Schuldenkrise? Guthabenkrise!

23. November 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Hängt Ihnen das Wort „Schuldenkrise“ auch zum Halse heraus? Wie wäre es mal mit dem Begriff der „Guthabenkrise“? Das träfe den Kern mindestens ebenso wie der Begriff der „Schuldenkrise“…

Schulden, Schulden, Schulden… Was für eine Tristesse. Was? Sie haben keine Schulden, sondern Erspartes? Guthaben! Guthaben! Guthaben? Das ist ja noch schlimmer! Sie sind ein Horter! Noch schlimmer! Aber nicht mehr lange…

Wenn das heutige Geld, oder das, was wir so nennen, Schuldgeld ist, also die Schulden der einen, die Guthaben der anderen sind, wird das mit den Schulden völlig übertrieben. Aber solche Schlagzeilen machen viel mehr als Jammerberichte über eine Minderheit, die um ihre Guthaben fürchtet.

Da auf der Gegenseite der Schulden die Guthaben liegen, und das inzwischen auch noch so konzentriert, dürften einige mit dem Plus auf dem Konto längst in Hitzewallungen gekommen sein, oder die Flucht angetreten haben, während die Schuldner nach und nach die Zinsen nicht mehr aufbringen können.

Weshalb diese Guthaben bei so wenigen Leuten sich angehäuft haben, dürfte in der Verantwortung des Zinses liegen. Der Teufel hat immer schon auf den größten Haufen gemacht, und irgend jemand muss diese Zinsen ja bezahlen. Dumm nur, wenn es unmöglich geworden ist.

Eigentlich müsste deshalb das Finanzsystem längst schon in Scherben liegen, und der sogenannte Markt hätte sich bereinigt. Wirklich neue Nachschuldner in einem Schuldgeldsystem sind derzeit nicht wirklich in Sicht. Oder doch? Hallo EZB! Da es Dich schon mal gibt und Zentralbanken sich bis zum Sankt Nimmerleins-Tag verschulden können, denn sie besitzen ja das Monopol auf die Geldschöpfung und wir hätten noch jemanden, der sich verschulden kann. Doch Moment! Später vielleicht… sicherlich sogar…

Bis dahin kann der Staat über die Sicherheit der künftigen Steuern Schulden aufnehmen und sich auf dieser „Sicherheit“ verschulden – jedoch gleichzeitig diese Abgaben auf allemöglichen Arten und unter mannigfaltigen Vorwänden abholen – direkt und indirekt. Natürlich geht das nicht in Griechenland oder Spanien. (Eigentlich weigere ich mich, das Wort „Geld“ zu benutzen. Es sind Kontrakte – irgendwelche Verpflichtungen, die funktionieren, solange auch der Kettenbrief funktioniert) Wenn es in Deutschland nach offizieller Lesart 4,8 Billionen Euro Guthaben gibt, könnte der Staat sich davon doch die Hälfte davon abholen? Vielleicht über die Hintertür?

Kampf den Sparern

Wenn ich spare, muss sich ein anderer verschulden. Wenn niemand sparen würde, gäbe es auch keine Schulden. Seltsam. Wer also etwas auf der hohen Kante hat, wofür auch immer, und nur, weil es für spätere Zeiten gedacht ist, ist doch eigentlich böse. Oder nicht? Demjenigen, der Guthaben hat, kann man diese wegsteuern und abnehmen – wie bei einer Vermögensabgabe. Die Grünen haben da schon was in der Schublade. Nach der Wahl, und es scheint gleich zu sein, wen man wählt, wachsen die Begehrlichkeiten auf diese Guthaben. Welcher Schuldner würde dagegen protestieren? Sehen Sie! Wenn es genügend Schuldner gibt und sie in der Mehrheit sind, erst recht nicht.

