Seit den Iden des März …

27. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Ronald Gehrt

Es war fast zu den Iden des März, als alles irgendwie zum Stillstand kam. Genauer gesagt einen Tag später, am 16. März. Seitdem ist den Börsen der Trend und den Marktteilnehmern offensichtlich die Perspektive abhandengekommen. Das an sich ist schon übel und nervtötend..

…weil man momentan sogar als Daytrader seine liebe Not hat, in den sprunghaften, letztlich aber nirgendwo hinführenden Bewegungen den Kopf über Wasser zu halten. Aber perspektivisch betrachtet ist das vor allem gefährlich. Zu den Iden des März hat es ja vor gut zwei Jahrtausenden schon mal jemanden unsanft vom Thron gehauen. Ist diesmal womöglich die „ewige Hausse“ dran?

Am 16. März kam es, nur eine Woche nach dem Beginn der Staatsanleihe-Käufe durch die EZB, beim Bund Future zum letzten markanten Aufwärtsschub. Danach tickerten die Kurse zwar langsam weiter nach oben und die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen fast bis an die Nulllinie abwärts, aber durch die Abgaben der letzten Tage notiert eben dieser Bund Future nun fast wieder dort, wo er am 16. März notierte. Am 16. März erreichte die Relation Euro/US-Dollar ihr vorläufiges Tief und läuft seitdem seitwärts. Und genau an diesem Tag erreichte der DAX einen vorläufigen Rekordstand, der danach in eine dreiwöchige Seitwärts-Konsolidierung mündete. Letzterer konnte zwar kurzzeitig neue Hochs erreichen, doch dies erwies sich erst einmal als Bullenfalle. Momentan hängt der deutsche Leitindex wieder in der vorherigen Handelsspanne und setzt damit sein Seitwärts-Geschiebe vor.

Mit kräftigen Sprüngen zwar, so dass der Eindruck außerordentlich beschäftigter Marktteilnehmer erhalten bleibt. Aber der Trend als solcher ist dem DAX ebenso wie den Indizes an der Wall Street erst einmal abhandengekommen. Dort schob sich der Standard & Poor’s 500 zwar in der abgelaufenen Woche an die bisherigen Verlaufsrekorde, während der Nasdaq Composite nun tatsächlich über die 15 Jahre alten Schlussrekorde des Jahres 2000 hinauslief. Aber in den USA ist man, nachdem man monatelang hinter steigenden europäischen Börsen zurückblieb, so begierig darauf, endlich wieder Fahrt aufzunehmen, dass die meisten Akteure nur zu gerne bereit sind, die irreführend positive Darstellung der Quartalsbilanzen für bare Münze zu nehmen. Man vergleicht einfach die Gewinne pro Aktie mit den Prognosen der Analysten, obwohl eben diese Prognosen zum einen immer wieder rechtzeitig nach unten genommen werden, um die Anleger durch „good news“ bei Laune zu halten. Doch würde man Gewinn und Umsatz mit denen des Vorjahresquartals in Relation setzen und dazu noch berücksichtigen, dass durch die massiven Aktienrückkauf-Programme vieler Unternehmen der Gewinn auf weniger Aktien verteilt wird, würde man feststellen, dass manche herausragende Bilanz keineswegs gut ist, Beispiele hierfür wären Microsoft oder IBM.

Mir scheint es, als würden viele mit aller Macht versuchen, die positive Stimmung am Leben zu halten. Rein von der medialen Berichterstattung her steigen die Aktienmärkte fast täglich, denn jeder kleine Tick nach oben wird bejubelt, jeder Abwärtsimpuls wird als Verschnaufpause verharmlost. Der Blick auf die Charts jedoch zeigt: Hier geht nichts voran. Die Perspektiven für das Wachstum sind in der Eurozone trotz eines den Export unterstützenden, schwachen Euro mäßig, in den USA aufgrund des in der Konsequenz zu starken US-Dollars düster. So betrachtet ist es verständlich, dass die Mehrheit der Akteure hinsichtlich ihrer eigenen Aktivitäten vor allem auf die Relation Euro/US-Dollar starrt … die aber wiederum, wie oben erwähnt, ebenfalls in einer Seitwärtsbewegung gefangen ist. Aber…



Wenngleich man momentan in Europa bei einem wieder nach unten laufenden Euro sofort beherzt zugreift und ein steigender Euro (= fallender US-Dollar) in den USA blitzschnelle Kaufimpulse nach sich zieht, ist letzten Endes klar: Eine der beiden Wirtschaftsräume und damit dessen Indizes bleiben im Fall einer Trendentscheidung des Euro auf der Strecke. In beiden Bereichen klammert man sich momentan stur an die Handelsspanne der letzten Wochen, aber irgendjemanden wird es in Kürze erwischen. Und was passiert dann?

