? Und die Schulden? Sparsam leben? Aber wie, wenn das Gehalt der nächsten Jahre schon ausgegeben wurde?

Verdrehte Begriffe

Andreas nennt seine Situation selbst „Komfortzone“, in der er sich bewegt. Oder ist es nicht eher eine Angstzone? Sollte er eines Tages diesen Job verlieren, wird er mit Blick von draußen wahrscheinlich auf ein widerliches Gefängnis blicken. Später ist man bekanntlich schlauer. Ausbrechen? Geht nicht! Abhängig. Haus zu bezahlen. Schulden. Überzogenes Konto. Konsum. Gesellschaftszwang.

Natürlich streben die meisten Leute nach Sicherheit und meinen, nur in einem festangestellten Verhältnis bekommen sie diesen „Komfort“. Dann ist es sogar möglich, für das Alter vorzusorgen, indem sie beginnen ihr Geld dafür aus dem Fenster zu werfen und der Hoffnung anheim fallen, später würde alles mal besser – mit 67 – oder im Himmel…

Abhängig beschäftigt bedeutet Abhängigkeit, auch wenn man sich nur um das zu kümmern hat, was auf dem Schreibtisch landet. Jeder Blödsinn muss abgearbeitet und dokumentiert werden. Berge an Verwaltung. Dazu kommen die Launen der Vorsetzten, die selbst unter Druck stehen, weil sie wiederum ihren Chefs rechenschaftspflichtig sind. Dazu freundlich lächeln, selbst bei völlig verpeilten Kunden, vor allem im Dienstleistungsbereich. Der Kunde ist König. Und der Boss der Kaiser.

Zwischen einem „auf den Tisch hauen“ und den Sachen packen, steht die Angst als Ratgeber, wobei die Angststimme nie eine kluge Stimme ist. Zusätzlich muss man Kollegen aushalten, deren grelles Lachen, ihren Körperschweiß und etliche andere Abartigkeiten. Wie schön wäre es doch, diese Leute nie mehr wieder sehen zu müssen. Geht nicht! Abhängig. In der Not kaufen viele Ratgeberbücher, um sich noch besser organisieren und effektiver arbeiten zu können. Heiß geliebt sind auch vom Unternehmen anberaumte Motivationsseminare, wo Unrat und Abfall als Chance umdeklariert werden.

Ach wie schön, wenn regelmäßig das Schmerzensgeld aufs Konto überwiesen wird. Oft ist es so, dass die Ansprüche im Verlauf des Arbeitslebens steigen, wenn das Gehalt steigt und der Druck in der Kasse durch immer höhere Abgaben und Preise größer geworden ist. Arbeitgeber sind auch dazu übergegangen, die Abhängigkeit ihrer Mitarbeiter zu stärken, indem sie gewisse Rituale „empfehlen“ – wie die Finanzierung einer oft zu großen Immobilie. Das bindet die Schäfchen ans Unternehmen. Forderungen stellen sie dann selten. Im Umfeld von Andreas hat das fast jede Führungskraft getan, auch im Irrglauben, ihr Job wäre für die nächsten 20 Jahre sicher. Statistisch gesehen, ist das aber nahezu ausgeschlossen. Erstaunlich, wie freiwillig und ohne Nachdenken heute langlaufende Verpflichtungen im privaten Umfeld eingegangen werden. Ein Massensyndrom…

Aus einer anderen Welt

Es gab immer schon verrückte Chefs und welche, die davon nie etwas mitbekommen haben. Mehr Arbeit, kostenlose Überstunden und diese dämlichen Motivationssprüche auf Denglisch. Das muss man erstmal aushalten. Doch was soll man tun? Andreas schickte mir ein paar der sinnfreien und motivierenden Sprüche, die im Unternehmen umher laufen wie verirrte Buchstaben im Hand Out...

