Schwer verdauliche Zaubergetränke

24. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Was für ein Ärger! Seit Mittwoch schon putze ich den TV-Bildschirm, seit Sigmar Gabriel die Wirtschaftsprognose der Bundesregierung vorgestellt hat. Den Teppich kann ich wohl vergessen. Der wird nie wieder sauber, seit Honig aus dem Lautsprecher tropft und süße Milch das Wohnzimmer überflutet. Aber…

Was tut man nicht alles, um gute Nachrichten zu hören. Diesmal aber kommt bei den Leuten von diesem Aufschwung wirklich etwas an, sagte Gabriel sinngemäß. Komisch, früher nicht? Dann verzeihen wir eben alle alten Lügen und freuen uns umso mehr auf die Kommenden. 

Keine Sorge, alles bleibt gut. Wenn Gabriel aber plötzlich 50 Kilo abnehmen würde, würde ich mir Sorgen machen und die Vorräte erhöhen. Bis dahin aber geht es schwungvoll aufwärts. Die deutsche Wirtschaft wächst in diesem Jahr um konservative 1,8 Prozent. Unsere allseits geschätzten Wirtschaftsvolksweisen rechnen mit 2,1 Prozent Aufschwung, wenn nichts dazwischen kommt. Es könnten auch +9,8 Prozent werden, wenn man deren Propaganda endlich ins BIP aufnehmen würde wie Schmuggel, Drogenhandel und Prostitution.

Kurzschlüsse im Oberstübchen

Soweit ich weiß, führen ja niedrige Zinsen zu Fehlleitungen von Kapital in der Wirtschaft bzw. zu Blasen an den Börsen. Nicht nur dort. Sie scheinen auch zu Irritationen in manchem Oberstübchen zu führen, die inzwischen auch die Professorenschaft für Finanzakrobatik erfasst hat. So rät der fast schon weltbekannte Professor Gehrke aus München, bekannt aus Funk, Fernsehen und jetzt auch aus dem Handelsblatt, den jungen Leuten, sich kräftig zu verschulden – so wie der Staat. Dieser nutzt ja die niedrigen Zinsen und zahlt die Schulden später mit schlechterem Geld zurück. So sollten es auch die jungen Leute machen. Herr Gehrke trägt übrigens als Markenzeichen immer eine Fliege in der Öffentlichkeit. Vielleicht kam ja diese glorreiche Idee auch von ihr? Niemand weiß das… 

Zugegeben, verlockend ist das schon, schon mit 20 Jahren einen extragroßen Kredit aufzunehmen, bei dem einem die Abzahlung bis ins hohe Alter verfolgt, erfreut oder beides. Während ein Staat notfalls Geld drucken bzw. erfinden kann, darf das der junge Mensch leider nicht, außer er gründet eine Bank. Danke für den Tipp, Herr Gehrke. Zumindest für die Unterhaltung. Ich musste so heftig lachen, dass ich fast Blut gehustet hätte.



Glaub Dir was…

Ach ja, mein heiß geliebter GfK-Konsumklima-Index ist auch wieder frisch heraus gekommen. Und siehe da, noch nie seit der deutschen Wiedervereinigung glaubten die Deutschen so fest an steigende Einkommen, meldet die GfK. Kam die Umfrage in der Nähe eines Handtaschenregals bei Louis Karton zustande oder kurz vor der Sperrstunde in der Hochfrequenzphase für Absacker?

Überdies ist das mit dem Glaube eine diffizile Sache, wie man aus der Kirche oder dem Matheunterricht kennt. Vielleicht ist der Glaube auch der wirkliche Knackpunkt dieses ach so lustigen Index, denn hauptsächlich die Glauberei lässt diesen Pegel für grenzenloses Konsumglück seit Jahren unerbittlich steigen, jetzt auf 10,1 Punkte. Es verwundert auch nicht, wenn man die Leute mit Glaubensdingen dauer-berieselt wie die Moderatoren irgendwelcher Verkaufssender die ahnungslosen Shopping-Queens auf ihrem heimischen Sofa. Irgendwann glauben die Leute eben alles, selbst die größten Lügen.

Verbreitung von Glaube war früher eine einfache, wenn auch aufwendige Sache. In Zeiten ohne Fernsehen, Radio, Internet und Zeitung ging man ziemlich weite Wege in die Kirche, um seinen Glauben aufzufrischen. Dieser wird heute kostenlos geliefert. Auf Facebook habe ich gelesen, dass es Zeit wird, dass sämtliche Zeitungen die Pay-Wall hochziehen, ihre Inhalte also kostenpflichtig machen. Das bewahrt uns vor zuviel kostenlos gelieferten Unsinn. Manches Ärgernis hätte sich schneller erledigt, als es manchen Postillen lieb sein dürfte. So aber hätten wir ja nie etwas von Gehrkes fantastischen geld – bzw. kreditwerten Tipps erfahren. Schade eigentlich.

