Sei frei! Immer!

12. Juni 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Beim Durcheinander an den Finanzmärkten und in der Politik wundert es kaum, wenn sich die Leute Gedanken um ihr Geld machen. Die EZB sendet Inflationswarnungen aus, was bei den Fachleuten die Maschinen für dumme Ratschläge anspringen lässt und die Umsätze der Rosa-Brillen-Händler. Dabei warnt die EZB doch lediglich vor ihrer eigenen Geldpolitik. Chapeau!

Das Geld wird unruhig, sagen Börsenhändler. Doch wohin damit? Seit geraumer Zeit steigen die Preise für Immobilien, Grund und Boden so schnell wie das Vertrauen auf ein glückliches Ende dieser Bankenkrise, Pardon, Eurokrise. Guthaben werden offenbar zunehmend in etwas Echtes getauscht, was nicht von den Eliten abhängig ist wie bunte Verrechnungseinheiten auf Konten und in Geldbörsen. Da bewegt sich etwas. Wenn Sparbuch und ähnliche Anlagen so tot sind wie gekeulte Salatgurken, beginnt das Nachdenken und dann auch die Flucht.

Viele Leute gehen dann forsch zur Bank, holen sich einen (noch) zinsgünstigen Kredit, machen Schulden und schreiten zur Tat. Manche wollen mit einer Immobilie auf steigende Hauspreise wetten, bevor sich die Inflation beginnt auszutoben. Das ist mutig, angesichts der kommenden 20 Jahre mit weit weniger Planungssicherheit bezüglich des Jobs für Otto Normal. Oft ist dann die selbst gewählte Schuldenkette am Bein zu kurz und dann geht das Stolpern los wie in Spanien und anderswo.

Mich erinnert das an eine Statue in einem Frankfurter Stadtpark. Auf dem Beton-Sockel, auf dem ein nackter Mann aus Bronze steht,  hat ein besonders weiser Mensch folgendes mit einer Spraydose geschrieben: „Sei frei! Immer!“ Wie recht er hat.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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20 Kommentare auf "Sei frei! Immer!"

  1. bigpuster sagt:

    Leichter gesagt, als getan… Bezahlt mir einer meine Hütte?!
    Miete wohnen ist ja auch keine Alternative.

    • Frank Meyer sagt:

      Warum ist Miete keine Alternative? Man kenn immer gehen. Mit einem Haus weniger. Das, was ich in den letzten Wochen immer wieder hehört habe ist der Grund für diese Kolumne. Die Schuldenkette, die einen mit einer 200.000 Euro-Hütte (aus welchen Gründen auch immer) ans Bein gewachsen ist und das Bein ans Konto und an den Job. Wieviele Leutekenne ich, die hassen ihre Arbeit, aber sie müssen – wegen des Häuschens.

      • bigpuster sagt:

        Jetzt kennen Sie noch einen mehr.

        Aber wohin soll man denn gehen? Eine Straße weiter? Eine Stadt, ein Land?

        Die letzten beiden Wochen habe ich an der Müritz mit den Kindern gezeltet…..es war wunderschön und ging auch, das wäre eine günstige Alternative….aber der Winter kommt!

        Einerseits ist es vollkommen richtig, dass man auf Gedeih und Verderb über den Hauskredit an das Haus gebunden ist und einer Arbeit, die man nicht mag im Zweifel nachgehen MUSS.

        Andererseits zahle ich 15%-20% weniger gegenüber einer vergleichbaren Wohnung. Nun, dafür muss ich hier aber alles selbst reparieren und instand setzen.
        Das dürfte diesen Vorteil wohl auffressen…..
        Dafür zahle ich mit jedem Euro den ich tilge ( jedenfalls nach meiner Finanzierung ) monatlich weniger und kann mir bei gleichem Wohnambiente in absehbarer Zeit eine Arbeitszeitverkürzung gestatten. Die Möglickeit hat ein Mieter nicht. Wenn es bezahlt ist und man nicht auf die Idee kommt, auf meine schuldenfreie Immobilie zuzugreifen, wohne ich dann außer Nebenkosten mietfrei. Das kann auch ein Vorteil sein.

        • Andre sagt:

          So kann man es sehen, jedoch glaube ich, dass Ihre Rücklagen(Grundsteuer, Heizöl, etc.) für Ihr Haus den monatlichen Mietzins einer Wohnung erheblich übersteigen.
          Dazu kommt dann noch die Gefahr einer „Zwangshypothek“!
          Ja auf so tolle Ideen kommt der Staat, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht. Dies gab es übrigens schon in Deutschland!

          • gilga sagt:

            Und auf wen wird im Fall einer Mietwohnung die Grundsteuer, Nebenkosten und ja, auch die Kosten für eine Zwangshypothek umgelegt?