Raus aus der Kuschelhöhle!
Gib Knallgas! (Die Steigerung von „Gas geben“)
Sei der Wind – nicht das Fähnchen!
Schrei den Erfolg herbei!
Nie aufgeben! Aufgeben ist nur was für Raucher!
Raus aus der destruktiven Komfortzone!
Rauf auf die Gewinnerebene!
Lebe konsequentes Erfolgs- und Leistungsmanagement!
Raus aus der Schleife der Ausreden!
Erfolg! Jetzt!

In den Chefetagen wachsen seltsame Kräuter, die man nicht rauchen oder als Tee zu sich nehmen sollte. Drehen wir die Positionen um. Wie sähe es aus, wenn man diesen Irrsinn auf sich persönlich als Lösungsweg unter dem Aspekt größerer persönlicher Freiheit anwenden würde? Mal sehen…

Raus aus der Kuschelhöhle! (Ich bin dann mal weg!)
Gib Knallgas! (Noch schneller weg!)
Sei der Wind – nicht das Fähnchen! (Macht Euern Sturm allein.)
Schrei den Erfolg herbei! (Schrei die Freiheit herbei!)
Nie aufgeben – Aufgeben ist nur was für Raucher. (Euch aufzugeben ist mein Gewinn)
Raus aus der destruktiven Komfortzone! (Deshalb gehe ich. Komfort ist etwas anderes)
Rauf auf die Gewinnerebene! (Ihr dürft Euch dort oben gerne ohne mich drängeln)
Lebe konsequentes Erfolgs- und Leistungsmanagement (Künftig für mich)
Raus aus der Schleife der Ausreden (Das werdet ihr nicht vertragen)
Erfolg! Jetzt! (Deshalb bin ich jetzt weg!)

Und Tschüss!

Einfach aufhören? Würde man verhungern? Erfrieren? Verdursten? Wahrscheinlich nicht. Man würde nur anders leben müssen. Ja. Viel sparsamer. Aber da fehlen Erfahrungen.

Wie kommt man aus der Fessel des Arbeitslebens und seiner eigenen Ängste vor der Zukunft heraus? Indem man Stück für Stück Abhängigkeit begrenzt und auf die Seite der Unabhängigkeit wechselt. In Angestelltenverhältnissen ist Freiheit meist nicht lebbar. Die meisten Selbstständigen oder Freiberufler wollen nie wieder zurück in diese vermeintlich sicheren Angestelltenverhältnisse. Sicherlich ist es einfacher, wenn man im Laufe seines Lebens etwas zurückgelegt hat, und irgendwann einfach geht – nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Bedürfnisse auf ein Minimum zu beschränken kann der Startschuss für ein kleineres, beschaulicheres und wahrscheinlich auch lebenswerteres Leben sein.

Kosten runter… Schulden begleichen… Ballast abwerfen… Sparen… Job wechseln… sich umsehen… Berufliche Standbeine suchen… In sich hinein hören…

Wer wenig zum Leben braucht, hat größere Chancen auf mehr Selbstbestimmung und vor allem persönliche Freiheit. Ein Versuch ist es wert. Und wer sein Hobby zum Beruf macht, arbeitet keine einzige Stunde am Tag.


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19 Kommentare auf "Selbstbestimmt statt fremdgesteuert"

  1. Avantgarde sagt:

    „Die meisten Selbstständigen oder Freiberufler wollen nie wieder zurück in diese vermeintlich sicheren Angestelltenverhältnisse.“

    Mit solchen Aussagen wäre ich aber vorsichtig.

    Viele dieser Selbständigen sind gezwungener Maßen selbständig – oder dies nur auf dem Papier.
    Wenn man mal den Selbständigen Subunternehmer im Baugewerbe, den Landwirt oder den Automobilzulieferer fragt wer die Preise bestimmt dann ist das in aller Regel der fast einzige Auftraggeber.
    Viele Selbständige sind lediglich die auf neudeutsch Outgesourcten.

    Ich will das Idealziel nicht kleinreden – aber so einfach wie es klingt ist es nicht.

