Seh ich was, was Du nicht siehst?

25. April 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Börsen kämpften sich weiter hoch. Die Rohstoffe ziehen jetzt wieder an. Notenbanken pumpen die Anleiheblase immer weiter auf. Wohnen wird auch immer teurer. Was eigentlich wird nicht immer teurer? Ich meine nicht den Spargel…

Dabei leiden wir ja angeblich und so schrecklich unter einer Null-Inflation. Sachen gibt’s…

Das mit der Teuerung, die es gar nicht gibt, ist schon ein komisches Ding. Hunderte hochbezahlte Wissenschaftler errechnen jeden Monat, wie teuer das Leben geworden ist. Wenn sie damit fertig sind, kommt Unsinn heraus.

Inflation oder Teuerung? Zuerst kommt die Inflation, dann die Teuerung. Zuerst wird Geld neu erschaffen, dann bemächtigt sich das Geld der Dinge, die es da draußen gibt. Wenn die Geldmenge schneller steigt als die Summe der Waren und Dienstleistungen, wird es teurer. Sagen andere Experten.

Wer die moderne Inflation mit Zollstock und Thermometer misst, wird sie kaum finden können, und dennoch staunen, dass alles teurer geworden ist. Unter „modern“ ist zu verstehen, dass man die Teuerung ohne die Vermögenszuwächse errechnet, eine Form von öffentlichkeitswirksamen Unsinn. Die „Kernrate“ schließt Energie und Lebensmittel aus. Braucht ja keiner.

Laut Berechnungen des Vermögensverwalters Flossbach von Storch betrug die Vermögenspreis-Inflation im letzten Jahr 7,8 Prozent. Das ist etwas mehr, als man den Leuten da draußen so weismachen möchte. (Quelle: Flossbach von Storch)

Vermoegenspreisinflation

Unterdessen bahnen sich monatlich 80 frische Milliarden und die Null-Zinsen ihren Weg in den Alltag. Okay, auf der anderen Seite verpufft das Geld, wenn Kredite zurückgezahlt werden. Zentralbanken können unendlich davon drucken, nicht aber dessen Weg steuern. Geld findet immer seinen Weg.

Null-Zins heißt auch: Der deutsche Staat spart 20 Milliarden Euro Zinsen im Jahr, leiht Geld für lau und zahlt alte Schulden mit schlechtem Geld zurück. Das ist natürlich keine direkte Staatsfinanzierung, sondern indirekte, hinter vorgehaltener Hand. Von Marktverzerrungen abgesehen, hält die EZB das von der Politik geplante „Euroland“ zusammen über die Währung. Koste es, was es wolle. Sie betont, sie mache Geldpolitik für Europa, nicht für Deutschland. Anders gesehen, liegen derzeit 19 Euroländer miteinander im Bett. Die einen haben eine Grippe, andere wiederum Läuse. Am Ende schniefen alle und kratzen sich.

Die Zeche zahlt der kleine Mann, steht in der Zeitung. Die Zeche zahlt jedoch derjenige, der der offiziellen Statistik glaubt. Bei zwei Prozent Inflation bleiben von 1.000 Euro in zehn Jahren noch 820 Euro Kaufkraft und in 20 Jahren nur noch 673 Euro übrig. So ist es der Plan der EZB. Das gilt zynischerweise als Geldwertstabilität.

Was passiert bei vier Prozent? Oder bei 7,8 Prozent? Man kann das ausrechnen… Mit einem Inflationsrechner sieht man, dass, nehmen wir sechs Prozent Vermögenspreisinflation an über zehn Jahre, dass man noch die Hälfte der „Sachen“ bekommt. 1.000 Euro Geldwert haben dann noch einen „Wert“ von 558 Euro, auf die Sachwerte berechnet. Ich ahne schon, wer die Zeche bezahlen wird.

Die Regenmacher haben erst angefangen Geld zu schütten. Sie bieten viel an im Kampf für mehr Inflation/Teuerung, die längst schon da ist – nur keine Regenschirme, wenn man diese benötigt.

 

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