            Miete lohnt sich nur dort wo Mietraum im Überfluss vorhanden ist, es sich also um einen Mietermarkt und nicht um einen Vermietermarkt handelt. Zumeist ist das Ostdeutschland.

            Der Wert eines Hauses+Grundstück sollte in jedem Fall den Umfang des Kredites bei weitem übersteigen. Auch in dem Fall in dem ein ordentlicher Preisverfall (ala USA so 50+%) eintritt. Meist kommt man dann auch bei einem vernünftigen Eigenanteil und entsprechenden monatlichen Raten raus, welche die Kosten für die gleichwertige Miete nur geringfügig übersteigen. Ein kreditfinanzierte Investition eben, die sich auszahlen kann (nicht muss).

            Dumm nur, dass die meisten Menschen in Deutschland so nicht an die Sache herangehen und nebenher auch noch zwei Autos etc. pp. über Kredit finanziert werden. Die wöchentliche Shoppingtour, sowie Sommer- und Skiurlaub frisst eben schon die Sparquote auf. Für Kinder die die Rente erwirtschaften könnten reicht es schon gleich gar nicht…

      • Andre sagt:

        Ganz genau Frank!
        Ein guter Freund der nach seinem „Austeigerleben“ in Thailand zurück gekommen ist, sagte mir einmal:“Wenn du begreifst das weniger mehr ist, dann ist das Leben leichter“!
        Übersetzt, mit weniger Ballast am Bein kann man viel entspannter leben!

      • wolfswurt sagt:

        Miete = Hypothek, denn in der Miete steckt die gleiche Zinsbelastung wie in der Hypothek.
        Einziger Unterschied: eine Beendigung des Mietvertrages geht schneller vonstatten als ein Hausverkauf.

        Die Zinsbelastung in 30 Jahren Miete oder Hauskauf ist die gleiche Größe – einfach mal durchrechnen!

        Und der Vorteil einer Miete erweist sich als Luftnummer, denn ich muß ja bei Kündigung wieder neu anmieten – mit Sicht auf die Geldgröße.

        Die höhere Flexibilität bleibt ein Vorteil gegnüber einem Haus – unwidersprochen. Allerdings ist die vielfach erwähnte Flexibilität Ausdruck des Sklavenmodus der heutigen Arbeitsverhältnisse.

        Die Eigenschaft des Sklaven ist seine flexible Einsetzbarkeit!

        Es gibt im übrigen Häuser für weniger als 50.000€, die aber wegen ihrer weniger luxuriösen Austattung und der Forderung selbst Hand anzulegen nicht gefragt sind – zum Vorteil der Banken.

  2. Fnord23 sagt:

    Hallo Frank,
    Es ist wie immer im Leben:
    Es gibt viele Standpunkte und noch mehr Sichtweisen und man sollte immer differenzieren.

    Auch ich bin in Schulden investiert. Diese Entscheidung wurde im vollen Bewusstsein getroffen. Darum auch: Investiert. Ich kenne die Struktur des Finanzsystems und den Grund. Ich hab eine ungefähre Ahnung wo das hinführt. Wie schlimm es kommt, weiß keiner von uns. Wie lange DIE das noch ziehen auch nicht. Aber meine Lebenszeit läuft.

    Immobilie macht immobil. Ist klar. Aber ich kann und will hier eh nicht weg. Wenn es knallt, dann komme ich da am Besten zurecht, wo ich mein Netzwerk hab. Der Rest der Familie ist auch hier.
    Ich hab 2 Kinder. Bin eh nicht so flexibel. Da mir mit der Jahrtausendwende klar wurde wo das Ganze endet, wollte ich lieber raus aus der Stadt.

    Ausgangslage 2004: Stadtwohnung/Miete, Anfang 30, handwerklich kann ich soweit alles selbst wenn es ein muss

    Ziel: Großes Grundstück, auf dem Dorf, max. 20 km bis Stadtzentrum Großstadt, da ich ja wo wohnen muss: Haus

    Ergebnis: 3000qm, Lückenbebauung in gewachsener Dorflage, 230 k Euro, 180 k Luftgeld Kredit, Rest Eigenkapital, nicht berechnet: Eigenleistung,
    Brunnen, Hühner, Schafe, Gemüse Anbau, alte Obstbäume
    Heizung Holzpellets, Komplett Scheitholz möglich, Heizen/Kochen/Warmwasser auch ohne Strom möglich

    Absicherung, da ich ja Investor bin:
    Grundstück ohne Wegerecht! Weg gehört seit 2008 einem Familienmitglied und hat eigene Flurstücknummer. Immobilie somit wertlos, außer für uns. Ist der Bank nicht bekannt. Sollte man sich halt in der Familie nicht streiten, sonst kritisch:-)
    Edelmetalle phys./anonym.
    Im Allerschlimmsten Notfall auch kein Problem wieder zur Miete zu wohnen.