    Geht man weg von der eoconomischen Ebene dann sind anders als viele vermuten nicht die vom Burnout betroffen, die ihren Beruf als Job sehen sondern die, die eine Berufung darin sahen.
    Eben nicht die, die 5 gerade sein lassen.
    Es sind die leistungsbereiten, die in ihrem Beruf aufgehen und alles für die Firma und ihr eigenes Ego tun.

    Bereits motivierte Mitabeiter bis zum Burnout weiter anzustacheln ist durchaus perfide.
    Aber das gehört heutzutage wohl in den Bereich „Leistung aus Leidenschaft“

    Was diese Leute brauchen ist eine Auszeit – eine längere Regenerationsphase.
    Das „danach“ kann in der Selbständigkeit aber ebensogut bei einem anderen Arbeitgeber oder einer anderen Branche liegen.
    Ansprüche loszulassen ist immer gut – nur muß man das auch leben und nicht lediglich als Merksatz auswendig lernen.

    Schaffen es die Leute allerdings nicht einen Schlußpunkt zu setzen dann werden sie entweder irgendwann mittags mit 2 Promille aus dem Straßenverkehr gezogen und bekommen ein weißes Hemdchen oder es kommen zwei freundliche Herren und verpassen das weiße Hemdchen mit Riemen nachdem das Notebook des Chefs aus dem Büroturm geflogen ist.
    Dann kommt die Pause zwangsläufig.

    • Wollen sagt:

      @Avantgarde

      Regenerationsmodus an,mehr Lebensqualität,sag ich da nur.
      Arbeit ist nicht alles im Leben..

      Zustimmung.So nach 2 Jahren sieht die Welt deutlich entspannter aus.
      Das Aufopfern gegenüber sich selbst und anderen.Wenn keine Grenze erkannt wird, wo für sich selbst Schluss ist, beruflich,privat sich dauerhaft im emotionalen körperlichen Überforderungszustand befindet.
      Andere erkennen diese Grenzen manche nicht..

      So ne Woche ohne Schlaf unausgeruht,Körper,Seele ständig im Nachdenkarbeitsmodus,ständige Alarmbereitschaft,gereizt, aufgesetztes Lächeln dann wirds Zeit…
      Nie wieder.
      Ob das nun via Wiki ein BO,emotionaler Erschöpfungszustand, ähnlich dem Übertraining im Profisport ist, kann ich nicht beurteilen,selbst kann man sich aus dem Rennen nehmen.Sich bewusst werden das Du hier und nicht andere betroffen sind.

      • Avantgarde sagt:

        Die Franzosen arbeiten um zu Leben – und die Deutschen leben um zu arbeiten!
        🙂

        Aber Spaß beiseite.
        Ein wirkliches Burnout ist nicht einfach nur ein Erschöpfungszustand, auch nicht einfach nur eine Depression wie hier ein anderer meinte – und auch nicht einfach durch eine Pille zu kurieren.

        Burnout an sich ist zwar kein klassisches klinisches Krankheitsbild und wird nicht als solches anerkannt – jedoch ist diese Symptomatik ein recht einschneidendes Ereignis im Leben eines Menschen.
        Andere klinische Psychiatrische Erkrankungen können durchaus die Folge sein.

        Es führt zu weit – aber auch das was volkstümlich als Depression bezeichnet wird hat mit einem klinischen Krankheitsbild nicht so arg viel gemein.

        Hoffen wir, daß der im Thema genannte Andreas sein Leben reflektiert und nach einer Pause einen neuen Anfang findet.

  2. Stuelpner sagt:

    „Die Bedürfnisse auf ein Minimum zu beschränken kann der Startschuss für ein kleineres, beschaulicheres und wahrscheinlich auch lebenswerteres Leben sein.“
    Es „kann“ nicht, sondern „wird“ es zu 95% werden. Alle rennen nur für die Kredite und Zinsen, aber wehe es stolpert einer. Wenn man von außen auf diese Zombies sieht wird einem schon Angst und Bange. Keine Ahnung ob da wieder der Satz Bedeutung hat mit jedem das Seine, man kann doch mit etwas Nachdenken dieser ganzen Sauerei entfliehen, bis zu einem gewissen Punkt.

