Schwer angezählt: Sind DAX & Co. bereits k.o.?

7. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Ralf Flierl und Ralph Malisch

Wenig Grund zur Freude haben derzeit Anleger, die in Aktien investiert sind – jener Anlageklasse also, die noch bis vor kurzem landauf, landab als „alternativlos“ promotet wurde. Der Begriff der „Alternativlosigkeit“, das wurde auf politischer Ebene ja praktisch bis zum Erbrechen vorexerziert…

… hat vor allem eine Funktion – er soll das Nachdenken verhindern nach dem Motto: „Denkt doch was Ihr wollt, aber hier haben wir bereits für Euch gedacht.“ Gute Gründe also genauer hinzusehen, zumal die aktuelle Kursschwäche in auffälligem Widerspruch zur proklamierten Alternativlosigkeit steht.

Langfristig vs. kurzfristig

Keine Frage, langfristig gehören Anteile an wachstumsstarken Qualitätsunternehmen neben Immobilien in Toplage zu den attraktivsten Anlageformen überhaupt. Große Vermögen werden praktisch immer mehrheitlich in realen und/oder produktiven Anlagen gehalten bzw. erworben. Mit Sparbüchern ist noch niemand reich geworden – zumindest nicht auf Seiten der Sparer. Auch „Cash“ ist allenfalls eine Parkposition – entweder bis man eine geeignete Anlage gefunden hat, oder bis sich die Gewitterwolken über der bevorzugten Anlageform verzogen haben.

„Crack-up-Boom oder Crash?“

Denn trotz der langfristigen Überlegenheit produktiver und realer Anlageformen kann es hier zwischenzeitlich immer wieder zu erheblichen Rücksetzern kommen. Dann schlägt üblicherweise zuerst die Stunde der Value Investoren – ein Thema, dem wir uns in Smart Investor 8/2014 ausführlich gewidmet haben. Wenn „Mr. Market“ hervorragende Anlagen verschleudert, greifen sie zu. Soweit sind wir im Moment allerdings noch nicht. Mit Bedacht hatten wir in der gleichen Ausgabe die Frage „Crack-up-Boom oder Crash?“ zur Titelgeschichte erkoren – damals allerdings noch bei einem DAX-Stand von knapp 10.000 Punkten.

Planvolle Eskalation

Es gibt ein ganzes Bündel an Faktoren, die derzeit auf Aktien lasten. An „vorderster Front“ stehen die wachsenden Spannungen zwischen USA/NATO/EU auf der einen Seite und Russland auf der anderen. Kampfhandlungen in der Ostukraine gehören mittlerweile zum traurigen Alltag.

Verschärft hatte sich die Situation mit dem Absturz des Malaysia Airlines Fluges MH17 am 17.7.2014. Obwohl die Ursache weiter ungeklärt ist, sind Politik und Medien des Westens danach massiv auf Konfrontationskurs gegangen. Neben dem unsäglichen SPIEGEL-Cover der vergangenen Woche ist auch ein direkter Vergleich von Pressekonferenzen der USA und Russlands erhellend: Bereits drei Tage nach dem Absturz/Abschuss brachte Marie Harf, Sprecherin des US State Department, „Beweise“ für eine Schuld der Separatisten vor.

Zu einem Zeitpunkt, zu dem ernsthafte Untersuchungen noch gar nicht begonnen hatten, ist das schon bemerkenswert. Auf das hartnäckige Nachhaken eines Journalisten, der seine Aufgabe offenbar noch ernst nahm, mochte die sichtlich entnervte Harf als konkrete Quellen für die Öffentlichkeit ausschließlich „Soziale Medien“ angeben. Viele der dort gezeigten „Beweise“ entpuppten sich zwischenzeitlich als Fälschungen.

Mit einem Abstand von zwei Wochen legten die Russen ihre Ergebnisse vor, wonach es die Separatisten hochwahrscheinlich nicht waren. Im Vergleich zur nassforschen Harf verdienen die Russen hinsichtlich der Darstellung eindeutig die besseren Haltungsnoten. Ein weiterer Kommentar erübrigt sich.

DAX unter Druck

Zwar verunsichern auch weitere Brandherde wie der Krieg in Gaza und das Vorrücken der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) im Irak, Syrien und jetzt auch im Libanon. Dennoch ist aktuell(!) der Konflikt der Großmächte um die Ukraine der Hauptbelastungsfaktor.

2014-08-06-DAX

Besonders betroffen ist Deutschland. Wir sind zwar nicht mehr „Frontstaat“ wie während des Kalten Kriegs, aber es gibt inzwischen zahlreiche und enge wirtschaftliche Verflechtungen zu Russland, die weit über Gaslieferungen hinausgehen. Diese Verflechtungen wurden von der deutschen Politik bis vor einigen Jahren als Zeichen von Entspannung und Neuanfang ermutigt und waren hochwillkommen. Nun haben die EU und Deutschland aber offenbar neue Orders… (Seite 2)



 

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2 Kommentare auf "Schwer angezählt: Sind DAX & Co. bereits k.o.?"

  1. Skyjumper sagt:

    „Wenn „Mr. Market“ hervorragende Anlagen verschleudert, greifen sie zu. Soweit sind wir im Moment allerdings noch nicht.“

    Jetzt, ganz genau in diesem Moment, offenkundig noch nicht. Jedoch könnte sich das quasi jeden Moment ändern. Der Dax hat mittlerweile knapp 10 % verloren und kann folglich 11 % steigen um wieder an sein Top anzustossen. Das ist schon eine Menge Potential für die grossen Spieler.

    Im übrigen darf man davon ausgehen, dass es dem Dax, wie auch den sogenannten grossen Adressen, schlicht egal ist in welche Richtung sich die Märkte bewgen. Hauptsache sie bewegen sich überhaupt. Denn nur damit lässt sich wirklich Geld machen.

  2. Michael sagt:

    Die Aktie war das Kind von allen geliebt, große Emotionen, großes Drama … wohl verblieb mit der Zeit noch die Illusion eines Hauchs von Goldstaub. Aber solange die Musik spielt wankt sie vor sich hin … nicht depressiv …

    https://www.youtube.com/watch?v=BM4nS2Ue4o8

    Da hilft nur die Flower Power von der F.E.D… Woodstock Exchange;)

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