Sechs Gründe, die trotz aller Unkenrufe für die Fortsetzung der langfristigen Gold-Hausse sprechen

19. April 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Roland Leuschel – Unser größter Dichter und Denker, Johann Wolfgang von Goethe, hat es bereits in seinem Faust auf den Punkt gebracht, als er den Schüler Wagner sagen lässt: „Mir wird von alledem so dumm, als ging mir ein Mühlrad im Kopf herum.“

Vergangenen Montag schreckte mich folgende Titelstory in „Die Welt“ auf… „Für Soros ist Gold keine sichere Anlage mehr.“

Seltsam, dachte ich, wieso kümmert ausgerechnet die Investment-Legende Soros der Goldpreis. Denn bereits 2011 hatte Soros den Goldpreis als „ultimative Blase“ bezeichnet und sein Geld konsequenterweise aus dem Edelmetall abgezogen – wahrscheinlich bevor er das öffentliche Statement abgab?

Das war im Jahr 2011. Der Goldpreis schwankte damals in der Zone zwischen 1.400 bis 1.500 Dollar pro Feinunze. Somit hatte Soros allen Goldanlegern die Freude gemacht, ihnen sein Gold zu verkaufen und nicht abzuwarten, bis es ein Jahr später über 1.900 Dollar die Feinunze gestiegen war. Hatte „Die Welt“ Soros‘ Aussage falsch verstanden?

Anscheinend nicht, denn die von Goldanlegern stark frequentierte Internet-Seite goldseiten.de titelte ebenfalls: „George Soros: Gold ist kein sicherer Hafen mehr“. Auch der Gold-Experte Thorsten Proettel stellte auf goldseiten.de fest: „Gold im Februar stark unter Druck“. Er machte vor allen Dingen den Verkauf von Gold-ETFs (SPDR Gold Shares, der Marktführer im US-amerikanischen Markt) dafür verantwortlich. Immerhin wurden von diesem Trust 140 Tonnen Gold verkauft.

Wem nützen die negativen Schlagzeilen?

Auch die angesehene Börsen- und Finanzzeitschrift „Wirtschafts-Woche” veröffentlichte zur gleichen Zeit einen Artikel mit dem Titel: „Ende einer 12-jährigen Hausse?“. Und das managermagazin online titelte seine Story mit: „Soros hält goldenes Zeitalter für beendet.“

Zeitgleich flatterte eine groß angelegte Studie der größten französischen Bank SociétéGénérale, die auf dem Rohstoffsektor ein anerkannter Spezialist ist, auf meinen Schreibtisch. Wahrscheinlich diente sie als Unterlage für viele Artikel weltweit. Ihr Titel lautet: „Das Ende der Gold-Ära“. Und im Untertitel hieß es: „Wir haben einen negativen Ausblick für Gold. Was brauchen wir damit es einen Crash gibt?“

Diese Analyse prognostiziert für 2013 in ihrem Basisszenario einen durchschnittlichen Goldpreis von 1.500 Dollar pro Feinunze. Ende des Jahres soll der Goldpreis bei 1.375 Dollar stehen. Sie halten aber mit einer Wahrscheinlichkeit von 20% einen Crash von 20 bis 30% kurzfristig für möglich.

Gold hat also nach Einschätzung der SociétéGénérale eine Blase gebildet und befindet sich nun in einem Bärenmarkt. Und das von den Analysten prognostizierte stärkere Wirtschaftswachstum in den USA dürfte ihrer Meinung nach zu höheren Zinsen führen, die schon immer Gift für den Goldpreis gewesen sein sollen.

Die größte Investmentbank der Welt, Goldman Sachs, hat bereits im Februar vor einer Wende im Gold-Zyklus gewarnt. Und allgemein nahm die Zahl der Vermögensverwalter, die einen höheren Goldpreis erwarten, seit Oktober letzten Jahres um 70% ab. Ich könnte die Liste der Artikel, die vom Ende der Goldhausse sprechen, noch verlängern. Ich werde es nicht tun, denn es gibt gewichtige Gründe, die nicht nur gegen einen fallenden Goldpreis, sondern sogar für ein erneutes Aufflammen der Hausse sprechen. Doch zuvor muss ich erklären, wie es dazu kam, dass ich so bullish für Gold wurde:

Ende des Bretton Woods Systems war der Auslöser für meinen Goldoptimismus

Als US-Präsident Nixon im Jahre 1971 einseitig das Bretton Woods Währungsabkommen von 1944 aufkündigte und den Dollar vom Gold abkoppelte (damaliger Goldpreis 44 bis 37 Dollar pro Feinunze), wurde ich zum Gold-Optimisten – und erntete schon damals viel Kritik für diese Haltung.