    Andreas sollte die Möglichkeit mit einberechnen, falls er Frau und Kinder hat, dass seine Frau das nicht so lustig findet und sich „weiterentwickelt“ und ihm dann ohnehin das letzte Hemd abgenommen wird. Damit sollte er klarkommen.

    Er sollte aber auf jeden Fall die Chance nutzen, denn:
    „Sollte er eines Tages diesen Job verlieren, wird er mit Blick von draußen wahrscheinlich auf ein widerliches Gefängnis blicken.“
    das ist mit Sicherheit Fakt.
    Wenn er jedoch wartet, bis ihn ein tatsächlicher Burn out in diese Lage versetzt, dann ist es so gut wie unmöglich eine Beschäftigung (selbständig oder nicht) im nötigen Umfang auszuüben. In dem Fall ist er dann nur noch Personal bei der großen GmbH und dann wird er sein Leben enorm einschränken müssen, andere, menschlichere, wichtigere, geistreichere, … Prioritäten setzten müssen, trotzdem wird es lebenswerter als früher.

    „In der Not kaufen viele Ratgeberbücher, um sich noch besser organisieren und effektiver arbeiten zu können.“
    Nein, um sich selbst noch mehr auszubeuten und noch schneller und zielsicherer zum Burn out zu kommen.

    Ja Frank, ein extrem wichtiges Thema was Du ansprichst, ich kann nur hoffen Andreas findet seinen einzig richten Weg, welcher sein MHD wesentlich verlängert, denn vergammeltes und/oder ausgeburntes Humankapital ist ein Fall für die Müllkippe in diesem so sozialen, freiheitlichen, menschenfreundlichem Staat.

  3. Otschi sagt:

    Burn out ist lediglich ein gesellschaftlich akzeptiertes Synonym für Depression. Unter der Diagnose „Depression“ gilt man als Psycho, während man unter „Burn out“ als Opfer der Leistungsgesellschaft Empathie erfährt: Sind wir nicht alle ein wenig überfordert?

    Depressionen können durchaus sehr erfolgreich behandelt werden.

    • Entlebucher sagt:

      Kommt darauf an, ob die Depression endo- oder exogen ist,
      gerade was daraus für den Behandlungserfolg resultiert.

      • Otschi sagt:

        Neurotische Depression / Exogene Depression
        Veraltete Begrifflichkeit ohne einheitliche Definition, die heute daher kaum noch verwendet wird. Der Zusatz neurotisch/exogen soll darauf hindeuten, dass die depressive Stimmung auf äußere Ereignisse und Frustrationen oder innere Konflikte zurückzuführen ist. Im Gegensatz zur Major Depression / endogenen Depression wird von einer neurotischen Depression nur gesprochen, wenn keine Halluzinationen und Wahnvorstellungen auftreten. Typisch ist auch das Abendtief (statt Morgentief bei der Major Depression). Heute spricht man beispielsweise eher von einer posttraumatischen Belastungsstörung oder einer akuten Belastungsreaktion

        • stonefights sagt:

          Ich bewundere immer eine derartige Ausdrucksweise.

          Da der Realist eh wenig Grund zur Fröhlichkeit hat,
          überlegte ich gerade, was der Normalsterbliche während der 20:00 Uhr Nachrichten mit der Bierflasche in der Hand machen würde, wenn er folgende Nachricht hörte:

          „Griechenland hat mittlerweile seine exogenen Phase des Abendtiefs überwunden, während Finanzminister Schäuble aufgrund der endogenen Entwicklung in Spanien erstnoch ein MAJOR nEUROtisches Morgentief erwartet.“

          Zwei Vermutungen:
          Er trinkt seine Bierflasche auf Ex und beginnt danach mit den erwähnten Halluzinationen um die Tagesschausprecherin,
          oder er wirft seine Bierflasche gleich in Richtung Fernseher,
          was durchaus auch vom Laien als akute Belastungsreaktion postraumatischer Fernsehereignisse diagnostiziert werden könnte.
          🙂
          lg, stonefights

