Schwarzer Block und schwarzer Peter

13. Juli 2017 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Noch immer steht die Republik unter dem Eindruck der linksextremistischen Hamburger Krawalle. Brave Bürger räumten auf, was gemeingefährliche Kriminelle in den Hamburger Chaostagen angerichtet hatten. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz beeilte sich, zu versichern, dass das Geschehen nichts, aber auch gar nichts mit „links“ zu tun hatte…

… denn, so postulierte der Kandidat im O-Ton:

„Im Übrigen: „Links“ und Gewaltanwendung schließt sich gegenseitig aus.“.

Ach? Eine gewisse Faktenresistenz gehört praktisch zur Grundausstattung eines jeden Politprofis. Es soll auch gar nicht in Abrede gestellt werden, dass einzelne Gewalttäter eigens zur großen Randale angereist sind und wohl keinerlei politische Agenda hatten. Die hätten sich ebenso gut bzw. schlecht auch anlässlich eines Fußballspiels oder Briefmarkentauschtages gekloppt.

Ansonsten aber war der ideologische Überbau bzw. Vorwand der Krawalle klar links(extrem), was man besonders an den Reaktionen bzw. dem beredten Schweigen jener Politiker und Medien erkennen konnte, die sonst so gerne augenzwinkernd mit dem linken Extremismus flirten.

Die Videosequenzen vom Hamburger Schlachtfeld zeigen eine Mischung aus Fanatismus, menschenverachtendem Hass und einer erstaunlich professionellen Guerilla-Taktik gegen die Einsatzkräfte und das Eigentum der unbeteiligten Bürger. Natürlich ist man in solchen Kreisen selten um eine verschwurbelte Theorie verlegen, wonach die eigentliche Gewalt ursprünglich von eben diesem Eigentum ausging, und man sich lediglich in einer „Notwehrsituation“ gegen den geparkten BMW aus dem Nachbarviertel befunden habe.

Fast symptomatisch ist das, was unter den Masken und Helmen der sich in Gruppenstärke so unglaublich stark fühlenden Kämpfer gegen Kapitalismus, Globalisierung und Fußpilz zum Vorschein kommt: Kevin, 19 Jahre, wohnt bei Oma. Testosteron alleine ist halt auch kein politisches Programm.

Gewiefte Machttaktik?

Möglicherweise ist Bundeskanzlerin Merkel mit der Wahl des Austragungsorts für die G20-Krawalle sogar ein besonderer Coup gelungen. Dass ein G20-Gipfel nicht ohne Randale abläuft, ist seit Jahren so sicher wie das Amen in der Kirche. Die Freie und Hansestadt Hamburg ist nicht nur eine der Hochburgen des Linksextremismus in der Republik, sondern zudem ein SPD-geführtes Bundesland.

An der Spitze steht mit dem Ersten Bürgermeister Olaf Scholz einer, der als Hoffnungsträger der Sozialdemokraten gilt und dem man durchaus zutrauen konnte, den glücklos agierenden Brüsseler Apparatschik Schulz nach der Bundestagswahl zu beerben. Zwar liegt das Erstarken der linksextremen Szene sicher in der Verantwortung der Bundespolitik, die in ihrem „Kampf gegen rechts“ den militanten Linksextremismus bislang zu verharmlosen schien. Die Polizeiarbeit vor Ort dagegen ist Ländersache. Sofort deuteten die Finger auf den Ersten Bürgermeister, der – schwupps – den Schwarzen Peter zugeschoben bekam.

Der Makel der Hamburger Chaostage wird an Scholz für Jahre kleben. Wer also der Meinung ist, man hätte keinen schlechteren Tagungsort als Hamburg wählen können, dem könnte man auch entgegenhalten, dass man aus machttaktischem Kalkül kaum einen besseren Ort als eine SPD-regierte Stadt hätte aussuchen können. Nicht nur, dass Scholz beschädigt wurde, gleichzeitig nötigte man Schulz auch noch eine Debatte über die innere Sicherheit auf – ein Thema, das nicht gerade zu den SPD-Kernkompetenzen gehört.