    Vorteile:
    Hohe Lebensqualität, näher an Selbstversorgung als die Meisten, Kinder haben alle Freiheiten, muss nicht ins Fitnessstudio, Wald fängt „vor der Haustür“ an, etc.

    Da wir bis dato in der Lage waren, der Preissteigerung durch Inflation eine Erhöhung des Einkommens entgegenzusetzen, „frisst“ diese Inflation den „Wert“ des Kredits. Was ich nicht tun werde, ist auf Teufel komm raus den Kapitaldienst leisten. Wenn es nicht mehr geht, dann werde ich mal schauen was die Bank so meint, zur Wegerechtkonstellation. Seit ich weiß, dass sich die Bank durch Luftgeldschöpfung die dinglichen Rechte im Grundbuch gesichert hat, hab ich da gar kein Problem mit.

    Was für mich völlig absurd ist, ist ein Haus auf 300qm Grundstück in einer dieser Siedlungen. Aber das muss jeder selbst wissen.

    VG
    aus Sachsen

    Wenn du den Fnord nicht siehst, dann kann der dich nicht fressen.

  3. Armin sagt:

    Hallo Herr Meyer,
    auch ich habe am Mittwoch „Inside Job“ gesehen und bin dem Dirk Müller sowie Ihnen für Ihre Arbeit zu großem Dank verpflichtet.
    Dank Menschen wie Ihnen beiden, für die das Wort Ehrlichkeit nicht nur eine reine Worthüle ist, gelingt es uns als Bürger und Anleger ein wenig „Freiheit“ im Trommelfeuer der allgegenwärtigen Verdummungsmaschinerie zu bewahren.
    Leider kam mir am Mittwoch die Frage, was man gegen die Mißstände unternehmen kann, ein wenig zu kurz.
    Ich denke, dass wir, also diejenigen die meinen dieses System durchschaut zu haben, etwas unternehmen sollten.
    Das System wird an die Wand fahren – keine Frage.
    Wenn jedoch nicht vorzeitig Alternativen aufgezeigt werden hinsichtlich des Geldsystems und der Lobbyismusproblematik sehe ich für die Zeit nach dem Crash die Gefahr, dass wir entweder in einer sozialistischen Dikatatur enden oder einem populistischen Rattenfänger in die Arme fallen.
    Im Hinblick auf vernünftige politische Alternativen siehts allerdings dünn aus, als einzige ist mir bisher nur die Partei Ihres Kollegen Oliver Janich aufgefallen.

  4. Frank2 sagt:

    Ich verstehe den Standpunkt von Herrn Meyer, denn er deckt sich mit meinem zu 100%. Aber ich verstehe auch den Wunsch nach Selbstversorgung, dachte ich doch schon selber darüber nach im Osten Deutschlands in einem Dorf für wenig Geld eines der schwerverkäuflichen leeren Häuser mit großem Garten zu erwerben. Der Witz liegt in den Schulden. Darauf zu hoffen, daß die Inflation die Schulden bezahlt, sehe ich kritisch. Das Problem ist aber nicht nur der von FM genannte Job sondern auch die Tatsache, daß in einer Inflation alles nominal teurer wird, nicht nur (falls überhaupt) das Haus. Die Löhne müssen deswegen nicht unbedingt mitsteigen. Käme es so, dann würde der Anteil des Einkommens, der für Nahrung herhalten muß größer werden, womit der Anteil der für Abtrag bleibt kleiner würde.
    Hinzu kommt auch die Verkäuflichkeit eines Objektes. Da kommen gewißlich noch reichlich Immobilien auf den Markt. Nicht nur wegen der Demographie sondern weil in einem Abschwung Arbeitskräfte freigesetzt werden, die verlieren ihre Hütte, die Nachfrage nach Immos bricht sowieso ein, etc..
    Fazit: Die Geschichte „Inflation bezahlt meine Schulden“ gibt es. Es ist die Situation des kommenden Aufschwungs. Alle Preise und Einkommen steigen, Das gestern billig gekaufte Haus, wird vom ansteigenden Einkommen lässig abgetragen.
    Im Abschwung aber gilt dies meiner Meinung nach nicht.
    Vom Klumpenrisiko ganz abgesehen.

  5. zf sagt:

    In einem anderen Forum hat ein User einmal geschrieben:
    Sklaven – früher hatten sie ein Brandmal und waren angekettet, Heute reicht eine Steuernummer und ein Hauskredit.

    …er hat recht.