Doch es geht auch anders nicht…

Legt man seine Ersparnisse aufs Konto, gibt es 0,2 Prozent Zinsen, teilte mir meine Bank heute mit. Und dabei habe ich schon Glück.

Wieso eigentlich nicht sein Bargeld von der Bank holen, es aus dem Bankensystem ziehen und in ein Schließfach einsperren? Wer mir für mein Geld nix gibt, soll auch nicht damit arbeiten!

Bei einer offiziellen Teuerungsrate von 2,6 Prozent, verbrenne ich jeden Tag Kaufkraft. Die meisten merken es (noch) nicht. Vermutlich sind die Inflationsdaten wie fast alles etwas hübsch gerechnet. Sollten Sie etwas anderes empfinden, das Branchenbuch hat sicherlich genügend Adressen von Psychologen parat.

Um höhere Zinsen als Ausgleich für die Teuerung bzw. dem aus der EZB verordneten Kaufkraftverlust zu erhalten, gäbe es doch die Möglichkeit, seine Ersparnisse fest anzulegen, für mehr Zinsen, es also der Bank für ein Jahr oder längere Zeit zu borgen. Witzig! Nähme ich einen Kredit auf, und ich denke nicht daran, müsste ich Sicherheiten bieten. Welche Sicherheiten aber kann mir die Bank bieten? Ich wüsste keine.

Es ist auffällig, wie viele Kreditinstitute von wenig oder noch weniger gutem Ruf derzeit werben, um an die Guthaben der Leute für etwas mehr Zins zu kommen. Und genügend Leute fallen auch darauf herein.

Borge ich das Geld dem Staat, warum sollte ich das tun, bekommt man im zweijährigen Anleihebereich gar nichts – im Gegenteil: Man zahlt sogar Geld, um ihm das borgen zu dürfen. Das ist verrückt! Oder steht in den Charts wirklich schon die neue D-Mark, die aufwerten würde?

Im 5-jährigen Bereich bekommt man derzeit 0,35% Rendite. Für zehn Jahre immerhin schon 1,42 Prozent – aber weit weniger, als die Kaufkraft verschwindet. Wer investiert in so etwas? Es sind Kapitalsammelstellen, die das Geld ihrer nichts ahnenden Sparer angeblich mehren und eigentlich verfeuern, denn die haben Vorgaben, in was sie diese Gelder leiten müssen – in sichere Anlagen, also das Anleihe-Teufelszeug. Und dann überschwemmen sie die Zeitungsseiten mit ihren Krokodilstränen wegen der niedrigen Zinsen. Zum Glück ist es ja nur das Geld derer, die ihnen das Zeug monatlich vom Konto abbuchen und zur Verwaltung anvertrauen – in der Hoffnung, davon später mal einen schönen Lebensabend zu verbringen. Wieso kaufen diese Kapitalsammelstellen nicht die tollen Auszahlungsprofile der Zertifikateindustrie? Vielleicht sind sie zu unsicher und nur für Privatanleger gedacht. Wer weiß…?

Ersparnisse haben heute fast überall eine negative Rendite – gleich, was man macht. Vielleicht fährt man mit Whiskey oder Bordeaux-Weinen besser. Zumindest behalten diese Dinge ihren Wert. Immobilien sind eigentlich nur Verbrauchsgegenstände und nicht gerade mobil. Ihr Preis schwankt.

Die niedrigen Zinsen der EZB und der reale Kaufkraftverlust vor allem erst nach Steuern wird innerhalb weniger Jahre die Leute dann zu Spekulanten machen – oder machen müssen. Die einen verschulden sich, in der Hoffnung, die Inflation frisst die Schulden auf. Andere kaufen Gold – in der Hoffnung, das gelbe Metall gleicht den Kaufkraftverlust aus. Doch wer macht sich überhaupt schon Gedanken um Preis und Wert? Wer zwischen den beiden Begriffen nicht zu unterscheiden vermag, der wird das später um so besser können – am Tage der Abrechnung.


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