Unabhängig von Ihren Einkommenshoffnungen… geben Sie jetzt schon mal Geld aus, was Sie später an der Tankstelle und beim Heizen sparen. Das raten die Wirtschaftsfachleute. Acht Milliarden Euro werden das in diesem Jahr sein, sagen unsere geliebten, treffsicheren und vor allem führenden Wirtschaftsinstitute, also 100 Euro für jeden Bundesbürger. Das haut durch und mich sowas vom Hocker, dass ich aus Versehen auf die Knie gegangen bin und beten musste, dass der Himmel theoretisch Blitze geschickt hätte…

Frieden schaffen mit Schrottwaffen

Weil ich schon bei Gebeten bin… Ein dreifaches Hurra! auf unsere exportorientierten Waffenhersteller! Oder wie soll man die Aufregung um das Friedensgewähr G36 verstehen? Es ist ja eigentlich nur teurer Waffenswchrott wie so viele andere Waffensysteme auch.

Das G36-Gewehr war beim genaueren Betrachten ein verkapptes Konjunktur – und Friedensprogramm der Bundesregierung. Seine Hersteller haben trotzdem viel verdient. Heimlich aber arbeiteten sie an einer Friedensmission. Nach ein paar Schüssen heizte sich der Stahl so stark auf, dass die Treffgenauigkeit dieser Flinten auf nur noch sieben Prozent sank. Vermutlich retten die Waffenhersteller damit sogar viele Leben und wahrscheinlich ist Ursula von der Leyen und ihre Vorgänger nur auf Pazifisten hereingefallen. Schade, dass es bald neue Gewehre und damit neue Konjunkturhilfen für die Waffenhersteller geben soll.  

Weil ich schon dabei bin… Rheinmetall lieferte den Griechen für 52 Millionen Euro Panzermunition, genauer gesagt 12.000 Schuss des Kalibers 120mm. Ich habe keine Ahnung, was für ein Bummmmms dahinter steckt, aber bei 4.333 Euro pro Schuss darf man da schon einiges erwarten. Eine Faust ist da schon billiger…

Apropos… Zum Glück ist die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland gesunken, auf ungefähr die Hälfte der Werte, die man vor fünf Jahren gemessen hat. Diese Meldung ist überaus erfreulich und kam ausgerechnet an dem Tag heraus, als eine Kollegin von einem Migranten mit einem Faustschlag auf die Stirn niedergestreckt wurde, als sie in Köln auf einem Radweg stoppend um Durchlass bat. Ich weiß nicht, was sie demnächst denken wird, wenn sie die nächste Meldung über eine weitere statistische Abnahme der Fremdenfeindlichkeit berichten wird. Vielleicht wird sie sich in diesem Moment fremd fühlen?



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6 Kommentare auf "Schwer verdauliche Zaubergetränke"

  1. JayJay sagt:

    Ich danke für diesen wunderbaren Wochenrückblick, weiter so. 🙂

    Gold & Silber Ahoi 🙂

  2. palina sagt:

    vielen Dank für die köstliche Zusammenfassung, Herr Meyer. Da sind mir die Märchen von den Gebrüdern Grimm doch lieber, als dieses Geschwafel von solchen Menschen. Da werden die Drachen und Bösen am Ende getötet.
    Wenn Lügen kurze Beine hätten, müssten unsere Politikerdarsteller schon lange auf Stumpen herumlaufen. Auch das mit dem Pinocchio – Effekt funktioniert nicht. Kann keine langen Nasen erkennen.
    Jedenfalls sind diese alle gut aus-gebildet, von Bildung kann man hier wohl nicht sprechen.
    Weiter so, lese die Beiträge hier sehr gerne!

  3. stonefights sagt:

    Als Tipp zur Prävention kann ja deine Kollegin nun bestimmt über die Bucht ein Gender 36 vom Verkäufer „Von den Laien“ erwerben. Bei den zu erwartend niedrigen Preisen kann man es bestimmt dann an alle Menschen mit Aggressionspotenzial verschenken und hätte damit zumindest die Trefferwahrscheinlichkeit gegenüber einer Faust verringert, sofern es als ausschließlich Schusswaffe eingesetzt wird.
    Insbesondere hinsichtlich dem WaffG würde ich mir keine Gedanken machen, den über §1,Satz 2, Absatz 2, b) …Wirkungsweise.. ist das G36 insbesondere ausgeschlossen aus der Anwendbarkeit dieses Gesetzes 😉
    LG, stonefights

  4. Insasse sagt:

    Der Gehrke ist vielleicht ’ne Gurke! Und sowas von sauer. Liebe junge Leute, beißt da lieber nicht hinein, sonst wirds euch übel aufstoßen…

    Vergurkte Grüße aus der Anstalt vom Insassen

  5. Andreas B sagt:

    Vielen Dank für Ihre erfrischenden Kommentare zum alltäglichen Wahnsinn!

  6. Vogtländerin sagt:

    Waffen, die nicht töten, retten Leben! Heckler und Koch für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Zu lesen bei SatirePatzer.de

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