    • bigpuster sagt:

      Was bleibt denn dem freien Menschen in seiner Mietwohnung, für deren Bezahlung er auch arbeiten gehen muss? Jedes Jahr umziehen? Wenn ich mir einen 60-jährigen anschaue, der Zeit seines Lebens in einer Mietwohnung gewohnt hat und noch weiter seine steigende Miete zahlen muss und den gleichaltrigen Genossen mit kleinem Haus, dass bezahlt ist, habe ich eine Ahnung davon, wer finanziell unabängiger ist.

      • Frank Meyer sagt:

        Das ist der Punkt: Das Haus, das bezahlt ist… Welches von den neuen Häusern ist das schon?

        • bigpuster sagt:

          Unter 1%!
          Aber wie soll ich denn auch ein Haus ohne Kredit kaufen. Meine Eltern haben eine 2.5 Zimmerwohnung, da passen keine 2 Erwachsenen + 3 Kinder zusätzlich rein, damit ich sparen könnte.
          Wenn ich mir eine adäquate Mietwohnung nehme, bleibt mir kaum was zum Sparen. Wenn ich Pech habe, fliege ich raus, weil alles den Bach runtergeht, dann kann ich immer noch eine Mietwohnung nehmen. Geht es gut, ärgere ich mich in zwanzig Jahren in meiner Mietwohnung.

      • zf sagt:

        Da möchte und muss Ihnen zu 100% recht geben!
        Jeder der sein Haus abbezahlt hat, braucht weniger monatliches Einkommen.
        Da ich selbst lange genug in meinem noch nicht abbezahlten Haus lebe, weiß ich auch, dass man einiges für den Erhalt der Substanz und Reparaturen zurück legen muss.
        Trotzdem würde ich es nicht anders machen.
        Es geht um das Bewusstsein abhängig zu sein, viele merken es nur nicht.

  6. timesystem sagt:

    die ohne Hauskredit sollten sich nicht immer so aufspielen… als hätten Sie die Weisheit mit Löffeln gefressen..Freiheit ist auch die Freiheit des Andersdenkenden..und jeder hat sicherlich einen Grund für seine Entscheidung…Sklaven und Steuernummer und Hauskredit….klar.
    Viel Spass in Eurer Mietswohnung…mein Gott.Ich möchte trotzdem nicht mit Euch tauschen.Und akzeptiere auch EURE Entscheidung.

    • zf sagt:

      Oh, Hoppala!
      Ich wollte niemanden meine Meinung aufzwingen, oder einen Andersdenkenden seine Freiheit nehmen.
      Dieses Recht hat niemand!

      Ich selbst habe einen Kredit für mein Haus.
      Es geht um das Gefühl, dass ich abhängig bin, weil ich Verpflichtungen eingegangen bin.
      Meiner Frau und mir war es klar, dass wir lange dafür arbeiten werden müssen.
      Solange wir uns dessen bewusst sind, dass wir nicht einfach davon laufen können, oder unseren Job aufgeben können, ist es für uns auch in Ordnung.

      Wie ich es oben schon geschrieben habe, es ist vielen nicht klar, dass Sie verpflichtet sind, weil es so normal geworden ist einen Kredit zu haben.

      Ich habe auch drei Kinder, obwohl ich wusste, dass ich damit eine Verpflichtung eingehen werde, die mich mein ganzes Leben lang in Anspruch nehmen wird.
      Trotzdem habe ich es getan und würde niemals, wirklich NIEMALS auf nur eines meiner Kinder verzichten nur um frei zu sein.

  7. bigpuster sagt:

    An meine Kinder und die einhergehende Verpflichtung habe ich noch gar nicht gedacht…..ich stelle alle drei mit einem Schild „Sei frei! Immer!“ an die A10.
    und in kleiner Schrift http://www.rottmeyer.de, damit man weiß, wo die abzugeben sind.

  8. samy sagt:

    Hi,

    Die Einnahmenseite ist das Problem. Die Zeiten sind vorüber, in denen man seinen Job sicher hatte, somit Planunssicherheit für größere Anschaffungen hatte. Ich habe noch Malocher kennen gelernt, die mit Fleiß und Geduld per Knochenjob ihre Hütte abbezahlt haben. Und heute?

    Heute müsste man 45 Jahre lang eine Vollzeitstelle mit einem Mindestlohn von 10 Euro haben, damit die Rentenansprüche aus einem Erwerbsleben oberhalb der Sozialleistung der Grundsicherung liegen (685€ glaub ich). In vielen Regionen in der BRD ist das den Bürgern derzeit unmöglich.

    Jetzt noch ein Haus bauen?
    Der Lohn macht mich „unfrei“, nicht die Schulden für ein Haus.

    Oder ist das nur Haarspalterei von mir?

    VG

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