Seid verschlungen – ihr Billionen

11. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Lustvoll stöhnte der Drucker, als ich mein Archiv „Historisches für die Zukunft“ mit Verrücktheiten fütterten wollte. „Fette Jahre“ erwartet Ex-Wirtschaftsweise Bert Rürup. Ich weiß nicht, was er gegessen hatte. Mir war übel bei der Aussichten auf so üppig gedeckte Tische. Pssst! Ich sammle alle Prognosen, die Experten in Umlauf bringen…

Oft korrigieren sie diese und erklären später, warum sie Unsinn waren. Das Archivieren ihrer Visionen hat durchaus Vorteile. Seitdem leuchtet mein Schreibtisch. Bei Stromausfall ziehe ich einfach eine Lade auf.

Die Billion hat es mir angetan, denn die „fetten Jahre“ lassen vermuten, dass ich mich mit diesen Beträgen jetzt anfreunden sollte – eine Mischung aus Vorfreude, Angst und Respekt – wie vor der ersten Million. Als Peer Steinbrück eine Milliarde als kleinste Rettungseinheit bezeichnete, war die Million entzaubert. Neuerdings klingen die Geräusche meines Druckers gequält, als ob er sich anstrengen oder übergeben müsste. Billionenbeträge verursachen bei ihm Erschöpfungszustände.

Eine Billion ist eine Zahl mit zwölf Nullen. Oft reicht eine einzige Null, um diese zu produzieren. Hat sich die EZB sonderlich angestrengt, als sie eine Billion Hilfseuro aus dem Nichts erschuf? Für diese Summe hat Deutschland im letzten Jahr Waren exportiert. Diese Arbeit! Welche Mühen! Nur Idioten strengen sich an. Die EZB schafft das binnen weniger Minuten. Das Dumme an den Billionen ist die Vorfreude auf sie. Zum Schluss werden Nullen gestrichen und die Nullen nach Hause geschickt. Bis dahin kann mein Drucker aber noch oft lustvoll stöhnen.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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