Schuss vor den Bug: Deutliche Warnsignale gegen ein „Weiter so!“ an den Aktienmärkten

30. Januar 2014 | Kategorie: Gäste

vom Smart Investor

Das Jahr 2014 fängt in vielerlei Hinsicht nicht gut an. Die Börsen schaffen es einfach nicht, Tritt zu fassen. Inzwischen sind die steilsten Aufwärtstrends stark angekratzt bzw. gebrochen. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos wiesen zudem mehrere der führenden Beobachter auf die enormen Verspannungen in der Welt hin und zogen Parallelen zwischen dem Kriegsjahr 1914 und 2014…

Schon der Start ins neue Jahr war an den Aktienmärkten holprig. Der erste Handelstag brachte mit einem Minus von 1,6% die größte Kursbewegung seit Wochen – und die ging auch gleich nach unten. Wir hatten bereits die besonderen Auswirkungen des Jahreswechsels auf Trends diskutiert. Wenn die Trends unangefochten wären, dann hätte man nach diesen Verwerfungen einfach zur Tagesordnung übergehen können. Ging man aber nicht.

Stattdessen kam es am vergangenen Freitag zu einem weiteren Rückschlag und der hatte es in sich: Minus 2,5% standen am Ende des Tages auf dem Zähler und damit ist der Januar wieder auf negativem Kursterrain. Die magische Marke für eine positive Januar-Bilanz liegt beim Vorjahresschluss von 9.552,16 Punkten.

Mit dem heutigen erneuten Absturz ist diese Marke erst einmal in weite Ferne gerückt – zumal der Januar noch ganze zwei Handelstage hat. Wir wären also aller Voraussicht nach im ersten Börsenmonat des neuen Jahres per Saldo mit sinkenden Kursen konfrontiert, was in der weitesten Fassung des Januar-Effekts – „Wie der Januar, so das Jahr“ – keine guten Aussichten für das Börsenjahr 2014 erwarten lässt. Dies ist allerdings nur ein Mosaiksteinchen, das in das Gesamtbild einfließt. Die landauf, landab propagierte Alternativlosigkeit von Aktien sehen wir so jedenfalls nicht.

Trends nur noch teilweise intakt

Jetzt ist also nicht Alternativlosigkeit sondern ein wachsames Auge auf die weitere Entwicklung gefordert. Nicht nur die beiden eingangs erwähnten Handelstage – sondern auch der heutige – haben erneut sehr eindringlich gezeigt, wie schnell und scheinbar widerstandslos sich die Abwärtsdynamik Bahn bricht.
Heute wurde erneut der steile Aufwärtstrend verletzt. Wie es zur Stunde aussieht, schließen wir auch unter dieser Trendlinie (vgl. Abb., untere grüne Begrenzung des Aufwärtskanals), nachdem diese bereits am Montag im Verlauf des Handels kurzzeitig unterboten wurde.

2014-01-29_DAX

In der heutigen Sitzung war sogar gegenüber dem gestrigen Schlusskurs zunächst ein sogenanntes Aufwärts-Gap zu beobachten. Aufgrund der Lage dieser Kurslücke war allerdings von vornherein auszuschließen, dass es sich dabei um ein dynamisches Breakaway-Gap nach oben handeln würde. Vielmehr war es ein typisches sogenanntes Common-Gap, das noch im Sitzungsverlauf geschlossen wurde. Möglicherweise – und darauf deutet der weitere Kursverlauf hin – handelt es sich sogar um eine sogenannte Erschöpfungslücke. Die nächste bedeutende Aufwärtstrendlinie verläuft übrigens derzeit im Bereich zwischen 8.900 und 9.000 Punkten (vgl. Abb., blaue Linie).

Hat es Amerika besser?

In Amerika ist das Bild, gemessen am S&P500-Index, übrigens ganz ähnlich, wobei es sich hier allerdings um einen reinen Kursindex handelt, dem im Gegensatz zum DAX, der als Performance-Index ausgestaltet ist, kein Rückenwind durch die Berücksichtigung von Dividenden beschert wird. Dafür sollen die Amerikaner nun Rückenwind von ihrem Präsidenten erhalten, der in seiner gestrigen „State of the Union“-Ansprache zur Lage der Nation dem Wahlvolk „Action“ versprach.

2014-01-29_SP500

So soll der Mindestlohn erhöht werden, wodurch sich diese ökonomische Totgeburt einer weiteren Aufwertung durch den Zeitgeist erfreut. Traurig, dass man selbst im Land der ehedem „unbegrenzten Möglichkeiten“ nur noch mit kollektivistischen Ideen und natürlich mit noch viel, viel mehr „Sicherheit für die Bevölkerung“ punkten kann. Freiheit und Abenteuer werden diese Woche jedenfalls auch dort mit dem „Marlboro Man“ zu Grabe getragen – der 72jährige Eric Lawson erlag einem Lungenleiden… (Seite 2)

 

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8 Kommentare auf "Schuss vor den Bug: Deutliche Warnsignale gegen ein „Weiter so!“ an den Aktienmärkten"

  1. wolfswurt sagt:

    „Erschöpfungslücke“ – interessante Wortkreation.