Derjenige Aktienmarkt, der, wenn das allgemeine, gegenseitige Belauern der Trader bei Euro/US-Dollar ein Ende gefunden hat, als Sieger hervorgeht, könnte durchaus neue Verlaufsrekorde ansteuern. Aber ob sich nun die Schere zwischen der Eurozone und der Wall Street dadurch ausweitet oder schließt, die psychologische Wirkung eines in die Knie gehenden Aktienmarkts wird auch die anderen Börsen nicht ganz verschonen. Vor allem, weil ein wieder schwächerer Dollar oder ein erneut schwächerer Euro nicht alle Probleme heilen kann und wird.

In den großen Wachstumsregionen dieser Welt, die für Europa und die USA gleichermaßen die letzte wirklich nennenswerte Quelle des Wachstums über den Export darstellen, läuft es nicht mehr so, wie man sich das vorstellt. Und während in China die Einkaufsmanagerindizes erneut eine spürbare Abschwächung des Wachstums indizieren, schießen dort die Aktienmärkte durch die schrittweise Öffnung hin zu neuen Käuferschichten hemmungslos in die Höhe wie einst in den USA und Europa zu Zeiten der „Dot.Com-Blase“ im Jahr 2000. Dort besteht ein hohes Risiko eines Kurseinbruchs. Und in Europa und den USA besteht zugleich das Risiko, das diejenige Region, die im natürlich nie offiziell erklärten Währungskrieg unterliegen wird, in eine fatale, aussichtslose Situation gerät.

Momentan sieht es so aus, als hätten die USA mit ihrer die Realität weiterhin komplett ignorierenden Notenbank die schlechteren Karten. Aber das muss nicht so bleiben. Klar ist nur eines: Das Wachstum in den USA existiert de facto nicht mehr. Und in Europa mag sich die EZB auf die Schulter klopfen, solange sie will, aber die Erwartungskomponenten bei ifo- und ZEW-Index ebenso wie die jüngsten Daten zu den Einkaufsmanagerindizes deuten an, dass diejenigen, die unmittelbar im Zentrum des Geschehens sitzen, nicht erwarten, dass sich die Lage in den kommenden Monaten weiter verbessert.

Seit den Iden des März kündigt sich Unheil an den Börsen an. Die momentane Konstellation hält in meinen Augen nur die Chance bereit, rechtzeitig denjenigen Aktienmarkt zu favorisieren, der am wenigsten unter die Räder kommen wird, abhängig davon, wer diesen Grabenkrieg um Euro/US-Dollar gewinnen wird. Die aufgesetzte Unbekümmertheit der meisten Analysten schlägt sich im Kursgeschehen nicht nieder. Wirklich umsatzstarke Aufwärtsimpulse, die sich nicht sofort als kurzfristige Operationen von Hedgefonds identifizieren lassen, sind seit Wochen Mangelware. Dort, bei den großen Adressen, weiß man zweifellos um die Tatsache, dass die erhofften, ja unterstellten Ziele in Gefahr sind. Daher muss ich wiederholen, was ich in meinem letzten Marktkommentar vor zwei Wochen als Fazit zog:
Der alte Börsenspruch „sell in may and go away“ mag faktisch nur noch eine leere Worthülse sein, aber in diesem Fall könnte ich mir gut vorstellen, dass man besser fährt, wenn man ihn beherzigt!

Mit besten Grüßen
Ronald Gehrt www.baden-boerse.de


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3 Kommentare auf "Seit den Iden des März …"

  1. Michael sagt:

    Der nächste Kater kommt bestimmt. Aber bis dahin kann man sagen, gewohntes Fahrwasser. Immer den Bach runter, denn wer schwimmt schon gegen den Strom.