Den Franzosen gelang es übrigens unter dem Druck Charles de Gaulles als einzigen Europäern, ihr in Amerika eingelagertes Gold in größerem Umfang von dort abzuziehen. Die Bundesbank hingegen versicherte der amerikanischen Regierung, sie würde kein Gramm Gold aus Amerika nach Deutschland verlagern.

Erneut bullish für Gold wurde ich zu Beginn des Jahres 2000. Claus Vogt und ich machten uns damals an die Arbeit, um die Konsequenzen der ultra-leichten Geldpolitik des damals wie ein Popstar vergötterten Fed-Chefs Alan Greenspan zu analysieren. In unserem Buch „Das Greenspan Dossier“ empfahlen wir, mindestens 25% des Geldvermögens in Gold und andere Edelmetalle zu investieren.

Das Greenspan-Dossier (Börse Online edition): Alan und seine Jünger: Die Bilanz einer Ära. Wie die US-Notenbank das Weltwährungssystem gefährdet

Der Goldpreis notierte damals knapp über 300 Dollar pro Feinunze und somit trotz der vorangegangenen langjährigen Baisse erheblich höher als 1971…. (Seite 2)

 

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9 Kommentare auf "Sechs Gründe, die trotz aller Unkenrufe für die Fortsetzung der langfristigen Gold-Hausse sprechen"

  1. mfabian sagt:

    habe ich in einem Ordner alle Artikel gesammelt, die eine Trendwende des Goldpreises vorhersagen.

    In diesen Ordner würde ich gerne einen Blick werfen.
    Eine Linksammlung wäre auch toll! 😉

  2. samy sagt:

    Heute habe ich einmal 2 EM-Händler in Köln besucht, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. In beiden Geschäften war es relativ ruhig. Nun, das muss nichts heissen, so oder so. Käufe lassen sich heute bequem im Internet tätigen. Und Verkäufe? Na, wenn 1% des Vermögens in EM gebunden sind, wer sollte dann schon lange Verkaufsschlangen bilden?

    George Soros konnte ich jedenfalls nicht erspähen.

    In Laden Nr. 1 versicherte mir der Mitarbeiter, dass das Verhältnis Käufe zu Verkäufe bei 4 zu 1 lagen. Das sei aber keine offizielle Zahl, sondern nur sein Eindruck. Nein, er sehe keine Spur von Verkaufsdruck. Gut, die Antwort war zu erwarten, wer macht schon seine Ware madig? Andererseits betrat gerade ein junges Ehepaar samt Kind den Laden. Und die wollten für den ca. 8-10 jährigen Jungen Gold kaufen. Der Junge wollte es so, statt neuer Turnschuhe. (He, du kapitalistischer kleiner Streber, was geht ab? Gehst du wohl Fussball spielen. ! ! ! 🙂 Obwohl, du macht Hoffnung, dass später doch noch jemand meine Rente zahlt, immerhin … immerhin 😉 )

    Im Laden Nr. 2 wollte ich billig Silber kaufen. Nur die Standardmünzen (Maple Leaf und Wiener Phil.) waren ausverkauft. Die neue Bestellung ginge nächste Woche ein. Ob ich bestellen wolle? Natürlich versichert man auch hier das die Käufer überhand hätten. Man sagte mir sogar, dass es schön wäre, wenn jemand zum verkaufen käme. Dann hätte man wieder etwas zum verkaufen. Aha, gutes Argument. Keine Verkaufswelle in den letzten Tagen, sonst hätten die Lieferanten ja was auf Vorrat.

    Natürlich ist das nur ein kleiner Mosaikstein. Wenn andere auch Erfahrungen in den letzten Tagen gemacht haben, würde mich das interessieren.

