Schw(m)ierige Zeiten

31. Mai 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Nicht so geschmiert wie bei der FIFA läuft es derzeit an der Börse. Wäre die Firma an der Börse notiert, sie wäre jetzt blatter als platt. So steigt der DAX nur noch gefühlt…

… und die Vorfreude auf mögliche, etwaige und spätere Gewinne die derzeit einzige Freude. In den USA schmiert völlig überraschend für Experten die Wirtschaft ab. Angeblich war das Wetter wieder mal schuld daran. Vielleicht aber auch, dass der Experte in der Abteilung statistischer Verbiegungen Plus und Minus verwechselt hat. Die FED wird es freuen, denn so rückt die seit Ewigkeiten angekündigten Zinswende in weite Ferne.

Dennoch vergeht kein Tag, an dem es nicht heißt, man muss ausgerechnet an der Börse sein Geld in Sicherheit (!) bringen, weil es ja keine Zinsen mehr auf Erspartes gibt, dafür aber Dividenden, was wie ein Rat klingt, seine Fingernägel im Mixer zu kürzen. Dividenden sind niemals sicher, vor allem nicht in schlechten Zeiten, die ja niemals mehr kommen.

Und wohin jetzt mit dem Geld? Nein, Bares ist ja wirklich nichts Wahres. Man kann es ja bei guter Gelegenheit tauschen in etwas Wertvolles wie Edelmetall – jenseits dieses verrückten Geldsystems bzw. auch in Aktien, wenn sie billig sind. Oder man verjuxt das Geld, bevor es weniger wert ist. Offenbar besitzt unser Geld einen Selbstzerstörungsmechanismus: Aus 100 D-Mark wurden 50 Euro. Heute bekommt man dafür auch nur noch die Hälfte an Waren und Dienstleistungen. Also raus mit der Kohle! Zudem könnte Bargeld künftig sogar verboten werden bzw. das Konto geplündert, wenn mal wieder eine Bank hochgeht.

Statistisch gesehen, sparten die Deutschen trotz der Null-Zinsen rund zehn Prozent ihres verfügbaren Einkommens auf herkömmliche Weise. Gleichzeitig geben sie auch noch mehr Geld aus. Ach ja, weil die Löhne steigen, wovon das Meiste über die Steuer nach Berlin fließt. Deshalb ist wohl auch die Konsumstimmung der Deutschen so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr – eine der vielen sinnlosen Umfragen, die man sich nun wirklich sparen kann.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



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