Schwitzen, Sparen, Kinder kriegen…

23. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer 

Erwarten Sie jetzt bloß keinen Beitrag aus dem Alltag. Es geht um große Dinge statt um Banalitäten. Deutschland feiert. Feiern Sie mit! Was gibt es zu feiern? Steuerrekorde in Milliardenhöhe, den ewigen Soli und ein paar Zahlen aus dem Takatuka-Land. Hoch die Tassen!

Ja, da sprudelt die Kasse, sagte eine humanoide Sprechform aus dem Radio. Es fehlten nur die typischen sommerlichen Sprudelgeräusche für das Sommer-Feeling. Radiosender sind für ihre geräuschvollen Untermalungen von gesprochenem Wort durchaus berüchtigt.

Vor Begeisterung über den Kassensprudel bin ich noch ganz heiser und dachte an das Mittelalter. Da betrugen die Abgaben nur zehn Prozent. Heute bin ich schon froh, wenn mir der Finanzminister zehn Prozent übrig lässt. Und es gibt noch weitere großartige Nachrichten: „Deutschland baut Schulden ab!“

Soso… Der Schuldenabbau in Deutschland kommt also durch ein Mehr an neuen Schulden voran. Neusprech vom Feinsten! Auch Nachrichtenagenturen lieben vermeintliche Erfolge. Deutschlands Neuverschuldung stiegt im letzten Jahr um 22,5 Milliarden Euro auf 2,1 Billionen Euro.

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In diesem Jahr sind 25,1 Milliarden neue Schulden geplant. Damit baut man die Schulden also noch schneller ab. Ist das nun Neusprech? Oder Dummschreib? Zumindest ist es so falsch wie die Dauerschlagzeile, dass Europa spart. Im letzten Jahr wuchs der Schuldenberg der 17 EU-Länder um knapp 400 Milliarden auf lächerliche 8,7 Billionen Euro. Aber das feiern wir wie auch folgende Schlagzeile…

„Bund und Länder haben im ersten Halbjahr 277 Milliarden Euro an Steuern eingenommen.“ Dabei haben Bund und Länder den Leuten im ersten Halbjahr 277 Milliarden doch weg genommen. Das ist schon ein kleiner Unterschied. Und auch der „Soli“ soll jetzt länger Bestand haben – länger noch als das älteste Wahlversprechen. Ich erinnere mich noch schmerzhaft an den letzten Wahlkrampf der FDP. Sie wollte die Bürgen entlasten und holte damit prompt 14,6 Prozent von ihnen. Alter Trick! Reicht das diesmal nicht für fünf Prozent? Doch die Sache mit dem „Soli“ liegt weiter auf Eis, wobei schon das Wort „Eis“ in diesen Tagen für angenehme Gefühle in der Rückengegend sorgt. Klar! Jeder Cent wird zum Verplempern benötigt! (Seite 2)

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4 Kommentare auf "Schwitzen, Sparen, Kinder kriegen…"

  1. Heidi Z. sagt:

    Danke, Herr Meyer.
    Einfach nur „danke“ für Ihre scharfzüngigen Kommentare.

    Ich fühle mich dadurch nicht so einsam in meiner Welt. Und es hilft mir auch, meinem knapp zweijährigen Hund täglich wieder und wieder zu erklären, dass ich der Boss bin. Ist halt wie in der ganz normalen Anstalt… Einfach zum Flennen… wenn Sie verstehen, was ich meine!

    Herzlichst, Heidi Z.

  2. cubus53 sagt:

    Sieht man sich die Statistik zur Schuldenentwicklung an, wird man unschwer erkennen, dass es sich um eine Exponentialfunktion handelt.

    Eine Exponentialfunktion hat die unschöne Eigenschaft, in naher Zukunft zu explodieren, dem Mechanismus einer Atombombe gleich.