    Grüße

    • mfabian sagt:

      Jetzt hab ich mich halbtot gelacht:
      (He, du kapitalistischer kleiner Streber, was geht ab? Gehst du wohl Fussball spielen. ! ! ! 🙂 Obwohl, du macht Hoffnung, dass später doch noch jemand meine Rente zahlt, immerhin … immerhin 😉 )

      Bei meiner Tochter war das vor 2 Jahren aber nicht anders. Ich habe vorgeschlagen, den UBS-Sparplan (den ihre Grosseltern, meine Eltern bei ihrer Geburt 1997 aufgelegt hatten) aufzulösen und dafür EM zu kaufen.
      Der Sparplan hat netto in diesen Jahren ein knappes Minus gebracht.
      Also gings gemeinsam zum EM-Händler. Meine Tochter wollte allerdings lieber Silber als Gold. Eine Unze Gold, der Rest in Silber. Vor allem die 1kg Kookaburra Silbermünze hat es ihr angetan. 😉

      Eindruck aus diversen Foren hier in der Schweiz:
      * EM-Händler berichten über Verhältnis 20:1 von Käufern zu Verkäufern.
      * Goldunzen, die sonst immer sofort verfügbar waren haben nun eine Wartezeit von 1 Woche bis 1 Monat. Krügerrand scheint ganz ausverkauft zu sein.
      * „Als ich gestern 1* Krügerrand bei der [xxxx-Bank] bestellen wollte, vertröstete mich mein Berater; der Berater riet mir kurz vor 18:00 von dem Deal ab, ich insistierte

      Auch hier: Nur Froschperspektive. Aber wenn es hier gelingt, genügend Froschperspektiven zu sammeln, ergibt sich vielleicht irgend wann ein grösseres Bild.
      Haben wir Österreicher unter uns?

  3. Frank Meyer sagt:

    Hier in FFM gibt es genug Gold und Silber.

  4. Avantgarde sagt:

    Hab mich auch mal umgesehen:
    Es gibt keine Knappheit – nirgendwo.

    Mit den Ereignissen nach 2008 als es tatsächlich eine Knappheit gab hat das in diesen Tagen nix zu tun.
    Damals stand bei meiner und anderen Banken beinahe bei der Hälfte der EM-Posititonen „ohne Ware“ – heute ist alles verfügbar.

    Mag ja sein, daß die Orders in den Online-Shops etwas erhöht sind und die Kunden 1 Woche länger warten müssen – das war es dann aber auch.

  5. FDominicus sagt:

    Ich kann es nicht wirklich beurteilen, aber bisher gab es bei den Ordern für physisches Gold/Silber keine Probleme. Bestellt, gekauft, bezahlt, ausgeliefert. So wie es sich gehört. Bestellungen bei drei verschiedenen Banken in drei Ländern. Jetzt schau ich erst mal und hoffe, daß sich der Pulverdampf lichten wird….

    Auf ZH findet man heute:
    http://www.zerohedge.com/contributed/2013-04-19/gold-bear-market-or-physical-gold-discount-sale

  6. MH sagt:

    In meiner Heimatstadt, einer Kleinstadt von ca. 25.000 Einwohnern, hat es nie Goldgeschäfte gegeben, in den letzten 2 Jahren haben aber gleich 2 Läden dort aufgemacht. Also muss die Nachfrage ja da sein.

    Ich glaube, ähnliches gilt für meinen jetzigen Wohnort. Ich glaube schon, dass sich die Anzahl der Läden dort ebenfalls erhöht hat in den letzten Jahren – ich weiß es nicht genau. Auf jeden Fall aber hat sich die Werbung für Goldankäufe erhöht.

  7. MARKT sagt:

    Das könnte man aber auch als Kontraindikator interpretieren.

    Sollte Gold der sichere Hafen sein, für den es alle Golbugs halten, dann wird man sich auf weitere Rückschläge gefasst machen müssen.
    Erst wenn (so gut wie kein) Normalo, nach einem Preissturz von Gold zum Goldhändler rennt, und die Masse der Goldgeschäfte längst wieder geschlossen ist, wird der Goldpreis seine letzte (große) Aufwärtsbewegung beginnen.

    Ob dass durch weitere Kursrutsche (1150/990/680) oder eine zermürbende jahrelange Seitwärtsbewegung passiert, kann keiner abschätzen.

    Aber dass Sachwerte erst einmal deutlich an Wert verlieren „müssen“ scheint in meinem kleinen Kosmos alternativlos.(natürlich ist nichts alternativlos, ich hasse dieses Wort)

    Wohl dem der diese Verluste und die noch folgenden staatlichen Eingriffe überstehen kann und gar den Mut und die Liquidität aufbringt dann zu kaufen.

    Denn dann dürften sich viele Ungeduldige einer anderen „Religion“ zugewandt haben.

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