          • Stuelpner sagt:

            @sf.
            Danke für die Schilderung, das sind astreine 100 Punkte 😉 Daumen hoch, Sternchen, …
            Ich hatte es leider nur zum „Hätten wir das auch geklärt.“ geschafft. Jetzt hole ich mein 21:00 Bier

          • Otschi sagt:

            Das ist halt die Fachsprache der Psychologen/Psychiater, mehr nicht. Das versteht jeder Arzt. Muss es sonst noch jemand verstehen? Einem Patienten würde das natürlich in einer Sprache vermittelt, die er auch verstehen kann. Lesen Sie doch nue einmal eine Rezension einer Oper. Das versteht auf Anhieb auch nur derjenige, der sich für Oper interessiert.

            Der entscheidende Satz ist doch der: „Veraltete Begrifflichkeit ohne einheitliche Definition, die heute daher kaum noch verwendet wird“. Und den kann jeder verstehen.

            Ich weiß ja nicht, in welcher Branche Sie tätig sind, aber Sie werden unter Kollegen auch ihre eigene Söprache sprechen, die man für Laien übersetzen muss.

            Wenn Sie interessiert sind, will gerne versuchen, das für Sie zu übersetzen..

            Herzliche Grüße

            Otschi

  4. Hans Zahm sagt:

    Entweder dieser Job oder Ausstieg, wie wäre es mit Alternativen die zwischen diesen beiden Extremen angesiedelt sind?
    Es gibt nicht für einen Menschen nur diese eine Stelle und sonst keine, das ist doch Blödsinn!

    Für einen wie ihn gibt es auch noch andere Stellen bei anderen Chefs. Was hindert ihn daran sich mal um zu schauen? Zu alt?

    Es gibt keinen einzig richtigen Weg, wer den sucht hat verloren. Allein diese Syntax ist hinderlich. Es git immer viele verschiedene Möglichkeiteten…

  5. Yep Frank Meyer so iss es | kannsonichtsein sagt:

    […] http://www.rottmeyer.de/selbstbestimmt-statt-fremdgesteuert/ Wer wenig zum Leben braucht, hat größere Chancen auf mehr Selbstbestimmung und vor allem persönliche Freiheit. Ein Versuch ist es wert. Und wer sein Hobby zum Beruf macht, arbeitet keine einzige Stunde am Tag. […]

  6. rolandus sagt:

    Der letzte Satz ist doc die Lösung, fällt aber wohl zunaechst schwer, wenn für „hobbys“ in einer 70 Stundensklavenwoche gar keine Zeit mehr blieb.

    Dem Freund ist zu wuenschen, dass er sich an Odysseus erinnert, wie er mit seinen Gefährten auf die Meerenge von Skylla und Charybdis zufährt.
    (Die o.g. Motivationssprüche klingen ja geraddezu wie das Rauschen aus dem Rachen der Skylla;-)

    Gewiss wird es „Tote“(bei den Gefährten!) geben bei der Durchfahrt, aber weder konnte er die Fahrt verhindern noch umgehen.
    Eines der besten Bilder im Mythos das es immer duch „Meerengen“ hindurchgeht im Leben und die Angststärke (angustus -Enge!) die entscheidende Rolle spielt.

    Schön Gruss aus HH und dem Meyerdopulus wieder ein Dank für eine „Arbeit ohne Arbeit“ ,-)

    rolandus

  7. Beobachter sagt:

    Wenn ich langsam Laufe gehts mir den ganzen Tag gut,
    wenn ich aber ein Sprint hin lege gehts massiv auf die Gelenke, ich bin danach fix und fertig und stürze werden viel gefährlicher als bei normalem Tempo. In der Arbeitswelt sollten wir runter vom Gas geben, wir leben doch nur einmal und sollten uns selber schonen und unsere Mitmenschen human behandeln. Ich mache da nicht mehr mit, lieber weniger Arbeiten und dafür keinen Stress, zufriedener Leben, kein Aspirin um die Zeit von 9Uhr bis 19Uhr zu überleben und sonstige Drogen.