    In einer Lücke befindet sich ja eigentlich nichts.
    Das würde jetzt bedeuten auch ein Nichts kann erschöpft sein.
    Spinnt man das nun weiter dann wäre es vorstellbar, daß die Lücke an Klugheit bei den Obrigkeiten permanent erschöpft sein muß.

    Insofern wäre der heutige Zustand, der auf den Handlungen und Entscheidungen von sich für elitäre haltenden Obrigkeiten beruht, erklärt.

    Obama´s Ankündigung von Action und der Forderung nach 10$ Mindestlohn entspringt wahrscheinlich auch einer Lücke.

    • Michael sagt:

      Noch dazu kommt die Ankündigung Bürgern deren Arbeitgeber in keine Pensionsfonds einzahlen mit Staatsanleihen zu einer attraktiven Rendite zu versorgen. Hörte ich … ob jetzt Zins oder Rendite gemeint war, keine Ahnung.

  2. bluestar sagt:

    Natürlich muss der Masse der Mindestlohn als Heilsbringer versprochen werden. Die
    letzte Nische von Marktwirtschaft muss konsequent ausgerottet werden. Schließlich befinden wir uns auf dem besten Wege zum Staatsmonopolismus, der alle gesellschaftlichen Bereiche überwacht, plant, steuert und umverteilt.
    Da braucht man keinen Widerstand in der Gesellschaft, sondern eine mit Mindestlohn und weiteren staatlichen (steuer- und schuldenfinanzierten) Wohltaten ruhiggestellte Masse.
    Bei den nächsten Wahlen kommt dann der Dank garantiert zurück.

  3. Lickneeson sagt:

    Eigentlich taucht das „Exhaustion Gap“ ja am Ende einer Bewegung auf, die Phase wo Kleinanleger von Instis Bestände kaufen. Die Kurse kamen zwar zurück, die vorherige Bewegung war aber abwärts gerichtet. Egal, hauptsache es scheppert.

    Mindestlohn: Ein leidiges Thema. Ich bin dafür und ich halte diese 8,50( in Deutschland) für lässig bezahlbar von der Industrie. Das ewige Gejammer, damit würde man den Standort BRD ruinieren ist Fuggermentalität. Diese paar Euros könnte man ja aus den Nebenverdiensten und „Aufwandsentschädigungen“ einiger Politiker finanzieren. In den USA reichen sicherlich einige Prozent des Rüstungsetats um derartiges nebst einer medizinischen Grundversorgung zu bezahlen ohne in den Sozialismus zu mutieren.

    MfG

    • Michael sagt:

      Das denke ich wohl auch. Man sollte bedenken wohin das ganze führt. Wenn die Globalisierung stockt und das tut sie müssen wir über die Zeit Wirtschaft und Banken retten. Da muss man es sich vorher gut gehen lassen. Mein kann Umsatz und Profite nicht herbeisparen … das werden dann mal auch die Dümmsten begreifen, wenn die Konzerne zusammenbrechen in ein paar Jahren.

    • Skyjumper sagt:

      Mindestlohn? Ein leidiges Thema: Und ich bin dagegen 🙂 ……um Ihre Wortkette aufzunehmen.

      Nein, es geht mir dabei keinesfalls um die Mehrkosten die der Wirtschaft entstehen, dass könnte/kann die Wirtschaft gut vertragen. Und ich halte es für eine Riesensauerei wenn jemand mit dem Lohn von 40 Wochenstunden nicht anständig über die Runden kommen kann. Insofern sind 8,50 €/Stunde bez. 10,- $/h wohl wirklich eher die Untergrenze.

      Es ist allerdings nicht Sache des Staates dies durch Lohnvorschriften sicherzustellen. Der Staat hat vielmehr für Rahmenbedingungen Sorge zu tragen in denen der Arbeitnehmer eine Chance hat seine Ware zu fairen Bedingungen zu verkaufen ohne dass ihn die Gegenseite der Arbeitgeber durch billige und noch billigere Arbeitnehmer aus dem Ausland auskontern kann. DAS wäre die Aufgabe des Staates. Nicht die Förderung von Zuwanderung, sondern die Verhinderung (ich spreche hier nicht vom Asylrecht). Dann würden die Arbeitgeber nämlich ganz von alleine liebend gerne mehr zahlen und sie würden auch liebend gerne eine Ausbildungs- und Qualifizierungsinitiative starten. Und solange sich eine solche Entwicklung in vernünftigen Bahnen abspielt würden es sich die meisten Unternehmen auch 3x überlegen, ob sie deswegen ins Ausland abwandern was von den Rahmenbedingungen häufig unkalkulierbarer ist.

  4. Lickneeson sagt:

    @skyjumper

    Da bin ich zu 100 % bei Ihnen. Aber da das nicht geschieht, auch dank der Lobbyarbeit der Unternehmen bleibt meines Erachtens (erstmal) nur der Mindestlohn, der ja kaum zum Leben, geschweige denn für eine solide Rente ausreicht. Aber Rentenprobleme sind ja für Politiker Zukunftsprobleme, die man gerne den nächsten Generationen überlässt.
    MfG

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