  2. Brasil sagt:

    Eigentlich ist die Welt und seine Maerkte viel einfacher, als suggeriert wird, von wem auch immer und zu welchem Zweck auch immer!
    Fakt ist, dass der Konsum einfach zurueckgehen muss in den bisher industrialisierten Laendern, weil dort der Aufwand fuer Marketing, um das Ueberangebot an Produkten, die keiner braucht, an den Mann, die Frau und das Kind zu bringen, zwischenzeitlich die Gewinne drastisch auf Null, wenn nicht gar ins Minus schrumpfen laesst! Das wird sich dort auch nicht mehr aendern (koennen), dafuer sorgt alleine schon die Demografie, ganz besonders in Deutschland. Vorbei ist´s auch dort mit der Funtion als Lokomotive!
    Die Spekulation, in den sog. dritte Welt Laendern billig produzieren zu lassen, aber die Entwicklung und das know-how in den bisherigen Laendern zu halten um die verlaengerten Werkbaenke unter dem Joch zu halten und die Produkte billig zu importieren und die Kohle mit dem Handel zu machen (siehe Appel) ist drastisch schief gelaufen! Die Entwicklungen in China uebersteigen bald alles was sin der restlichen Welt zusammengenommen entwickelt wird! Absolut verkalkuliert haben sich die „Strategen“ auch damit Maschinen und Ausruestungen fuer alle Zeiteen dort hin liefern zu koennen! Ein absoluter Trugschluss war, dass fuer die bisherigen Industrielaender dort ein riessiger Absatzmarkt entsteht! Ja, der entsteht, aber wird dort von der heimischen Industrie selbst bedient werden! Ja auch im Bereichen der innovtivsten Produkte, weil bspw. in China das gleiche Prinzip eingesetzt wird, wie das Japan in den 60-ern gemacht hat. Kopiert und verbessert! Und nein, in China wird sich nicht wiederholen was in Japan, Taiwan und Korea passiert ist! Schnell und drastisch steigende Loehne und damit Verlust an Wettbewerbsfaehigkeit Welche Wettbewerbsfaehigkeit denn, wenn der Binnenmarkt der dominante Markt ist und bei der unvergleichbaren Bevoelkerungszahl noch lange sein wird?
    Alle Weichen sind zwischenzeitlich so gestellt fuer den pazifischen Raum, ausser den USA und deren japanischen Vasallen, um die groesste wirtschaftliche Entwicklung zu starten, welche die Welt je gesehen hat! Die neue Seidenstrasse, um nur das groesste Projekt zu nennen, von vielen, die bereits begonnen sind!

  3. FDominicus sagt:

    „Fakt ist, dass der Konsum einfach zurueckgehen muss in den bisher industrialisierten Laendern, weil dort der Aufwand fuer Marketing, um das Ueberangebot an Produkten, die keiner braucht, an den Mann, die Frau und das Kind zu bringen, zwischenzeitlich die Gewinne drastisch auf Null, wenn nicht gar ins Minus schrumpfen laesst! “

    Sie wissen also genau, daß viele Dinge nicht gebraucht werden? Wie wissen Sie was ich dazu denke? Mich gefragt haben Sie nicht und einige Sachen hätte ich gerne, die ich nicht habe aber gerne hätte die aber sicherlich in vielen Maßstäben überflüssig sein könnten.

    Das mit den Gewinnen gegen 0 sollten Sie mal bei Apple überprüfen, die machen 13 Mrd Gewinn ! in einem Quartal. Klar kann man sagen ein IPhone xy braucht niemand. Anscheinend doch.

    Und was ich mir wünsche kann ich Ihnen sogar recht einfach erklären. Ich möchte genug Geld haben mir jede beliebige Staatsbürgerschaft kaufen zu können. Wenn dann die guten Europäer wieder mal meinen sich abschlachten zu müssen, könne ich dann sagen. „Macht’s gut, man sieht sich (vielleicht)“.

    Dann hätte ich etwas was ich mir für kein Geld der Erde kaufen kann. Ich hätte bitte gerne meine Ruhe vor aktuellen Politikern und Bürokraten. Weil ich das nicht haben kann muß ich mir also genügend Land wünschen um meinen „eigenen“ Staat zu haben. Freiwillig wird mich wohl das Gewaltmonopl nicht ziehen lassen, ergo brauche ich eine genügend große Armee um mich vor den zu erwartenden Übergriffen zu schützen.

    Ach ja was vielleicht auch niemand braucht. Ich hätte gerne mehr Freiheit, kostet noch nicht einmal was. Es gibt sicherlich auch einige Dinge die ich nicht brauche. So brauche ich keine Steuern, ich brauche keine Bebauungspläne, kein IHK, keine Kammern. Ich brauche absolut keine Gesetze die mir verbieten Glühbirnen zu kaufen, ich brauche keine Gesetze über Sozialabgaben. Ich brauche auch keine Gesetze, die mich zur „sozialen“ Gerechtigkeit leiten sollen. Und so gibt es vieles was ich nicht braucht, was mir aber teuer sein muß.

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