Keine Marktwirkung

Die Börse nahm die bürgerkriegsähnlichen Zustände in der Freien und Hansestadt gelassen hin. Solange so etwas nicht flächendeckend passiert, sehen die hartgesottenen Marktteilnehmer keinen Anlass zur Beunruhigung. Außerdem waren G20-Krawalle alles andere als überraschend, so dass sich die Märkte im Vorfeld ohnehin darauf haben einstellen können, falls das Thema denn überhaupt für börsenrelevant gehalten wurde. Einzig das konkrete Ausmaß übertraf die Erwartungen im Vorfeld. Aber selbst Versicherungs- und Rückversicherungsaktien reagierten unbeeindruckt.

Was die Börse dagegen durchaus bewegen kann, sind überraschende Ereignisse. Die gleiche Straßenschlacht als spontanes Ereignis hätte wohl manchem die Sorgenfalten über den Zustand der Republik auf die Stirn getrieben. Ein solches Ausmaß gut organisierter Angriffe dürfte jedoch kaum als „spontaner Protest“ glaubhaft zu inszenieren sein.

„The Donald“ vs. Fed: Runde 2

Bereits seit dem Amtsantritt von Donald Trump wird intensiv über dessen Verhältnis zur Federal Reserve und deren Vorsitzende Janet Yellen diskutiert. Denn Yellen und die weiteren Mitglieder des Fed-Offenmarktausschusses haben kaum eine Gelegenheit ausgelassen, auf Opposition zu Trump zu gehen. Mehrmals erklärten Sie öffentlich, mögliche fiskalpolitische Stimuli der Trump-Administration bewusst durch höhere Zinsen zu konterkarieren.

Nach Informationen des in Washington gut informierten Portals Politico ist zwischenzeitlich relativ klar, dass Trump Yellen nicht für eine zweite Amtszeit nominieren wird. Stattdessen gilt sein heutiger Berater Gary Cohn als aussichtsreicher Nachfolger ab Februar 2018. Es gilt zudem als relativ gesichert, dass Cohn die Zustimmung des Senats bekommen würde. Interessant an der Personalie ist vor allem die frühere Tätigkeit Cohns für Goldman Sachs sowie die Tatsache, dass er kein Ökonom ist.

Trump dürfte weiterhin niedrige Zinsen präferieren, ein Interesse, das er mit Cohns ehemaligem Arbeitgeber teilen dürfte. Die Zinsnormalisierung, die Yellen zuletzt begonnen hat, könnte unter ihrem Nachfolger also noch einmal auf den Prüfstand kommen.

Zuckungen in Bodennähe

Während der DAX sich inzwischen wieder aus der Gefahrenzone von 12.390 Punkten (wir berichteten in den letzten Ausgaben des SIW) nach oben lösen konnte, zeigt sich aktuell auch eine erste Stabilisierung bei den Edelmetallen. In den letzten Tagen gab es bei zahlreichen Minenaktien erste positive Zuckungen in Bodennähe. Aber auch Gold selbst (vgl. Abb.) verlangsamt zumindest die Abwärtsbewegung der letzten Tage.

Nach dem Bruch der roten Trendlinie, die man auch als Nackenlinie einer ziemlich windschiefen Schulter-Kopf-Schulter-Formation interpretieren könnte, blieb zumindest der an einem solchen Punkt zu erwartende Kurssturz aus. Es dürfte zu früh sein, jetzt bereits die große Trendwende auszurufen – ehrlicherweise sah uns der Goldmarkt in der jüngeren Vergangenheit schon mehrfach danach aus, als würde er nun seinen Abwärtstrend beenden, was er jedoch letztlich doch nicht tat.

Dennoch sind viele Titel des Sektors – im Gegensatz zu vielen anderen Aktien – durchaus preiswert. Sobald der Trend tatsächlich endet, geht es in diesem marktengen Bereich erfahrungsgemäß recht zügig in die Gegenrichtung, Man sollte die Sache also im Auge behalten.

Fazit

Alle doof, außer „Mutti“.

Ralph Malisch, Christoph Karl – Homepage vom Smart Investor

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