  8. Reiner Vogels sagt:

    Andreas ist leider kein Einzelfall. Wie ihm geht es Millionen. Es gibt übrigens auch Freiberufler – z.B. Ärzte, denen die Fixkosten für ihre Praxis über den Kopf zu wachsen drohen – denen es nicht viel besser geht.

    All diese bemitleidenswerten Einzelschicksale sind ein Beleg dafür, dass unsere im Grunde richtige und erfolgreiche marktwirtschaftliche Ordnung noch kein Rezept dafür gefunden hat, dass nicht nur kurzfristiger, sondern langfristiger Erfolg honoriert wird. Es ist ja am Ende auch für ein Unternehmen nicht gut, wenn wichtige Mitarbeiter bis zum Burn out oder zur inneren Kündigung verschlissen werden. Niemand kann schließlich ohne ein ausgewogenenes Work-life-Verhältnis auf Dauer gute Leistung am Arbeitsplatz bringen.

    Eine betriebswirtschaftliche Systemlösung sehe ich nicht. Am besten wäre es, wenn es wieder im guten Sinne patriarchalische Chefs wie z.B. die Bosse von Kohle und Stahl in den Aufbruchjahren der Montanindustrie im Ruhrgebiet gäbe, die darauf achteten, dass ihre Mitarbeiter auch noch Luft zum Atmen hatten. Es soll mittelständische Familienbetriebe geben, in denen das der Fall ist. Vielleicht ist das eine Erklärung für ihren Erfolg am Markt.

  9. Stuelpner sagt:

    @O…
    Hätten wir das auch geklärt.
    „Burn out ist lediglich ein gesellschaftlich akzeptiertes Synonym für Depression.“+ „Depressionen können durchaus sehr erfolgreich behandelt werden.“
    Ist bestimmt aus irgendeiner wichtigen Schrift wichtiger Experten.
    Bo ist keineswegs gleich Depr., denn wie richtig festgestellt die können vielleicht sogar erfolgreich behandelt werden. Bei einem echten Bo ist ein Behandlungserfolg (annähernd 100% Genesung/Wiederherstellung so aussichtsreich wie glatte Haut nach einer Verbrennung 3. Grades (Verbrennung Bo man beachte die Übereinstimmung)

    • Otschi sagt:

      Übersetzt sind die Andreas betreffenden Fragen möglicherweise die:

      Hat er einfach die Nase voll von seinem Chef und seinem Job oder beidem? Und erkennt er deutlich warum? Dann braucht er keine Therapie, denn dann erkennt er ja das Problem und ist selbst in der Lage, nach einer Lösung zu suchen. Allein nach der Definition der Problemstellung und bei dem sich anschließenden Gedanken, dass er ab jetzt nach einer konkreten Lösung suchen wird, wird es ihm sehr deutlich besser gehen, weil er die Warte gewechselt hat. In der Folge wird er die Lösung auch zu finden. Und wenn alle Stricke reißen, dann erkennt er, dass er keine andere Wahl hat, weil er sich zu tief in die …. geritten hat, dass er aber um zu überleben, an seiner eigenen Einstellung etwas ändern muss, was er dann auch tun wird. Es kostet ihn zwar Selbstreflexion, aber Andreas ist zu jedem Zeitpunkt Herr der Lage.

      Anders ist es, wenn Andreas (aufgrund einer depressiven Verstimmung) gar nicht mehr in der Lage ist, folgerichtig und problemzentriert zu denken und zu handeln. Dann braucht er jemandem, der ihm dabei hilft. Freunde sind in diesem Fall sehr deutlich weniger geeignet als im ersten. Andreas braucht jetzt ohne jeden Zweifel _professionelle_ Hilfe.