    Bei diesem Schuldenverlauf muss man berücksichtigen, dass die EZB laufend den Schuldzins senkt, d.h. sie versucht mit Kühlwasser die Kernschmelze hinauszuzögern. Hätte sie das nicht getan, wäre die angeworfene Kettenreaktion längst zur Kernschmelze geworden.

    Man stelle sich nun vor, der Zins würde trotz der Massnahmen der EZB steigen, nehmen wir an auf – für frühere Zeiten lächerliche – 2%. Dann würde die Schuldenlast jedes Jahr um 40 Milliarden EUR ansteigen, und das ohne sonstige Mehrausgaben.

    Machen Sie sich mit Ihrem jetzigen Geld ein schönes Leben, machen Sie Urlaub, schenken Sie es schönen Frauen oder was auch immer. Dann hatten Sie im Fall der Kernschmelze wenigstens was davon. Als Altersvorsorge taugt es nicht mehr.

    Und Gold ? Gold wird erst nach der Kernschmelze wieder von Nutzen sein. Denn was wollen Sie sich während einer Finanz- bzw. Wirtschaftskrise davon kaufen, das leere Regal im Schaufenster ?

  3. Michael sagt:

    Sobald man mehr als 50% vom Finanzierungsaufwand für Umverteilung im weitesten Sinne, und sei sie noch so treffsicher, überschreitet ist es nicht mehr notwendig jemanden eine Karotte vorzuhängen, dann läuft die Volkswirtschaft ihrem eigenen Schweif nach.

    Ich denke es war ein Brite. Der hat festgestellt, dass wenn die Systematik der Umverteilung beibehalten wird, dann zahlt am Ende der Staat die Gehälter oder keiner. Das ist unausweichlich, das ist alternativlos. Es gibt unterschiedliche Wege zu versuch diesen Verwesungsprozess mit Deospray zu übertünchen … aber nachhaltig keine Chance. Immer wenn sie den Deckel aufmachen sinkt dem Schrödinger sein Katerl immer mehr. Der wurde schon sterbend in die Kiste gelegt – Ponzi Scheme.

    Unter welchem Titel man, dann die Abgabenerhöhung verkauft ist irrelevant. In der Praxis ist es an sich ja egal. Jeder geht heutzutag für ein paar gedruckte Nummern auf einem virtuellen Zettel namens Kontoauszug jedes Monat in die Arbeit.

    Nimmt man jetzt einen sehr trivialen Fall an – jeder gibt seine Zahlungsmittel wieder aus, es gibt keine Zahlungsmittelhortung und keine Zinsen allein bezogen auf Arbeit vs. Gütertausch, dann bekommt jeder exakt das Zahlungsmittel wieder zugewiesen, das er letzen Monat ausgab seinen Job zu erhalten. In der Praxis ist der Finanzierungsaufwand bei einer Umlaufgeschwindigkeit von 4 ein Quartalsgehalt. Alles andere hortet jemand anders aus welchem ehrbaren Motiv oder auch nicht.

    Wir sind weit entfernt ein System zu haben, das gewährleistet, dass morgen noch etwas im Regal steht – Wirtschaft. Das könnte man einfach dadurch erreichen, dass jeder seine Produkte ins Regal stellt und das nimmt was er braucht. Das ist jetzt zu trivial. Im Prinzip ist die Staatsverschuldung das kulturelle Defizit zu einer Sharing orientierten kooperativen Wirtschaftsform über die Zeit.

    Dann schauen wir mal, wo die kulturellen Defizite herkommen… dann kommen wir zu den Kandidaten. Politik und im Moment mehr Finanzindustrie. Das sind die Treiber der Ungerechtigkeiten.

  4. cubus53 sagt:

    Die Treiber der Ungerechtigkeiten wurden und werden leider wieder gewählt. Kein Wunder, mit diesem Wahlvolk. Geh ich durch die Strassen, sehe ich meistens Leute, die nur auf ihr Smartphone starren. Was sie da interessantes entdecken, entzieht sich meiner Kennntnis. Für mich sind es nur noch Zoombies, welche das aktuelle System hervorgebracht hat.

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