Seifenblasen in Seifenopern

19. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Am letzten Wochenende habe ich eine sogenannte Doku über den amerikanischen Häusermarkt gesehen. Oder war es eine Komödie? Wer weiß. Auch viele Deutsche fallen jetzt in Amerika ein, um sich dort ein Feriendomizil zu kaufen. Es kostet nicht mehr die Welt, seit den Vorbesitzern der Kredit auf die Füße gefallen ist, und die Blase ihre Nadel fand…

Ein richtig nettes Haus samt Inventar gibt es auf den Keys in Florida schon für 200.000 Euro. In den Vorstädten von Detroit will sowieso niemand mehr wohnen. Eine sechsköpfige Familie war unter den Käufern. Und sie fanden ihren Traum und sahen sehr glücklich aus, so glücklich vielleicht wie die Vorbesitzer bei ihrem Vertragsabschluss. Und so fliegen künftig sechs Personen einmal oder zweimal im Jahr in den Süden des Vereinigten Staaten. Sie lassen sich am Flughafen befummeln, geben ihre biometrischen Daten ab und den Blick frei auf ihre eventuell verschmutzte Unterwäsche. Ob diese angebotenen Schnäppchen auch morgen noch solche sind, wird die Zeit zeigen. Der Unterhalt des Hauses, die Bewachung und die Steuern sind Nebenkosten, wie auch die Flugtickets, die ach weh, in den kommenden Jahren auch noch stiegen könnten. Und manchmal schaut dort ein Hurrikan vorbei oder ein Alligator.

Doch so eine „German Kleinigkeit“ ist mindestens so süß wie das Gefühl, den Nachbarn vom neuen Anwesen in der anderen Welt zu berichten. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Er braucht auch Spiele. Und die Olympiade in China war ein solches Spiel. Man bestaunt die gigantischen Ausmaße der Feiern und die finanziellen Möglichkeiten des Reichs der Mitte. 60 Milliarden USD hat der ganze Spaß gekostet, eine Summe die China durch seine Exporte in nur einem Monat vom Ausland bekommt. Noch. Pünktlich nach dem Ende der Olympiade wird von der Regierung das erste Konjunkturprogramm, auf den Weg gebracht, um der jetzt wackelnden Wirtschaft zu helfen. Mit 2.000 Mrd. USD Auslandsvermögen kann man das locker finanzieren. Nur ist das Geld im Ausland angelegt, meistens in den USA und würde bei Abzug den Dollar und nicht nur den beschädigen.

Unsere Kanzlerin und ihr Finanzminister wollen trotz verdunkelter Wirtschaftsdaten kein Konjunkturprogramm, sondern einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren. Dabei würde ein solches Konjunkturprogramm gerade jetzt nötig sein, rufen die Volkswirte. Vielleicht steht später ja im Geschichtsbuch, dass es die Kanzlerin nach Jahrzehnten geschafft hat, einen ausgeglicheneren Haushalt zu präsentieren. Oder aber: Sie wollte einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren, dabei ging aber leider die Konjunktur in die Binsen. Monetär gesehen, ist ein ausgeglichener Haushalt sinnvoll, ja notwendig. Doch welchen Sinn hat es, wenn man keine Konzepte hat, um die bereits 1500 Mrd. EUR aufgelaufenen Schulden zu begleichen? Nun gut, das erledigt die Inflation von selbst. Inflation?

Für die Inflation ist die EZB zuständig und die Banken mit ihrer Schöpfung des Geldes aus dem Nichts über Kredite. Inflation ist ein monetäres Problem, auch wenn man das heute im Studium der Volkswirtschaften offenbar nicht mehr lehrt. Doch ach, die Banken halten sich jetzt wegen ihrer bereits verursachten Probleme mit der Vergabe an neuen Krediten zurück. Die EZB schaut zu, wie die Pferde an ihrer Tränke stehen und nicht saufen wollen. Die Geldmengen wachsen weit weniger schnell als noch zu den guten Zeiten des europäischen Aufschwungs. Die Preise beginnen zu fallen, wofür allein schon der Wettbewerb sorgt, soweit vorhanden. Schauen Sie mal nach München zu BMW. Niemand will sie haben bzw. kann sie sich leisten. Wer kann das schon unterscheiden, wenn Sparen das Wort des Jahres 2009 werden könnte? Weniger Umsätze vermeldet auch der Einzelhandel und auch bei der Tourismusbranche ist die Euphorie der Realität gewichen. Ich bin nicht sicher, ob die Preise weiter steigen, oder den Rückwärtsgang einlegen werden. Vielleicht tun sie auch beides? Eins ist jedoch sicher, die Zeiten ändern sich gerade. Vielleicht macht die Inflation ja nur eine kurze Pause?

Nachdem die Einladungen für eine rauschende Party auf Pump verschickt wurden, kamen viele und feierten ein rauschendes Fest. Andere wiederum konnten nicht kommen, denn sie waren auf der Suche nach billigem Benzin und Heizöl, preiswerten Wohnungen, verglichen die Preise für Brot und Bananen und standen an, um den Hartz4-Antrag abzugeben. Sie werden nicht allein bleiben. Spätestens seit auf dem Fest der Vorhang gefallen, der Stecker gezogen und das Licht gelöscht ist, wird vielleicht am nächsten Tag der Kater noch da sein. Und dann macht man sich auf die Suche nach einem der preiswertesten Rollmöpse und stellt voller Entsetzen fest, dass die Erde doch eine Scheibe ist.

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