      Deutlich komplizierter wird es, wenn die (in diesem Fall vermeintliche) Überforderung von Andreas nur als Alibi für eine ganz andere Problemstellung benötigt wird. Um ein Beispiel zu nennen, könnte Andreas vielleicht ja mit seiner familiären Situation nicht zurecht kommen. Weil es ihm jedoch widerstrebt, die Familie politisch inkorrekt zu verlassen, zieht er es vor, die Überlastung durch die Arbeit als Erkärung vorzuschieben. Denkbar darüber hinaus, um bei diesem Beispiel zu bleiben, wäre auch, dass Andreas sich deutlich mehr als verlangt (er redet sich das nur ein) in seiner Arbeit engagiert, um möglichst wenig zuhause sein zu müssen.

      Und weil es so überaus kompliziert ist, sollte Andreas die Chance professioneller Hilfe nutzen, um möglichst schnell voran zu kommen.

      Herzliche Grüße

      Otschi

      • Stuelpner sagt:

        @Otschi
        „Das versteht jeder Arzt. Muss es sonst noch jemand verstehen?“ Hmm mal überlegen, bin ich wieder auf der Seite „Ärzte unter sich“ oder bei RM.de 😉

        Ich würde mal vermuten, Andreas verspürt nur ein ungutes Gefühl, weil er merkt es läuft etwas schief, zudem ist er Perfektionist (Zahnspfahl wink) der ganz selbverständlich sein Bestes gibt. Äußere Probleme, er nicht beeinflussen kann machen ihm das Leben schwer usw. depr. ist er nicht, nur Elan und Motiv. rutschen ab (trotz weltfremder Motivationssprüche des Chefs) Irgendwann erreichen sie einen Tiefpunkt plus zusätzliches Erlebnis und das Böse ist gesät. Wenn Andreas dann zur Ruhe kommt, durch längeren Urlaub, physische Krankheit (Beinbruch o.ä.) dann erst dann bricht der Brand aus. In „meiner Sprache“ und zu meinem Verständnis muss ich das etwas bildlicher formulieren (hab früher schon lieber Bilderbücher gelesen). Andreas rennt in seinem Job in Runden, er brennt schon durch den Gegenwind merkt er das aber nicht wirklich, solange er weiter rennt (bzw. es kann) wird nicht viel passieren, erst wenn er nicht mehr kann oder zur Ruhe kommt fehlt der Gegenwind und das Feuer wird groß bis er ausbrennt. Für ihn wäre es besser er würde seine Rundenbahn verlassen und irgendwo einen Ausflug wählen (in Form eines Feuerlöschers/prof. Hilfe die aber nicht wirklich helfen muss) so das er beim weiterrennen langsam aber sicher das feuer löschen kann, so dass er gefahrlos stehen bleiben kann.

        Aber das wir hier nicht bei „Äus“ sind sondern bei RM.de ging es um das Thema werden wir durch den Zwang nach mehr Konsum, mehr Krediten und mehr Zinsen zum häßlichen dämlichen Zombie für Markengedöns, sinnlose teuere Urlaube in Wwiw in denen man sich noch exotische Krankheiten holt, usw. und legen lieber mehr wert auf das was wir w i r k l i c h brauchen. Ein altes Auto fährt auch, das mitleidige Lächeln gibts gratis, das Haus inkl. Zwangshypothek, was in Wirklichkeit eher ein Wohnklima wie eine Plastiktüte hat, muss man auch nicht haben, warum in die Ferne schweifen das Gute liegt so nah und man brauch keine Malariaimpfung, die Sonnenschutzcreme kann man sich dank Chemtrail auch sparen. Wer das begreift kann sich etwas mehr zurück lehnen und sieht plötzlich seine Umwelt auch ohne prof. Hilfe 😉

        Das war jetzt auch lang, nicht sooo perfekt im Ausdruck und die Fehler, ich hab aufgehört zu zählen. Aber nachdem 20+21+22+23:00 Bier ist es auch schon nicht mehr so wichtig.

        Freundliche Grüsse
        Stülpner

  10. Otschi sagt:

    Eigentlich wollte ich nur ausdrücken:

    Burn out ist eine Diagnose, weshalb man damit vorsichtig und pfleglich umgehen sollte.

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